Rezension

Wonder

von R.J. Palacio

Deutscher Titel: Wunder

Corgi Verlag, 315 Seiten

Preis: 6,69€

Inhalt

August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Via in New York. August ist schlagfertig, witzig und sensibel. Eigentlich könnte also alles ganz normal sein in seinem Leben. Doch eines trennt August von seinen Altersgenossen: Er wurde mit einem Gendefekt geboren, und trotz unzähliger Operationen sieht sein Gesicht anders aus als das anderer Kinder. Das ist auch der Grund, warum er noch nie auf einer öffentlichen Schule war und bisher zu Hause unterrichtet wurde. Das neue Jahr aber soll alles ändern. August wird in die fünfte Klasse der Bezirksschule gehen, und natürlich hat er Angst. Angst davor, angestarrt und ausgegrenzt zu werden. Doch er weiß, dass dies auch eine Chance ist – eine Chance, nicht nur neue Freunde sondern auch sich selbst zu finden, weit weg von dem Schutzkäfig, den seine Eltern für ihn gebaut haben.

Meine Meinung

Ich habe „Wonder“ vor einer ganzen Weile einmal in einem Giveaway gewonnen, und das Buch seitdem im Regal stehen gehabt – ich hatte einfach schon so viel Gutes darüber gehört, das sich mich gar nicht mehr wirklich herangetraut habe, weil ich Angst hatte, es könnte meine überhöhten Erwartungen vielleicht doch nicht erfüllen. Anfang diesen Jahres habe ich „Wonder“ dann auf meine Liste von 10 Büchern gesetzt, die die ich dieses Jahr unbedingt lesen wollte, weil ich einfach nicht wollte, dass es weiterhin Staub ansetzt – jetzt habe ich mir endlich einen Ruck gegeben, und mich getraut!

Zuerst einmal muss ich sagen, dass „Wonder“ sich wirklich sehr schnell liest. Trotz vieler Pausen habe ich kaum zwei Tage für das Buch gebraucht. Das liegt vor allem daran, dass (fast) alle Charaktere ihren Blickwinkel auf das Geschehen sehr interessant und mitreißend erzählen – Probleme hatte ich hier nur bei Justin, dem Freund von Augusts Schwester Via, dessen Kapitel passend zu seiner Persönlichkeit komplett in Kleinbuchstaben geschrieben waren, was es für mich teilweise etwas schwer machte, seinen Gedanken zu folgen. „Wonder“ ist außerdem zwar offiziell ein Kinderbuch, eigentlich aber eines der seltenen Bücher, die ich ohne zu Zögern sowohl bei den Kinder-, als auch bei den Jugend- und Erwachsenenbüchern einordnen würde.
Ich fand es sehr spannend, die Geschichte nicht nur aus Augusts Sicht, sondern eben auch aus denen anderer Charaktere zu erleben – aus denen seiner Schwester Via, ihres Freundes Justin, ihrer ehemaligen besten Freundin Miranda, sowie auch aus den Augen zweier Kinder, die an seine neue Schule gehen, Jack und Summer. So hat man nicht nur eine viel umfassendere Sicht auf die Geschehnisse, sondern lernt auch die verschiedenen Figuren viel besser kennen, von denen jede_r mit seinen/ihren eigenen Problemen und Schwierigkeiten zu kämpfen hat.
Am liebsten von allem mochte ich – wie wohl nicht anders zu erwarten – August, den witzigen, sympathischen, klugen kleinen Jungen, um den es in „Wonder“ eigentlich geht. August liebt Halloween, seine Hündin Daisy und Star Wars. Er interessiert sich für wissenschaftliche Fächer, spielt sehr gerne mit seiner X-Box oder schaut Filme mit seiner vier Jahre älteren Schwester – und er hat ein Gesicht, das so ungewöhnlich ist, dass Kinder oft vor ihm weglaufen und Erwachsene beschämt zur Seite schauen. Ich habe ihn sofort in mein Herz geschlossen.
Interessanterweise hatte ich schon sehr früh eine Vermutung, mit welchem Gendefekt August genau geboren wurde, die sich im Laufe des Buches dann auch bestätigt hat. Gerade deshalb hat es mir auch immer besonders wehgetan, wenn August von anderen gehänselt wurde, denn ich folge auf Instagram zufälligerweise schon einer ganzen Weile einer Familie, deren ganz bezaubernder fünfjähriger Sohn ebenfalls das Treacher-Collins-Syndrom hat. Das hat alles irgendwie noch viel realer für mich gemacht und ich konnte einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken, dass es all die bewusst oder unbewusst grausamen Menschen, mit denen August im Buch zu tun hat, genauso leider auch in der Realität gibt.
Gerade deshalb ist „Wonder“ aber eben auch ein wichtiges Buch. Es zeigt Menschen, die so etwas in ihrem Alltag nicht erleben – so zum Beispiel auch mir selbst natürlich – wie sehr auch Leute, die es gar nicht böse meinen, doch verletzend auf solche äußerlichen Ungewöhnlichkeiten reagieren – und sei es nur, indem sie ganz schnell wieder wegschauen, um nicht beim „starren“ erwischt zu werden. August berichtet über diese Dinge ganz leichtfertig und mit viel Humor, was es nur umso eindringlicher, realer und schmerzhafter macht.
Trotz all der ernsten Themen, die „Wonder“ behandelt, ist es aber natürlich auch die Geschichte eines ganz normalen 10 jährigen Jungens, der auf eine neue Schule kommt und sich dort zurecht finden muss. Sie ist unterhaltsam, spannend, wahnsinnig charmant geschrieben, und einfach nur wirklich schön zu lesen. „Wonder“ ist ein Buch, das einem problemlos zum weinen bringen kann – aber irgendwie gleichzeitig aus Traurigkeit und aus Freude. Es ist wunderbar lebensbejahend ohne anstrengend zu sein, optimistisch, ohne dabei seinen Realismus zu verlieren. Es ist einfach ein wirklich gutes Buch.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob meine Rezension dem Buch überhaupt gerecht werden kann. Schon beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass „Wonder“ ein Buch ist, das man mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf liest – es ist deshalb wirklich schwierig, es richtig zu bewerten. Vielleicht ist es ein Buch, das man einfach nur weiterempfehlen, -schenken und – geben kann – eines ist es auf jeden Fall, und zwar auf wahnsinnig vielen verschieden Ebenen wahnsinnig lesenswert!

Blogbeitrag

Geburtstagsbücher!

Hallo, ihr Lieben! Wie manche von euch vielleicht schon wissen, und wie ich auch schon in meinem Monatsrückblick für den April erwähnt habe, habe ich letzten Monat meinen 22. Geburtstag gefeiert! An meinem eigentlichen Geburtstag, dem 28. April, war ich erst mit meinem Freund lecker essen und danach noch im Kino. Wir haben Guardians of the Galaxy 2 gesehen, der mir übrigens sehr gut gefallen hat! Am Tag danach gab es dann eine kleine Feier mit Kuchen und Geschenken bei meiner Familie zuhause. Mit stylischen Hochglanzbildern davon kann ich zwar eher nicht dienen – ich wollte den Kuchen einfach lieber essen, als ihn zu fotografieren – dafür kann ich euch aber versichern, dass ich einen wirklich grandiosen Tag im Kreise meiner Liebsten hatte!
Wie versprochen will ich euch jetzt außerdem gerne die Bücher vorstellen, die ich zum Geburtstag bekommen habe.

 A Little Life von Hanya Yanagihara

Vier Männer aus einem kleinen College in Massachusetts ziehen nach New York, um dort ihren Weg zu gehen. In der Mitte der Gruppe ist Jude – charismatisch, brilliant und innerlich zerbrochen. Über die Jahrzehnte vertiefen und verstricken sich ihre Beziehungen zueinander, und immer mehr werden die Freunde in Judes schmerzhafte Welt hineingesogen.
Rauschhaft, mit kaum fasslicher Dringlichkeit erzählt das Epos über Trauma, menschliche Güte und Freundschaft. Es begibt sich an die dunkelsten Orte, an die Literatur sich wagen kann, und bricht dabei immer wieder zum hellen Licht durch.

„A Little Life“ ist wohl eines der am meisten gehypten Bücher der letzter Zeit. Nicht nur von Literaturkritikern wird es hochgelobt, auch in Bloggerkreisen habe ich noch kein einziges negatives Wort darüber gehört – stattdessen regnet es geradezu Lobeshymnen auf das Buch, das über alle Maßen beeindruckend, phänomenal, mitreißend, schmerzhaft, tiefschürfend und einfach generell fantastisch sein soll. Schon lange will ich es auch gerne lesen, weshalb es auf meiner Geburtstagswunschliste auch an ganz oberster Stelle stand. Ich bin wirklich schon mehr als nur gespannt auf das Buch – ich hoffe, es gefällt mir genauso gut, wie es dem Rest der Welt zu gefallen scheint!

The Book of Strange New Things von Michel Faber

Peter Leigh ist ein Missionar auf der Reise seines Lebens. Er lässt seine geliebte Frau Bea zurück und macht sich auf den Weg, um Gott in die entferntesten Ecken der Galaxis zu bringen – eine Unternehmung die alles in Frage stellt: Seinen Glauben, seine Kraft, seine Geduld, und die Liebe, die zwei Menschen zusammenhält, auch wenn sie Welten voneinander trennen.

„The Book of Strange New Things“ steht schon ziemlich lange auf meiner Wunschliste. Schon als ich das erste Mal davon gehört habe, war ich fasziniert von dem Inhalt, der nicht nur wahnsinnig interessant klingt sondern auch vielversprechend anders zu sein scheint, als alles, was ich bisher gelesen habe. Ich weiß selbst noch gar nicht so richtig, was mich bei diesem wirklich sehr besonders klingenden Buch erwarten wird, bin aber wirklich schon überaus gespannt darauf!

Das Labyrinth der Lichter von Carlos Ruiz Zafón

Spanien in den dunklen Tagen des Franco-Regimes: Ein Auftrag der Politischen Polizei führt Alicia Gris von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Unter größter Geheimhaltung soll sie das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls aufklären, dessen dunkle Vergangenheit als Direktor des Gefängnisses von Montjuïc ihn nun einzuholen scheint. In seinem Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch aus der Serie ›Das Labyrinth der Lichter‹, das Alicia auf schmerzliche Weise an ihr eigenes Schicksal erinnert. Es führt sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne, tief in Barcelonas Herz. Der Zauber dieses Ortes schlägt sie in seinen Bann, und wie durch einen Nebel steigen Bilder ihrer Kindheit in ihr auf. Doch die Antworten, die Alicia dort findet, bringen nicht nur ihr Leben in allerhöchste Gefahr, sondern auch das der Menschen, die sie am meisten liebt.

„Der Schatten des Windes“ gehört zu den besten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe – noch immer denke ich oft an die magische Welt, die Carlos Ruiz Zafón in seinem Werk erschaffen hat. Letzt Jahr auf der Leipziger Buchmesse habe ich mir den zweiten Band, „Das Spiel des Engels“, gekauft, und habe mich schon gefreut, als vor ein paar Monaten entdeckt habe, dass der finale Teil seiner Reihe, „Das Labyrinth der Lichter“ erschienen ist – umso natürlich jetzt, als ich das Buch überraschend zum Geburtstag bekommen habe. Ich freue mich schon wahnsinnig, wieder in Zafóns wunderbare Welt einzutauchen!

Seraphina von Rachel Hartman

Vierzig Jahre Frieden haben nur wenig getan, um das Misstrauen, das im Königreich Goredd zwischen Drachen und Menschen herrscht, zu mindern. Als Lehrer unterstützen die Drachen Universitäten mit ihrer einzigartig logischen, mathematischen Denkweise – doch je näher der Jahrestag des Friedensabkommens kommt, desto angespannter wird die Situation. Als ein auffällig nach Drachenart begangener Mord am königlichen Hof geschieht droht die Lage zu eskalieren.
Seraphina Dombegh, die in die Ermittlung hineingezogen wird, hat Grund beide Seiten zu fürchten. Doch plötzlich kommt sie einem viel größeren Geheimnis auf die Spur…

Die Zeit, in der ich am allerliebsten Drachenbücher gelesen habe, ist eigentlich schon eine ganze Weile vorbei – „Seraphina“ hat mich aber trotzdem sofort angesprochen – und das nicht nur wegen des hübschen Covers. Ich freue mich schon sehr auf die – hoffentlich aufregende! – Detektivgeschichte und bin wirklich gespannt auf Rachel Hartmanns mathematische Drachen. Ich bin mir sicher, so habe ich die Fabelwesen noch nie gelesen!

Diese vier Bücher habe ich also zum Geburtstag bekommen,und wie ihr seht freue ich mich auf alle schon sehr! Hat von euch denn vielleicht schon jemand eines oder sogar mehrere dieser Bücher gelesen? Wenn ja, wie fandet ihr sie? Lasst mir doch einen Kommentar da, wenn ihr mögt – ich weiß nämlich auch noch gar nicht, mit welchem Buch ich am besten anfangen soll und würde am liebsten einfach alle auf einmal lesen, Empfehlungen sind also wie immer gerne gesehen!

 

Rezension

Peter Darling

von Austin Chant

Less Than Three Press Verlag, 164 Seiten

Preis: 13,89€

Inhalt

Vor zehn Jahren hat Peter Pan das Nimmerland verlassen und ist nachhause gegangen, um erwachsen zu werden. Er gibt seinen kindlichen Traum davon auf, ein Junge zu sein, und kehrt zurück in sein Leben als Wendy Darling. Doch je länger Peter dieses Leben lebt, desto klarer wird ihm, dass er so nicht weitermachen kann – und, dass es nur einen Ort gibt, an dem er wirklich er selbst sein kann.

Doch nicht nur Peter ist erwachsen geworden, als er nach Nimmerland zurückkehrt, und die Kriegsspiele, die er früher mit seinen verlorenen Jungs gespielt wird, sind plötzlich real und tödlich geworden. Noch mehr schockiert Peter allerdings das Wiedersehen mit seinem alten Rivalen Hook, welches ihn auf mehr als nur eine Weise aus der Bahn wirft – noch nie hat er jemandem gegenüber gefühlt, was er jetzt fühlt, und muss sich plötzlich fragen, wer von ihnen beiden tatsächlich der Bösewicht in der Geschichte Nimmerlands ist.

Meine Meinung

Als ich „Peter Darling“ vor ein paar Wochen durch puren Zufall auf Goodreads entdeckt habe hat es mich sofort angesprochen. Ich liebe Peter Pan, ich liebe das Nimmerland, und ich liebe queere Retellings bekannter Geschichten, das Buch schien also wie gemacht für mich. Obwohl ich mir trotzdem noch etwas unsicher war – vor allem die Kürze des Buches hat mich ziemlich abgeschreckt – konnte ich einfach nicht mehr aufhören, daran zu denken, sodass ich mir vorgestern das eBook heruntergeladen habe.

Bereits nach zwei oder drei Seiten waren alle Sorgen, die ich bezüglich des Buches hatte wie weggeblasen. Ich habe mich schon lange nicht mehr so schnell in einer Geschichte zuhause und derart von ihr gefangen gefühlt – ich konnte das Buch wirklich kaum mehr aus der Hand legen, so sehr hat es mich gefesselt.
Austin Chant hat seinen Peter Pan fantastisch geschrieben. Retellings sind ja immer so eine Sache – oft bleibt das Buch entweder so nahe am Original, dass es einfach langweilig ist, oder aber es entfernt sich so weit davon, dass es im Grunde gar kein Retelling mehr ist und jeder Bezug auf das Original beinahe erzwungen wirkt. Ein gutes Retelling zu schreiben ist wirklich eine Gratwanderung, aber Austin Chant hat dieseAufgabe bravourös gemeistert! Das Nimmerland fühlt sich wirklich an wie das Nimmerland: es ist abenteuerreich, fantasievoll und verspielt, aber auch deutlich düsterer, gefährlicher und erwachsener  als früher- genau wie Peter eben. Auch Peter Pan selbst ist in dieser Hinsicht perfekt gelungen – er ist eindeutig Peter Pan, wie man ihn aus J.M. Barries Buch kennt, gleichzeitig aber eben doch auch Austin Chants eigene Figur.
Wahnsinnig wichtig für das Buch ist natürlich seine Queerness, die auch nicht zu kurz kommt. Dass Austin Chant selbst trans ist merkt man beim Lesen sofort, auch wenn man es – so wie ich – selbst nicht ist. Ich möchte speziell darüber gar nicht zu viele Worte verlieren, weil ich schlichtweg das Gefühl habe, dass mir das als cis Person nicht unbedingt zusteht, fand Peters Transgeschlechtlichkeit aber wunderbar klar und eindringlich geschildert. Auch die Beziehung, die sich zwischen Peter und Hook entwickelt, ist unheimlich gut gelungen. Sie erschien mir zu keiner Stelle des Buches irgendwie aus der Luft gegriffen, sondern wirkte fast wie die natürlich Konsequenz ihrer gegenseitigen Feindschaft und jahrelangen Faszination miteinander. Schon lange hat mich keine Liebesgeschichte mehr derart in ihren Bann gezogen. Einzig wen es stört, dass Hook doch ein ganzes Stück älter ist als Peter, wird hier nur wenig Freude haben – ich möchte aber anmerken, dass Peter selbst ebenfall bereits erwachsen ist, und die Beziehung der Beiden wirklich zu keinem Zeitpunkt unausgeglichen wirkt.
Als wäre das alles noch nicht genug ist „Peter Darling“ außerdem auch noch wunderbar geschrieben. Egal, ob es nun eine schnelle Actionszene ist, oder wirklich tiefgehende, wichtige Gedanken, Austin Chant findet für jede Situation genau die richtigen Worte – auch das ist vielleicht ein Grund, warum man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen kann.
Kurzum – „Peter Darling“ ist ein wirklich fantastisches Buch. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es nur sehr wenige weibliche Rollen gibt – das lässt sich aber leider auch kaum vermeiden, denn mit der Elimination von Wendy als eigenständige Figur bleibt da eben nur noch Tinker Bell übrig. Dass Tiger Lily in diesem Retelling gar nicht erst erwähnt wird kann man dem Autor  – wenn man die rassistische Komponente der Figur bedenkt – wirklich nicht vorwerfen, man muss es ihm eher zugute halten.
Von mir aus hätte es außerdem gerne noch etwas länger sein können, aber nicht, weil ich – wie zu Beginn noch befürchtet – das Gefühl hatte, dass da noch etwas fehlte, sondern weil ich Peter, Hook und Nimmerland einfach nicht mehr gehen lassen wollte. Am liebsten hätte ich das Buch sofort nachdem ich es beendet hatte nochmal von vorne angefangen.

Wie ihr merkt hat „Peter Darling“ mich also wirklich begeistert. Ich bin mir ehrlich gesagt immer noch nicht ganz sicher, ob ich meine Gedanken zu diesem Buch halbwegs angemessen in Worte fassen konnte, weil es mich einfach so überwältigt hat – schon lange hat kein Buch mich mehr so viel fühlen lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, bereits jetzt mein Monatshighlight für den Mai gefunden zu haben, und würde mich nicht wundern, wenn „Peter Darling“ am Ende des Jahres auch ganz oben auf meiner Liste der besten Bücher, die ich 2017 gelesen habe, auftauchen würde, denn so geliebt wie dieses habe ich bisher noch kein Buch dieses Jahr. Ich kann es wirklich nur wärmstens weiterempfehlen!

Blogbeitrag

Mein Lesemonat April

Hallo, ihr Lieben! Diesen April habe ich eine Hausarbeit fertig geschrieben, mein achtes – und vorraussichtlich letztes! – Bachelorsemester begonnen und außerdem Geburtstag gehabt. Es war also ein ziemlich ereignisreicher Monat für mich, weshalb ich auch kaum zum Lesen gekommen bin – sechs Bücher hatte ich mir vorgenommen, drei sind es dann schlussendlich geworden.
Und diese hier waren es:

Das dunkle Herz des Waldes – Naomi Novik
571 Seiten

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten – Becky Chambers
544 Seiten

Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichtes – Daniel Illger
(Skargat #1)
568 Seiten

Insgesamt sind das 1683 Seiten – wie in den bisherigen Monaten dieses Jahres auch deutlich weniger als ich noch letztes Jahr im Durchschnitt pro Monat gelesen habe. Ich schiebe das mal auf die Uni, denn da ich dieses Semester einen wirklich ziemlich vollen Stundenplan habe und noch dazu mein Bachelorarbeit auf dem Plan steht wird mein Lesepensum sich auch die nächsten Monate höchstwahrscheinlich nicht gerade erhöhen.

Mein Lieblingsbuch diesen Monat war ohne Zweifel „Das dunkle Herz des Waldes“ von Naomi Novik. Ich hatte gar keine allzu großen Erwartungen an das Jugendbuch, war dann aber total begeistert von den Charakteren, dem Worldbuilding und schlicht und ergreifend dem einzigartigen Charme dieses märchenhaften Romans. Definitiv ein Buch, das ich irgendwann noch einmal lesen werde!
Die anderen beiden Bücher die ich diesen Monat gelesen habe waren beide keine Enttäuschungen, komplett vom Hocker gerissen haben sie mich aber leider auch nicht. Becky Chambers „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ war eine leichte, schnelle Space-Opera mit wahnsinnig liebenswerten Charakteren, die mir zwar viel Spaß gemacht hat, mich schlussendlich aber einfach nicht so wirklich packen konnte. Vor allem lag das wohl an der teilweise etwas unzusammenhängenden, teilweise aber auch etwas nichtssagenden Handlung, bei der mir irgendwie der rote Faden gefehlt hat. Sehr schön fand ich dafür aber, wie vielfältig das Buch ist – so gibt es zum Beispiel eine queere Protagonistin, eine Romanze zwischen zwei Frauen, einen ganzen Haufen nicht-binärer Geschlechersysteme sowie geschlechtsneutrale Pronomen, und eine deutliche Ableismuskritik.
Bei „Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichtes“ von Daniel Illger mochte ich vor allem den Schreibstil und den Protagonisten, Mykar, sehr gerne. Es hat mir außerdem sehr gut gefallen, wie mysteriös das Buch war – genau das war aber auch manchmal das Problem. Ich hatte doch das ein oder andere Mal das Gefühl, dass das Buch einfach nicht wirklich auf den Punkt kommt, beziehungsweise vielleicht gar nicht so genau weiß, wo es eigentlich hinwill. Trotzdem hat es mir viel Spaß gemacht und ich hoffe, den zweiten Band auch bald lesen zu können!

Obwohl ich diesen Monat nur so wenig gelesen habe habe ich doch einige meiner Lesevorsätze für dieses Jahr erreicht – mit „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ hatte ich wie gesagt ein Buch mit einer queeren Protagonistin dabei, und mit „Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichtes“ ein Buch eines deutschen Autors.
Mit den neuen Buchformen und Genres hat es dafür wieder nicht so gut geklappt – ich glaube, diesen Punkt werde ich einfach bis nach Abschluss meiner Prüfungen dieses Semester verschieben müssen, wenn ich wieder genug Zeit und Energie habe, um über sowas wirklich nachzudenken – und mein SuB hat sich dank meines Geburtstags wohl eher vergrößert als abgebaut. Ich habe wirklich eine ganze Menge toller Bücher gekriegt, die ich euch hoffentlich bald noch einmal genauer zeigen werde!
Auch von meiner Leseliste habe ich diesen Monat kein Buch gelesen, obwohl ich mir zu diesem Zweck eigentlich „Wonder“ von R.J. Palacio vorgenommen hatte. Mir hat dann aber einfach die Zeit gefehlt – vielleicht schaffe ich es ja im Mai, denn ich bin wirklich schon sehr gespannt auf das Buch! Außerdem will ich nächsten Monat noch Chuck Wendigs „Star Wars Nachspiel – Lebensschuld“ fertig lesen, welches ich schon begonnen habe, und hoffentlich auch „Days of Blood and Starlight“ von Laini Taylor, welches ich mir eigentlich auch schon für diesen Monat vorgenommen hatte.

Wie war euer Lesemonat April denn so? Habt ihr eher viel oder auch eher wenig gelesen? War ein neues Lieblingsbuch dabei, oder habt ihr vielleicht sogar eines von den Büchern gelesen, die ich auch gelesen habe? Was habt ihr euch für den Mai so vorgenommen? Lasst mir wie immer gerne einen Kommentar da – ich freue mich!

Rezension

Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts

von Daniel Illger

Klett-Cotta Verlag, 568 Seiten

Preis: 17,95€

Inhalt

Schatten über Ahekrien. Die Gespensterhorde des Schwarzen Jägers reitet durch die Nacht. Das Böse erwacht, und in dem skrupellosen Rudrick hat es einen Handlanger gefunden. Es bedroht nicht nur das Dorf, in dem die Freunde Mykar und Cay aufwachsen, sondern das ganze Land.

In einem abgelegenen Dorf lebt der Außenseiter Mykar. Vom eigenen Vater und allen Bewohnern verachtet, hat er nur einen Freund: Cay, den Sohn des Dorfpriesters. Als eine Reihe grauenvoller Verbrechen geschieht, machen die verzweifelten Bauern Mykar zum Sündenbock. Sie knüppeln ihn nieder und verscharren ihn im Wald – alle halten ihn für tot. Als Jahre später Cay des Mordes an einem Adligen beschuldigt wird, ist für Mykar die Zeit gekommen zurückzukehren. Doch es steht viel mehr auf dem Spiel als nur Cays Leben…

Meine Meinung

„Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts“ ist ein Buch, an dem ich wohl ohne einen weiteren Gedanken vorbei gegangen wäre, hätte ich es im Buchladen gesehen. Sowohl das Cover als auch der Titel wirken – wenn man das Buch noch nicht gelesen hat – sehr generisch, und gerade im Fantasy-Genre findet man da eben auch oft Bücher mit ziemlich generischem Inhalt, um die ich dann lieber einen Bogen mache.
Ich habe den ersten Band von Daniel Illgers „Skargat“-Reihe aber nicht im Buchladen entdeckt, sondern letztes Jahr auf der Leipziger Buchmesse, wo der Autor anlässlich des Seraph-Preises, den er dafür gewonnen hat, ein Stück aus seinem Buch vorgelesen hat. Von Anfang an war ich gefesselt von dem einzigartigen Schreibstil und der interessanten Welt, in der „Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichtes“ spielt – und so habe ich mir das Buch damals direkt gekauft. Über ein Jahr später bin ich nun auch endlich dazu gekommen, es zu lesen!

„Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts“ ist zu Beginn sehr mysteriös, als Leser_in wird man mehr oder weniger einfach in die Handlung hineingeworfen und erfährt erst nach und nach, was eigentlich los ist. Tatsächlich wird erst im letzten Drittel des Buches klar, wie alle Fäden zusammenlaufen und worum es denn nun in der gesamten Reihe wirklich gehen wird. Das macht alles zwar sehr spannend und interessant, führt aber zwischendurch auch dazu, dass man mal den Faden verliert, was sehr schade ist.
Mykar mochte ich als Protagonisten sehr gerne. Er hat das Pech, in einem Jahr geboren zu sein, indem die gesamte Ernte seiner Region verdorben ist, und dann hat er auch noch mit den Füßen zuerst das Licht der Welt erblickt – fortan sehen die Bewohner seines Dorfes ihn als „Skargatkind“, das nur Böses und Unheil bringt, und deshalb möglichst gemieden werden sollte. Mykar ist der Sündenbock für alles, und gerade weil er das nichtmal als besonders ungerecht erachtet tat er mir noch viel mehr leid. Mit seiner direkten, etwas verschrobenen Art ist er mir jedenfalls sofort ans Herz gewachsen.
Auch die anderen Charaktere habe ich im Laufe des Buches lieb gewonnen, obwohl sie leider oft etwas zweidimensional rüberkamen. Vor allem der versoffene Adelige Justinius, der teilweise mehr wie eine Parodie seiner selbst wirkte, ist mir deshalb schnell auf die Nerven gegangen, weshalb ich immer froh war, wenn das die Handlung wieder aus Mykars Sicht erzählt wurde. Justinius‘ Magd Scara oder die geheimnisvolle Vanice waren mir da schon wieder etwas lieber – die Hintergrundgeschichte von Vanice fand ich sogar richtig interessant, und auch über Scara hätte ich gerne mehr erfahren, glaube aber, dass das Geheimnis um sie in diesem ersten Band der Reihe nicht ohne Grund noch ungelüftet geblieben ist.
Die Handlung ist – wie gesagt – zunächst noch sehr geheimnisvoll und es bleibt lange Zeit im Dunklen, worauf das Buch tatsächlich hinauswill. Trotzdem ist das Buch durchgehend fesselnd und wird vor allem zum Schluss hin, als nach und nach noch mehr Figuren auf den Plan treten, die alle ihre eigenen Ziele verfolgen, richtig spannend.
Zudem gefällt mir Daniel Illgers interessanter, irgendwie bodenständiger und direkter, aber doch sehr kunstfertiger Schreibstil sehr gut!

„Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts“ ist also – trotz der ein oder anderen kleinen Schwäche – ein  sehr vielversprechender Auftakt der „Skargat“-Reihe. Das wichtigste Wort hierbei ist jedoch „Auftakt“ – es wird wirklich erst zum Schluss richtig klar, worauf das Ganze nun hinauslaufen wird, wer also bereits im ersten Band auf viel Action hofft, der wird wohl eher enttäuscht werden. Trotzdem – oder vielleicht gerade weil das Buch sich so viel Zeit mit seinem Aufbau lässt – hat „Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichtes“ mir sehr viel Spaß gemacht, und ich freue mich bereits darauf, den zweiten Band zu lesen!

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