Rezension

The Last Unicorn

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von Peter S. Beagle

Deutscher Titel: Das letzte Einhorn

Penguin Roc Verlag, 294 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Die phantastische Geschichte einer großen Suche: Das letzte Einhorn, ein Geschöpf von ursprünglicher Anmut, verläßt seinen in ewigem Frühling blühenden Fliederwald, begibt sich auf die Landstraße, dringt in die Zeit, um das Schicksal seiner entschwundenen Artgenossen zu erkunden. Auf der abenteuerlichen Expedition wird es begleitet von Schmendrick, einem drittklassigen Zauberer, und von Molly Grue, der ehemaligen Lagergefährtin eines verhinderten Edelräubers. Das seltsame Trio muß bald erkennen, daß die Erkundungsfahrt nicht ohne Kampf und äußerste Gefahr beendet werden kann. Es gilt, dem Roten Stier zu begegnen, der unter König Haggards verfluchtem Schlosse haust…

Meine Meinung

Wie für viele andere Menschen auch war der Animationsfilm „Das letzte Einhorn“ für mich ein wichtiger Teil meiner Kindheit – und der rote Stier die Quelle vieler, vieler Albträume. Das der Film nach einem Buch gemacht wurde wusste ich bis vor ein paar Jahren gar nicht, als ich aber davon gehört habe, habe ich es mir sofort gekauft – und dann aus irgendeinem Grund nie fertig gelesen. Umso froher war ich, als der Zwitscherbooks-Buchclub, mit dem ich auf Twitter schon viele Bücher gelesen habe, dieses kleine Schmuckstück zu seinem August-Buch gewählt hat und ich es nun endlich noch einmal lesen konnte.

Wie auch bei meinem ersten Anlauf ist mir sofort wieder der wunderschöne Schreibstil dieses Buches ins Auge gefallen. Peter S. Beagle webt hier Worte aneinander, wie es nur wenige andere können, und schon allein aufgrund der eleganten, poetischen Sprache, den vielen wunderbaren Metaphern und Sinnbildern und dem sich daraus ergebenden Erzählfluss lohnt es sich eigentlich schon, „The Last Unicorn“ zu lesen. Die ersten Sätze des Buches gehören zu den wenigen Buchanfängen, die ich tatsächlich Wort für Wort rezitieren kann, ohne groß darüber nachzudenken, einfach nur, weil sie so schön sind, dass sie einen absolut nicht mehr loslassen, wenn man sie einmal gelesen hat.
Nicht nur die Sprache ist allerdings fantastisch – auch die Fantastik selbst bewegt sich in Sphären, die kaum ein anderes Buch erreicht. „The Last Unicorn“ ist ein Märchen, wie es sein sollte – mit allerlei einzigartigen Gestalten und magischen Wesen, einer detailreichen, liebevoll gestalteten Welt, mit Prophezeihungen, Flüchen, Unsterblichkeit, und mit ganz gewöhnlichen Menschen, die über sich hinaus wachsen und so zu Helden werden.
Es ist allerdings auch noch viel mehr als das – es ist ein Märchen, das sich seiner Märchenhaftigkeit absolut bewusst ist, immer wieder gekonnt mit Klischees jongliert und sich selbst nicht zu ernst nimmt. Auch dieser Humor hat mir wirklich wahnsinnig gut gefallen.
Wem das immer noch nicht reicht, um sich in dieses wunderschöne Buch zu verlieben, der wird es spätestens tun, nachdem er die Charaktere kennengelernt hat. Das grundgute, selbstlose, und doch oft so kühle Einhorn kommt einem so nah wie ein Einhorn einem Menschen wohl nur kommen kann, und die einzige Figur, die man vielleicht noch mehr lieben kann, ist wohl Molly Grue – so still und doch so aufbrausend, so weise, so einfach und so freundlich, dass es einem manchmal beinahe das Herz bricht. Und auch Schmendrick, den viel zu sehr von sich eingenommenen Zauberer mit dem deutlichen Mangel an magischen Fähigkeiten, habe ich im Laufe des Buches wirklich liebgewonnen. Nicht einmal den Bösewicht, Haggart, konnte ich wirklich hassen, so sehr habe ich mit ihm gefühlt. Es ist wirklich ein ganz einzigartiger Haufen Leute, die in diesem Buch zusammenfinden, und das macht es so wunderschön.
Trotz meiner aussschweifenden Lobeshymnen kann ich jedoch nicht ganz fünf Sterne vergeben, weil „The Last Unicorn“ mir dafür – trotz aller Schönheit – vor allem in der ersten Hälfte stellenweise leider etwas zu langatmig war. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese erste Hälfte wirklich beinahe eins zu eins im Film übernommen wurde und ich sie daher im Grunde bereits vor dem Lesen schon auswendig kannte, aber ab und an fand ich es einfach etwas schwierig, tatsächlich konzentriert dranzubleiben. Die Betonung liegt hier jedoch auch „ab und an“ – im Großen und Ganzen ist „The Last Unicorn“ nämlich wirklich spannend und mitreißend, genau wie es sich für ein richtig gutes Märchen eben gehört.

Abschließend kann ich also wirklich nur sagen, dass ich unheimlich froh bin, dieses Juwel doch noch einmal zur Hand genommen und endlich fertig gelesen zu haben. Es hat mir einen unheimlichen Spaß gemacht, in der magischen Welt des letzten Einhorns zu versinken, die hier im Vergleich zum Film noch einmal eine ganz andere Tiefe hat. Es ist wirklich ein wunderschönes kleines Buch, das ich bestimmt irgendwann nochmal lesen werde!

 

Rezension

Ice Massacre

ice-massacre
ice-massacre

von Tiana Warner

Rouge Cannon Publishing Verlag, 375 Seiten

Preis: 11,75€

Inhalt

Die übernatürliche Schönheit von Meerjungfrauen dient nur einem Zweck: Seemänner in den Tod zu locken.

Das Massaker soll Eriana Kwai Frieden bringen. Jedes Jahr sendet die Insel ihre Krieger aus, um die Dämonen der See zu bekämpfen. Jedes Jahr kommen diese Krieger nicht wieder zurück. In ihrer Verzweiflung entschließt die Bevölkerung von Eriana Kwai, eine neue Strategie auszuprobieren – nun liegt das Schicksal der Insel in den Händen von zwanzig Kriegerinnen und deren Resistenz gegen die Verlockungen der Meerjungfrauen.
Die 18 jährige Meela hat bereits ihren Bruder im Massaker verloren, und sie lebt mit einem Geheimnis, das sie seit ihrer Kindheit verfolgt. Um die Schlacht, die ihr bevorsteht, zu überleben, muss sie die Dämonen ihrer Vergangenheit überwinden – und zur Meerjungfrau-Killerin werden.

Meine Meinung

Ich war hellauf begeistert, als ich „Ice Massacre“ vor einigen Wochen auf Goodreads entdeckt und mir die – größtenteils sehr positiven – Rezensionen dazu durchgelesen habe. Es klang nach genau dem queeren Meerjungfrauen-Buch, auf das wir alle schon so lange gewartet haben – und als ich gesehen habe, dass das eBook für kurze Zeit für nur 0,99€ erhältlich war, habe ich nicht lange gezögtert und es sofort auf mein Kindle geladen.

Die hohen Erwartungen, die ich an das Buch hatte, wurden aber leider absolut nicht erfüllt. Die Grundidee ist absolut fantastisch, aber an der Ausführung mangelt es leider gewaltig, sodass ich eigentlich die ganze Zeit nur das Gefühl hatte, dass es ein wirklich gutes Buch hätte sein können. War es aber leider nicht.
„Ice Massacre“ ist vor allem eines – wahnsinnig simpel. Die Geschichte ist absolut linear und vorhersehbar, großartige Wendungen gibt es eigentlich überhaupt nicht. Ich habe die ganze Zeit über auf den großen Knall gewartet, der dem Buch die Spannung und Einzigartigkeit bringt, von der ich in all den Rezensionen gelesen habe, aber er kam einfach nicht. Zwar war es nicht sterbenslangweilig, aber spannend eben auch nicht. Jedes Rätsel oder Geheimnis, das irgendwie angedeutet wird, wird gleich darauf – meist auf sehr langatmige, teilweise schon fast anstrengend minutiöse Weise – wieder aufgelöst, wirkliche Neugier auf irgendwas, was in diesem Buch passiert, kam bei mir deshalb leider übehaupt nicht auf.
Auch die Charaktere sind sehr einfach gestrickt, wahnsinnig stereotyp und schlichtweg auch ziemlich flach. Meela ist die typische Jugendbuch-Protagonistin – vergleichsweise harte Schale, sehr weicher Kern, und die einzige, die zumindest halbwegs bei Verstand zu sein scheint – ihre beste Freundin Annith ist die ebenso typische beste Freundin – schüchtern, gutmütig und mehr oder weniger loyal, ohne dabei viel Charakter zu zeigen – und die böse, zickige „Todfeindin“ ist, naja, die böse, zickige Todfeindin, die weder Herz noch Gewissen hat und im Grunde auch absolut keine Persönlichkeit. Bei den meisten anderen der zwanzig Mädchen, die die Hauptfiguren von „Ice Massacre“ sein sollten, wusste ich bis zum Ende noch nicht, wer denn nun wer ist, weil sie alle so blass und gleich und mir auch einfach so wahnsinnig egal waren.
Die Fantasy-Elemente und das World-Building selbst waren okay – solide, allerdings leider ebenfalls ohne viel Innovation. Der Schreibstil ist auch sehr durchschnittlich – nicht furchtbar schlecht aber eben auch nicht außergewöhnlich gut. Es gibt also eigentlich nichts, durch das „Ice Massacre“ sich irgendwie von ähnlichen Büchern des Genres abheben würde. Einzig und allein der Queerness-Faktor hätte den Roman vom Rest aller Meerjungfrauen-Bücher abeheben können, und der spielt im gesamten Buch leider quasi keine Rolle. Die ganze Zeit über habe ich auf die packende, queere Meerjungfrauen-Romanze gewartet, die mir von allen Seiten versprochen wurde, aber auch sie kam einfach nicht – alles was hier passiert ist das Vorgeplänkel zu einer Beziehung, die vielleicht im nächsten Band zustande kommen wird, welchen ich mir aber definitiv nicht kaufen werde. Gut, dafür, dass ich ein falsches Bild davon hatte, wie queer „Ice Massacre“ tatsächlich ist, kann das Buch ja im Grunde nichts – trotzdem fand ich das ziemlich enttäuschend.

Alles in Allem ist „Ice Massacre“ also wirklich weit hinter meinen Erwartungen zurück geblieben. Zwei Sterne gebe ich, weil ich die Idee an sich wirklich gut finde, die Diversität schätze – auch wenn die Queerness im Buch keine große Rolle spielt, so wird sie das vielleicht im Verlauf der Reihe noch tun, außerdem fand ich schön, dass Meela, wie die meisten anderen Bewohner von Eriana Kwai, eine Eingeborene und daher nicht weiß ist – und es sich relativ schnell lesen lässt.
Ansonsten hat das Buch mich leider auf voller Linie enttäuscht. Wer trotzdem neugierig auf „Ice Massacre“ ist und es gerne lesen will, der soll das natürlich tun – Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und es gibt ja offensichtlich auch viele Menschen, die das Buch ganz gut fanden – aber empfehlen würde ich es nicht unbedingt.

Rezension

Illuminae

illuminae-cover
illuminae-cover

von Amie Kaufman / Jay Kristoff

Knopf Verlag, 599 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Heute Morgen dachte Kady noch, mit Ezra Schluss zu machen wäre das Schwerste, das sie jemals würde tun müssen. Heute Nachmittag wurde ihr Planet überfallen.

Wir schreiben das Jahr 2575 und zwei rivalisierende Firmen kämpfen um einen Planeten, der kaum mehr als ein kleines Fleckchen Eis am Rande des Universums ist. Nur dumm, dass niemand daran gedacht hat, die Einwohner dieses Planetens zu warnen. Während ihre Heimat um sie herum in Schutt und Asche gelegt wird, fliehen sich Kady und Ezra – die kaum miteinander sprechen – auf eines der rettenden Schiffe, die die Überlebenden zur nächstgelegenen Raumstation bringen sollen.

Aber ihre Probleme fangen gerade erst an. Eine tödliche Seuche bricht auf einem der Schiffe aus, die künstliche Intelligenz, die sie eigentlich am Leben halten soll, wurde während des Gefechts beschädigt und wird sie vielleicht alle töten, und niemand will den Geflüchteten sagen, was eigentlich los ist. Als Kady sich in ein verschlungenes Netz aus Daten hackt, um endlich die Wahrheit herauszufinden, wird schnell klar, dass es nur eine Person gibt, die ihr dabei helfen kann, alles ans Licht zu bringen – der Ex-Freund, mit dem sie eigentlich nie wieder ein Wort sprechen wollte.

Meine Meinung

Ich war mir lange Zeit nicht sicher, ob ich „Illuminae“ wirklich lesen wollte. Zwar wurde es in Buchblogger-Kreisen wahnsinnig gehypt, aber ich war mir nicht sicher, ob das am Buch selbst oder eher an der schicken Aufmachung lag. Dann habe ich es jedoch günstig online gefunden und es einfach mal bestellt – Weltraumabenteuer, Zombies und eine verrückt gewordene KI sind nämlich eigentlich alle genau nach meinem Geschmack.

Zuerst einmal muss ich sagen, dass „Illuminae“ wirklich wahnsinnig schön gestaltet ist. Das Buch ist nicht wie sonst üblich in einem zusammenhängenden Erzählfluss geschrieben sondern besteht aus Chatverläufen, Protokollen, Notizen und Überwachungsmaterial, welches gesammelt wurde, um die Ereignisse rund um den Überfall auf den Planeten Kerenza IV zu untersuchen. Zuerst dachte ich, dass mich das vielleicht etwas stören würde, dass es mich ständig aus dem Erzählfluss reißen oder verhindern würde, dass ich mich den Charakteren wirklich nahe fühle, aber dem war überhaupt nicht so – sobald ich mich an diese ungewöhnliche Art der Präsentation gewöhnt hatte war ich komplett in der Geschichte drin und wollte am liebsten kein Buch mehr lesen, welches nicht auf diese Art geschrieben war.
Auch optisch ist „Illuminae“ wie gesagt ein echter Hingucker – nicht nur von außen, sondern durch seine spezielle Aufmachung eben auch von innen. Manchmal ist eine Seite so vollgekritzelt, dass man die einzelnen Worte darin gar nicht mehr entziffern kann, manchmal steht auf einer Seite nur ein einziges Wort und manchmal muss man sein Buch drehen und wenden, um überhaupt alle Zeilen lesen zu können – es ist wirklich ein ganz besonderes Leseerlebnis und allein dafür lohnt das Buch sich eigentlich schon.
Glücklicherweise lohnt es sich aber nicht nur dafür. Ich hatte zunächt befürchtet, dass mehr Wert auf das hübsche Design als auf den Inhalt gelegt wurde und die Geschichte so vielleicht irgendwie zurückstecken musste, aber auch hier waren meine Befürchtungen unbegründet – mir ist schon lange kein so eindringlicher, spannender Jugendroman mehr unter die Finger gekommen.
Ich habe „Illuminae“ von der ersten Seite an gern gelesen, wobei es mich erst etwa ab der Hälfte so richtig packen konnte. Ich konnte am Anfang einfach weder Kady noch Ezra besonders leiden, die mir beide einfach einen Hauch zu jugendlich waren, und die Chatverläufe zwischen den beiden erschienen mir teilweise etwas… nervig und aufgesetzt.
Als der Fokus der Geschichte ein wenig weg von ihrer Beziehung und hin zu der Seuche und der mörderischen KI ging waren aber sofort alle meine Zweifel vergessen – ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, obwohl das Buch teilweise so intensiv wurde, dass ich aufhören musste weil es einfach so überwältigend war. Besonders gefallen haben mir die Stellen, die tatsächlich in der Stimme der KI, AIDAN, erzählt wurden, und auch Kady habe ich in dieser zweiten Hälfte wirklich, wirklich lieb gewonnen. Ich mochte es, wie wahnsinnig düster und hoffnungslos die Geschichte stellenweise war und wie man als Leser selbst irgendwie mitleidet.
Es gab eine ganze Menge Plot-Twists, die ich so nicht vorhergesehen hätte, und einzig und allein das Ende konnte mich dann doch nicht zu hundert Prozent zufrieden stellen. Ich verstehe aber auch, warum es so sein muss, wie es ist, denn es handelt sich hier immerhin um den Auftakt zu einer Trilogie.

„Illuminae“ ist also wahnsinnig spannend und es liest sich unheimlich schnell – zum einen, weil man es einfach nicht mehr weglegen kann, sobald es einen einmal gepackt hat, und zum anderen, weil natürlich einfach nicht jede Seite komplett bedruckt ist. Das Design ist aber nicht nur ein optischer Hingucker, es fügt dem Buch noch eine ganz neue Ebene hinzu. In einer traditionellen Aufmachung wäre es sicher weniger… beklemmend und mitreißend gewesen.
Zwar braucht es ein wenig, bis es wirklich richtig in Fahrt kommt, dann ist es aber wirklich einfach nur fantastisch – ich bin auf jeden Fall froh, diesem Buch doch eine Chance gegen zu haben und freue mich schon auf Band zwei!

Rezension

Die Elfen

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von Bernhard Hennen

Heyne Verlag, 910 Seiten

Preis: 15,00€

Inhalt

Verborgen vor den Augen der Menschen, geschützt durch magische Pforten, liegt das Reich der Elfen: Albenmark. Doch ihre Welt ist bedroht, denn ein gefährlicher Feind schickt sich an, das Volk der Elfen für immer zu vernichten. Die Elfenkönigin Emerelle schickt Farodin und Nuramon ― die kühnsten Krieger Albenmarks und Rivalen um die Gunst der Zauberin Noroelle ― aus, um Albenmark zu retten. Vor ihnen liegt eine gefährliche Reise durch verschiedene Zeiten und Welten, an deren Ende sich das Schicksal eines ganzen Volkes entscheiden wird.

Meine Meinung

Ich habe „Die Elfen“ vor fast zehn Jahren von meiner damaligen Klavierlehrerin geschenkt bekommen, die ersten 50 Seiten gelesen und es dann wieder weggelegt – vielleicht war mir das Buch doch einfach noch etwas zu „erwachsen“, und die Länge hat mich wahrscheinlich auch ein wenig abgeschreckt. Nachdem ich dann aber dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse Bernhard Hennen getroffen habe wollte ich es doch endlich noch einmal probieren – und es hat sich wirklich gelohnt!

Die fast 1000 Seiten des ersten Bandes dieser Reihe sind mir förmlich unter den Fingern weggeflogen. Ich hätte wirklich nicht erwartet, das Buch in nur einer Woche durchzulesen – vor allem nicht, weil ich nebenher auch noch andere Bücher gelesen habe. Aber ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen, der lockere Schreibstil und die spannende Geschichte, in der sich ein Abenteuer an das andere reiht, verführen einen wirklich dazu, die ganze Nacht durchzulesen.
Obwohl es gleich spannend anfängt habe ich ein bisschen gebraucht, bis ich wirklich vollends überzeugt von dem Buch war, denn „Die Elfen“ besticht erst einmal nicht durch wahnsinnig originelle, vorher noch nie dagewesene Fantasy-Elemente oder durch einen einzigartig verschlungenen, poetischen Schreibstil, es lebt vor allem von seinen Charakteren.
Es ist interessant, wie unterschiedlich und dennoch liebenswert die drei Protagonisten dieses Buches sind. Ich mochte Nuramon und Farodin unheimlich gerne, und habe mit der Zeit sogar Mandred, den grobschlächtigen Barbarenkönig, wirklich liebgewonnen. Jeder von ihnen hat sich im Laufe des Buches auf seine Weise weiterentwickelt und es war wirklich schön, das mitzuverfolgen.
Normalerweise hasse ich Liebesdreiecke ja abgrundtief, aber hier hat es mich überhaupt nicht gestört – vielleicht, weil man die Geschichte hier aus der Sicht der „Rivalen“ erlebt und gar nicht anders kann, als beide für ihre Art schätzen zu lernen, vielleicht auch, weil diese Romanze zwar immer im Hintergrund steht, in der tatsächlichen aktiven Handlung des Buches aber kaum eine Rolle spielt. Hier stehen die Abenteuer der Helden eindeutig im Vordergrund.
Die starke Bindung, die man beim Lesen zu den Protagonisten dieses Buches aufbaut, wird übrigens wohl dadurch noch verstärkt, dass sie tatsächlich die einzige Konstante des Buches sind. Weder Ort noch Zeit sind in „Die Elfen“ sonderlich beständig, was das Ganze beinahe wie einen antiken Heldenmythos anmuten lässt. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte und in einer Weise, die ich sonst bei noch keinem Buch erlebt habe, werden die Charaktere in ihrer Welt zu mystifizierten Helden, schon lange bevor man es fertig gelesen hat. Dieser Prozess der Legendenbildung um die Figuren war glaube ich das, was mir beim Lesen am besten gefallen hat, weil es wirklich faszinierend und sehr, sehr einzigartig ist.
„Die Elfen“ hat mir also wirklich, wirklich Spaß gemacht, und eigentlich habe ich nur einen einzigen Kritikpunkt – ich hätte mir schlichtweg mehr handelnde weibliche Charaktere gewünscht. Zwar gibt es in dem Buch einige Frauen, die wichtig für die Geschichte sind, aber sie alle bleiben immer irgendwie im Hintergrund – sei es Noroelle, zu der Farodin und Nuramon so verzweifelt zurückkehren wollen, die insgesamt aber nur auf vielleicht 50 Seiten des Buches tatsächlich vorkommt, Emerelle, die Elfenkönigin, die alles irgendwie aus dem Hintergrund steuert, dort aber eben die meiste Zeit auch bleibt, oder Yulivee und Obilee, die beide heldenhafte Taten vollbringen, welche aber auch nur ab und an in einem Nebensatz erwähnt und sonst nicht weiter beleuchtet werden.
Natürlich liegt das vor allem daran, dass Farodin, Nuramon und Mandred tatsächlich sowas wie der Anker der Geschichte sind und wie erwähnt auch die einzige wirkliche Konstante, aber trotzdem fand ich das sehr schade. Ich hoffe, dass das sich das in den Folgebänden vielleicht noch etwas anders entwickelt!

Um es kurz zu machen: Ich bin wirklich froh, „Die Elfen“ nach so vielen Jahren endlich gelesen zu haben, denn ich hatte wirklich das Gefühl, da einen (gar nicht so) kleinen Schatz entdeckt zu haben. Ich habe mir die restlichen Bände der Reihe schon in der Bücherei bestellt bevor ich mit dem ersten überhaupt fertig war und kann es gar nicht erwarten, noch tiefer in diese magische Welt einzutauchen. Eigentlich ist die Handlung in diesem ersten Band ja schon ziemlich abgeschlossen, deswegen bin ich umso gespannter, was in den folgenden Büchern noch so geschieht.
Ich kann Fantasy-Fans dieses Buch also wirklich nur empfehlen – lasst es bitte nicht genauso lange in euren Regalen verstauben, wie ich. Es lohnt sich!

Blogbeitrag

Fictional Bookish Girl Squad Buch-Tag

Ich habe schon lange überlegt, was ich denn hier mal wieder posten könnte, was keine Rezension oder ein Monatsrückblick ist, und da kam es mir gerade Recht, dass die liebe Elif mich zum Bookish Girl Squad Tag getaggt hat. Vielen Dank dafür!
Ich habe eine ganze Weile dafür gebraucht – es war viel schwieriger, für jede „Kategorie“ die richtige Figur zu finden, als ich zunächst gedacht hätte – aber es hat auch wahnsinnig viel Spaß gemacht und jetzt kann ich euch endlich meine fiktionale Mädchen-Clique zeigen. Und los geht’s!

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1) Someone who will force you to go out when you want to stay in.

IMG_20160803_160930 bPuh – gar keine leichte Aufgabe, ich bin nämlich wirklich schwer dazu zu bewegen, das Haus zu verlassen, wenn ich eigentlich absolut keine Lust dazu habe.
Wenn das jemand schafft, dann aber wohl meine geliebte Sabriel aus der „Das alte Königreich“-Reihe von Garth Nix. Nicht nur, weil sie ein unheimlich willenstarkes und einnehmendes Mädchen ist, das sehr gut darin ist, andere von ihrer Sache zu überzeugen, sondern auch, weil sie mich wohl nicht dazu zwingen würde, wenn nicht wirklich Not am Mann wäre. Und wer weiß, vielleicht macht es ja überraschend viel Spaß, mal ein paar Monster zu bekämpfen!

2) Someone who will have your back. 

IMG_20160803_161343 b Hier ist mir sofort Lisbeth Salander aus der „Millenium“-Reihe von Stieg Larsson eingefallen. Zwar verschenkt sie ihr Vertrauen und ihre Zuneigung nicht gerade einfach so, aber wenn man es einmal gewonnen hat, dann gibt es wohl kaum ein stärkeres Band und sie würde wohl über Leichen gehen, um ihre Freunde zu beschützen.
Ich bin mir also sicher, dass Lisbeth nicht nur immer zu mir stehen und mich verteidigen würde, sondern dass sie auch Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde um mich zu retten, sollte ich mal in die Hände irgendwelcher Krimineller geraten. Ja, ich glaube, wer eine Freundin wie Lisbeth Salander hat, der muss sich wirklich vor nichts mehr fürchten.

3) Someone who will help you move. 

IMG_20160803_161037 bBei dieser Frage musste ich wohl am längsten von allen überlegen. Zwar sind mir sofort eine ganze Menge Charaktere eingefallen, die mir aus reiner Freundlichkeit bestimmt sofort bei einem Umzug helfen würden, aber wie sollte ich mich da für nur eine Figur entscheiden?
Da ist es mir eingefallen – Cinder aus den „Luna Chroniken“ von Marissa Meyer wäre nicht nur sofort zur Stelle, um mir zu helfen, sie wäre mir dank ihrer Cyborg-Physiologie auch noch eine tatsächliche Hilfe beim Schleppen all der schweren Kisten. Außerdem ist Cinder ein sehr strukturierter Mensch, der sowohl gut im Planen als auch sehr spontan und lösungsorientiert ist – ich wette, wer sie bei einem Umzug dabei hat, der muss sich kein einziges Mal Geadanken darüber machen, ob dieser Schrank nun tatsächlich durch die Tür passt oder ob das Kabel des Fernsehers auch wirklich lang genug ist, um ihn auf dieser Seite des Raums aufzustellen. Sie ist wirklich wie geschaffen für die Aufgabe des Umzugshelfers!

4) Someone who you can share your problems with, a listening ear. 

IMG_20160803_160802 bDie Figur, die ich für diese Frage gewählt habe, ist zwar primär nicht menschlich, aber sie ist trotzdem weiblich und für diese Aufgabe wohl besser geeignet alt jede andere, weswegen ich das Einhorn aus „Das letzte Einhorn“ von Peter S. Beagle einfach wählen musste.
Mit ihrer jahrhundertelangen Erfahrung und der daraus erwachsenen Weisheit, ihrer unendlichen Geduld, ihrem unerschütterlichen Vertrauen in alle Lebewesen um sie herum und ihrem Blick für das, was wirklich wichtig ist, kann ich mir wirklich niemand besseren für diese Aufgabe vorstellen. Das Einhorn würde einem nicht nur zuhören und helfen sondern einen dabei mit ihrer besonnenen Art bestimmt auch wahnsinnig beruhigen. Ich bin mir sicher, dass sie auf so gut wie alles eine Antwort hat, diese aber wahrscheinlich gar nicht nötig ist, weil sie genau die Person ist, bei der einem die Lösungen zu seinem Problem selbst einfallen, einfach nur, weil man es ihr erzählt.

5) Someone to gossip with. 

IMG_20160803_160842 bAuch diese Frage ist mir eher schwer gefallen, nicht nur, weil ich selbst nicht so gerne über andere herziehe, sondern auch, weil es kaum ein Buch gibt, in dem eine Figur das macht, ohne als böse und hinterhältig dargestellt zu werden.
Schlussendlich habe ich mich für Sansa aus der „Das Lied von Eis und Feuer“-Reihe von George R.R. Martin entschieden, die schon immer eine meiner absoluten Lieblingsfiguren der Reihe ist, und die – vor allem zu Beginn der Bücher – wohl niemals etwas dagegen einzuwenden hätte, die ganze Nacht kichernd mit ihren Freundinnen über irgendwelche Höflinge herzuziehen.
Meine Zweitwahl wäre an dieser Stelle übrigens Elizabeth Bennet aus Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ gewesen, die mit ihrer scharfen Zunge bestimmt immer einige gute Sprüche auf Lager hätte.

6) Someone to go on holidays with. 

IMG_20160803_160653 bMein erster Gedanke hierzu war Cress aus den „Luna-Chroniken“ von Marissa Meyer, die mit ihrer Begeisterung bestimmt jeden noch so langweiligen Urlaub zu einem absoluten Highlight machen würde, aber da ich die Reihe schon einmal verwendet hatte, wollte ich mir dann doch lieber eine andere Figur suchen.
So fiel meine Wahl auf Wanderer aus Stephenie Meyers „Seelen“, die bestimmt nicht nur gerne ausgiebig die Menschenwelt besichtigen würde, in die sie sich so verliebt hat, sondern die bestimmt auch – je nach Reiseziel – wahnsinnig viele spannende Anekdoten aus ihren früheren Leben auf fremden Planeten zu erzählen hätte, wo die Lebensbedingungen vielleicht ähnlich, vielleicht aber auch ganz anders waren als an dem Ort, an dem wir uns gerade befänden. Ich glaube, ich könnte Wanda wirklich studenlang zuhören – am liebsten wäre mir mit ihr ein Campingurlaub irgendwo in der Wildnis, bei dem sie jeden Abend am Lagerfeuer Geschichten erzählt.

7) Someone to hang out with quietly. 

IMG_20160803_160608 bHier war ich mir lange sehr unsicher, ob Jane Eyre aus dem gleichnamigen Buch von Charlotte Brontë oder Tess Durbeyfield aus „Tess von den D’Urbervilles“ von Thomas Hardy wohl die bessere Wahl wäre. Ich bin mir sicher, dass beide es schätzen würden, einfach nur Zeit mit jemandem zu verbringen, ohne dabei ständig plappern und von sich erzählen zu müssen.
Schlussendlich ist meine Wahl dann auf meine geliebte Jane gefallen, weil ich es mir bei ihr einfach noch etwas besser vorstellen kann, nur mit ihr zusammenzusitzen und nicht oder kaum zu sprechen – vielleicht beide mit einem Buch in der Hand, und die Stille würde nur dann gebrochen werden, wenn wir einander eine besonders tolle Stelle vorlesen wollen würden. Hach, wie gerne würde ich das gerade mit ihr machen!

8) Someone to have passionate discussions with. 

IMG_20160803_161428 bIhr habt euch sicher schon alle gefragt, wann sie denn nun endlich kommt, richtig? Natürlich ist keine Mädchenclique komplett ohne Hermine aus den „Harry Potter“-Büchern von J.K. Rowling und ich finde, zu diesem letzten Punkt passt sie wirklich perfekt.
Mit Hermine könnte man mit Sicherheit stundenlang über die Ungerechtigkeiten dieser Welt und eventuelle Lösungen darüber diskutieren, sowie aber auch über philosophische Fragen, die Interpretation geschichtlicher Ereignisse oder schlicht und ergreifend über Lieblingsbücher. Man könnte sich mit ihr bestimmt ewig über Politik unterhalten, über Gleichberechtigung, über Magie und darüber, welche Dinge mit Muggel-Technologie vielleicht doch besser gelöst sind. Im Grunde einfach über alles – Hermine weiß so wahnsinnig viel und vertritt ihre eigenen Meinungen so stark, ohne sich dabei jedoch zu weigern, vielleicht auch noch etwas dazuzulernen, dass ich mir wirklich keine bessere Diskussionspartnerin vorstellen kann.

Das war sie dann auch schon wieder, meine fiktionale Mädchenclique! Obwohl ich eine Weile gebraucht habe, um für jeden Punkt eine Figur zu finden, bin ich doch ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Was sagt ihr denn dazu? Hättet ihr euch an manchen Stellen ähnlich entschieden wie ich, oder findet ihr, einer meiner Charaktere passt überhaupt nicht zu der zugehörigen Frage? Ihr dürft mir gerne einen Kommentar dazu dalassen, denn ich finde das Thema richtig spannend und freue mich über jede Meinung dazu.
Ich bin mir nicht ganz sicher, wer vielleicht Lust auf diesen Tag hätte, deswegen darf sich einfach mal jeder getaggt fühlen, der das hier gerade liest. Wenn ihr den Tag machen wollt, oder ihn vielleicht sogar schon gemacht habt, dann würde ich mich total freuen, wenn ihr euren Blogpost in den Kommentaren verlinkt, damit ich ihn auch lesen kann.
An dieser Stelle dann nochmal vielen Dank für’s taggen, Elif, und mindestens genauso viel Spaß an alle, die den Tag auch versuchen wollen, wie es mir gemacht hat!

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