Rezension

Rivers of London

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von Ben Aaronovitch

Deutscher Titel: Die Flüsse von London

Orion Publishing Group Verlag, 390 Seiten

Preis: 8,99€

Inhalt

»Können Sie beweisen, dass Sie tot sind?«

Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Was seinen Vorgesetzten nicht entgeht. Peter selbst glaubt eigentlich gar nicht an das Übernatürliche – bis plötzlich Thomas Nightingale auf den Plan tritt, Polizeiinspektor und außerdem der letzte Zauberer Englands. Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Ein Mord in Covent Garden führt den frischgebackenen Zauberlehrling Peter auf die Spur eines bösartigeren und rachsüchtigen Geistes, der gewöhnliche Menschen in groteske Abbilder ihrer selbst verwandelt und ein Drama aus Verzweiflung und Gewalt schürt.

Meine Meinung

Ich habe „Rivers of London“ vor einiger Zeit bei einem Giveaway gewonnen und da ich eigentlich nur gutes über das Buch gehört hatte, habe ich mich sehr gefreut, als der Zwitscherbooks-Buchclub es letzten Monat zu seinem nächsten Buch wählte.

Zuerst war ich von dem Buch geradewegs begeistert – der Schreibstil ist locker, sarkastisch und tatsächlich witzig, ohne irgendwie gezwungen zu wirken, und auch die Welt und die Magie ist in „Rivers of London“ wirklich gut durchdacht und interessant gestaltet. Ich mochte es, wie wissenschaftlich Peter an die ganze Sache herangegangen ist, ich mochte den linguistischen Einfluss, und überhaupt hätte ich gerne noch viel mehr über all diese Dinge erfahren.
Ich mochte außerdem, wie viel Mühe der Autor sich gegeben hat, sein Buch divers zu machen, indem er eine ganze Reihe von Charakteren – inklusive dem Protagonisten, Peter – ausdrücklich nicht weiß geschrieben hat. Auch die Nebencharaktere sind mir alle sofort ans Herz gewachsen – der mysteriöse Nightingale, die schweigsame Molly, die aufbrausende Beverley und auch Peters Freundin von der Poilzeiausbildung, Lesley, sind alle wahnsinnig liebenswert und interessant.
Je mehr ich von dem Buch gelesen habe, desto mehr ist mir allerdings sein Protagonist auf die Nerven gegangen – zum Ende hin wurde es so schlimm, dass ich mich tatsächlich zwingen musste, das Buch überhaupt noch aufzuschlagen. Hätte ich es nicht im Buchclub gelesen, dann hätte ich es wahrscheinlich einfach abgebrochen.
Zu Beginn ist es nur Lesley, die von Peter ohne Unterlass sexualisiert und objektifiziert wird, und obwohl mir das schon tierisch gegen den Strich gegangen ist, konnte ich es mir zumindest noch dadurch erklären, dass er offensichtlich einfach wahnsinnig in sie verknallt war. Aber mit jedem anderen weiblichen Charakter, der auftritt, tut er genau dasselbe – wirklich jede Frau, die in „Rivers of London“ eine Rolle spielt ist im Grunde nur dazu da, Peters sexuelle Fantasien anzuregen. Es ist ekelhaft.
Außerdem immer wieder aufgestoßen sind mir die generalisierenden Kommentare, die Ben Aaronovitch über schwarze/afrikanische Familien einstreut. Peters Mutter stammt aus Sierra Leone und diese Aussagen sollten vermutlich immer wieder auf seine Abstammung hinweisen – allerdings hat es für mich doch einen sehr schalen Beigeschmack, wenn ein weißer, britischer Autor sich in seinem Buch pausenlos darüber auslässt, dass schwarze/afrikanische Frauen nur Kinder kriegen würden, damit diese ihre Hausarbeit erledigen, oder dass sie diese ohnehin pausenlos schlagen würden.
„Rivers of London“ ist wirklich ein prima Beispiel dafür, dass ein Autor, der seinem Buch einen schwarzen Protagonisten gibt, sehr wohl noch deutlich rassistisch sein kann. Das hat mir wirklich gründlich den Spaß an dem – davon abgesehen eigentlich spannenden und unterhaltsamen – Buch genommen.

Alles in Allem ist „Rivers of London“ ein Buch mit einer tollen Grundidee, das viel Potenzial gehabt hätte, wenn es nur jemand anderes geschrieben hätte. Oder wenn es aus der Sicht von Lesley oder Nightingale erzählt worden wäre. Oder Peter einfach auf den ersten zehn Seiten gestorben wäre. So werde ich die Reihe leider definitiv nicht weiterlesen – dafür ist in dem Buch einfach zu viel grundlegend falsch gelaufen. Schade!

Rückblick

Mein Lesemonat November

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Hallo, Leute! Und schwupps, ist der November schon wieder vorbei. Ich habe fast das Gefühl, dass die Zeit noch schneller vorbei geht, seit ich angefangen habe, am Ende jeden Monats einen kleinen Rückblick auf meine gelesenen Bücher zu schreiben. Ist der November wirklich schon wieder vorbei? Ist das Jahr wirklich schon wieder fast vorbei? Es kommt mir vor, als hätte ich erst vor ein paar Wochen meinen Jahresrückblick 2015 geschrieben, und jetzt ist es schon beinahe wieder Zeit für den nächsten – einfach unglaublich.
Obwohl die Zeit nur so dahin zu fliegen scheint, habe ich es diesen Monat trotzdem auf eine recht ansehnliche Zahl von Büchern gebracht – sechs Stück nämlich! Und das hier waren sie:

Der Übergang – Justin Cronin
Der Übergang #1
(1020 Seiten)

Die Zwölf – Justin Cronin
Der Übergang #2
(822 Seiten)

Die Spiegelstadt – Justin Cronin
Der Übergang #3
(983 Seiten)

Across the Universe – Beth Revis
Across the Universe #1
(398 Seiten)

Star Wars: Nachspiel – Chuck Wendig
Nachspiel #1
(477 Seiten)

Die Mitte der Welt – Andreas Steinhöfel
(460 Seiten)

Insgesamt komme ich damit auf 4106 Seiten – das ist für mich wirklich außergewöhnlich viel, und sogar mehr als ich letzten Monat während des Stephen King Lesemonats gelesen habe, bei dem ich sonst immer zu Höchstformen auflaufe. Zusätzlich habe ich auch noch etwa 150 Seiten von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson gelesen, habe das Buch dann aber schlussendlich abgebrochen, weshalb ich es nicht mitzählen möchte.
Diesen Monat gab es außerdem mal wieder ein ganz klares Lesehighlight von mir, nämlich „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel. Das Buch hat mich von Anfang an mit seiner tollen Sprache und seinen interessanten Charakteren in seinen Bann gezogen, und obwohl ich mich gewzungen habe, zwischendurch Pausen zu machen, habe ich es innerhalb kürzester Zeit gelesen. Ich kann gar nicht glauben, dass ich es zuvor so lange auf meinem Regal habe verstauben lassen – da hat sich wirklich ein kleines Juwel versteckt gehabt!
Auch sonst habe ich diesen Monat überwiegend gute Bücher gelesen. Zum einen wäre da natürlich die „Der Übergang“-Reihe von Justin Cronin, die mich wahnsinnig gut unterhalten hat – wie sonst hätte ich die insgesamt fast 3000 Seiten auch so schnell verschlingen können? Diese epische, postapokalyptische Trilogie schafft eine wunderbar düstere und detailreiche Welt voll mit interessanten Charakteren, die ich wirklich jedem, der sich auch nur im entferntesten für diese Art von Büchern interessiert, ans Herz legen möchte. Toll war es natürlich außerdem, dass ich noch während ich die Reihe gelesen habe die Lesung des Autors von seinem dritten Buch, „Die Spiegelstadt„besuchen konnte. Vielen Dank nochmal an den Goldmann-Verlag für die Einladung hierzu! Justin Cronin ist wirklich ein wahnsinnig sympathischer, witziger Mensch, und die Einblicke, die er uns während der Lesung in seine Gedankenwelt gegeben hat, haben die Trilogie für mich noch interessanter gemacht!
Auch das Star Wars Buch „Nachspiel“ von Chuck Wendig hat mich vor allem mit seinen einzigartigen, liebenswerten Charakteren total begeistert, und ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band, der nächstes Jahr erscheinen wird.

Eine Enttäuschung gibt es diesen Monat aber leider auch mal wieder, und zwar das oben bereits erwähnt „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson. Ich habe schon lange immer  wieder mit dem Gedanken gespielt, das Buch zu kaufen, und als ich es vor ein paar Wochen in einem kostenlosen Bücherschrank gefunden habe, habe ich mich natürlich total gefreut. Als ich es dann anfing kam die Ernüchterung aber relativ bald – das Buch liest sich zwar angenehm schnell, aber trotzdem habe ich nicht bis zum Schluss durchgehalten. Es war absolut nicht mein Humor und erschien mir einfach zu oft zu gezwungen lustig, sodass es mir allerhöchstens mal ein müdes Lächeln entlocken konnte. Außerdem konnte ich weder mit den Charakteren noch mit der Handlung viel anfangen, weshalb es mich irgendwann auch überhaupt nicht mehr interessiert hat, was auf den restlichen Seiten noch passiert und ich es schlussendlich einfach abgebrochen habe. Wirklich sehr schade!
Auch „Across the Universe“ hat mich bei diesem Reread deutlich weniger begeistert als noch vor fünf, sechs Jahren, als ich es zum ersten Mal gelesen habe – trotzdem war es ein nettes, schnelles Leseerlebnis und ich freue mich schon darauf, die nächsten Bände auch zu lesen!

Meine selbstgesetzten Leseziele habe ich diesen Monat größtenteils auch wieder erreicht. Ein Klassiker war im November zwar nicht dabei, dafür mit „Across the Universe“ aber ein Reread und mit Andreas Steinhöfel ein deutschsprachiger Autor.
Besonders gefreut habe ich mich, als ich am Ende des Monats festgestellt habe, dass ich mein Ziel, diverser zu lesen, mehr als nur erfüllt habe – sowohl „Die Mitte der Welt“ als auch „Star Wars: Nachspiel“ haben einen homosexuellen und „Across the Universe“ sowie die „Der Übergang“-Reihe jeweils einen nicht weißen Protagonisten. Ich glaube, es ist mir noch nie gelungen, ganz ohne darauf zu achten einen ganzen Monat lang kein einziges Buch mit nur weißen cishet Protagonisten zu lesen, was das Ganze nur umso besser macht!
Meinen SuB konnte ich diesen Monat, obwohl ich so viel gelesen und nichts neu gekauft habe, allerdings wieder nur um ein Buch veringern, denn neben einem Rezensionsexemplar („Ich gebe dir die Sonne“ von Jandy Nelson) habe ich im letzten Monat auch eine LovelyBox mit ganzen vier tollen Büchern darin gewonnen! Ich habe mich wirklich wahnsinnig darüber gefreut und denke, dass diese neuen Bücher auch nicht sehr lange auf meinem SuB liegen werden, denn dafür bin ich viel zu gespannt auf sie.

Das war’s dann auch schon wieder von mir. Obwohl „schon“ vielleicht das falsche Wort ist – irgendwie werden meine Monatsrückblicke immer viel, viel länger als ich geplant hatte, und ich muss mich wahrscheinlich wirklich glücklich schätzen, wenn überhaupt jemand von euch bis hierhin gelesen hat.
Naja – wenn tatsächlich der ein oder andere durchgehalten hat, dann freue ich mich natürlich umso mehr! Vielleicht mögt ihr mir ja noch verraten, was ihr im November so gelesen habt? Habt ihr ebenfalls ein neues Lieblingsbuch entdeckt oder seid ihr vielleicht auch von einem Buch wahnsinnig enttäuscht worden? Habt ihr schon Lesepläne für den Dezember? Lasst mir einfach einen Kommentar da – mich interessiert sowas immer brennend!

Rezension

Star Wars: Nachspiel

Star Wars - Nachspiel von Chuck Wendig
Star Wars - Nachspiel von Chuck Wendig

von Chuck Wendig

Originaltitel: Star Wars: Aftermath

blanvalet Verlag, 478 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Der Beginn einer neuen Ära für das Star-Wars-Universum

Der zweite Todesstern ist zerstört worden. Das Galaktische Imperium befindet sich in völligem Chaos. Der Imperator und Darth Vader sind tot. Innerhalb der Galaxis wird diese Entwicklung von einigen Systemen gefeiert, während in anderen die imperialen Fraktionen brutal durchgreifen.
Die Rebellenallianz macht sich auf, die angeschlagenen Streitkräfte des feindlichen Imperiums zur Strecke zu bringen, ehe diese sich neu gruppieren und zurückschlagen können.
Doch auch das Imperium schläft nicht – und so macht ein einsamer Kundschafter der Rebellen bald eine folgenschwere Entdeckung…

Meine Meinung

Zum ersten Mal aufmerksam geworden auf “Star Wars: Nachspiel” bin ich kurz nach der englischsprachigen Veröffentlichung, als eine ganze Reihe – meist männlicher – Star Wars Fans sich darüber empörten, dass Chuck Wendig es tatsächlich gewagt hatte, seinem Buch einen homosexuellen Protagonisten zu geben. Für mich war das eher ein Argument für das Buch, als eines dagegen – gibt es denn eine bessere Kombination als Star Wars und Queerness? – und deshalb habe ich dem deutschen Erscheinungstermin schon lange entgegengefiebert. Umso mehr habe ich mich gefreut, als der blanvalet Verlag mir ein Rezensionsexemplar des Buches zuschickte!

Ich muss sagen, dass “Star Wars: Nachspiel” komplett unabhängig von der Sexualität seines Protagonisten – obwohl ein wenig Diversität in dieser Hinsicht für mich natürlich immer ein großer, großer Pluspunkt ist – einfach nur ein richtig gutes Buch ist.
Die Sache mit Star Wars Büchern – oder vermutlich generell mit Merchandise-Büchern – ist die, dass sie an sich meistens höchstens ganz okay sind und nur deshalb wirklich Spaß machen, weil sie eben im Star Wars Universum spielen. Hier ist das anders – tatsächlich ist “Star Wars: Nachspiel” das erste Star Wars Buch, das ich je gelesen habe, das auch ganz unabhängig davon ganz genauso spannend und lesenswert wäre, wie es das so ist.
Der erste Punkt, der mir in dieser Hinsicht gleich auf der ersten Seite aufgefallen ist, ist dass das Buch überraschend gut geschrieben ist. Ich habe schon eine ganze Reihe von Star Wars Büchern in unterschiedlicher Qualität gelesen, aber dieses hier ist tatsächlich das erste, bei dem ich nicht einmal über irgendwelche komischen Phrasen oder Übsersetzungsfehler gestolpert bin, die mich total aus dem Lesefluss gerissen haben – im Gegenteil, oft habe ich sogar eine Zeile oder einen Absatz noch einmal gelesen, einfach nur, weil die Formulierung mir so gut gefallen hat.
Die Geschichte selbst ist sehr geheimnisvoll, und erst zum Schluss hin beginnt man langsam zu verstehen, wo die Fäden zusammenlaufen, was das Ganze wirklich sehr spannend macht. Das, in Kombination mit den vielen actionreichen Szenen, führt dazu, dass das Buch sich quasi von selbst liest. Sobald man ein, zwei Kapitel gelesen hat kann man es einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Dazu kommen dann noch die vielen wirklich interessanten und gut ausgearbeiteten Charaktere. Sinjin, ein Ex-Imperialer, der sich jetzt vor seinen eigenen Leuten versteckt, Jas, eine zuerst vom Imperium und später von den Rebellen angeheuerte Kopfgeldjägerin, Norra, eine Rebellenpilotin, Temmin, ihr Sohn, den sie vor Jahren auf ihrem Heimatplaneten zurückließ, um sich den Rebellen anzuschließen, sowie dessen schräger, selbstgebauter Kampfdroide Mister Bones bilden das Herzstück der Figuren in diesem Buch. Ich habe den ungleichen Haufen wahnsinnig schnell ins Herz geschlossen und könnte gar nicht sagen, wen ich denn nun am liebsten mag – jeder hat seine eigene Persönlichkeit und sein eigenes Päckchen zu tragen, und es ist spannend, zu beobachten, wie sie alle langsam zu einer Gruppe zusammenwachsen, statt wie noch zu Beginn mehr ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Der ungleiche Haufen ist es, der das Buch erst so richtig toll macht, denn er haucht ihm eine Seele ein.

Alles in allem kann ich sagen, dass “Star Wars: Nachspiel” ohne Zweifel das beste Star Wars Buch ist, das ich jemals gelesen habe. Ich freue mich schon wahnsinnig auf die Veröffentlichung des zweiten Bandes nächstes Jahr und kann es gar nicht erwarten, zu erfahren, wie es denn nun weitergeht. Vor allem freue ich mich aber darauf, die Charaktere wieder zu sehen, an die ich mein Herz schon längst verloren habe!

Ich habe “Star Wars: Nachspiel“ als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten – vielen Dank dafür an den blanvalet Verlag!

Rezension

Die Mitte der Welt

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von Andreas Steinhöfel

Carlsen Verlag, 460 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Der siebzehnjährige Phil ist auf der Suche. So wenig er über seine Vergangenheit weiß, so chaotisch ist seine Gegenwart.
Da ist zum Beispiel seine Mutter Glass mit ihren ständig wechselnden Liebhabern, die in der Erziehung schon immer eher auf Freiheit als auf Anleitung gesetzt hat. Oder seine Zwillingsschwester Dianne, schroff und eigenwillig, mit Geheimnissen, die sie längst nicht mehr mit Phil teilt. Oder Annie, die verrückte Alte mit den roten Schuhen, die sich ausschließlich von Kirschlikör zu ernähren scheint und Nicholas, der Unerreichbare, in den sich Phil unsterblich verliebt hat.
Phil sehnt sich nach Orientierung und Perspektiven. Und vor allem danach, endlich seinen Platz in der Welt zu finden…

Meine Meinung

Ich habe „Die Mitte der Welt“ vor Ewigkeiten einmal bei einer reBuy-Bestellung mit bestellt. Ich hatte eigentlich noch nie etwas von dem Buch gehört, aber es war nicht teuer und mir haben noch ein paar Euro Warenwert gefehlt, um die Versandkosten, die darauf anfallen würden, vor mir selbst rechtfertigen zu können, außerdem versprach der Klappentext eine queere Romanze, was ich immer gut finde, also habe ich es einfach mit in den Einkaufswagen gelegt.
Wie das bei Büchern, die man nur mal eben irgendwo mitnimmt, oft so ist, habe ich es anschließend in mein Regal verfrachtet und einfach nie wieder daran gedacht – bis letzten Monat, als ich plötzlich unheimliche Lust hatte, „Die Mitte der Welt“ zu lesen.

Und was soll ich sagen? Ich habe das Buch geliebt wie schon lange keines mehr. Von der ersten Zeile an war komplett gefesselt. Ich musste mich zwischendurch wirklich zwingen, Pausen einzulegen, denn sonst hätte ich es komplett an einem Tag durchgelesen, und das wollte ich nicht, denn dafür hat es mir zu sehr gefallen – ich wollte einfach nicht, dass es gar so schnell vorbei ist.
Der Schreibstil ist wunderschön. Wie aus einem Märchen umfangen einen Andreas Steinhöfels Worte und tragen einen wolkengleich durch die Geschichte. Es gibt Autoren, die ihre Sprache dazu verwenden, eine Geschichte zu erzählen, und es gibt Autoren, die daraus ein ganzes Universum weben – Steinhöfel gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Mit den schönsten Bildern, einfühlsam und doch direkt, verschnörkelt aber ohne einen Hauch von Kitsch erschafft er die Welt des siebzehnjährigen Phils, der mit seiner Mutter und seiner Schwester in der abgelegenen, baufälligen und doch wunderschön geheimnisvollen Villa „Visible“ wie in einer eigenen kleinen Welt lebt – weit weg von den einheimischen Dorfbewohnern, die die Familie auch nach fast 20 Jahren immer noch nicht als eine der ihren akzeptiert haben.
Wenn mich jemand fragen würde, worum es in dem Buch eigentlich geht, so könnte ich es gar nicht so genau auf den Punkt bringen. Der Klappentext schafft es nicht wirklich, und ich wohl auch nicht so richtig – es geht um eine magische Kindheit und ums Erwachsenwerden, um Geheimnisse, um Kälte und Entfremdung, und auch darum, wie es ist, zum ersten Mal verliebt zu sein – irgendwo zwischen einer Mutter, die diese Liebe bedingungslos akzeptiert, und einer konservativen Dorfgemeinschaft, die noch lange nicht so weit ist. Es geht um Leben, um Tod, um Verlust, um die endlose Suche eines jeden Einzelnen nach sich selbst und die ewige Frage, was es denn eigentlich bedeutet, normal zu sein, und ob diese Normalität überhaupt etwas erstrebenswertes ist.
Und allem voran geht es einfach um Phil – der ruhige, sanfte, liebenswerte und doch so absolut nicht perfekte Phil, der sich nicht groß darum kümmert, was andere von ihm denken, und der das Leben lieber von der Seitenlinie aus beobachtet, statt tatsächlich daran teilzuhaben.
„Die Mitte der Welt“ lässt sich nicht in ein paar Sätzen zusammenfassen und das ist genau das, was das Buch so toll macht – es ist zu groß, zu vielschichtig, man muss es einfach lesen, um es in seiner Gänze erfassen zu können. Es ist ein Buch, in dem wahnsinnig viele verschiedene Fäden zusammenlaufen, sich irgendwo in der Mitte für einen Moment verknoten, und sich dann wieder voneinander fortbewegen, jeder in seine eigene Richtung. Ein Buch, in dem viele Fragen gestellt aber bei weitem nicht alle beantwortet werden, weil das irgendwie den Zauber zerstören würde.

„Die Mitte der Welt“ ist so viel mehr als einfach nur ein Coming of Age Roman, als einfach nur ein Jugendbuch mit einem schwulen Protagonisten oder nur ein weiteres Buch über die erste große Liebe. Es ist magisch, es ist feministisch, klug und mutig, und es besticht mit einem Haufen fantastischer Charaktere, die einen einfach nicht mehr loslassen.
Ich weiß jetzt schon, dass es eines meiner liebsten Bücher dieses Jahres sein wird, und auch, dass ich es vielleicht zum ersten, mit Sicherheit aber nicht zum letzten Mal gelesen habe. „Die Mitte der Welt“ ist eines der wenigen Bücher, die sich von der ersten Seite an einen permanenten Platz in meinem kleinen Leserherz gebaut haben, und ich bin schlicht und ergreifend unheimlich froh, es gelesen zu haben.

Blogbeitrag

Die LovelyBox: Fischer TOR Special Edition

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Seit genau einem Jahr gibt es sie jetzt, die LovelyBox – eine tolle Bücherbox, die jeden Monat von von LovelyBooks verlost wird. Bekannt ist immer nur das Thema der Box, welche Bücher genau drin sind, bleibt ein Geheimnis, bis die Box bei einem zuhause ankommt und man sie öffnet.
Um eine LovelyBox zu gewinnen müsst ihr euch einfach nur hier für den Newsletter anmelden oder regelmäßig auf die Seite klicken, damit ihr die nächste Box nicht verpasst, euch dann mit eurem Namen und eurer Adresse „bewerben“ und hoffen, dass ihr zu den Gewinnern zählt!

Es ist nicht das erste Mal, dass ich meinen Namen in den Lostopf um die begehrten Bücherboxen werfe, aber das erste Mal, dass ich tatsächlich eine gewonnen habe – und ich kann euch sagen, ich habe mich gefreut wie Bolle, denn das Thema diesen Monats hat mich auch noch ganz besonders angesprochen: Anlässlich der Gründung des neuen Fischer TOR Verlags entführt einen diese Spezialbox in fremde Fantasy- und Science-Fiction Welten – meine beiden absoluten Lieblingsgenres!
Da kann ich es mir natürlich auch nicht nehmen, hier auf dem Blog ausführlich über meine LovelyBox zu schwärmen – und das ist sie:

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Zuerst einmal hatte die LovelyBox einen relativ umständlichen Weg zu mir – eigentlich hätte sie schon letzte Woche da sein sollen, aber scheinbar wurde mein Paket in der Post falsch einsortiert und dann schlicht und ergreifend gar nicht ausgeliefert. Wäre ja alles kein Problem, wenn ich wenigstens irgendeine Art von Benachrichtigung darüber bekommen hätte, dass ich mein Paket selbst abholen soll – habe ich aber nicht.
Glücklicherweise haben die netten Menschen bei LovelyBooks sich sofort um mein Problem gekümmert und mir mit der Sendungsnummer beim Suchen geholfen, sodass ich – nach einigen Umwegen, denn die Filiale in der das Paket war war im internen Post-System ebenfalls nicht gespeichert, sodass mir wirklich keiner sagen konnte, wo mein Paket steckte, fündig geworden bin ich dann nach zwei Tagen Suche im Hauptpostamt – meine Box gestern endlich in den Händen halten konnte.
Ich habe mich gefreut wie ein Kind an Weihnachten, als ich sie endlich auspacken durfte – so aufgeregt war ich wirklich schon lange nicht mehr!

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So sah meine Box von innen aus – liebevoll verpackt, mit ein ein Brief und ein paar süßen Lesezeichen obendrauf und einem wirklich verlockend aussehendem Stapel Bücher, der verführerisch unter dem grünen Packpapier hervorlugte. Die Box war schneller ausgepackt, als ihr „auspacken“ überhaupt sagen könnt, das könnt ihr mir glauben!

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Und das ist er, der Inhalt der Fischer TOR Special Edition LovelyBox – neben ein paar kleinen Goodies in Form von den bereits erwähnten Lesezeichen – endlich habe ich meinen eigenen Lesefuchs! – und einer kleinen Taschenlampe mit Fischer TOR Logo – Ich habe fast Lust, damit abends ganz heimlich noch etwas unter der Bettdecke zu lesen! – gab es ganze vier tolle Bücher und eine wirklich schicke, riesengroße Fantasy-Karte vom Fischer TOR-Verlag, die ich später noch einmal genauer herzeigen werde – aber jetzt erstmal zu den Büchern!

lovely-box-9„Am Ende aller Zeiten“ von Adrian J. Walker

Wie weit würdest du gehen… für die, die du liebst?

Edgar Hills ist Mitte dreißig, und er hat sein Leben gründlich satt. Unzufrieden mit sich und seinem Alltag als Angestellter, Familienvater und Eigenheimbesitzer weiß er nur eins: So kann es nicht weitergehen.

Als das Ende kommt, kommt es von oben: Asteroideneinschläge verwüsten die Britischen Inseln. Städte, Straßen, Internet – all das gehört plötzlich der Vergangenheit an. Das Chaos ist gigantisch, die Katastrophe total. Edgar wird von seiner Familie getrennt und vor die größte Herausforderung seines Lebens gestellt: Will er Frau und Kinder jemals wiedersehen, muss er von Schottland nach Cornwall laufen, 500 Meilen durch ein sterbendes Land. Und er muss zu dem Mann werden, der er schon immer sein wollte.

Weder von dem Autor noch von dem Buch habe ich bisher je etwas gehört, aber ich muss sagen, der Klappentext hat mich sofort überzeugt. „Am Ende aller Zeiten“ hört sich wahnsinnig spannend an, und passt momentan außerdem genau in mein Leseschema – seit ein paar Wochen bin ich nämlich ganz verrückt nach postapokalyptischen Büchern. Noch dazu bin ich fast aus den Latschen gekippt, als ich „Am Ende aller Zeiten“ aufschlug und feststellte, dass es signiert ist – Wahnsinn!
Ich freue mich also schon wirklich, wirklich sehr auf das Buch!

lovely-box-10„Im Schatten des Himmels“ von Guy Gavrien Kay

Auf einem einsamen Schlachtfeld in den Bergen steht der junge Kriegermönch Shen Tai und blickt in die Ferne. Er hört den Ruf des Schicksals: Die Jadeprinzessin von Taguran hat ihm als Belohnung für heldenhafte Taten zweihundertfünzig sardinische Pferde zum Geschenk gemacht, Geschöpfe von unvergleichlicher Schönheit und Seltenheit.
Damit wird er auf einen Schlag zu einem der mächtigsten Männer seiner Heimat Kitai, dem legendären Reich der Mitte. Und er muss sich schon bald nicht nur der tödlichen Intrigen am Hof des Kaisers erwehren, sondern auch einer Gefahr von außen, die ganz Kitai in den Untergang zu reißen droht…

Mit seinem schicken, gold glänzenden Cover hat „Im Schatten des Himmels“ sofort meinen Blick auf sich gezogen. Allein vom Klappentext her weiß ich ehrlich gesagt noch nicht wirklich, was mich in dem Buch erwartet, aber der Aufkleber auf der Vorderseite, der – zugegebenermaßen etwas plump – „Game of Thrones in China“ verkündet, gibt mir doch eine Idee. Normalerweise mag ich es so gar nicht, wenn Bücher mit anderen bereits erschienen Büchern verglichen werden, weil das irgendwie immer falsche Erwartungen weckt – aber hier hoffe ich einfach, einen Fantasy-Roman mit schön viel politischen Intrigen und tiefgehenden Charakteren zu finden, denn genau das habe ich an den „Ein Lied von Eis und Feuer“ Büchern von George R.R. Martin so geliebt.
Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt auf „Im Schatten des Himmels“!

lovely-box-11„Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ von Becky Chambers

Willkommen an Bord der Wayfarer

Die junge Rosemary Harper möchter vor allem eins: ihren Heimatplaneten Mars und ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Die klapprige Wayfarer mit ihrer skurrilen Besatzung kommt ihr da gerade recht. Als Kapitän Ashby jedoch den Auftrag annimmt, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Spezies der Toremi lebt, bahnt sich eine Katastrophe an. Und für Rosemary beginnt das Abenteuer ihres Lebens…

Als ich „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ aus der LovelyBox zog konnte ich es erst gar nicht fassen, denn vor ein paar Wochen hätte ich mir das Buch schon einmal fast auf englisch gekauft. Ich war dann doch vernünftig, denn finanziell ist es bei mir gerade eher eng – umso größer war natürlich meine Freude darüber, es jetzt auf diesem Weg bekommen zu haben! Nicht nur der interessante Titel hatte mein Interesse geweckt, sondern auch der Inhalt, der dem Leser laut einem Zitat auf der Rückseite „den Glauben an die Science Fiction (im Besonderen) und an die Menschheit (im Allgemeinen) zurückgibt.“
„Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ steht deshalb natürlich ab sofort ganz oben auf meiner Leseliste!

lovely-box-12„Der Winterkaiser“ von Katherine Addison

Magie und Intrigen am Hof des Elfenkaisers…

Als Maia überraschend zum Elfenkaiser gekrönt wird, eröffnet sich ihm eine bislang unbekannte Welt: eine Welt der Intrigen, Machtspiele und Mordkomplotte. Ohne Freunde und Vertraute muss sich der junge und unerfahrene Kaiser in einer streng ritualiserten Umgebung behaupten, in der ein falsches Wort den Tod bedeuten kann und jeder Fehler grausam bestraft wird…

Auch von „Der Winterkaiser“ hatte ich noch nie etwas gehört, bis ich das Buch gestern in der LovelyBox gefunden habe, was das Ganze aber aber natürlich eigentlich nur noch spannender macht. Nicht nur das Cover ist wirklich schön, auch der Inhalt hört sich vielversprechend an – politische Intrigen habe ich wie gesagt bei George R.R. Martin lieben gelernt – und die Auszeichnung mit dem Locus Award für den „Besten Fantasy-Roman des Jahres“ lässt natürlich nur Gutes vermuten.
Ich bin jedenfalls schon wirklich sehr neugierig auf den Roman!

Wie ihr sehen könnt bin ich also wirklich ganz begeistert von den vier Büchern, die das Team von LovelyBooks für die diesmonatige Bücherbox ausgewählt hat – ich habe mich über jedes einzelne wahnsinnig gefreut und will sie alle möglichst bald lesen!
Neben diesen fantastisch klingenden Romanen gab es in der LovelyBox dann noch ein weiteres Highlight – nämlich das riesige Poster, das der Fischer TOR Verlag noch dazu gelegt hat, und für das ich auf jeden Fall noch einen Platz an irgendeiner Wand finden muss.
Die Karte ist so riesig, dass ich sie gar nicht richtig in ihrer Gesamtheit fotografieren konnte – vielen Dank an dieser Stelle an meinen Freund, der sie für mich hochgehalten hat, sodass ich zumindest ein halbwegs passables Bild für euch knipsen konnte! Und das ist sie:

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Ich kann wirklich gar nicht aufhören, dieses Schmuckstück anzustarren und die Orte aus bekannten Fantasy- und Science Fiction Roman zu suchen.

lovely-box-8 lovely-box-7Hier liegt Hogwarts gleich neben Narnia und auch nach Westeros und Mittelerde ist es nur ein Katzensprung – und wenn man etwas weiter südlich wandert, kommt man vielleicht auch am Schloss Otranto vorbei. Nur zu weit in Richtung Osten sollte man sich nicht wagen – denn wer möchte schon in den Einöden des Realismus verloren gehen?
Auch die Sci-Fi Seite ist wirklich schon gestaltet, hier kann man von Panem, der Burg Frankenstein oder der Area 51 aus in den Himmel sehen und die Sterne, sowie auch ein paar Planeten beobachten – den Mars, die Venus, oder vielleicht doch lieber Tattooine?
Das kleine Castle Rock im Süden hat mir hier besonders gefallen – zwar weiß ich, dass hier vermutlich eher der Castle Rock aus „Herr der Fliegen“ gemeint ist, aber ich musste doch sofort an die kleine Stadt im Stephen King Universum denken, in der ich letzten Monat so viel Zeit verbracht habe.
Ich werde auf jeden Fall nicht müde, diese schicke Karte anzuschauen. Hach, was würde ich dafür geben, tatsächlich in der dort abgebildeten Welt zu leben! Aber mit meinen schönen neuen Fantasy- und Science Fiction Büchern kann ich das ja zumindest eine Zeit lang.

Kurzum – ich habe die LovelyBox wirklich geliebt. Die Karte ist wunderschön, die Bücher alle einfach nur phänomenal und auch über die kleinen Goodies habe ich mich wahnsinnig gefreut. Ich kann es immer noch nicht so richtig fassen, dass ich tatsächlich zu den glücklichen Gewinnern dieser tollen Bücherbox gehört habe – so viel Spaß wie das Auspacken der Box und das Ansehen des Inhalts hat mir wirklich schon lange nichts mehr gemacht.
Unendlich vielen Dank dafür an das tolle Team von LovelyBooks und natürlich auch an die Menschen vom neuen Fischer TOR Verlag, die hier wohl mit LovelyBooks zusammengearbeitet haben. Ihr habt mir eine riesige Freude gemacht, und ich kann es gar nicht erwarten, alle vier Bücher aus dieser Special Edition LovelyBox zu lesen! Vielleicht machen die mir ja sogar noch mehr Spaß als die Box selbst – sie klingen auf jeden Fall alle absolut fantastisch. Ich bin wirklich schon sehr gespannt darauf! An die Vorfreude, die Aufregung und den Zauber, den die LovelyBox mit sich gebracht hat, werde ich mich beim Lesen auf jeden Fall immer erinnern.

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