Blogbeitrag

Meine Lesepläne für den Juli

Während ich meinen Monatsrückblick immer ganz regelmäßig hier poste erzähle ich euch so gut wie nie etwas über meine Lesepläne für den nächsten Monat. Weil mich das bei anderen Blogger_inn_en aber immer sehr interessiert probiere ich das jetzt einfach auch mal und stelle euch ganz kurz die Bücher vor, die ich im Juli lesen möchte.
Meine Buchauswahl eignet sich dafür auch ganz besonders gut, weil sie wirklich lächerlich groß ist – wer mein Lesepensum der letzten Monate verfolgt hat kann sofort sehen, dass ich unmöglich ganze neun Bücher lesen werde, vor allem, da Ende des Monats auch noch Klausuren anstehen. Ich fand aber alle diese Bücher so interessant, dass ich mich entschlossen habe, mir diesen Monat einfach keinen ganz so genauen Leseplan zu machen sondern mir einfach einen Haufen Bücher auf den Nachttisch zu legen, von denen ich mir dann je nach Stimmung eines aussuchen kann. Und das sind die Bücher, die auf diesem Stapel gelandet sind:

„Schwarz“ von Stephen King – Darum geht’s.

„Schwarz“ möchte ich gerne lesen, weil Anfang August der Film zu der achtbändigen Reihe, „Der dunkle Turm“, in die Kinos kommen wird. Ich habe das relativ schmale Buch schon halb durchgelesen und bin mir deshalb ziemlich sicher, es bald beenden zu können!

„Half Bad“ von Sally Green – Darum geht’s.

„Half Bad“ habe ich letztes Jahr im Urlaub auf Rügen zufällig für nur 3€ in einem Outlet entdeckt und seitdem steht es bei mir im Regal rum. Weil die Geschichte so vielversprechend klingt hoffe ich aber, es endlich zu lesen!

„The Hate U Give“ von Angie Thomas – Darum geht’s.

„The Hate U Give“ habe ich erst letzten Monat gekauft, als es das wunderschöne Hardcover für nur 3,99€ bei Amazon – und soweit ich weiß auch bei ein paar anderen Online-Portalen – gab. Das Jugendbuch wurde von allen Seiten so hoch gelobt, dass ich gar nicht erwarten kann, es so bald wie möglich zu lesen!

„Anna and the French Kiss“ von Stephanie Perkins – Darum geht’s.

„Anna and the French Kiss“ steht schon so ewig in meinem Regal, dass ich gar nicht mehr weiß, ob ich inzwischen überhaupt noch was mit der Young Adult Romanze anfangen kann, vor allem, da ich auch schon einiges negatives darüber gehört habe. Anfang des Jahres habe ich das Buch dann auf meine Jahres-Leseliste gesetzt, weil ich endlich wissen will, wie das Buch denn nun so ist – es kann ja schließlich nicht für immer ungelesen in meinem Regal stehen bleiben, einfach nur weil ich es mir inzwischen gar nicht mehr kaufen würde. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja auch positiv überrascht?

„Beautiful Losers“ von Leonard Cohen – Darum geht’s.

Ich habe „Beautiful Losers“ schon vor fast einem Jahr zusammen mit „Das Buch der Sehnsüchte“ als Rezensionsexemplar vom btb-Verlag bekommen. Ich habe es dann nicht sofort gelesen und nachdem Leonard Cohen – mein Lieblingsmusiker, der mir wirklich viel bedeutet – im November gestorben ist habe ich mich irgendwie einfach nicht mehr in der Lage dazu gefühlt. Ich hoffe, es jetzt aber endlich zu schaffen – zum einen, weil ich wirklich gespannt auf das Buch ist und zum anderen, weil der Verlag inzwischen schon seit fast einem Jahr auf seine Rezension wartet und diese langsam wirklich bekommen sollte.

„Verzweiflung“ von Vladimir Nabokov – Darum geht’s.

Für das gleiche Seminar, für das ich letzten Monat schon „Lolita“ gelesen habe ist jetzt noch Vladimir Nabokovs „Verzweiflung“ dran. Ich hoffe, dass mir das Buch genauso gut gefallen wird, wie „Lolita“ – außer diesem habe ich von Nabokov nämlich noch gar nichts gelesen!

„Dunkelsprung“ von Leonie Swann – Darum geht’s.

Da ich dieses Jahr – genau wie auch schon im letzten – gerne vermehrt deutschsprachige Autor_inn_en lesen möchte, um die Literaturszene meines Heimatlandes, über die ich zuvor im Grunde überhaupt nichts wusste, besser kennenzulernen, wollte ich gerne auch wieder ein deutsches Buch auf meine Leseliste setzen. „Dunkelsprung“ klingt dabei nicht nur total interessant – Leonie Swann ist früher außerdem auf das gleiche Gymnasium gegangen wie ich, weshalb ich eigentlich schon länger mal eines ihrer Bücher lesen wollte!

„Der Idiot“ von Fjodor Dostoevskij – Darum geht’s.

Ich habe „Der Idiot“ schon vor Ewigkeiten angefangen und hoffe, es diesen Monat vielleicht endlich fertiglesen zu können. Irgendwie hat meine Leseflaute mir dieses Jahr einfach sämtliche Lust genommen, längere Klassiker zu lesen, weshalb ich es immer wieder aufgeschoben habe. Nachdem ich meine Bachelorarbeit über „Die Brüder Karamazov“ geschrieben habe, habe ich jetzt aber wieder richtig Lust, etwas von Dostoevskij zu lesen!

„Die Giftmischer“ von Margaret Atwood – Darum geht’s.

Dieses dünne Büchlein ist mir mehr oder weniger zufällig in die Hände gefallen, und weil mir Margaret Atwoods „Der Report der Magd“ dieses Jahr so gut gefallen hat will ich gerne auch diese Kurzgeschichtensammlung von ihr lesen, wenn ich denn die Zeit dazu finde!

Mal sehen, welche dieser Bücher ich im Juli tatsächlich lesen werde, oder ob vielleicht sogar noch ein paar andere hinzukommen werden – wenn „Schwarz“ mir gut gefällt möchte ich nämlich gerne noch so viele Bände der „Der dunkle Turm“-Reihe wie möglich lesen, bevor ich im August den Film sehe, damit ich möglichst wenig gespoilert werde. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich zwischen dem Lern- und Unistress ein wenig Zeit zum Lesen finden werde!

Was wollt ihr im Juli denn gerne so lesen? Habt ihr eines der Bücher, die ich lesen möchte, vielleicht schon gelesen und fandet es ganz besonders gut oder schlecht? Und freut ihr euch auch schon so sehr wie ich auf die beiden Stephen King Filme, die es dieses Jahr geben soll – „Der dunkle Turm“ und die Neuverfilmung von „ES“? Ich bin auf jeden Fall schon ganz hibbelig!

Rückblick

Mein Lesemonat Juni

Trotz Uni-Stress und vor allem der Abgabe meiner Bachelorarbeit (endlich!) letzten Dienstag war mein Lesemonat Juni gar nicht so übel. Obwohl ich kaum Zeit zum Lesen hatte habe ich vier Bücher beendet – ich glaube, die Leseflaute, die mich fast die ganze die erste Hälfte des Jahres begleitet hat, klingt endlich ab, und ich könnte nicht glücklicher darüber sein!
Das hier sind die Bücher, die ich diesen Monat gelesen habe:

Vladimir Nabokov – Lolita
(446 Seiten)

Walter Moers – Rumo & Die Wunder im Dunkeln
(693 Seiten)

Kate Morton – Das geheime Spiel
(688 Seiten)

Anne Freytag – Den Mund voll ungesagter Dinge
(399 Seiten)

Insgesamt macht das 2226 Seiten, wobei ich von „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ schon knapp 200 Seiten gelesen hatte, als ich es diesen Monat wieder angefangen habe. Trotzdem ganz ordentlich!

Mein Highlight diesen Monat war „Lolita“ von Vladimir Nabokov, welches ich vor etwas über fünf Jahren schon einmal und jetzt für die Uni nochmal gelesen habe. Nabokov hat eine wirklich wunderschöne Sprache und eine absolut einzigartige Art, zu Erzählen, sodass einen das Buch trotz seiner wirklich schwierigen Thematik einfach nicht mehr loslässt.
Auch „Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag hat mir überraschend gut gefallen – ich hatte zuvor ein paar Rezensionen gelesen, nach denen ich ein wirklich extrem problematisches Buch erwartet hätte und wurde dann doch sehr positiv überrascht. Obwohl auch ich an der ein- oder anderen Stelle etwas auszusetzen hatte mochte ich die einfühlsame Liebesgeschichte zwischen zwei Mädchen wirklich gerne!
Obwohl „Rumo & Die Wunder im Dunkeln“ und ich einen etwas schwierigen Start hatten – ich hatte es tatsächlich bereits letzten Dezember angefangen und dann nicht mehr weitergelesen – habe ich mich, sobald der etwas zähe Anfang überwunden war, mal wieder in Walter Moers‘ Welt verliebt. Seine einzigartigen Charaktere, sein Wortwitz und die fantasievollen Abenteuer, die er beschreibt, sind schlicht und ergreifend fantastisch – und die liebevollen Illustrationen setzen dem dann noch die Krone auf. Ich habe mich von Rumo & Co. auf jeden Fall ganz wunderbar unterhalten gefühlt!
Zu guter Letzt wäre da noch Kate Mortons „Das geheime Spiel“ , das mich – obwohl ich dramatische historical fiction eigentlich wirklich nie lese – ebenfalls sehr gut unterhalten hat! Vor allem die Charaktere sind mir wirklich ans Herz gewachsen. Das Genre ist trotzdem einfach nicht so ganz meins gewesen, ob ich noch mehr von ihr lesen werde weiß ich also noch nicht – es hat mir aber dennoch wirklich viel Spaß gemacht!

Auch mit meinen Jahresvorsätzen ist es diesen Monat wieder ganz gut gelaufen – mit Walter Moers und Anne Freytag waren zwei deutschsprachige Autoren dabei, „Den Mund voll ungesagter Dinge“ hatte eine queere Protagonistin und „Das geheime Spiel“ war nicht nur ein historischer Roman – ich habe also tatsächlich mal ein neues Genre ausprobiert! – sondern auch endlich mal wieder ein Buch von der Jahresliste mit 10 Büchern, die ich 2017 unbedingt lesen wollte.

Wie war euer Lesemonat Juni denn so? Was war euer Highlight? Habt ihr eines der Bücher, die ich gelesen habe, vielleicht auch schon gelesen haben? Lasst es mich wie immer in den Kommentaren wissen, oder lasst mir gerne auch einfach einen Link zu eurem eigenen Monatsrückblick da, wenn ihr einen geschrieben habt – ich freue mich immer sehr darüber!

Rezension

Den Mund voll ungesagter Dinge

von Anne Freytag

Heyne fliegt Verlag, 399 Seiten

Preis: 14,99€

Inhalt

Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat. Und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich, außer Sophie. Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert.

Meine Meinung

Um „Den Mund voll ungesagter Dinge“ gab es in der Buchblogger-Sphäre in letzter Zeit ja einigen Wirbel. Die meisten Rezensionen sind sehr, sehr positiv ausgefallen, doch daneben wurden auch immer wieder Stimmen laut, die den Roman scharf kritisiert haben – unter anderem auch, weil Sophies Homosexualität angeblich wahnsinnig schlecht dargestellt sein soll, nur als Phase, oder als etwas, wegen dem man sich wahnsinnig schämen muss. Ich bin deshalb erstmal auf Abstand zu dem Buch gegangen, bis mir aufgefallen ist, dass wirklich alle negativen Rezensionen, die ich bisher gelesen habe und die das Thema ansprechen, von heterosexuellen Menschen geschrieben wurden. Als  ich das bemerkt habe wollte ich mir unbedingt doch eine eigene Meinung zu „Den Mund voll ungesagter Dinge“ bilden und die liebe Liesa hat es mir dann geschickt – nochmal vielen Dank dafür!

Gleich zu Beginn kann ich sagen, dass mich an Sophies Umgang mit ihrer neuentdeckten Sexualität nicht wirklich irgendwas gestört hat. Ich hatte da nach den Rezensionen, die ich gelesen habe, wirklich Übles erwartet und wurde dann ziemlich positiv überrascht. Dazu aber später mehr – denn obwohl mir das Buch insgesamt ganz gut gefallen hat gab es doch ein paar Dinge, die mich gestört haben. Am besten warne ich euch jetzt schon vor, dass diese Rezension wirklich abartig lang und nicht zu 100% spoilerfrei ist – ich hatte einfach vor allem in Bezug auf Sophies Queerness so wahnsinnig viel zu sagen. Wenn euch gerade das besonders interessiert, oder ihr es gar nicht so genau wissen wollt, könnt ihr je nach Bedarf auch einfach den ersten oder zweiten Teil der Rezension überspringen.

Anne Freytags Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig. Vor allem am Anfang ist es mir wahnsinnig schwer gefallen, mich wirklich auf das Buch einzulassen, weil ich ständig über irgendwelche blumigen oder melancholischen, immer aber ziemlich gezwungen wirkenden Metaphern gestolpert bin, die so gar nicht zu dem sonst eher schlichten, in Jugendsprache gehaltenem Stil passen wollten, in dem der Rest des Buches geschrieben ist. Ich weiß nicht, ob sich das im Laufe des Romans gebessert hat oder es mir einfach nicht mehr so stark aufgefallen ist, aber hätte ich das Buch nur kurz im Laden angelesen, dann hätte ich es wahrscheinlich nicht mitgenommen.
Ich mochte Sophie als Protagonistin sehr gerne, obwohl sie mir als Person vielleicht nicht so wirklich sympathisch wäre. Anne Freytag hat hier ganz bewusst versucht, nicht das typische braunhaarige, rehäugige unscheinbare, tollpatschige Mädchen zu schreiben, das einem in Büchern sonst immer begegnet, sondern eine realistische Protagonistin mit Persönlichkeit. Das ist ihr teilweise sehr gut gelungen, teilweise auch nicht ganz so gut, ich habe aber auf jeden Fall immer sehr mit Sophie mitgefühlt. Auch einige der Nebencharaktere, vor allem Alex, mochte ich wirklich, wirklich gerne – auch wenn es mir überhaupt nicht gefallen hat, dass sie nicht sofort mit ihrem Freund Schluss gemacht hat, als sie Gefühle für Sophie entwickelt hat, weil ich sowas einfach absolut nicht in Ordnung finde, egal wie emotional schwierig die Situation sein mag.
Andere Figuren sind mir wiederrum sehr negativ aufgefallen. So zum Beispiel Lukas, Sophies bester Freund aus Kindertagen, und anstrengender hetero Platzhirsch  hoch zehn. Nicht nur hat er sich mit einer fadenscheidigen Erklärung ausgerechnet „Flittchen“ als Spitznamen für Sophie ausgesucht – das wäre voll okay wenn Anne Freytag das irgendwie mit einem Statement gegen Slutshaming verbunden hätte, leider war oftmals aber eher das Gegenteil der Fall – er  ist auch ganz groß darin, queere Frauen zu sexualisieren, was einfach absolut daneben ist. Darüber, wie er mit seiner Freundin umgeht, will ich gar nicht reden. Ich habe wirklich das ganze Buch lang gehofft, sein Verhalten würde irgendwann noch einmal kritisiert – wurde es aber leider nicht.
Auch Sophies Vater ist einfach nur furchtbar. Nicht nur die Art, wie er seine 17-jährige Tochter komplett entwurzelt und aus ihrem Leben reißt, damit sie mit ihm 2 1/2 Monate vor dem Abitur in ein anderes Bundesland zu seiner Freundin ziehen kann, die sie noch nie in ihrem Leben getroffen hat, war absolut daneben. Auch seine Aussage, er würde sich dafür nicht entschuldigen, denn schließlich hätte sich seit Sophies Geburt sein ganzes Leben nur um sie gedreht und jetzt würde er endlich mal eine Entscheidung für sich treffen, fand ich einfach nur ätzend. Dass Kinder im Leben ihrer Eltern Priorität haben sollte meiner Meinung nach eigentlich selbstverständlich sein und seinem eigenen Kind deshalb Vorwürfe zu machen ist wirklich ekelhaft – schließlich hatte Sophie sowohl bei ihrer Zeugung als auch bei ihrer Geburt herzlich wenig mitzureden. Leider wurde auch das nicht weiter thematisiert.
Die Geschichte mochte ich sehr gerne und fand sie auch sehr spannend, obwohl die ein- oder andere Wendung auf mich dann doch ein wenig zu offensichtlich oder gezwungen wirkte. Das war aber dann doch die Ausnahme, sodass das Buch sich sehr schnell und wirklich angenehm gelesen hat. Der für mich am interessanteste Aspekt dabei war natürlich die Liebesgeschichte zwischen Sophie und Alex – und so wären wir schon beim Thema Queerness angekommen.

Sophie ist, bis sie sich in Alex verliebt, davon ausgegangen, dass sie heterosexuell ist. Als sie feststellt, dass dem nicht so ist, ist das erstmal ein Schock für sie – nicht, weil sie es prinzipiell schlimm findet, lesbisch zu sein, sondern weil soeben ihr gesamtes Selbstbild gründlich auf den Kopf gestellt wurde. Zudem hat sie – wie sehr viele queere Menschen in dieser Phase ihrer Selbstfindung – das Gefühl, dass sie sich selbst eigentlich gar nicht so nennen darf, weil sie ja bereits mit mehreren Jungen geschlafen hat, außerdem Angst hat, es könnte sich bei ihren Gefühle für Alex vielleicht nur um eine Ausnahme handeln, und sich in dieser Hinsicht gerade einfach wahnsinnig unsicher ist. Dass dabei auch mal Aussagen wie „Vielleicht ist es doch nur eine Phase“ fallen finde ich nicht weiter problematisch – es wird schließlich nie behauptet, dass es sich bei Homosexualität tatsächlich nur um eine phasenweise „Neigung“ handelt, Sophie versucht einfach nur zu verstehen, warum ihr ihre eigene Sexualität in den letzten 17 Jahren nicht aufgefallen ist. Außerdem hat sie zunächst Bedenken, den heterosexuellen Menschen in ihrem Umfeld zu sagen, dass sie selbst vielleicht lesbisch ist, weil sie nunmal weiß, dass sie in einer doch noch sehr homofeindlichen Welt lebt.
Genau das sind die Dinge, die von manchen Leser_inne_n kritisiert wurden, weil sie angeblich ein negatives Bild von Sophies Homosexualität zeichnen –  sehr scharf kritisiert wurde auch Sophies einmal geäußerter Wunsch danach, „normal“ zu sein, was tatsächlich zunächst sehr unglücklich klingt, im nächsten Satz jedoch bereits aufgelöst wird, als klar wird, was sie damit meint – schlicht und ergreifend den typischen Teenager-Wunsch danach, in absolut jeder Hinsicht ganz genau wie alle anderen zu sein um niemandem eine Angriffsfläche zu bieten: „Ich gebe es ja nur sehr ungern zu, weil es so traurig und langweilig ist, aber irgendwie ist normal zu sein auch beruhigend. Weil man kein einzelner Fisch, sondern Teil eines riesigen Schwarms ist. Weil man Deckung und Schutz in der Masse findet. Weil man weiß, dass man nicht alleine ist.“ (S. 244)
Meines Empfindens nach sind Sophies Gedanken und Gefühle absolut nachvollziehbar – ich würde sogar wagen zu behaupten, dass fast jeder queere Mensch sich zumindest ganz zu Beginn der eigenen Selbstfindungsphase irgendwann einmal so gefühlt hat. Es ist nicht leicht, inmitten von Cis-Allo-Heteros festzustellen, dass man keiner von ihnen ist, und niemanden zu finden, der einen versteht. Es ist nicht leicht, seine Sexualität erst spät zu entdecken und sich dieser dann trotzdem sicher zu sein, obwohl man von den Medien stets suggeriert bekommt, das sei etwas, was man einfach sein ganzes Leben lang wissen müsse – Anne Freytag spricht den Begriff zwar nicht direkt an, beschreibt das Phänomen von Compulsory Heterosexuality aber doch ziemlich gut. Es ist nicht leicht, wenn homo- oder transfeindliche Gewalt plötzlich nicht mehr nur etwas ist, was auf abstrakte Weise schlimm ist, sondern einen selbst betrifft – und das, während sämtliche nicht betroffenen Menschen um einen herum nicht müde werden, einem zu sagen, dass Queerness ja in der heutigen Gesellschaft eigentlich gar keine große Sache mehr sei und man sich da echt nicht beschweren brauche. Es ist bedeutend einfacher, sich sicher zu sein, dass die eigenen Eltern kein Problem damit hätten, dass ihr Kind homosexuell ist, wenn man es nicht tatsächlich ausprobieren musst. Dass das alles irgendwie dazugehört und nicht zwingend bedeutet, dass man ein Problem mit seiner eigenen Sexualität hat, ist vielen heterosexuellen Menschen vielleicht einfach nicht bewusst – klar, denn sie hören von queeren Menschen ja meistens auch erst, wenn diese all diese Dinge bereits überwunden haben und bereit sind, sich der Welt zu stellen.
Dass es eigentlich nicht ihre Homosexualität ist, die sie stört, sondern eher der Schock, sich selbst neu zu entdecken, wird auch deutlich, weil Sophie gar kein allzu großes Geheimnis daraus macht – zwar lässt sie ihre Familie zunächst in dem Glauben, Alex sei „nur“ eine Freundin, tatsächlich knutscht sie aber schon sehr bald ohne Probleme in der Öffentlichkeit mit ihr und möchte auch ihrer Stiefmutter schon relativ früh davon erzählen. In mehr als nur einer Rezension (von heterosexuellen Personen) habe ich gelesen, dass ein junges lesbisches Mädchen in Sophies Situation sich nach nach dem Lesen des Romans bestimmt schlecht fühlen würde. Ich denke, dass es sich eher verstanden fühlen würde – und schlussendlich ermutigt, denn Sophies Liebe zu Alex wird durchgehend als etwas wunderschönes, wahnsinnig positives dargestellt.
Ich weiß über Anne Freytags Sexualität nichts und will darüber auch eigentlich nicht spekulieren. Wenn sie selbst heterosexuell ist wäre mir in diesem Fall aber ziemlich sicher, dass sie beim Schreiben von „Den Mund voll ungesagter Dinge“ Hilfe von tatsächlich queeren Personen hatte. Es gab zwar durchaus Dinge, die ich problematisch fand – allen voran die ekelhafte Art, wie Lukas sich gegenseitig küssende Frauen sexualisiert – aber der Rest ist meiner Meinung nach wirklich wahnsinnig gut getroffen.

Mit fast 1,700 Wörtern ist diese Rezension wirklich unverschämt lang geworden und ich bin mir nicht ganz sicher, ob überhaupt irgendjemand bis hierhin kommen wird – wenn nicht habe ich ehrlich gesagt auch Verständnis dafür. Ich habe schon so viel gesagt, dass ich mich eigentlich nur noch kurz halten will: „Den Mund voll ungesagter Dinge“ ist eine nicht ganz unproblematische, aber wirklich schöne, einfühlsame und unterhaltsame Romanze zwischen zwei Mädchen – etwas, was es in der Literatur immer noch viel zu selten gibt. Ich habe den Roman wirklich gerne gelesen und kann mir sehr gut vorstellen, dass er jungen queeren Mädchen, die sich gerade erst selbst entdecken, viel bedeutet.

Rezension

Das geheime Spiel

von Kate Morton

Originaltitel: The House at Riverton

Diana Verlag, 688 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren – vergeblich…

Meine Meinung

„Das geheime Spiel“ ist ein Buch, welches ich wahrscheinlich nie gelesen hätte, wenn ich Kate Morton nicht vor zwei Jahren bei einer Lesung gesehen hätte – es ist rein von der Thematik her eigentlich so gar nicht meins. Weil Kate Morton damals aber so sympathisch war wollte ich das Buch aber nicht länger verstauben lassen sondern ihm doch eine Chance geben!

Die Charaktere von „Das geheime Spiel“, vor allem Grace und die willensstarke Hannah, aber auch die etwas eigenwilligeren Hausangestellten wie Nancy oder Mrs. Townsend, haben mir allesamt wirklich sehr gut gefallen. Schon allein für sie habe ich das Buch gerne gelesen – ein so bunter und doch ganz natürlicher Haufen an verschiedenen Figuren ist mir schon lange nicht mehr begegnet.
Die Geschichte verläuft bis zu den letzten 50 Seiten relativ ruhig, ist aber trotzdem durchgehend spannend. Was mir an dem Buch am besten gefallen hat war wohl das Gatsby-Feeling, das wahrscheinlich einfach davon kommt, dass es in den 20ern spielt. Eigentlich lese ich historische Romane nicht so gerne, hier hat es mir aber wirklich gut gefallen, wie stark ich mich in diese Zeit hineinversetzt gefühlt habe. Die Atmosphäre war ganz wundervoll und ich fand es besonders spanennd, den gesellschaftlichen Wandel mitzuverfolgen, der sich vor und nach dem ersten Weltkrieg vollzogen hat. Sehr gerne mochte ich es auch, dass die Geschichte abwechselnd von Grace als jungem Dienstmädchen und alter Frau erzählt wurde, die auf ihr Leben zurückblickt. Ich mochte ihre klugen Gedanken und ihre Sichtweise auf das Leben und die Welt sehr.
Wie zu erwarten war das Ende sehr dramatisch, und obwohl es glücklicherweise absolut nicht kitschig oder zu überzogen geworden ist – wie es zum Beispiel bei Romanen von Jodi Picoult oft passiert – war es mir doch fast ein bisschen zu viel. Wie gesagt liegt mir diese Art von Büchern aber eigentlich auch überhaupt nicht – wenn man das bedenkt konnte „Das geheime Spiel“ eigentlich auf voller Linie überzeugen. Trotzdem ist es aber eben einfach nicht mein Genre.

Alles in allem habe ich das Buch also wirklich gerne gelesen – ob ich mir noch ein weiteres Buch von Kate Morton zulegen werde weiß ich aber noch nicht. Wer gerne historische Romane über englische Adelshäuser oder aber auch über die goldenen 20er Jahre mit interessanten Charakteren liest, die gerne auch etwas mysteriös oder ein bisschen dramatisch sein können, der ist mit „Das geheime Spiel“ aber gut beraten!

Rezension

Rumo & Die Wunder im Dunkeln

von Walter Moers

Piper Verlag, 693 Seiten

Preis: 14,00€

Inhalt

Rumo ein kleiner, schutzbedürftiger Wolpertingerwelpe, der von Fhernhachenzwergen auf einem Bauernhof aufgezogen und verhätschelt wird. Diese Idylle hat jedoch bald ein Ende: Eine Horde bösartiger Teufelszyklopen überfällt das Anwesen und verschleppt alles, was sich bewegt. In den Speisekammern der Teufelszyklopen trifft er auf Voltozan Smeik, der ihm fantastische Heldengeschichten erzählt und gemeinsam mit dem kleinen Rumo Fluchtpläne schmiedet. Doch ihre Flucht von den Teufelsfelsen ist erst der Anfang: auf Rumo wartet ein Abenteuer voller Gefahr und Abenteuer, das ihn durch ganz Zamonien führt – und als er die schöne, mutige, kämpferische Rala trifft sogar noch darüber hinaus.

Meine Meinung

Ich bin Walter Moers‘ Zamonien-Romanen ziemlich genau vor vier Jahren verfallen, als mein Freund – damals waren wir noch ganz frisch zusammen – mir eine Ausgabe von „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ geschenkt hat. Ich habe Blaubärs wunderschön illustrierte Abenteuer verschlungen – und mich jetzt umso mehr gefreut, den kleinen Rumo wiederzusehen, den er in seinem fünften Leben als kleinen Welpen davor rettet, zerquetscht zu werden.

Als ich das Buch letzten Dezember angefangen habe konnte ich mich allerdings erst einmal so gar nicht darin einfinden. Ich weiß nicht, ob ich einfach nicht in der richtigen Stimmung dafür war, oder ob das Buch tatsächlich einfach ein wenig braucht, bis es sein volles Potenzial entwickelt – jedenfalls habe ich die ersten 150 Seiten des Romans innerhalb etwa eines Monats gelesen und es dann auf unbestimmte Zeit auf den Nachttisch verfrachtet und stattdessen etwas anderes gelesen. Vor zwei Wochen hatte ich dann plötzlich wieder Lust darauf, es nochmal zu versuchen, und zack – mit einem Mal hat „Rumo & Die Wunder im Dunkeln“ mich richtig mitgerissen.
Ich glaube, die Bücher von Walter Moers mag man entweder, oder man mag sie eben nicht – mich hat der Moers’sche Zauber auf jeden Fall wie immer begeistert. Unaufhaltsam stolpert Rumo – wie eigentlich alle von Moers‘ Helden – von einem spannenden, fantasievollen, teilweise fast skurrilen, immer jedoch höchst gefährlichen Abenteuer ins nächste. All das wird begleitet von einem ganzen Haufen bunter, schriller, äußerst liebenswerter Charaktere und den wirklich tollen Illustrationen, für die Walter Moers ja eigentlich bekannt ist. Mit gewohntem Witz, voller Wortspiele und -neuschöpfungen dirigiert er einen als Autor durch diese rasante Geschichte, sodass man Zamonien am liebsten überhaupt nicht mehr verlassen würde.
Als Protagonisten mochte ich Rumo sehr gerne, der – obwohl er manchmal etwas ungeschickt ist – doch das Herz am rechten Fleck hat. Nach Käpt’n Blaubär und Hildegunst von Mythenmetz war Rumo außerdem mein erster Moers-Protagonist, der nicht über alle Maßen von sich selbst überzeugt sondern, ganz im Gegenteil, stellenweise sogar recht schüchtern war. Das hat ihn auf jeden Fall sehr sympathisch gemacht. Auch Voltozan Smeik, der ja bisher – wie auch der Rest seiner Familie – eher negativ in Erscheinung getreten ist, habe ich im Laufe der Geschichte sehr liebgewonnen, ebenso wie Rala, die – in Moers‘ ja doch immer sehr männlich dominiertem Kosmos – eine wirklich wunderschön vielschichtige und sympathische weibliche Figur ist, die sich so schnell von niemandem einschüchtern lässt.

Für Fans von Walter Moers – und alle, die es werden wollen – also ein wirklich wunderbares Buch. Der Anfang war für mich wie gesagt etwas zäh, es wurde aber schnell besser und ganz besonders gut gefallen hat mir dann die zweite Hälfte des Romans, in der es Rumo nach „Untenwelt“ verschlägt. Für mich wird es auf jeden Fall nicht der letzte Besuch in Zamonien gewesen sein – dafür war ich viel zu traurig, als das Rumos Geschichte dann schlussendlich vorbei war. Mir hat das Buch wirklich, wirklich Spaß gemacht!

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