Rezension

Naokos Lächeln

naoko
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von Haruki Murakami

Originaltitel: ノルウェイの森 (Noruwei no Mori)

btb Verlag, 416 Seiten

Preis: 10,00€

Inhalt

Tokio in den späten 60er Jahren: Während sich auf der ganzen Welt die Studenten versammeln, um das Establishment zu stürzen, gerät auch das private Leben von Tōru Watanabe in Aufruhr. Mit seiner ersten Liebe Naoko verbindet ihn eine innige Seelenverwandtschaft, doch ihre Beziehung ist belastet durch den tragischen Selbstmord ihres gemeinsamen Freundes Kizuki. Als die temperamentvolle Midori in sein Leben tritt, die all das ist, was Naoko nicht sein kann, muss Tōru sich zwischen Vergangenheit und Zukunft entscheiden …

Meine Meinung

„Naokos Lächeln“ ist der erster Roman, den ich von Haruki Murakami gelesen habe. Ich habe das Buch vor einigen Jahren weniger wegen seines Inhalts – ich muss zugeben, dass der Klappentext an sich nicht besonders ansprechend auf mich wirkt – als wegen seines Autors gekauft, von dem ich schon so viel Gutes gehört hatte. Dementsprechend waren meine Erwartungen an das Buch eher hoch, zugleich hatte ich aber auch ein bisschen Angst, es könnte mir vielleicht doch nicht so gut gefallen wie erwartet und ich würde enttäuscht werden.

Dazu gab es aber glücklicherweise keinen Grund. Ich hatte die erste Seite von „Naokos Lächeln“ noch nicht einmal zu Ende gelesen, da begann ich schon zu begreifen, was die Magie von Haruki Murakamis ausmacht, und warum so viele ihn als Schriftsteller geradezu verehren.
Sehr ruhig, ohne dabei auch nur eine Sekunde langweilig zu sein, sondern einfach nur wahnsinnig atmosphärisch und vor allem auch sehr melancholisch erzählt er hier die Geschichte von Tōru Watanabe, die eigentlich viel mehr die Geschichte seiner ersten großen Liebe Naoko ist. Ich kann das Gefühl, das ich beim Lesen von „Naokos Lächeln“ hatte, gar nicht recht in Worte fassen – ich weiß nur, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie ein Buch gelesen habe, dass etwas ähnliches in mir ausgelöst hat.
Einen Satz, den ich im Bezug auf Murakamis Bücher schon öfter gehört habe ist, dass er in seinen Geschichten ganz gewöhnliche Dinge interessant macht und Alltägliches mit einer Tiefe und einem Facettenreichtum beschreibt, wie sonst niemand. Nachdem ich „Naokos Lächeln“ gelesen habe verstehe ich nun, was damit gemeint ist, und ich bin wirklich begeistert davon. Der fast zynische deutsche Untertitel „Nur eines Liebesgeschichte“ trifft es in dieser Hinsicht eigentlich ganz gut, denn genau das ist „Naokos Lächeln“ – gleichzeitig aber natürlich auch noch so viel mehr.
Würde mich jemand fragen, um was es in dem Buch denn nun wirklich geht, so könnte ich ihm das nicht beantworten – um eine Liebesgeschichte, ja, um das Leben an sich irgendwie auch, aber im Grunde kann ich es so wenig auf den Punkt bringen, dass ich mit der Frage schlichtweg komplett überfordert wäre. Denn eines ist dieses Buch ganz sicher nicht, und zwar auf den Punkt – und trotzdem hat es mich begeistert. Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, gleichzeitig war es mir aber auch unmöglich, alles in einem Rutsch durchlesen, weil die Geschichte dafür viel zu dicht und auf wunderschöne Art und Weise zu schwer war – wirklich ein ganz besonderes Buch.
Objektiv gesehen sollte es wohl – vor allem im Bezug auf den Protagonisten, Tōru, den ich eigentlich nicht unbedingt als sympathisch beschreiben würde – einiges geben, das mich an „Naokos Lächeln“ hätte stören sollen, tatsächlich war dem aber überhaupt nicht so.
Ich fand es einfach nur spannend, die Geschichte aus Tōrus doch recht eingeschränkten, eher egozentrischen Sichtweise zu erfahren, und sogar die achtlose Art und Weise wie er mit anderen Menschen – vor allem Frauen – und deren Gefühlen umgeht konnte Haruki Murakami mir so verkaufen, dass es mich nur selten gestört hat. So macht auch Tōrus extreme Teilnahmslosigkeit und sein Desinteresse an der Welt um ihn herum ihn nicht weniger liebenswert – im Gegenteil, es macht ihn irgendwie real und passt einfach nur sehr gut in die Geschichte.
Ich fand es außerdem fantastisch, wie fühlbar das Buch in den 60ern, und natürlich auch in Japan – ein Kulturkreis, aus dem ich zugegebenermaßen bisher noch nicht allzu viel gelesen habe – spielt. So viele Dinge darin waren mir auf den ersten Blick so fremd, dass ich mich beinahe gefühlt habe, als wäre ich in eine andere Welt entführt worden, und doch war ich immer sofort darin zuhause und mitten in der Geschichte drin – auch das ist zweifellos ein Zeichen von Haruki Murakamis fantastischen schriftstellerischen Fähigkeiten.

Um es kurz zu machen – „Naokos Lächeln“ ist ein Buch, das mich auf eine Weise gefesselt hat, wie es mir bisher bei noch keinem Buch passiert ist. Wie ein Spinnennetz hat die bedrückende und doch wunderschöne Atmosphäre mich immer tiefer in sich aufgesogen und einfach nicht mehr losgelassen. Nicht zuletzt aufgrund der vielen losen Enden und Fragen, die die Geschichte offenlässt, werde ich mich Sicherheit noch oft über dieses wirklich besondere Buch nachdenken.
Obwohl es außer mir gefühlt jeder schon gelesen habe, so will ich es also trotzdem von ganzem Herzen weiterempfehlen – nur, wer empfindlich auf Themen wie Suizid oder psychische Erkrankungen reagiert, der sollte das Buch eher vorsichtig angehen.
Auch mit Murakami wird das sicher nicht meine letzte Begegnung gewesen sein – seine fantastisch atmosphärische Art zu Erzählen hat mich restlos überzeugt, sodass ich es gar nicht erwarten kann, mein nächstes Buch von ihm zu lesen. Ein Erfolg auf ganzer Linie!

Rezension

Der Report der Magd

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von Margaret Atwood

Originaltitel: The Handmaid's Tale

Fischer Verlag, 399 Seiten

Preis: 11,00€

Inhalt

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts haben fanatische religiöse Sektierer im Norden der USA die sogenannte Republik Gilead installiert, deren oberstes Ziel nach einem starken Rückgang der Geburtenrate in den letzten Jahren die Sicherung der Fortpflanzung nach angeblich biblischen Vorbild ist. Dazu werden Frauen entmündigt und den einflussreichsten Männern der Gesellschaft als sogenannte „Mägde“ zugewiesen – Zweitfrauen, deren Zweck vor allem die Zeugung von Kindern ist. Wer nicht funktioniert oder sich widersetzt, wird zur »Unfrau« erklärt und in die Kolonien zur Giftmüllbeseitigung abgeschoben.
Erzählt aus der Sicht einer solchen namenlosen Magd ist „Der Report der Magd“ eine provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen nicht nur keine Rechte sondern auch keine Chance, der Grausamkeit zu entkommen haben.

Meine Meinung

„Der Report der Magd“ ist eines dieser großen Bücher, vor denen man schon Respekt hat, bevor man sie überhaupt einmal aufgeschlagen hat. Ich wollte es deshalb schon seit Ewigkeiten einmal lesen und habe mich doch nie rangetraut. Umso mehr habe ich mich natürlich gefreut, als der Zwitscherbooks-Buchclub, bei dem ich seit gut einem Jahr mitlese, es letzten Monat zu seinem nächsten Buch gewählt hat, und ich so endlich keine Ausrede mehr hatte, es nicht zu lesen.

Ich bin immer noch sehr froh, das endlich getan zu haben, denn „Der Report der Magd“ ist wirklich ein großes Buch. Sehr eindringlich und geschickt enthüllt es dem Leser seine Geschichte nur Stück für Stück, und schafft so einen Sog, aus dem man sich  einfach nicht mehr befreien kann – oder will.
Ähnlich subtil werden dem Leser auch nach und nach die Gedanken der Protagonistin nahe gebracht, die – anders als es bei dystopischen Büchern sonst üblich ist – weder von Anfang an gegen das System rebelliert, noch durch irgendein dramatisches Ereignis plötzlich damit beginnt. Im Gegenteil – sie erscheint zunächst sehr angepasst, so als hätte sie sich schlichtweg mit ihren Umständen abgefunden und sich unter diesen ein neues Leben aufgebaut. Umso intensiver lernt man dann aber sowohl sie selbst als auch den Schrecken und die Grausamkeit, die sie unter Gilead ertragen muss, im Laufe des Buches kennen.
Besonders interessant wird „Der Report der Magd“ außerdem dadurch, dass es kein totalitäres System in seiner Blütezeit beschreibt, und noch weniger eines, das bereits im Sterben liegt – anders als in die meisten anderen Dystopien wurde hier die Republik Gilead gerade erst geboren. Der Umsturz des alten Systems ist noch keine zehn Jahre her und die Protagonistin erinnert sich durchaus noch daran, wie es früher war – als Frauen sich noch kleiden durften wie sie wollten, als öffentliche Demonstrationen noch nicht verboten und die Menschen noch frei waren. Gerade ihre Fähigkeit, beide Zeiten miteinander zu vergleichen, ist es, die ihre Geschichte so tiefgehend macht.
Es ist erschreckend, wie aktuell das Buch – gut 30 Jahre nachdem es veröffentlich wurde – noch immer ist. Obwohl ich nicht glaube, dass uns tatsächlich bald eine Entwicklung wie die im Roman beschriebene bevorsteht, so sind die Wurzeln von Gilead doch auch heute ganz klar in unserer Gesellschaft erkennbar – eine Gesellschaft, in der Frauen zwar theoretisch gleichberechtigt sind, praktisch aber im Beruf noch immer weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, in der sie in allen möglichen Medien noch immer grundsätzlich sexualisiert und anschließend dafür verteufelt werden und in der noch immer jedes Mädchen, dem sexuelle Gewalt angetan wurde, zuerst einmal gefragt wird, was es denn für Kleidung getragen habe, oder ob es vielleicht sogar betrunken gewesen sei. Eine Gesellschaft, in der es immer noch Proteste gegen Abtreibungen gibt, Homophobie trotz aller Toleranz, die in den letzten 30 Jahren erarbeitet wurde, immer noch eine viel zu große Rolle spielt und in der zu jeder Zeit jemand bereit ist, den ach so bösen Islam für alles verantwortlich zu machen, was gerade so schief läuft.
„Der Report der Magd“ war deshalb wirklich nicht einfach zu lesen – nicht, weil ich beim Lesen Angst hatte, morgen urplötzlich in einem System wie Gilead aufzuwachen, sondern weil ich meine eigene Lebensrealität immer wieder darin wiedergefunden habe. Gerade das ist es aber natürlich auch, was das Buch so wichtig, so stark und so großartig macht – es ist Warnung und Weckruf zugleich.

Ich kann „Der Report der Magd“ deshalb wirklich nur weiterempfehlen, und werde in Zukunft sicher noch mehr von Margaret Atwoods Büchern lesen. Es ist nicht nur mitreißend erzählt und gut geschrieben sondern geht auch unter die Haut und regt zum Nachdenken an – ein Buch, das man auch locker mehrmals lesen kann, und in dem man bestimmt trotzdem noch jedes Mal etwas Neues entdeckt.
„Der Report der Magd“ ist eine wirklich gute, in vielerlei Hinsicht allerdings auch keine leichte Lektüre, weswegen ich es absolut nicht ohne Trigger Warnings empfehlen möchte – wer Probleme mit Themen wie Suizid, Gewalt, Vergewaltigung, Homophobie, Rassismus oder Tod hat, der sollte das Buch deshalb eher vorsichtig angehen.

Rezension

Love in the Time of Global Warming

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von Francesca Lia Block

Square Fish Verlag, 230 Seiten

Preis: 9,49€

Inhalt

Nach dem Earth-Shaker, dem gewaltigen Erdbeben, das ihre Heimatstadt Los Angeles dem Erdboden gleichgemacht hat, hat Pen alles verloren – ihr Haus, ihre Familie, ihre Freunde, ihr Leben, wie sie es einst kannte. Geleitet von nichts als einer zerfledderten Ausgabe von Homers „Odyssee“ macht sie sich auf, um ihren Bruder zu finden – in das Ödland, das einst Amerika war, und das jetzt allein von menschenfressenden Riesen und einer Handvoll einsamer, veränstigter Überlebender mit seltsamen Fähigkeiten bevölkert zu sein scheint. Nichts ist mehr so wie es war – und auch Pen merkt, dass sie ihr altes Ich zurücklassen muss, wenn sie sich in dieser neuen Welt beweisen will.

Meine Meinung

„Love in the Time of Global Warming“ ist ein sehr außergewöhnliches und besonderes Buch, das sich gar nicht so einfach in nur eine Kategorie stecken lässt. Ein wilder Mix aus Dystopie, Abenteuer, Freundschaft, Liebe, Fantasy und Mythologie, und doch alles ganz sanft und leicht zusammengewoben, getragen von viel Symbolismus und einer wunderschönen Sprache.
Dieses komplizierte, vielschichtige Gebilde auf nur 230 Seiten unterzubringen war bestimmt keine leichte Aufgabe – und obwohl Francesca Lia Block sie wahnsinnig gut erfüllt hat, so kann sie wohl leider doch keine Wunder wirken, sodass die ein oder andere Sache doch manchmal ein wenig zu kurz kommt. Stellenweise hätte ich mir durchaus ein paar Seiten mehr gewünscht, die dem ganzen Geschehen noch etwas mehr Tiefgang verliehen hätten – so werden dramatischste Plot Twists oft in nur ein paar Sätzen abehandelt, was wirklich schade ist.
Obwohl „Love in the Time of Global Warming“ mit Sicherheit ein mitreißendes, episches Abenteuer hätte sein können, wenn es ein paar hundert Seiten länger gewesen wäre, hätte es dadurch aber auch etwas von seiner Einzigartigkeit verloren – denn gerade weil es sich so leicht und beinahe wolkig liest, entsteht erst der ganz besondere Charakter dieses Buches. Aufgrund seine Kürze und der Tatsache, dass es nicht jeden Gedanken und jede Wendung bis zum Ende hinverfolgt, liest es sich nämlich genauso mysthisch wie es sein soll: sprunghaft, stellenweise fast skurril und dabei auf magische Weise anziehend – wie ein Traum.
Neben dieser einzigartigen Erzählweise mochte ich vor allem die Charaktere sehr gerne – Francesca Lia Block schafft mit Pen, Hex, Ez und Ash in nur wenigen Worten vier so wunderbare, einzigartige und wahnsinnig liebenswerte Charaktere wie andere Autoren es in tausend Seiten nicht schaffen. Ich könnte gar nicht sagen, wen von ihnen ich am liebsten mochte, denn sie sind mir alle wahnsinnig ans Herz gewachsen – bei einem Buch dieser Länge hätte ich das absolut nicht in diesem Ausmaß erwartet.
Auch nicht unerwähnt lassen will ich dabei die Queerness der Figuren. Dass die Protagonistin, Pen, bisexuell ist wusste ich bereits bevor ich „Love in the Time of Global Warming“ begonnen habe, aber ich habe wirklich nicht damit gerechnet, wie viel mehr in dieser Hinsicht noch in dem Buch steckt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber diesen Aspekt fand ich wirklich nicht nur interessant sondern auf seltsame Art und Weise und sehr entspannend und beinahe tröstlich – ich kann mich wirklich nicht erinnern, schon jemals ein Buch mit so wenig Cis-Heterosexualität gelesen zu haben.

Alles in Allem ist „Love in the Time of Global Warming“ ein sehr spezielles Buch, das mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Aufgrund seiner einzigartigen Erzählweise ist es bestimmt nicht für jeden etwas, und wer hier ein actionreiches Abenteuer erwartet, in dem dem Leser jedes noch so kleine Gedankenfitzelchen genauestens erklärt wird, der wird sicher auch enttäuscht werden, aber mir hat diese ganz besondere, offensichtlich von Homers „Odyssee“ inspirierte Geschichte wirklich, wirklich gut gefallen.
Ich bin jedenfalls froh, dass dieses kleine Juwel mein erstes Buch 2017 war, und hoffe, auch die Fortsetzung, „The Island of Excess Love“, bald lesen zu können!

Blogbeitrag

Meine Leseziele 2017

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Wie ich gestern schon in meinem Jahresrückblick angekündigt habe will ich mir auch für das Jahr 2017 wieder ein paar Leseziele setzen! Ich hatte letztes Jahr noch etwas Angst, mich durch solche „Vorsätze“ selbst zu sehr einzuschränken, aber es hat wirklich gut funktioniert und ich habe so viel bewusster und vielfältiger gelesen, was mir wirklich viel Spaß gemacht hat.
Vieles will ich deswegen dieses Jahr weiterführen, aber auch nicht alles. Zum Beispiel werde ich mir nicht mehr gezielt vornehmen, jeden Monat ein Buch zu rereaden, denn das hat letztes Jahr einfach so gut funktioniert, dass ich dafür glaube ich inzwischen auch ohne speziellen Vorsatz entspannt genug bin – auch, wenn mein SuB davon nicht schrumpft.
Außerdem möchte ich zwar auch dieses Jahr gerne mehr Klassiker lesen, will mir dies aber auch nicht mehr als monatliche „Pflicht“ vornehmen, denn letztes Jahr habe ich mich einfach zu oft dabei erwischt, wie ich am Ende des Monats noch hektisch einen möglichst kurzen Klassiker begonnen habe, statt das zu lesen, worauf ich wirklich Lust gehabt hätte. Vor allem dicke Klassiker brauchen einfach ihre Zeit, und die will ich mir auch ohne schlechtes Gewissen nehmen können.
Diese Dinge möchte ich mir für mein Lesejahr 2017 gerne vornehmen:

Ich möchte dieses Jahr mindestens 55 Bücher lesen.
Ob das ein richtiger Vorsatz ist weiß ich nicht, wenn man bedenkt, dass ich letztes Jahr ganze 76 Bücher gelesen habe – aber da ich im nächsten Semester vermutlich meine Bachelorarbeit schreiben werde und auch die letzten Klausuren bestimmt anstrengend werden habe ich dieses Jahr vermutlich deutlich weniger Zeit zum Lesen als letztes. Ich denke aber trotzdem, dass ich 55 Bücher ganz gut schaffen sollte.

Sollte ich merken, dass auch 55 Bücher zu hoch gegriffen sind, werde ich mich aber auch nicht scheuen, mein Leseziel etwas zu senken – die Tage, in denen ich Bücher nach Länge auswählte um irgendeine bestimme Anzahl an gelesene Büchern zu erreichen sind für mich Gott sei Dank schon seit Jahren vorbei.

Ich möchte dieses Jahr alle 10 Bücher von meiner Jahresliste lesen.
Schon letztes Jahr habe ich mir ein paar Bücher vorgenommen, die ich unbedingt in diesem Jahr lesen wollte, habe diese Liste dann aber recht schnell einfach wieder vergessen. Dieses Jahr habe ich mir ganz gezielt 10 Bücher vorgenommen, die ich wirklich unbedingt endlich lesen will – die meisten davon nehme ich mir nämlich wirklich schon seit Ewigkeiten immer wieder vor.
Auf meiner Liste stehen dieses Jahr „Six of Crows“ von Leigh Bardugo, die „His Dark Marterials“ Trilogie von Philip Pullman, „Ready Player One“ von Ernenst Cline, „Anna and the French Kiss“ von Stephanie Perkins,“Wonder“ von R.J. Palacio, „Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“ von Benjamin Alire Sáenz, „Naokos Lächeln“ von Haruki Murakami, „The Knife of Never Letting Go“ von Patrick Ness, sowie „Das Leuchten der Stille“ von Nicholas Sparks und „Das geheime Spiel“ von Kate Morton, beides Bücher die ich vor allem lesen will, weil ich von ihren Autoren noch nie irgendetwas gelesen habe und diese Lücke gerne endlich schließen will. Ich hoffe wirklich, dass ich dieses Jahr alle Bücher von meiner Liste lesen werde!

Ich möchte noch vielfältiger lesen.
Bereits im letzten Jahr habe ich es mir zum Ziel gemacht, jeden Monat mindestens ein Buch mit einem queeren und/oder nicht weißen Protagonisten zu lesen, was ganz gut geklappt und mir auch wirklich viel Spaß gemacht hat. Dieses Jahr möchte ich das gerne fortführen, zusätzlich aber auf noch mehr Diversität achten, denn die Bücher, die ich letztes Jahr gelesen habe, waren doch sehr männlich und vor allem weiß dominiert.
Außerdem möchte ich bei der Auswahl meiner Bücher auch mehr auf deren Autoren achten und so hoffentlich mehr marginalisierte Stimmen hören.

Ich möchte gezielt deutsche Autoren lesen.
Schon letztes Jahr hatte ich den Vorsatz, jeden Monat mindestens ein Buch von einem deutschsprachigen Autor zu lesen, und das hat zwar nicht immer, generell aber doch ganz gut geklappt. Ich finde es einfach schade, wie wenig ich mich im Bezug auf deutschsprachige Literatur eigentlich auskenne – mein Lesen ist so fokussiert auf den englischsprachigen Raum, dass ich da bestimmt wahnsinnig viel Gutes verpasse, denn vor letztem Jahr hat mein Wissen sich in diesem Bereich tatsächlich fast nur auf Kinderbücher und Klassiker beschränkt. Das ist jetzt schon etwas anders und es hat mir wirklich Spaß gemacht, ganz bewusst vermehrt deutsche Autoren zu lesen und die deutschsprachige Literatur etwas besser kennenzulernen, sodass ich das gerne fortführen möchte – schließlich gibt es da mit Sicherheit noch viel zu entdecken!

Ich möchte neue Genres und Buchformen ausprobieren.
Auf diese Idee hat mich eigentlich erst Liesa mit ihrem Reading-Challenges 2017 Post gebracht, in dem sie sich etwas ähnliches vornimmt. Ich fand die Idee, einmal auf diese Weise gezielt Neues auszuprobieren und ein wenig über den eigenen Tellerrand zu schauen total super, weswegen ich das auch gerne mal probieren möchte.
Fürs erste will ich mir hier nur wirklich sehr kleine Zahlen vornehmen – ich fände es schön, wenn ich dieses Jahr drei Graphic Novels, drei Non-Fiction Bücher und drei historische Romane lesen würde – alles Sachen, die mir sonst so überhaupt nicht liegen. Auch zumindest einen Gedichtband würde ich dieses Jahr gerne unterbringen – ich finde Gedichte ganz generell nämlich wunderschön und wahnsinnig interessant, lese aber wirklich nie gezielt welche, weil ich immer das Gefühl habe, sie sowieso nicht richtig zu verstehen.
Somit habe ich mir hierfür insgesamt 10 Bücher vorgenommen – nicht besonders ambitioniert, aber da ich mich mit allen vier Kategorien wirklich so gut wie gar nicht auskenne will ich mich einfach nicht durch zu hoch gesteckte Ziele überfordern. Wenn ich schlussendlich noch mehr von irgendwas lesen möchte kann ich das ja immer noch tun!

Ich möchte meinen SuB verkleinern.
Ja, ich weiß schon – jedes Jahr die gleiche Leier und klappen tut es ja doch nie. Allerdings habe ich mir dieses Jahr meinen Umzug zum Anlass genommen, endlich mal meine Bücher zu zählen und zu katalogisieren, sodass ich zum ersten Mal seit Jahren überhaupt wieder einen Überblick über meine ungelesenen Bücher habe. Ich hoffe, dass mich das etwas motiviert, eher mal zu einem Buch von meinem Stapel zu greifen, als schon wieder irgendwo ein neues zu kaufen.
Zumindest das Vermeiden von Spontankäufen hat in dieser Hinsicht zumindest letztes Jahr schon ganz gut geklappt, nur bei sehr, sehr günstigen oder sogar kostenlosen Büchern werde ich immer noch schnell schwach.

Mal sehen, wie es dieses Jahr so mit meinen Vorsätzen klappt – ich sehe dem ganzen recht zuversichtlich und entspannt entgegen. Und wenn es mit einem – oder mehreren – meiner Ziele nicht so funktioniert, ist das ja auch kein Problem. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf das Jahr 2017 und hoffe, viele tolle neue Bücher und Autoren zu entdecken!

Wie sieht es denn bei euch mit Lesezielen aus? Habt ihr euch irgendwelche Vorsätze gemacht oder lest ihr lieber einfach so drauf los? Ich bin wie immer wahnsinnig neugierig darauf, wie ihr das so macht!

Rückblick

Mein Lesejahr 2016

Ich weiß, dass das vermutlich gerade jeder sagt, aber ich kann es wirklich kaum glauben, dass 2016 schon wieder vorbei sein soll – es kommt mir vor, als hätte ich meinen letzten Jahresrückblick gerade erst geschrieben, und jetzt soll schon wieder ein ganzes Jahr vergangen sein?
Nun ja, gelesen habe ich dafür zumindest genug – 76 Bücher mit insgesamt 36,364 Seiten, also etwa 7,500 Seiten mehr als letztes Jahr, und da war ich eigentlich schon total überrascht, wie viel ich doch in einem Jahr gelesen hatte. Darunter waren 11 Rereads und 2 Mangas. Außerdem habe ich noch eine Kurzgeschichte gelesen und ein Buch abgebrochen, welche ich aber beide bei meinem Endergebnis nicht mitgezählt habe.
Nur 26 dieser Bücher habe ich auf englisch gelesen, die restlichen 50 auf deutsch – daran ist vor allem das Bloggerportal und diverse Buchflohmärkte und kostenlose Bücherschränke Schuld, wenn ich mir selbst ein neues Buch kaufe, dann greife ich nämlich nur sehr, sehr selten zur deutschen Ausgabe. Mein längstes Buch war „Das letzte Gefecht“ von Stephen King mit stolzen 1712 Seiten, mein kürzestes – von der Kurzgeschichte mal abgesehen – „Der Kirschgarten“ von Tschechov mit nur 90 Seiten.

Ich stelle euch jetzt erst einmal ein paar der Bücher vor, die für mich dieses Jahr besonders herausgestochen sind – meine 10 Lieblingsbücher dieses Jahr, 5 Bücher die mich eher enttäuscht haben, und dann noch jeweils 5 Bücher aus den Kategorien „Fantasy“, „Sci-Fi/Dystopie“, „Klassiker“ und „Zeitgenössische/Historische Romane“ – und sage dann später noch ein bisschen was zu meinem Jahr im Allgemeinen. Wie immer werde ich wahrscheinlich wieder viel zu viel plappern – ich bin euch also absolut nicht böse, wenn ihr die Kategorien überspringt, die euch nicht so sehr interessieren und einfach nur das lest, was ihr tatsächlich lesen wollt!

Meine Highilights des Jahres

Bei so vielen Büchern ist es wirklich schwer, sich für „nur“ zehn Favoriten zu entscheiden, aber das hier waren die Bücher, die mir 2016 am besten gefallen, am meisten bedeutet und mich am tiefsten beeindruckt haben.

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Früchte des Zorns“ von John Steinbeck ist das Lieblingsbuch meiner Mutter, und seit Ewigkeit hat sie mich schon beredet, es doch auch einmal zu lesen. Dieses Jahr habe ich es getan und ich kann nur eines sagen: wow! Es ist ein unheimlich starkes, tiefgehendes, tolles Buch, das zu Lesen mir nicht nur Spaß gemacht sondern mich auch unheimlich mitgenommen hat. Ich verstehe absolut, warum meine Mutter es so liebt, denn es ist definitiv auch ein neues Lieblingsbuch für mich.
Das Lied des Achill“ war ein ziemlicher Spontankauf dieses Jahr – ich hatte schon viel Gutes darüber gehört und dann zufällig erfahren, dass die deutsche Hardcoverausgabe für nur 5€ zu haben. Und schwupps war es gekauft, gelesen und geliebt! Ich habe die Geschichte rund um Achilles und Patroklus verschlungen, und vor allem der poetische Schreibstil hat mich total begeistert. Es ist ein Buch, das sich ganz sanft und leise in mein Herz geschmuggelt hat, und eines meiner absoluten Highlights dieses Jahr!
Die „Die Maschinen“ -Reihe von Ann Leckie war dieses Jahr ganz klar mein Highlight in Sachen Sci-Fi. Zu Beginn des ersten Bandes war ich mir noch nicht ganz sicher, ob die Reihe mich wirklich begeistern würde, aber das hat sie – voll von spannenden politischen Intrigen, einem futuristischen und doch fast antik anmutenden Gesellschaftssystem ganz wunderbaren, liebenswerten Charakteren, und einem ganz neuen Ansatz an das Thema „Geschlecht“ ist es wirklich eine ganz fantastische Trilogie. Es ist außerdem komplett im generischen Femininum geschrieben, was zu Beginn etwas befremdlich, dann aber einfach nur wahnsinnig interessant ist.
Ein weiteres Highlight dieses Jahr war für mich „Die Gestirne“ von Eleanor Catton. Mit seinen über 1000 Seiten hat das Buch mich so eingeschüchtert, dass ich mich ewig nicht rangetraut habe – und dann habe ich den ganzen Wälzer in nur etwas mehr als einer Woche verschlungen, weil ich einfach nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Mit seiner wahnsinnig vielschichtigen Geschichte, den vielen Charakteren und dem tollen Schreibstil war „Die Gestirne“ packend und tiefgehend zugleich – ein Buch, dass ich so schnell nicht vergessen werde!
Über Anthony Doerrs „Alles Licht, das wir nicht sehen“ hatte ich schon sehr viel Gutes gehört, war mir aber trotzdem nicht sicher, ob das Buch mir auch gefallen würde, denn eigentlich lese ich so gut wie nie Bücher, die während des zweiten Weltkriegs spielen. Hier hat es sich aber definitiv gelohnt, meine gewohnte Bücher-Umgebung mal zu verlassen, denn „Alles Licht, das wir nicht sehen“ ist ein wirklich grandioses Buch, das sich nicht nur mit seiner wunderschönen, gefühlvollen Erzählweise, sondern auch mit seinen zwei wahnsinnig lebensechten und liebenswerten Protagonisten einen Platz in meinem Herzen – und in meinen Jahreshighlights – verdient hat.
Genau wie „Früchte des Zorns“ ist auch „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel ist eindeutig ein neues Lieblingsbuch für mich. Ich hatte das Buch mehr oder weniger zufällig vor ein paar Jahren bei reBuy mitbestellt, im Grunde nur, weil es so billig war. Seitdem stand „Die Mitte der Welt“ bei mir im Regal und hat Staub angesetzt, bis ich es mir dieses Jahr im Rahmen meines Umzugs wieder in die Hände gefallen ist und ich beschlossen habe, es endlich doch einmal zu lesen. Ich hatte also wirklich keine allzu hohen Erwartungen daran und war dann umso begeisterter, als ich tatsächlich von der ersten Seite an gefesselt war. „Die Mitte der Welt“ wartet mit einem wundervollen Schreibstil, einer atmosphärischen, mysteriösen Geschichte, die sich immer irgendwo zwischen Realität und Fantasie bewegt, und ein paar wirklich liebenswerten, interessanten Charakteren auf. Schon lange habe ich kein Buch mehr so schnell durchgelesen!
Zwei Frauen“ von Diana Beate Hellmann war ein weiterer Zufallsfund – letztes Jahr um Silvester herum wusste ich nicht so wirklich, was ich gerne lesen wollte, und habe dann einfach dieses Buch aus dem Regal meiner Mutter gezogen. Schon sehr früh war mir klar, dass das erste Buch, das ich 2016 lesen würde auch gleichzeitig eins meiner Highlights sein würde, so gut hat mir die einfühlsame und doch sehr starke und rauhe Erzählung über zwei krebskranke Frauen – die davon mal abgesehen aber unterschiedlicher nicht sein könnten – gefallen.
Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde war ebenfalls eines der ersten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, und gleichzeitig auch eines meiner liebsten – ich war von Anfang an begeistert von dem Stil, den Charakteren, der Geschichte, einfach dem ganzen Buch. Es ist wirklich schade, dass Oscar Wilde nur diesen einen Roman geschrieben hat – ansonsten hätte ich mir alle weiteren von ihm schon längst gekauft und sie wohl innerhalb kürzester Zeit verschlungen!
Effi Briest“ von Theodor Fontane stand schon seit Jahren auf meiner Leseliste – seit der Schulzeit nämlich, in der scheinbar jeder Mensch dieses Buch gelesen hat, nur meine Klasse eben nicht. Ich hatte immer das Gefühl, dadurch etwas verpasst zu haben, gleichzeitig aber auch immer ein wenig Angst vor dem Buch, da die meisten Menschen die es in der Schule gelesen haben es scheinbar wahnsinnig langweilig fanden. Dieses Jahr habe ich mich dann endlich herangewagt – und ich bin wirklich froh darüber, denn ich habe es geliebt. Gelangweilt habe ich mich zu keiner Sekunde, im Gegenteil, ich bin ganz und gar in der Geschichte und vor allem in Effi als Protagonistin aufgegangen – ein wirklich tolles Buch!
Mein letztes – aber deswegen nicht weniger wichtiges – Lieblingsbuch aus diesem Jahr ist „Die Farbe Lila“ von Alice Walker. Ich hatte vor Jahren, als ich im Grunde noch viel zu jung war, um ihn wirklich zu verstehen, einmal den Film gesehen und wollte das Buch eigentlich schon lange mal lesen. Ich glaube, es war aber gut, zu warten, bis ich tatsächlich alt genug war, um Celies Geschichte in allen Aspekten zu begreifen, denn es ist so ein großes, wichtiges Buch, dass es schade wäre, das nicht zu tun. Es ist beinahe unheimlich, wie intensiv, aufrüttelnd, kraftvoll und vielschichtig ein Buch mit nicht einmal 300 Seiten sein kann. „Die Farbe Lila“ hat mich auf jeden Fall nicht nur begeistert sondern auch nachhaltig beeindruckt, und ich bin sehr froh, es gelesen zu haben!

Meine Enttäuschungen des Jahres

Wie immer gibt es aber natürlich nicht nur Bücher, die mich begeistert haben, sondern leider auch solche, bei denen das nicht der Fall war – nicht jedes der Bücher auf dieser Liste ist abgrundtief schlecht, aber von allen fünf hatte ich mir einfach mehr erwartet oder erhofft.

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Die Akimuden“ von Viktor Jerofejew war das letzte Buch, welches ich dieses Jahr gelesen habe, und es tut mir wirklich leid, dass ich 2016 mit einem Buch abgeschlossen habe, das mir so gar nicht gefallen wollte – wäre es nicht eine Pflichtlektüre für die Uni gewesen hätte ich es auf keinen Fall fertig gelesen. „Die Akimuden“ war nicht nur verwirrend und – meiner Meinung nach – einfach unoriginell, es war auch voll von Sexismus, Homophobie, Rassismus und Ableismus, alles Sachen, die ich in meinen Büchern echt nicht brauche.
Eine weitere Enttäuschung war „Ice Massacre“ von Tiana Warner, ein Buch, auf das ich mich eigentlich richtig gefreut hatte, denn es hört sich wirklich interessant an: Meerjungfrauen terrorisieren eine kleine Insel, verführen und töten alle Männer, die ausgesandt werden, um sie zu vertreiben. Als Lösung schickt die Regierung der Insel diesmal Frauen aus, die gegen die Reize der Meerjungfrauen immun sind – doch nicht Meela, die sich in eine von ihnen verliebt. Es hätte wirklich viel Potenzial gehabt, war aber einfach so unterirdisch schlecht geschrieben und aufgebaut, dass ich wirklich kaum Spaß daran hatte. Die Figuren waren alle wahnsinnig flach und auch die queere Romanze, die im Klappentext versprochen wird, kommt gar nicht wirklich vor, sondern wird eigentlich nur am Ende kurz angedeutet. Ein echter Reinfall!
Auch „Rivers of London“ konnte – obwohl es kein grottenschlechtes Buch war – meine Erwartungen einfach nicht erfüllen. Ich mochte den Schreibstil, die Welt und viele der Nebencharaktere wirklich gerne und hätte die Reihe – trotz der etwas verwirrenden, stellenweise auch schwachen Geschichte – auf jeden Fall weitergelesen, wäre da nicht der Protagonist Peter gewesen, der mit seinem konstanten sexistischen Macho-Gehabe alles zunichte gemacht hätte. Wirklich schade – auch hier wurde viel Potenzial verschenkt!
Mit „Orlando“ von Virginia Woolf konnte ich ebenfalls nicht richtig warm werden. Es war mein zweites Buch von Woolf und ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass mir ihre Art zu schreiben vielleicht einfach nicht liegt, denn auch „Mrs. Dalloway“ hat mir damals nicht wirklich viel gegeben. Zwar habe ich aus „Orlando“ durchaus ein, zwei Dinge mitgenommen und würde es generell nicht als schlechtes Buch bezeichnen, aber ingesamt hat es mich doch einfach eher kalt gelassen.
Meine größte Enttäuschung dieses Jahr war wohl „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson, das einzige Buch, welches ich dieses Jahr abgebrochen habe. Schon seit Jahren steht es auf meiner Wunschliste und ich habe mich irre gefreut, als ich es vor ein paar Monaten in einem kostenlosen Bücherschrank entdeckt habe – leider währte diese Freude nicht besonders lang. Der Humor von „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ war leider so überhaupt nicht meins, sodass mir das Buch nur selten mehr als ein müdes Lächeln entlocken konnte, und auch mit den Figuren konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden. Die Geschichte hat mich sowieso nicht interessiert, sodass ich das Buch irgendwann schlichtweg wieder beiseite gelegt habe.

Fantasy Bücher

Fantasy zählt noch immer zu meinen absolut liebsten Genres, weswegen ich dieses Jahr auch eine ganze Menge daraus gelesen habe – 19 Stück nach meiner Zählung. Das waren meine liebsten dieses Jahr:

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Carry On“ von Rainbow Rowell war eines der ersten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, und ich habe mich sofort in die süße kleine Harry Potter Hommage verliebt. Sowohl die Liebesgeschichte als auch die Magie, die Rowell sich ausgedacht hat, mochte ich total gerne und so hat das Buch mir einfach wirklich nur Spaß gemacht!
Außerdem wirklich, wirklich großartig fand ich dieses Jahr „Der begrabene Riese“ von Kazuo Ishiguro, ein Buch, das es nur knapp nicht in meine Jahreshighlights geschafft hat. Die ruhige und doch eindringliche Erzählweise, die neblige, mystische Atmosphäre, das alles hat mich wirklich begeistert – ich will auf jeden Fall in Zukunft noch mehr von Ishiguro lesen und kann das Buch nur weiterempfehlen!
Auch wirklich viel Spaß gemacht hat mir mein Reread von Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ . Ich habe den Film als Kind abgöttisch geliebt und auch das Buch vor langer, langer Zeit einmal gelesen, konnte mich aber nicht mehr wirklich daran erinnern, sodass ich es schon lange noch einmal lesen wollte. Was soll ich sagen? Es hat sich wirklich gelohnt – die Welt von Phantasien ist wundervoll, und das Buch ist zu Recht ein deutscher Kinderbuchklassiker!
Wirklich gerne gelesen habe ich 2016 außerdem die ersten zwei Bände der „Nightrunner„-Trilogie, „Luck in the Shadows“ und „Stalking Darkness“ von Lynn Flewelling. Nicht nur die Charaktere sind wirklich fantastisch, die Romanze, die sich zwischen den beiden Protagonisten Alec und Seregil entwickelt, toll, sondern auch das World-Building und die Geschichte haben mir wirklich gut gefallen. Ich kann es gar nicht erwarten, die Reihe endlich weiterzulesen, sie bedeutet mir wirklich viel.
Zu guter Letzt wäre da dann noch „The Last Unicorn“ von Peter S. Beagle, ein Buch, welches ich mit 13 oder 14 Jahren mal angefangen und nie fertig gelesen hatte, bis ich es dieses Jahr doch endlich noch einmal angepackt habe. „The Last Unicorn“ ist ein wunderschönes, märchenhaftes Fantasybuch, das tatsächlich noch schöner ist, als der Film – und den mag ich schon sehr gerne. Ein wirklich einzigartiges Erlebnis, voll von Magie, aber auch einer Prise Selbstironie, die das Ganze zu einem wirklich tollen Buch macht!

Dystopien, Sci-Fi und Postapokalyptisches

Eigentlich sind Dystopien und Sci-Fi ja nicht das gleiche, aber ich habe der Einfachheit – und Kürze! – halber einfach mal alles zusammengefasst, was entweder futuristisch ist oder irgendwas mit Weltraum zu tun hat. Insgesamt komme ich in dieser Misch-Masch-Kategorie dann auf 24 Bücher. Meine Favoriten dabei waren diese hier:

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Die „Die Maschinen“ -Reihe von Ann Leckie hat es ja sogar unter meine liebsten zehn Bücher des Jahres geschafft – wie gesagt also definitv mein liebstes Science-Fiction Buch dieses Jahr!
Sehr gerne mochte ich dieses Jahr außerdem „Red Rising“ von Pierce Brown, ein Buch, an das ich eigentlich gar keine so hohen Erwartungen hatte, das mir dann aber wirklich richtig Spaß gemacht hat. Ich habe die nächsten Bände der Trilogie noch nicht gelesen, will das aber auf jeden Fall bald tun, denn die Welt hat mir richtig gut gefallen und auch die Geschichte fand ich – obwohl es für ein dystopisches Jugendbuch jetzt nichts wahnsinnig neues ist – sehr spannend erzählt und aufbereitet. Definitiv eine meiner Überraschungen dieses Jahr!
Auch „Die 5. Welle“ von Rick Yancey war für mich eine solche wirklich positive Überraschung. Ich hatte zuvor ein paar eher gemischte Meinung zu dem Buch gehört und bin mit der Erwartung rangegangen, dass es ein ganz nettes aber nicht unbedingt außergewöhnliches Jugendbuch sein würde – und dann habe ich es gelesen und geliebt. Ich mochte die Protagonistin sehr gerne, die Geschichte selbst sowieso – ich habe dieses Jahr ein richtiges Faible für postapokalyptische Romane entwickelt – und fand das ganze Buch einfach wahnsinnig spannend und unterhaltsam geschrieben. Band 2 steht schon bei mir im Regal und ich hoffe wirklich, bald dazu zu kommen, ihn zu lesen!
Das Highlight meines diesjährigen Stephen King Lesemonats war ebenfalls ein postapokalyptisches Buch – „Das letzte Gefecht“ war mit seinen über 1700 Seiten ein wirklich dicker Schinken, hat sich aber auch wirklich gelohnt – ich bin total froh, es dieses Jahr noch einmal in der ungekürzten Fassung gelesen zu haben, denn damit gewinnt das Buch noch einmal wirklich an Tiefe. Wie es bei Stephen King oft ist, so waren es auch hier vor allem die Figuren, die das Buch so toll und einzigartig gemacht haben.
Auch die „Der Übergang„-Reihe von Justin Cronin, der ich fast meinen gesamten November gewidmet habe, hat mir sehr gut gefallen. Vor allem die düstere Atmosphäre und die episch lange Zeitspanne, über die die Geschichte sich erstreckt, haben es mir wirklich angetan. Außerdem wurde ich noch während ich die Bücher gelesen habe vom Goldmann-Verlag auf eine Lesung des dritten Bandes, „Die Spiegelstadt“, eingeladen, was mich nicht nur sehr gefreut hat sondern mir auch noch einen viel tieferen Einblick in die Gedankenwelt des Autors und somit auch die seiner Bücher ermöglicht hat. Die Reihe war also insgesamt wirklich ein Erlebnis!

Klassiker

Einer meiner Vorsätze für’s neue Jahr war es ja, mehr Klassiker zu lesen – jeden Monat einen. Das hat zwar nicht ganz geklappt, aber doch beinahe, und so habe ich mit immerhin 11 Klassikern – wobei ich hier auch moderne Klassiker mitzähle – etwas mehr als doppelt so viele gelesen wie noch im letzten Jahr. Und diese waren dabei meine liebsten:

Eigentlich „nur“ ein Reread aber trotzdem eines meiner Highlights dieses Jahr war „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë. Es ist nach wie vor eines meiner Lieblingsbücher, und es hat mir wirklich Spaß gemacht, diesen atmosphärischen, sehr feministischen Klassiker noch einmal neu zu erkunden – und dabei auch viele Dinge zu entdecken, die mir beim ersten Lesen entgangen sind.
Sowohl „Effi Briest“ von Theodor Fontane und „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde gehören zu meinen Lieblingsbüchern des Jahres – ich werde meine Lobeshymne deswegen hier nicht noch einmal hinschreiben, obwohl es sich wirklich lohnen würde, denn es sind tolle Bücher!
Auch für die beiden modernen Klassiker auf meiner Liste, „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck und „Die Farbe Lila“ von Alice Walker trifft das zu. Bei letzterem bin ich mir aufgrund des relativ aktuellen Erscheinungsdatums immer noch nicht ganz sicher, ob ich es tatsächlich als Klassiker zählen soll oder nicht, aber schlussendlich ist es definitiv bedeutend genug. Es sind auf jeden Fall zwei fantastische Bücher, die ich wirklich nur weiterempfehlen kann!

Zeitgenössische und historische Romane

Aus Ermangelung eines besseren Namens zähle ich in die Kategorie „zeitgenössische Romane“ einfach alle Romane, die ungefähr in unserer Gegenwart spielen – und weil ich so gut wie nie historische Romane lese und eine eigene Kategorie sich deshalb kaum lohnen würde zähle ich diese einfach auch hier dazu. 16 Bücher habe hier insgesamt gelesen und meine liebsten waren:
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Wie oben bereits erwähnt habe ich „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel, „Zwei Frauen“ von Diana Beate Hellmann, „Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr und „Das Lied des Achill“ von Madeline Miller dieses Jahr mehr als nur geliebt – wobei ich mir bei letzterem nicht ganz sicher bin, ob es in der Kategorie „historischer Roman“ tatsächlich richtig ist, oder ob ich es lieber zu „Fantasy“ zählen sollte, denn schließlich geht es ja um die Sagengestallt Achilles. Goodreads ordnet es bei beidem ein – und so wichtig ist das ja auch eigentlich gar nicht, was wirklich zählt ist, dass das Buch mir wahnsinnig gut gefallen hat.
Auch „Ich gebe dir die Sonne“ von Jandy Nelson, welches mein Monatshighlight im Dezember war, hat mir unheimlich gut gefallen. Ohne kitschig oder übertrieben zu wirken erzählt das Buch sehr einfühlsam und kraftvoll die Geschichte der Zwillinge Noah und Jude, die beide auf ihre eigene Art und Weise unglücklich und mit ihrer Situation überfordert sind. Es ist ein Buch, das sich nicht so einfach in ein paar Sätzen zusammenfassen lässt, weil es einfach immer so viel mehr ist. Ein ganz besonderes Jugendbuch!
Vielleicht sollte es mir außerdem zu denken geben, dass meine Lieblingsbücher dieses Jahr fast nur aus den letzten beiden Kategorien zu stammen scheinen – es waren auf jeden Fall alles wirklich fantastische Bücher!

Was mein Jahr ausgezeichnet hat

Puh – 2016 war ein wahnsinnig kurzes und doch wahnsinnig langes und vielerlei Hinsicht anstrengendes Jahr. Von Donald Trump über den Tod von Leonard Cohen, Davied Bowie, Alan Rickman, Carrie Fisher und so vielen anderen berühmten Persönlichkeiten dieses Jahr ist wirklich viel schlimmes passiert und auch privat ging bei mir vieles drunter und drüber, vor allem in Form einer phänomenalen Sinnkrise was mein Studium angeht.
Dafür strahlt das Positive, das ich dieses Jahr erlebt habe dem umso heller entgegen – im Juni bin ich (nach zwei Jahren Suchen und Warten!) endlich mit meinem Freund zusammen in unsere erste eigene Wohnung gezogen und sie ist wunderbar und perfekt. Die Leipziger Buchmesse war dieses Jahr wieder fantastisch, unser Camping-Urlaub auf Rügen war wunderschön und genau das, was ich in dieser Zeit gebraucht habe. Ich habe dieses Jahr viel über mich selbst gelernt und verstanden und habe wirklich das Gefühl, daran gewachsen zu sein. Das absolute Highlight dieses Jahres war aber die Geburt der wunderschönen kleinen Tochter meiner besten Freundin – die kleine Maus ist wirklich ein Stern am Himmel dieses sonst so düsteren Jahres.

Buchtechnisch besonders im Gedächtnis geblieben sind mir dieses Jahr vor allem die Bücher, die ich mit dem Zwitscherbooks-Buchclub gelesen habe – „Orlando“ von Virginia Woolf, „Die Farbe Lila“ von Alice Walker, „Die Maschinen“ von Ann Leckie, „The Art of Being Normal“ von Lisa Williamson, „The Last Unicorn“ von Peter S. Beagle und „Rivers of London“ von Ben Aaronovitch. Ich habe lange überlegt, ob ein Buchclub wirklich das Richtige für mich ist – so strukturiert, in festgelegten Zeitfenstern zu lesen ist eigentlich so gar nicht meins und bei Diskussionen traue ich mich oft eh nicht, meine Meinung zu sagen – aber es war wirklich eine meiner besten Entscheidungen überhaupt, bei Zwitscherbooks mitzulesen. Nicht nur, dass ich das Lesen auf eine völlig neue Art kennengelernt habe, durch die Diskussionen mit anderen die Bücher, die wir gelesen haben, noch einmal viel, viel tiefer erfasst habe, sondern vor allem auch die Tatsache, dass ich auf diese Weise immer wieder neue, diverse Buchvorschläge erhalte, ist wundervoll.
Ich kann wirklich nur jedem, der gerne mal im Buchclub lesen will oder generell Interesse and queerfeministischen Büchern hat, nur raten, mal bei Zwitscherbooks vorbeizuschauen – es gibt hier keinen Zwang, niemand muss Angst haben, rausgeworfen zu werden wenn er nicht jeden Monat mitliest oder nicht zu jeder Diskussion erscheint, man kann es also wirklich einfach mal ausprobieren. Mir hat es auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und ich hoffe, auch im nächsten Jahr noch viel mit dem Buchclub zusammen zu lesen!

Überhaupt mein Leseverhalten stark geprägt haben 2016 natürlich die Vorsätze, die ich mir zu Beginn des Jahres gemacht hatte. Da wäre zum einen mein bereits erwähntes Ziel, jeden Monat einen Klassiker zu lesen. Außerdem wollte ich noch jeden Monat ein Buch lesen, dessen Protagonist_in queer und/oder ein_e PoC ist, um etwas wegzukommen von dem nicht besonders vielfältigen Mainstream der Bücherwelt. Ein deutschsprachiger Autor sollte auch jeden Monat dabei sein, denn mir ist aufgefallen, wie wenig ich mich eigentlich in der deutschsprachigen Buchwelt auskenne, was ich wirklich sehr schade fand. Außerdem wollte ich noch jeden Monat ein Buch rereaden, damit ich auch ohne schlechtes Gewissen mal wieder in meine liebsten Welten eintauchen konnte.
Diese Vorsätze haben zwar nicht alle hundertprozentig, aber dennoch ganz gut funktioniert! Wie bereits gesagt waren dieses Jahr für mich 11 Klassiker und 11 Rereads dabei. Außerdem 9 Bücher von deutschsprachigen Autoren, 16 Bücher mit queeren Protagonist_inn_en und 10 Bücher mit nicht weißen Protagonist_inn_en, wobei diese beiden Kategorien sich teilweise überschneiden.
Meinen SuB konnte ich – obwohl ich meine eigenen Erwartungen bezüglich meines Lesepensums mal wieder stark übertroffen habe – wenn überhaupt nur sehr gering senken. Zumindest hat er sich aber auch nicht erhöht, und das ist ja schonmal was. Außerdem habe ich meinen Umzug genutzt, um alle meine Bücher mal zu zählen und zu katalogisieren, deswegen habe ich zum ersten Mal seit Jahren wieder einen Überblick darüber, welche Bücher ich überhaupt noch lesen muss – vielleicht klappt der SuB-Abbau als nächstes Jahr etwas besser. Angefangene Reihen habe ich – trotz meines Vorsatzes – ebenfalls kaum beendet und von den Büchern, die ich mir für dieses Jahr fest vorgenommen hatte habe ich auch nur die Hälfte gelesen – die restlichen sieben Stück verschiebe ich dann wohl oder übel auf 2017.
So bewusst zu lesen hat mir wirklich viel Spaß gemacht, und einen Teil dieser Vorsätze möchte ich nächstes Jahr auf jeden Fall weiterführen – dazu komme ich dann aber bald noch einmal in einem separaten Post, denn dieser hier ist wirklich schon lang genug.

Alles in Allem war 2016 aber ein wirklich gutes Lesejahr für mich. Ich habe viele tolle Bücher gelesen, habe mich auch mal an etwas neues herangewagt und bewusst versucht, etwas vielfältiger zu lesen – was gar nicht so schwer ist, wie ich gedacht hatte, wenn man nur mal damit anfängt. Überraschenderweise gab es dieses Jahr wieder eine ganze Reihe von Jugendbüchern, die ich wirklich gerne gelesen habe – letztes Jahr noch hatte ich das Gefühl, dass diese mir langsam aber sicher überhaupt nichts mehr geben. Das finde ich sehr interessant und bin schon sehr gespannt, wo ich mich in dieser Hinsischt nächstes Jahr wiederfinden werde.

Wie war eure Lesejahr 2016 denn so? Was waren eure liebsten und eure absolut un-liebsten Bücher dieses Jahr? Was sollte ich unbedingt auf meine Leseliste setzen? Lasst mir doch einen Kommentar oder einen Link zu euren eigenen Blogposts da, wenn ihr mögt – ich würde mich auf jeden Fall wahnsinnig freuen!

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