Rückblick

Mein Lesemonat November

Ich kann gar nicht so richtig glauben, dass der vorletzte Monat des Jahres 2017 bereits um sein soll. Zwar freue ich mich schon sehr auf die Weihnachtszeit, aber irgendwie hat das Jahr doch gefühlt eben erst angefangen – ich glaube, 2017 ist irgendwie zwischen meiner Bachelorarbeit, dem Studiumsabschluss und -beginn und auch sonst jede Menge größerer oder kleinerer Stressquellen einfach untergegangen. Auch blog- und lesetechnisch macht sich das bemerkbar – irgendwie warte ich seit Januar darauf, dass das Jahr endlich mal ruhiger wird und ich wieder etwas Zeit zum Lesen und vielleicht auch für ein paar kreative Blogposts habe, aber es kommt einfach nicht dazu. Auch diesen Monat habe ich deshalb – abgesehen von „Die Arena“, welches ich schon letzten Monat begonnen und fast fertig gelesen habe – nur vier wirklich sehr kurze Bücher beenden können, von denen ich hier auch nur zwei rezensiert habe. Trotzdem habe ich ein dabei ein paar Schätze entdecken dürfen, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte!

Die Arena – Stephen King
(1277 Seiten)

Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch – Alexander Solschenizyn
(158 Seiten)

Ali und Ramazan – Perihan Mağden
(192 Seiten)

Boris Godunow – Alexander Puschkin
(210 Seiten)

Demetrius – Friedrich Schiller
(143 Seiten)

Insgesamt sind das 1980 Seiten – tatsächlich gelesen habe ich wie gesagt aber deutlich weniger, denn den Großteil von „Die Arena“ habe ich noch in den Oktober gepackt und vor allem die beiden Reclams, „Boris Godunow“ und „Demetrius“, schummeln in dieser Hinsicht mit ihren unheimlich umfangreichen Anhängen ein bisschen.

Highlights und Enttäuschungen

Ein absolutes Highlight diesen Monat war für mich ganz ohne ZweifelEin Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ von Alexander Solschenizyn. Meine Mama hatte mir das Buch schon vor Jahren ans Herz gelegt, aber irgendwie habe ich es dann doch nie gelesen – bis jetzt. Trotz seiner Kürze war es unheimlich eindringlich, spannend und erschreckend – ich bin wirklich begeistert von dem, was Solschenizyn da in nur etwas über 150 Seiten geschaffen hat und ich kann es gar nicht erwarten, noch mehr von ihm zu lesen.

Außerdem wirklich begeistern konnte mich überraschenderweise „Boris Godunow“ von Alexander Puschkin. Ich bin normalerweise kein großer Fan davon, Dramen zu lesen – vielleicht mangelt es mir einfach an Fantasie, aber ohne passende Inszenierung bin ich einfach nicht in der Lage, mich zu hundert Prozent in den Text einzufühlen, irgenwie fehlt einfach immer was. Ich glaube, „Boris Godunow“ ist tatsächlich das erste Drama seit Goethes „Faust“, das mir beim Lesen richtig Spaß gemacht hat – es war spannend, komisch, tragisch, unterhaltsam, hatte kurz gesagt einfach wirklich alles, was dazugehört!

Auch sehr viel Spaß gemacht hat mir natürlich mein Reread von „Die Arena„, welchen ich sehr genossen habe! Wirklich schlimme Enttäuschungen waren diesen Monat glücklicherweise nicht dabei – allerdings konnte Schillers „Demetrius„, der den gleichen historischen Stoff verarbeitet wie „Boris Godunow“, mich, wie ich das von Dramen eben gewohnt bin, nicht ganz so begeistern. Auch mit Ali und Ramazan“ von Perihan Mağden  hatte ich ein paar Probleme – zwar fand ich sowohl Charaktere als auch Schreibstil sehr interessant und gut, aber vor allem der Umgang mit Homosexualität im Roman, sowie die penetrante Verwendung von homofeindlichen Schimpfwörtern, haben mich doch sehr gestört. Auch jetzt, zwei Wochen nachdem ich das Buch beendet habe, weiß ich deshalb noch nicht so recht, was ich darüber denken soll.

Erreichte Leseziele

So wenig wie ich diesen Monat gelesen habe, bin ich eigentlich überrascht, wie gut ich mich an meine Leseziele gehalten habe! Ein Buch von meiner Leseliste war zwar nicht dabei, dafür hatte ich mit Schiller einen deutschen Autor, „Ali und Ramazan“ war ein Buch mit gleich zwei nicht-weißen nicht-heterosexuellen Protagonisten und mit „Demetrius“ und „Boris Godunow“ waren zwei Klassiker dabei. Zwar standen Dramen nicht auf meiner Liste von Buchformen, denen ich mehr Aufmerksamkeit widmen will – hierhin haben es nur Gedichtbände, Graphic Novels und Sachbücher geschafft – aber eigentlich gehören sie für mich doch irgendwie dazu. Der Grund, warum ich mir nicht vorgenommen habe, dieses Jahr ein Drama zu lesen, war nämlich, dass ich das einfach nur für absolut unrealistisch gehalten habe – tja, jetzt habe ich mich wohl selbst eines Besseren belehrt! Zudem habe ich diesen Monat ganze drei Bücher gelesen die zur #RussianReadingChallenge passen – zwei von russischen Autoren und mit „Demetrius“ noch eines, das zumindest von russischen Themen handelt.

Was ich nächsten Monat lesen möchte

Ich glaube, nächsten Monat sind vor allem Bücher dran, die diesen Monat liegen geblieben sind – ich habe mir Anfang November einen ganzen Haufen an Büchern zusammengesucht, auf die ich Lust hatte, unter anderem auch eine Menge Bibliotheksbücher und im Endeffekt kaum welche davon gelesen. Ich möchte mir für den Dezember aber buchtechnisch auch gar keinen Stress mehr machen und einfach ein bisschen lesen, was mir so in die Hände fällt – ich denke, ich werde „Kernstaub“ in den nächsten Tagen beenden und hoffe auf jeden Fall, auch dieses Jahr wieder „Dash and Lily’s Book of Dares“ unterzukriegen, welches ich schon seit ein paar Jahren immer zu Weihnachten lese, aber sonst habe ich mir noch nichts fest vorgenommen.

Was habt ihr denn im November so gelesen, und was habt ihr für den Dezember geplant? Habt ihr auch ein Weihnachtsbuch, das ihr jedes Jahr wieder lest, oder lest ihr zu dieser Jahreszeit generell gerne thematisch zum Fest passende Bücher? Freut ihr euch auch schon so auf Weihnachten und seid ihr schon in Stimmung? Oder feiert ihr Weihnachten vielleicht gar nicht und seid eher genervt von dem ganzen Rummel? Lasst es mich wie immer gerne in den Kommentaren wissen!

Rezension

Ali und Ramazan

von Perihan Mağden

Originaltitel: Ali ile Ramazan

suhrkamp nova Verlag, 192 Seiten

Preis: TB: 13,95€; eBook: 11,99€

Inhalt

Ali und Ramazan wachsen zusammen in einem Waisenhaus in Istanbul auf. Aus der spontanen Zuneigung entwickelt sich eine Liebe ebenso zärtlich wie grausam. Als sie mit 18 Jahren in eine ungewisse Zukunft entlassen werden, gibt ihnen nur diese Liebe Kraft. Doch der Traum vom Glück zu zweit währt nicht lang. Ramazan, der für beider Unterhalt sorgt, gleitet ab in die Welt der Stricher, während Ali seine Einsamkeit mit Drogen und dem Schnüffeln von Lösungsmitteln betäubt. Eine Katastrophe bahnt sich an…

Meine Meinung

Ich habe „Ali und Ramazan“ vor ein paar Wochen zufällig auf einer Liste mit queeren Buchempfehlungen gefunden und es mir dann relativ spontan aus der Bücherei mitgenommen. Ich hatte zuvor noch nie etwas davon gehört und auch noch nie etwas von Perihan Mağden gelesen, weswegen ich auch keine großen Vorstellungen oder Erwartungen an das relativ schmale Buch hatte – ich wollte mich einfach darauf einlassen und sehen, wohin es mich führt.

Dass ich „Ali und Ramazan“ beendet habe liegt nun schon fast zwei Wochen zurück, und ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich nun eigentlich über das Buch denke.
Ich habe mich quasi von Anfang an in die beiden Protagonisten verliebt, die Mağden in wenigen Worten so eindringlich charakterisiert, dass man sofort das Gefühl hat, sie zu kennen. Ich mochte auch die emotionale, bildreiche Weise, auf die der Roman geschrieben ist, sehr gerne, obwohl der Schreibstil die Balance zwischen poetisch und kitschig nicht immer ganz meistert. Zwischendurch haben einige Sätze sich dann doch recht holprig gelesen – hier bin ich mir aber ziemlich sicher, dass das eher an der Übersetzung als am Text selbst liegt.
Die Geschichte war – obwohl man von vornherein ahnt, dass es im Grunde kein wirklich gutes Ende für sie geben kann – unheimlich mitreißend. Sie war jedoch auch wirklich sehr tragisch, schwer und dramatisch, und das ist irgendwie fast mein größter Kritikpunkt an dem Buch. Ali und Ramazan haben von Anfang an keine Chance – vor allem, weil sie Waisenkinder sind, um die niemand sich schert. So weit, so gut – im Roman kam es für mich aber stellenweise beinahe so rüber, dass sie deshalb keine Chance haben, weil sie schwul sind. Und in diesem Sinne auch nicht, weil sie schwul in einer homofeindlichen Gesellschaft sind, sondern einfach nur, weil sie schwul sind. Es mag sein, dass ich in dieser Hinsicht auch nur übermäßig empfindlich bin, aber tatsächlich kommen in „Ali und Ramazan“ eine ganze Menge schwuler Männer vor, und keiner von ihnen gibt auch nur ein halbwegs positives Bild ab. Ich glaube nicht, dass Mağden das beabsichtigt hat, da ihr Vorwort eigentlich sehr laut und klar genau dagegen angeht, aber ich fand es dennoch irgendwie problematisch – vor allem, da Mağden selbst ja offensichtlich kein schwuler Mann und diese Zuschreibung von außen also meiner Meinung nach wirklich… schwierig ist.
Dazu kommt noch, dass im Roman oft homofeindliche Schimpfwörter verwendet werden, die ich so eigentlich von niemandem hören möchte, der nicht selbst von eben diesen Schimpfwörtern betroffen ist. Vor allem gestört hat mich hier, dass diese auch oft auf sehr negative Weise zur Abgrenzung vor sich selbst verwendet wurden. Klar verstehe ich, vorauf Mağden hinauswollte – auf die Schwierigkeit, die eigene Identität in einer homofeindlichen Gesellschaft zu akzeptieren – Sätze wie „Ich bin keine Schw*chtel, wir sind einfach  nur ineinander verliebt.“ finde ich von einem nicht homosexuellen Autor aber trotzdem mehr als nur daneben, vor allem, da gerade in dieser Hinsicht im Buch eigentlich gar keine Entwicklung stattfindet. Auch hier ist mir natürlich klar, dass ich nur eine Übersetzung gelesen habe – vielleicht ist das Ganze im Original weniger problematisch, mir ist es bei meiner Lektüre aber auf jeden Fall stark aufgefallen.

Alles in Allem stehe ich „Ali und Ramzan“ also wie ihr seht wirklich sehr zwiespältig gegenüber. Einerseits ist es ein wirklich sehr besonderes Buch, das einem in Erinnerung bleibt, andererseits gibt es aber eben doch Dinge, die mich sehr gravierend gestört haben. Ich kann auch ehrlich nicht sagen, ob ich das Buch weiterempfehlen würde oder nicht – ich fände einen Vergleich von Original und Übersetzung aber auf jeden Fall sehr interessant.

Rezension

Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch

von Alexander Solschenizyn

Originaltitel: Один день Ивана Денисовича / Odin den' Ivana Denisoviča

Bertelsmann Verlag, 158 Seiten

Preis: Gebunden: ab 4,99€, TB: ab 9,99€, eBook: 9,99€

Inhalt

Dreitausendsechshundertdreiundfünfzig Tage wird S 854 in Haft verbringen – Tage, die bestimmt sind von einem kaum zu bewältigenden Arbeitspensum, von Hunger und Entbehrung. Von einem dieser Tage in einem der Lager des Gulag handelt Alexander Solschenizyns Erzählung. Vom Weckruf bis zum Löschen des Lichts beschreibt er den Alltag von Iwan Denissowitsch, schildert die Sorgen und Nöte des Inhaftierten – keine Grausamkeiten, sondern die täglichen Schikanen, aber auch die Freude über fünf Minuten Ruhe oder über eine Schüssel Suppe.

Meine Meinung

Ich habe fünf von Alexander Solschenizyns Büchern in meinem Regal stehen, die ich alle von meiner Mama bekommen und von denen ich mich bisher an keines herangewagt habe. Im Rahmen der #RussianReadingChallenge habe ich mir jetzt aber doch einen Ruck gegeben und mit „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ den Anfang gemacht!

Die Erzählung berichtet über einen Tag des Lagerinsassens Iwan Denissowitsch Schuchow, der den Großteil seiner 10 Haftjahre bereits abgesessen hat – über keinen außergewöhnlich schlechten, vielmehr wohl sogar einen außergewöhnlich guten Tag, und genau das ist es, was das Ganze so eindringlich und beklemmenend macht.
Auf nur etwa 150 Seiten beschreibt Solschenizyn – der als Systemkritiker übrigens selbst acht Jahre seines Lebens in sovjetischen Arbeitslagern verbrachte – diesen Tag, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen Schuchows. Was zunächst noch sehr weit weg erscheint entfaltet dabei – beinahe, ohne dass man es merkt – schon bald Schicht für Schicht den vollen Umfang seiner Trost- und Hoffnungslosigkeit. Seite um Seite wird einem immer mehr und immer tiefer bewusst, dass die geschilderten Bedingungen und Ereignisse nicht bloß vergangene, fast theoretisch anmutende Geschichte sind – die Westeuropäern im Vergleich mit den deutschen Konzentrationslagern vielleicht ohnehin gar nicht so außergewöhnlich schlimm erscheinen – sondern, dass tatsächlich reale, lebendige Menschen unter ihnen leiden mussten.
Hunger, Kälte und Perspektivlosigkeit sind es, die den Alltag der Häftlinge im Gulag dominieren – und doch ist „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ kein aufrührendes, Unrecht verurteilendes, nach Veränderung rufendes Buch. Im Grunde ist es, wenn man die Thematik bedenkt, auf den ersten Blick nicht einmal besonders deprimierend – es gibt keine Toten, keine allzu grausamen Aufseher oder Misshandlungen, und tatsächlich ist der Protagonist bis auf einen kleinen Kommentar an der ein- oder anderen Stelle meist schlichtweg zu fokussiert auf das, was er gerade tut, um sich großartig mit der grauen Tristesse und der Unmenschlichkeit seines Lebens zu beschäftigen. Gerade Schuchows Akzeptanz seiner Lage ist es jedoch, die eben diese Gedanken umso lauter erklingen lassen.

„Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“ geht unter die Haut. Es ist ein schmerzhaft ehrliches Abbild sovjetischer Gulags, das gerade deshalb so erschreckend ist, weil es sich schlicht und ergreifend wirklich keine besondere Mühe gibt, erschreckend zu sein. Es ist ein Buch, das auch lange, nachdem man es zur Seite gelegt hat. noch in einem wirkt – und eines, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich tatsächlich die richtigen Worte dafür finden kann. Solschenizyn jedenfalls ist ein Meister seines Fachs und ich hoffe wirklich, schon bald noch mehr von ihm zu lesen!

Rückblick

Mein Lesemonat Oktober – Rückblick auf den Stephen King Lesemonat 2017!

Hallo, ihr Lieben! Mein Lieblingsmonat ist zu Ende, und obwohl ich mich schon sehr auf Weihnachten freue, bin ich doch ein bisschen traurig – ich liebe einfach die Kürbisse, die Vorfreude auf Halloween und die bunten Blätter, die den Oktober begleiten. Dieses Jahr bin ich sogar noch ein wenig trauriger als sonst, dass es nun bereits November ist, weil ich so sehr mit dem Beginn des neuen Semesters und damit auch dem Beginn meines Masterstudiums beschäftigt war, dass ich den Oktober gar nich so sehr genießen konnte wie sonst.
Auch in meinem Leseverhalten hat sich das gezeigt – sonst habe ich während meiner Stephen King Lesemonate immer außergewöhnlich viel gelesen, das war dieses Jahr leider nicht so. Ein paar Bücher waren es dann aber doch, nämlich diese hier:

Lisey’s Story – Stephen King
513 Seiten

Frühling Sommer, Herbst und Tod – Stephen King
551 Seiten

Brennen muss Salem – Stephen King
735 Seiten

Soralis – Stanisław Lem
283 Seiten

Insgesamt sind das vier Bücher mit gemeinsam 2082 Seiten. In Wirklichkeit waren es noch ein paar Seiten mehr, denn ich habe auch noch meinen Reread von Stephen Kings „Die Arena“ begonnen und mit etwa 800 Seiten bereits 2/3 des Buches gelesen – fertig geworden bin ich damit jedoch diesen Monat nicht mehr.

Highlights und Enttäuschungen

Ein besonderes Highlight ist für mich im Oktober eigentlich nie ein spezifisches Buch sondern immer eher das Gesamterlebnis des #StephenKingMonth. Es macht mir einfach immer noch unheimlichen Spaß, einen Monat lang (fast) nur Bücher meines Lieblingsautors zu lesen und ich freue mich jedes Jahr wieder darauf!

Von meinen #StephenKingMonth Büchern am besten gefallen haben mir dieses Jahr „Lisey’s Story“ und „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ . Ersteres ist ein Roman, der für King beinahe untypisch emotional und persönlich ist – ich habe Liseys Schmerz wirklich mitgefühlt und unheimlich gerne mit ihr zusammen nach und nach ihre eigenen Erinnerungen wiederentdeckt. Die Geschichte sowie auch ihre Protagonistin haben sich ganz leise, Seite um Seite, in mein Herz geschlichen – „Lisey’s Story“ ist definitiv ein Buch, das mir in Erinnerung bleiben wird.

„Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ ist eine Sammlung von vier Novellen: „Pin-Up“, die in einem Gefängnis spielt, „Der Musterschüler“, in dem es um das Böse und einen alten Nazi geht, „Die Leiche“, in der vier Kinder sich aufmachen, einen toten Jungen zu finden, und „Atemtechnik“, in der es um eine schwangere junge Frau geht. Besonders gefreut hatte ich mich mir hier auf „Die Leiche“, deren Verfilmung – „Stand By Me“ – ich schon seit Jahren abgöttisch liebe, und ich wurde nicht enttäuscht. Der Film hält sich wirklich sehr genau an die Novelle, sodass mich rein handlungstechnisch nicht viel Neues erwartet hat, aber in geschriebener Form ist alles noch einmal ein ganzes Stück eindringlicher und emotionaler – ich habe es auf jeden Fall sehr genossen. Außerdem wirklich begeistert hat mich „Der Musterschüler“ – die Geschichte hat mich in all ihrer Grausamkeit komplett in ihren Bann gezogen und einfach nicht mehr losgelassen. Auch „Pin-Up“ habe ich sehr gerne gelesen, einzig und allein für „Atemtechnik“ konnte ich mich so gar nicht erwärmen – es handelt sich hier um eine Art Geschichte in einer Geschichte, und obwohl der Rahmen mir wirklich gut gefallen hat fand ich die darin erzählte Geschichte einfach nur… seltsam und irgendwie sinnlos. Alles in Allem konnte mich die Kurzromansammlung aber wie gesagt wirklich begeistern!

Ein weiteres Highlight diesen Monat war „Solaris“ von Stanisław Lem, eine Uni-Lektüre und das einzige Buch, das ich diesen Monat gelesen habe, welches nicht von Stephen King war. Hier hat mich vor allem die dichte, düstere und beinah bedrückend mysteriöse Atmosphäre begeistert, so wie das unheimlich fremdartige Alien – Stanisław Lem ist wirklich ein Meister seines Fachs und ich freue mich schon sehr darauf, bald noch mehr von ihm zu lesen!

Obwohl das Buch mich nicht ganz so begeistern konnte wie ich erwartet hatte, hatte ich diesen Monat außerdem viel Spaß mit dem „Brennen muss Salem“ Readalong, der im Rahmen des #StephenKingMonth stattgefunden hat! Zwar haben nur zwei oder drei Personen wirklich aktiv teilgenommen, aber es war trotzdem ein tolles Erlebnis, das ich irgendwann gerne noch einmal wiederholen würde!

Erreichte Leseziele

Kurz und knapp: Nada. Ich werde das nächsten Monat auf jeden Fall wieder stärker in Angriff nehmen!

Was ich nächsten Monat lesen möchte

Wie immer nach einem Stephen King Lesemonat habe ich im November wahnsinnige Lust, einfach alles zu lesen – da fällt es mir wirklich schwer, mich zu entscheiden. Wie bereits gesagt möchte ich mich aber wieder verstärkt auf meine Leseziele konzentrieren. Außerdem habe ich durch meine Beschäftigung mit Stanisław Lem meine Liebe zu Science-Fiction wiederentdeckz und zudem – wie oft in den kühlen letzten Monaten des Jahres – total Lust auf ein paar richtig dicke Schmöker bekommen.
Deshalb möchte ich „Kernstaub“ von Marie Graßhoff nun im November unbedingt endlich lesen – nachdem ich es jahrelang nur als eBook besessen habe, habe ich mir den Roman dieses Jahr endlich auf der Leipziger Buchmesse gekauft und will das wunderschöne Buch nun auch endlich zur Hand nehmen. Außerdem würde ich mich gerne an die „His Dark Materials“ Trilogie von Philip Pullman wagen, die auch auf meiner Leseliste für dieses Jahr steht.  Ich habe mir außerdem vor ein paar Tagen einen ganzen Haufen queerer Bücher aus der Bibliothek geholt und hoffe, diese vielleich auch irgendwie unterzubringen – unter anderem „Ali und Ramazan“ von Perihan Mağden, „Die Wälder des menschlichen Herzens“ von Antje Rávic Strubel und „Blau ist eine warme Farbe“ von Julie Maroh, sowie auch ein paar Sachbücher zum Thema Queerness und Theologie. Als allererstes möchte ich aber natürlich meinen Reread von „Die Arena“ beenden. Wie ihr seht habe ich also gerade wirklich Lust auf alles – mal sehen, was ich dann tatsächlich lesen werde!

Was habt ihr im Oktober so gelesen? War irgendetwas schön schauriges dabei? Und was habt ihr euch für den November so vorgenommen? Lasst es mich wie immer gerne in den Kommentaren wissen!

Rezension

Solaris

von Stanisław Lem

List Verlag, 283 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Der Planet Solaris ist von einem Ozean bedeckt – einem Ozean, der auf die physikalischen Verhältnisse ebenso Einfluß zu nehmen scheint wie auf die Wissenschaftler, die ihn von der Raumstation aus untersuchen sollen. Der Psychologe Kris Kelvin wird geschickt, um die seltsamen Vorkommnisse zu klären, aber was ihn erwartet, übersteigt jegliche Vorstellungskraft…

Meine Meinung

Ich belege dieses Semester ein Seminar über Stanisław Lem und habe im Zuge dessen seinen wohl bekanntesten Roman, „Solaris“, gelesen. Ich hatte diesen schon länger auf dem Schirm, bin aber irgendwie nie dazu gekommen, ihn tatsächlich zu lesen, sodass ich mich jetzt umso mehr darauf gefreut habe!

Ich hatte zuerst Bedenken, das Buch könnte vielleicht irgendwie etwas anstrengend werden, da Lem ja eher „gehobene“ Science-Fiction geschrieben hat und diesen Anspruch eben durchaus auch an sich selbst hatte, wurde dann aber glücklicherweise schnell eines Besseren belehrt. Es war auch keineswegs so umständlich geschrieben wie ich das nach der Lektüre einiger seiner Kurzgeschichten erwartet hätte, sondern wirklich einfach nur gut!
Zwar ist „Solaris“ keineswegs ein schnelles, actiongeladenes Buch, dafür umso eindringlicher und atmosphärischer, sodass es zumindest mir zu keiner Sekunde langweilig wurde. Besonders gut hat mir gefallen, wie düster und mysteriös der Roman ist – vor allem zu Beginn habe ich mich stellenweise fast gegruselt, so undurchsichtig und gefährlich schien alles auf diesem fremden Planeten zu sein.
Die handelnden Personen in „Solaris“ sind sehr begrenzt – im Grunde kommen nur die drei Forscher der Raumstation, Snaut, Sartorius und Kelvin, sowie die fremdartige Harey tatsächlich aktiv vor – was diesen Eindruck noch verstärkt. Ich habe mich allen Figuren auf ihre Weise nahe gefühlt – ganz besonders gut gefallen hat mir aber Harey, die sich von der passiven Illusion einer ehemaligen Geliebten zu einer eigenständigen und starken Person entwickelt, die schlussendlich mehr Einfluss auf das Geschehen hat als die drei Forscher zusammen. Tatsächlich habe ich die Geschichte vor allem als eine der Befreiung Hareys von ihren Schöpfern gelesen, was sehr, sehr kraftvoll war.
Besonders beeindruckend war außerdem natürlich das Alien an sich – ein riesiger gallertartiger Ozean, der die gesamte Planetenoberfläche bedeckt. Ich habe schon zahlreiche Bücher gelesen, in denen Aliens vorkamen, die schlussendlich aber alle doch mehr oder weniger humanoid waren – in ihrer Form, in ihrer Art, oder schlicht und ergreifend, weil sie für den Menschen doch irgendwie fassbar waren. Der Ozean in „Solaris“ ist das nicht, er ist einfach in jeder Hinsicht fremd, und das ist wirklich unheimlich faszinierend – auch die teilweise sehr langen Erklärungen darüber, wie Forscher bereits versucht haben, ihn zu verstehen oder zu kontaktieren, und dabei gnadenlos gescheitert sind, fand ich deshalb ziemlich spannend.

Wie ihr also sehen könnt hat „Solaris“ mich wirklich begeistert. Ich möchte auch bald unbedingt noch mehr von Stanisław Lem lesen – mal sehen, was die Bücherei so hergibt. Bis dahin gibt es von mir auf jeden Fall eine klare Empfehlung für diesen Roman – „Solaris“ ist zu Recht ein Klassiker der Science-Fiction!

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