Rezension

Lisey’s Story

von Stephen King

Deutscher Titel: Love

Scribner Verlag, 513 Seiten

Preis: TB: ab 7,99€, eBook: 6,99€

Inhalt

Vor zwei Jahren hat Lisey ihren Mann verloren und sein Nachlass weckt albtraumhafte Erinnerungen und Ahnungen in ihr, die bald grausame Gewissheit werden. Bereits lange vor seinem Tod hat Scott, ein berühmter Romanautor, für sie eine Spur mit Hinweisen ausgelegt, die sie nun immer tiefer in seine von Dämonen bevölkerte Welt führt – ein Ort, an dem er die Ideen für seine Bücher sammelte, und der ihn sowohl heilen wie auch das Leben kosten konnte.

Meine Meinung

„Lisey’s Story“ war das erste Buch, das ich dieses Jahr für den #StephenKingMonth gelesen habe! Ich hatte zuvor schon viel Gutes darüber gehört und gleichzeitig klang es so ganz anders, als das, was ich sonst so von Stephen King gewohnt bin, deshalb war ich wirklich sehr gespannt darauf!

Vor allem zu Beginn fühlte das Buch sich auch auf eine Weise, die ich gar nicht genau bestimmen kann, irgendwie anders an, als King sich sonst für mich anfühlt. Weder besser noch schlechter, einfach anders. Vielleicht war es, weil Autoren so oft die Protagonisten seiner Werke sind, dass es ganz ungewohnt war, einmal einen ausschließlich aus den Augen seiner Ehefrau – und dann auch noch nur aus ihren Erinnerungen – kennenzulernen. Vielleicht auch, weil das Thema, das sich durch das ganze Buch zieht, und die Sache, um die es – obwohl es natürlich auch in „Lisey’s Story“ die gewohnte Mischung aus fantastischem und realem Grusel gibt – eigentlich geht, nicht der für King typische Horror der ein- oder anderen Art ist, sondern tiefe, rohe Trauer. Gerade das macht es aber vielleicht auch zu einem seiner erschreckendsten Bücher – tatsächlich würde ich wohl lieber einer ganzen Horde Monster gegenüberstehen, als irgendwann in meinem Leben Liseys Schmerz erfahren zu müssen.
Auf jeden Fall hat „Lisey’s Story“ mir wirklich gut gefallen. Es ist ein zunächst sehr mysteriöses, relativ ruhiges Buch, weil es in erster Linie eine Reise Liseys in ihre eigenen verdrängten Erinnerungen ist, die nach und nach ans Licht kommen und sich schlussendlich zu einem stimmigen Bild zusammensetzen. Man tappt zusammen mit Lisey im Dunkeln und weiß nie so recht, wo man sich denn nun eigentlich hinbewegt, und was hinter der nächsten Biegung auf einen warten mag. Einige Leser_innen fanden es deshalb wohl unter anderem auch etwas langweilig – so ging es mir aber überhaupt nicht. Das Buch vereint so viele verschiedene Handlungselemente auf verschiedenen Ebenen und Zeitlinien, dass ich mich gar nicht langweilen konnte.
Ebenso wie die Geschichte, die sich Seite für Seite in mein Herz geschlichen hat, habe ich Lisey, die mir zu Beginn als kaum mehr als die relativ blasse, klischeehaft ruhige Hintergrund-Ehefrau ihres berühmten Mannes erschien, im Laufe des Romans wirklich lieben gelernt. Ihre Familiensituation fand ich wahnsinnig interessant und hätte sehr gerne noch mehr darüber erfahren – es ist eines dieser Details, die ich an Stephen Kings Art zu schreiben so liebe, denn man hat wirklich das Gefühl, hinter den kurzen Erwähnungen und knappen Telefonaten verbirgt sich eine ganz reale Familie, mit ganz realen Beziehungen, Sorgen und Nöten.
Obwohl das Horrorelement in diesem Roman wie bereits gesagt eine eher untergeordnete Rolle spielt, habe ich mich außerdem durchaus ein wenig gegruselt – Stephen King hat eine wunderbare Art, seine Monster mit einem vagen, nicht ganz fassbaren Gefühl von ganz elementarer Angst zu umgeben, die mir immer wieder eine Gänsehaut verursacht. Die Idee einer anderen Welt, in die Scott reist um dort Inspiration für seine Geschichten zu sammeln kam mir auf dem Klappentext beinahe ein wenig lächerlich vor – im Buch war das dann plötzlich keineswegs mehr so. Ganz im Gegenteil, die allzu dünne Wand zwischen hier und dort wurde so eindringlich beschrieben, dass ich zeitweise tatsächlich ein wenig Angst hatte, ich könnte beim Blick in eine spiegelnde Oberfläche etwas von dort vorbeihuschen sehen.

„Lisey’s Story“ ist wirklich ein ganz besonderes Buch. Sehr dicht und persönlich, emotional, geheimnisvoll, leise, aber laut an den richtigen Stellen – und all das auf nur etwa 500 Seiten. Kurz: ein Buch, das ich nicht nur gerne gelesen habe, sondern an das ich mich definitv noch eine ganze Weile erinnern werde.
Ich bin froh, den diesjährigen #StephenKingMonth mit „Lisey’s Story“ begonnen zu haben – wenn es so weitergeht habe ich einen wirklich grandiosen Lesemonat vor mir!

Blogbeitrag

Stephen King Lesemonat 2017 – mein TBR und der Readalong!

Es ist der erste Oktober, und damit auch ganz offiziell der erste Tag des Stephen King Lesemonats 2017! Ich freue mich schon wahnsinnig, mich wieder einmal komplett in der Welt des Horrorkönigs zu vergraben, und noch mehr sogar über jeden, der mich dabei begleitet!
Zuerst einmal will ich euch kurz meinen TBR vorstellen – diese Bücher will ich während des diesjährigen #StephenKingMonth gerne lesen:

Die Arena

An einem schönen Herbsttag wird die Stadt Chester’s Mill plötzlich auf unerklärliche Weise durch ein unsichtbares und undurchdringliches Kraftfeld vom Rest der Welt abgeriegelt – niemand kann raus, niemand kann rein. Es ist allen ein Rätsel, worum es sich bei dieser unsichtbaren Wand handelt, wo sie herkommt und wann – falls überhaupt – sie wieder verschwindet. Je mehr die Vorräte zur Neige gehen, desto stärker tobt der bestialische Kampf ums Überleben in dieser unerwünschten Arena …

Ich habe „Die Arena“ mit 15 oder 16 schon einmal gelesen und als wirklich sehr gut in Erinnerung – ich freue mich also schon sehr auf diesen Reread!

Frühling, Sommer, Herbst und Tod

Freiheitsdrang, Naziterror, die Leiden des Erwachsenwerdens und der unbesiegbare Lebenswille des Menschen sind die Themen der vier Novellen, die in diesem Sammelband vereint werden.

Ich liebe den Film „Stand By Me“ abgöttisch und freue mich schon sehr, endlich den zugehörigen Kurzroman, „Die Leiche“, zu lesen – von den anderen drei Erzählungen in diesem Buch werde ich mich einfach überraschen lassen!

Brennen muss Salem

Der Schriftsteller Ben Mears kehrt nach Jahren in die beschauliche Kleinstadt Salem’s Lot zurück. Er interessiert sich für das Marsten-Haus, von dem eine unheimliche Kraft ausgeht. Bald zeigt sich, wer in Salem’s Lot sein Unwesen treibt: ein Vampir…

Neugierig auf „Brennen muss Salem“ bin ich vor allem, weil ich eine der Figuren daraus, Donald Callahan, bereits in der „Der dunkle Turm“ Reihe kennengelernt habe. Der queere Ex-Pfarrer war mir sofort sympathisch – und auch, wenn er in „Brennen muss Salem“ vermutlich eher eine untergeordnete Rolle spielt und soweit ich weiß auch seine Queerness in diesem Buch so noch nicht existiert, freue ich mich schon sehr, ihn wiederzusehen!

Duma Key, dt.: Wahn

Nach einem schrecklichen Unfall sucht Edgar Freemantle auf einer einsamen Insel Trost in der Malerei. Die Insel aber übt eine dämonische Macht aus, und bald schon entwickeln Edgars Bilder ein tödliches Eigenleben…

„Duma Key“ ist eines der wenigen Stephen King Bücher, von denen ich wirklich noch überhaupt nichts gehört hatte, bis eine Bookstagrammerin, der ich folge, das Buch letztes Jahr gelesen und zu einem ihrer liebsten King Bücher erklärt hat. Meine Neugier war geweckt, das Buch bestellt – jetzt bin ich schon sehr gespannt darauf, was sich in den gut 750 Seiten verbirgt!

Lisey’s Story, dt.: Love

Vor zwei Jahren hat Lisey ihren Mann verloren und sein Nachlass weckt albtraumhafte Erinnerungen und Ahnungen in ihr, die bald grausame Gewissheit werden. Bereits lange vor seinem Tod hat Scott, ein berühmter Romanautor, für sie eine Spur mit Hinweisen ausgelegt, die sie nun immer tiefer in seine von Dämonen bevölkerte Welt führt – ein Ort, an den er ging, um zu schreiben, und der ihn sowohl heilen wie auch das Leben kosten konnte.

„Lisey’s Story“ klingt so ganz anders als das, was ich sonst bisher so von Stephen King gelesen habe, und genau das macht es so interessant. Ich habe gestern Abend schon ein wenig in die Geschichte hineingelesen und bin schon sehr gespannt darauf, wo alles hinführen wird!

Readalong

Dieses Jahr gibt es im Rahmen des #StephenKingMonth außerdem zum ersten Mal einen Readalong – ihr habt darüber abgestimmt, welches Buch wir lesen werden, und gewonnen hat „Brennen muss Salem“! Ich habe so etwas noch nie zuvor gemacht und  weiß deshalb gar nicht so recht, was auf mich zukommen wird, und vor allem, wie viele von denen, die abgestimmt haben, dann auch tatsächlich mitlesen werden. Ich hoffe natürlich, so viele wie möglich dabei begrüßen zu dürfen!

Damit der Readalong – genau wie der restliche Lesemonat – nicht irgendwie stressig wird, will ich keine feste Zeit für das Lesen des Buches ansetzen sondern jedem ermöglichen, es in seinem eigenen Tempo zu lesen. Damit wir aber trotzdem noch irgendwie gemeinsam lesen können wird es an den letzten drei Sonntagen des Oktobers jeweils die Möglichkeit geben, sich über das Buch auszutauschen! Praktischerweise ist dieses auch noch in drei Teile unterteilt, sodass es am 15. um den Prolog so wie den ersten Teil, „Das Marsten-Haus“ geht, am 22. um den zweiten Teil, „Der Eiskrem-Kaiser“, und am 29. um den dritten Teil, „Die verlassene Stadt“, sowie den Epilog. In meiner (relativ umfangreichen, bebilderten) Ausgabe sind das pro Woche zwischen 160 und 230 Seiten. An diesen Zeitplan muss sich aber wie gesagt niemand halten, ihr dürft das Buch gerne so schnell oder so langsam lesen, wie ihr mögt. Natürlich dürft ihr euch außerdem auch an jedem anderen Tag des Oktobers über das Gelesene austauschen, Leseupdates und Meinungen posten – es wäre nur nett, wenn ihr vor den „offiziellen“ Terminen keine Spoiler zu den jeweiligen Teilen posten würdet!

Die Abstimmung selbst war wahnsinnig knapp, weshalb es mir für „ES“ und „Die Arena“ fast ein bisschen Leid tut – ich hoffe, dass niemand zu enttäuscht ist, weil „sein“ Buch nicht gewonnen hat! Wer seinen Favoriten trotzdem gerne mit anderen zusammen lesen würde hat natürlich immer noch die Möglichkeit, sich ein paar Gleichgesinnte zu suchen und genau das zu tun. Am besten postet ihr euer Gesuch einfach unter dem Hashtag #StephenKingMonth, sodass ihr euch gegenseitig finden könnt! Ich zum Beispiel möchte ja wie bereits gesagt „Die Arena“ unbedingt noch einmal lesen – wenn sich mir dabei noch irgendjemand anschließen will wäre ich natürlich auch gerne bereit zu einem buddy read!

Das war’s dann auch schon wieder – der #StephenKingMonth ist damit eröffnet! 📚🎃😄
Wer von euch wird denn diesen Monat dabei sein, und was werdet ihr lesen? Macht ihr beim Readalong mit? Lasst mich das alles gerne in den Kommentaren wissen! 🙂

Rückblick

Mein Lesemonat September

Hallo, ihr Lieben! Mit dem September ist ein ziemlich ereignisreicher Monat ins Land gegangen – ich habe meine letzte Hausarbeit abgegeben und, obwohl ich meine Note (und somit auch mein Zeugnis) noch nicht habe, damit wohl meinen Bachelor abgeschlossen! Außerdem war ich eine Woche mit meinem Freund im wunderschönen Portugal. Gelesen habe ich nicht ganz so viel, wie im letzten Monat, in dem ich mit sieben Büchern aber auch ganz schön vorgelegt habe – dafür habe ich einige wirklich tolle Bücher gelesen. Und das sind sie:

Der Späher – Vladimir Nabokov
123 Seiten

Watership Down – Richard Adams
472 Seiten

The Secret History – Donna Tartt
660 Seiten

Royal Assassin – Robin Hobb
(Farseer #2)
648 Seiten

A Little Life – Hanya Yanagihara
720 Seiten

Das macht also fünf Bücher mit insgesamt 2623 Seiten – in diesem Jahr tatsächlich ein überdurchschnittliches Ergebnis für mich!

Highlights und Enttäuschungen

Obwohl ich diesen Monat so viele wirklich besondere Bücher gelesen habe, fällt es mir überhaupt nicht schwer, meinen Favoriten zu benennen, denn das war ganz klar „A Little Life“ von Hanya Yanagihara.  Ich habe dem Buch schon lange entgegengefiebert – letzten Monat habe ich es dann endlich begonnen und jetzt im September beendet. Ich kann immer noch kaum in Worte fassen, wie unheimlich mich dieses Buch berührt, begeistert und in seinen Bann gezogen hat. Noch nie habe ich ein derart schmerzhaftes und gleichzeitig so unheimlich fantastisches Buch gelesen, noch nie so mit einer Gruppe von Figuren gefühlt, gelacht, geweint und gelitten. Das Buch verdient eine ganze Liste an Triggerwarnings, aber trotz all der wirklich, wirklich grausamen und schrecklichen Dinge, die darin passieren, konnte ich es kaum aus der Hand legen – und wenn ich doch eine Pause einlegen musste, weil ich einfach nicht mehr konnte, dann konnte ich an nichts anderes denken als an Jude, Willem, Malcom und JB. „A Little Life“ wird nicht ohne Grund von Lesern wie Kritikern in höchsten Tönen gelobt – ich muss mich selbst bremsen, damit mein Monatsrückblick an dieser Stelle nicht in eine einzige Lobeshymne ausartet. Es ist ohne Zweifel nicht nur ein großartiges, sondern zudem noch ein wirklich großes Buch – und definitiv ein neues Lieblingsbuch für mich.

Neben diesem Begeisterungssturm muss jedes Lob für irgendein anderes Buch fast automatisch etwas verblassen – doch gerade diesen Monat habe ich noch zwei weitere wirklich erwähnenswerte Bücher gelesen. Zum Einen ist da noch „Watership Down“ von Richard Adams – ich hätte wirklich nicht damit gerechnet, dass dieses Buch über eine Kaninchengruppe mich derart verzaubern würde. Die Abenteuererzählung liest sich magisch leicht, fast wie ein Märchen, ist an den richtigen Stellen spannend und mysthisch und begeistert vor allem durch seine ganz einzigartige Seele. Ich bin wirklich froh, dieses kleine Juwel endlich entdeckt zu haben – vor allem, da der zugehörige Zeichentrickfilm mir als Kind wahnsinnige Albträume beschert hat, wodurch ich die Schönheit der Geschichte gar nie richtig zu schätzen gelernt habe.

Außerdem nicht vergessen will ich „The Secret History“ von Donna Tartt. Obwohl ich etwas gebraucht habe, um wirklich in die Geschichte reinzukommen, und an einer späteren Stelle dann große Probleme mit der Homophobie einer Figur und vor allem der Art, wie innerhalb des Buches damit umgegangen wurde, hatte, hat das Buch mich wirklich beeindruckt. Wahnsinnig atmosphärisch und und sehr eindringlich erzählt Donna Tartt ihre Geschichte über Grenzüberschreitungen, Schuld und Reue, die sich in nur einem Satz gar nicht so recht zusammenfassen lassen will. „The Secret History“ ist definitiv ein Buch, über das ich noch länger nachdenken werde!

Auch der zweite Band der Farseer-Reihe, „Royal Assassin“ , den ich im Rahmen des #PlentyOfHobb-Readalongs gelesen habe, hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht, und auch Vladimir Nabokovs Kurzroman „Der Späher“ , welches mein erstes Buch für die Russian Reading Challenge war, habe ich sehr gerne gelesen. Enttäuschungen waren diesen Monat also glücklicherweise überhaupt keine dabei!

Erreichte Leseziele

Ich glaube, wenn ich am Ende des Jahres die Leseziele, die ich mir vorgenommen hatte, damit vergleiche, was ich tatsächlich gelesen habe, werde ich ziemlich enttäuscht sein – was letztes Jahr noch so gut geklappt hat will 2017 so gar nicht funktionieren. Auch diesen Monat war unter meinen gelesenen Büchern weder ein Buch eines deutschsprachigen Autors oder einer deutschsprachigen Autorin, noch ein Buch von meiner Leseliste oder ein neues Genre. Einzig und allein mein Ziel, jeden Monat mindestens ein Buch zu lesen, dessen Protagonist_in queer und/oder nicht weiß ist, habe ich erreicht – tatsächlich ist von den vier Protagonisten von „A Little Life“ nämlich kein einziger weiß und heterosexuell.

Was ich nächsten Monat lesen möchte

Nächsten Monat ist Oktober und damit beginnt auch wieder ein neuer #StephenKingMonth – schon das dritte Mal lege ich damit einen Lesemonat für den King of Horror ein, und noch immer freue ich mich darauf wie ein Kind auf Weihnachten. Ich glaube aber, dass ich zu meinen genauen Leseplänen – vor allem, weil diese auch die Ankündigung des geplanten Readalongs beinhalten – lieber morgen noch einmal einen eigenen Post machen werde, denn sonst wird dieser hier einfach zu lang.

Was habt ihr denn im September so gelesen? Habt ihr vielleicht ein neues Lieblingsbuch entdeckt, oder eines der Bücher, die ich gelesen habe, auch gelesen? Könnt ihr gerade meine Begeisterung für „A Little Life“ auch teilen, oder mochte jemand von euch das Buch vielleicht tatsächlich so gar nicht? Was sind eure Lesepläne für den Oktober? Nimmt vielleicht der ein oder andere von euch auch am #StephenKingMonth teil? Lasst mich all das wie immer gerne in einem Kommentar wissen!

Rezension

The Secret History

von Donna Tartt

Deutscher Titel: Die geheime Geschichte

Penguin Verlag, 660 Seiten

Preis: TB: ab 8,49€, eBook: 8,07€

Inhalt

Richard Papen stammt aus einfachen Verhältnissen. Als er durch ein Stipendium das College besuchen kann, ist er gleich fasziniert von der ihm fremden Welt. Besonders zieht ihn eine Gruppe junger Studenten in den Bann, mit denen er nicht nur Griechisch lernt, sondern auch dem täglichen Alkohol huldigt. Doch bald spürt er, dass unter der Oberfläche unerschütterlicher Freundschaft Spannungen lauern und dass ein furchtbares Geheimnis seine Freunde belastet – ein Geheimnis, das auch ihn mehr und mehr in seinen dunklen, mörderischen Sog zieht.

Meine Meinung

Ich habe bisher eigentlich nur überschwänglich Gutes über „The Secret History“ gehört und kenne sogar zwei oder drei Menschen, die das Buch als eines ihrer absoluten Lieblingsbücher zählen. Deshalb war ich natürlich schon sehr gespannt darauf, das Buch jetzt auch endlich zu lesen!

Ich habe ein bisschen gebraucht, um wirklich in das Buch reinzukommen. Der Anfang ist sehr… atmosphärisch und bereits voll von mysteriösen Andeutungen, aber bis man dann als Leser langsam dahinter kommt, was denn nun eigentlich Sache ist, geht es eben doch eher schleppend voran. Tatsächlich habe ich mir auf den ersten 100-200 Seiten oft gedacht, dass ich das Buch wahrscheinlich nicht weiterlesen würde, wenn es mir nicht so oft empfohlen worden wäre – ich bin aber auf jeden Fall froh, das getan zu haben, denn „The Secret History“ ist auf jeden Fall ein sehr einzigartiges Buch!
Wenn die Geschiche dann in Fahrt kommt zieht sie einen sofort in ihren Bann. Als Leser_in weiß man gar nicht so recht, wo man hinsehen oder in welche Richtung man denken soll, so sehr wird man von den immer neuen Enthüllungen und Emotionen hin und hergeworfen. Und obwohl man weiß, dass das Ganze eigentlich kein wirklich gutes Ende nehmen kann, kann man doch nicht aufhören zu lesen – es ist wie mit dem berühmten Autounfall, bei dem man einfach nicht wegsehen kann, nur dass das alles hier auf eine fast schmerzhafte Weise wirklich Spaß macht.
Die Atmosphäre, die Donna Tartt in ihrem Buch meisterhaft aufbaut, ist wahnsinnig düster, schwer und geheimnisvoll. Es ist ein modernes Gothic Novel und auch die Charaktere passen da allesamt sehr gut rein. Zu Beginn konnte ich keinen von ihnen leiden, habe sie alle als einen Haufen unsympathischer, selbstverliebter Möchtegern-Intellektueller empfunden. Nach und nach werden allerdings die Persönlichkeiten eines jeden von ihnen klarer, so als würden die Figuren nach und nach aus dem Nebel treten – genau wie das Geheimnis, das sie alle verbindet.
Es ist wie gesagt ein wirklich einzigartiges Buch, das mir mit Sicherheit noch eine lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Ich hätte ihm auch eine etwas bessere Bewertung gegeben, wenn eine Sache mich nicht gewaltig gestört hätte – und zwar habe ich es an manchen Stellen als wirklich wahnsinnig homofeindlich empfunden. Es gibt eine Figur, die permanent sehr gewalttätig homofeindliche Sachen von sich gibt – bis zu einem Punkt, an dem ich das Buch wirklich kurz weglegen musste, weil es mir einfach zu viel geworden ist – und die ganze Zeit über habe ich darauf gewartet, dass Donna Tartt dem irgendetwas entgegensetzt. Eine sichtbare, positiv besetzte queere Figur vielleicht, oder auch nur einmal eine klare Aussage, dass das, was da passiert, furchtbar ist – stattdessen  wurden diese Aussage von allen anderen Figuren des Romans als harmlose und eigentlich sehr liebenswerte Scherze behandelt. Eine queere Figur gab es dann auch, ja, aber gezeichnet wurde sie als wohl eine der unsympathischsten Personen in der gesamten Konstellation – engstirnig, egozentrisch und übergriffig, definitiv nicht, was ich mir erhofft hatte. Zwar weiß ich, dass das Negative einfach irgendwie zum Roman gehört, und dass auch die Charaktere zwar vielschichtig aber eigentlich gar nicht so richtig liebenswert sein sollen – trotzdem hat das einen sehr schalen Geschmack in meinem Mund hinterlassen, und ich weiß einfach nicht so recht, was ich damit nun anfangen soll. Spiegeln diese Aussagen oder der Umgang mit ihnen in irgendeiner Form Donna Tartts persönliche Meinung wieder? Handelt es sich schlichtweg um einen misslungenen Kunstgriff? Ich weiß es wirklich nicht, fand es aber einfach nur richtig, richtig ätzend.

Trotz diesem Wehrmutstropfen – der sich Gott sei Dank nicht durch das ganze Buch gezogen hat, sonst hätte ich es definitiv nicht fertig gelesen – hat „The Secret History“ mir Spaß gemacht. Es ist eine wirklich fantastische und sehr eindringlinge Untersuchung von Grenzüberschreitungen, von Moral, Schuld und Reue, die ich – wäre diese eine Sache eben nicht gewesen – bedingungslos weiterempfehlen würde. So ist es mit Vorsicht zu genießen. Ich hoffe nun, dass es sich bei diesen Passagen nicht wirklich um Donna Tartts tatsächlich Meinung handelt, denn sie hat mich mit ihrem dichten, atmosphärischen Schreibstil auf jeden Fall von ihren schriftstellerischen Fähigkeiten überzeugt.

Rezension

Watership Down

von Richard Adams

Deutscher Titel: Unten am Fluss

Penguin Verlag, 472 Seiten

Preis: Hardcover: ab 10,49€, TB: ab 7,99€, eBook: 3,48€

Inhalt

Das junge Kaninchen Fiver ist überzeugt, dass dem Kaninchenbau eine unaussprechliche Gefahr droht, doch niemand will auf ihn hören. Und warum sollten sie auch, wo es doch Frühling ist, das Gras schön saftig und das Leben gut? Nur eine Handvoll Kaninchen lassen sich überzeugen, die Sicherheit des Baus zu verlassen, bevor es zu spät ist. Gejagt von ihren alten Freunden, von Hunden, Füchsen und Menschen, umgeben von zahllosen Gefahren, träumen die Kaninchen von einer neuen Heimat im abgelegenen Watership Down und begeben sich auf das Abenteuer ihres Lebens…

Meine Meinung

Ich hatte mir schon lange überlegt, „Watership Down“ zu lesen. Als Kind habe ich den Film gesehen – fatalerweise ab 6 Jahren freigegeben, obwohl er nicht nur ziemlich gruselig sondern auch wahnsinnig grausam und blutig und ganz generell absolut nichts für Kinder in diesem Alter ist – und hatte danach jahrelang Albträume. Noch im Teenageralter bin ich ab und zu panisch aus einem dieser Träume erwacht und dachte, das – in der deutschen Fassung relativ unmelodisch übersetzte – „schwarze Kaninchen des Todes“ vor mir zu sehen, das in der Kaninchenkultur von Richard Adams‘ Welt eine große Rolle spielt. „Watership Down“ hatte also für mich immer einen ganz furchtbar negativen Stempel, und ich war mir nicht sicher, ob ich das Buch wirklich lesen wollte, obwohl die vielen wahnsinnig positiven Stimmen mich doch neugierig gemacht haben. Ich habe mir nun endlich einen Ruck gegeben und mir das Buch vor unserem einwöchigen Portugalurlaub zugelegt – schließlich kann wirklich niemand bei 30°C am Strand Angst vor irgendwelchen obskuren Kaninchen haben.

Ich bin sehr froh, mich endlich wieder an diese Erzählung herangetraut zu haben, denn sie ist wirklich ganz zauberhaft. „Watership Down“ liest sich wie ein Märchen – nicht nur wegen der sprechenden Tiere sondern auch wegen der weichen, fast fließenden Schreibweise und der Kaninchen-Perspektive, die einem unsere ganz normale Welt plötzlich aus einem komplett anderen, fast magisch anmutenden Blickwinkel zeigt.
Hazel, Fiver, Bigwig & Co. sind mir unheimlich ans Herz gewachsen. Ich hätte wirklich nicht gedacht, mich je so gut in eine Gruppe fiktiver Kaninchen einfühlen zu können, doch Richard Adams schafft es, jedem von ihnen eine eigene Persönlichkeit zu geben. Mein einziger Kritikpunkt in dieser Hinsicht ist, dass es kaum weibliche Kaninchen gibt, die eine Rolle spielen – die meisten von ihnen bekommen nichtmal einen Namen, was ich wirklich sehr schade fand. Die Kaninchen haben aber nicht nur eigene Persönlichkeiten, sondern auch eine komplett eine Kultur, mit eigenen Legenden und einer eigenen Sprache, die ebenfalls wirklich überzeugend rüberkam – nicht zuletzt wahrscheinlich aufgrund der sehr ernsthaft wirkenden Fußnoten, in denen die Aussprache von verschiedenen Namen oder Begriffen erklärt wird. Dabei lässt Adams allerdings auch immer wieder Bemerkungen über Kaninchenverhalten und -biologie einfließen, sodass man bei der Lektüre nicht nur etwas lernt, sondern auch zu keinem Zeitpunkt vergisst, dass es sich tatsächlich um Kaninchen handelt.
Die Geschichte wirbelt einen von Abenteuer zu Abenteuer – umgeben von wilden Raubtieren und -vögeln bis hin zu Menschen mit Gewehren und reißenden Flüssen, aber auch den eigenen Artgenossen, hoppeln die Kaninchen von einer Gefahr in die nächste – sodass ich schon bald gar nicht mehr aufhören konnte, zu lesen. Besonders schön fand ich aber, dass es in dem Buch eben nicht nur um Abenteuer geht, sondern es auch viel deutliche Gesellschaftskritik gibt. Ich denke mir, dass „Watership Down“ deshalb auch ein wirklich tolles Buch für Eltern ist, um es ihren (nicht mehr ganz kleinen) Kindern vorzulesen und ihnen dabei ganz nebenbei soziale und politische Probleme erklären zu können – so ist es wahrscheinlich auch gedacht, denn es entstand eigentlich als Gutenachtgeschichte für Richard Adams‘ Tochter.

Alles in Allem kann ich nur sagen, dass mir „Watership Down“ wirklich unheimlich gut gefallen hat – es ist eine einzigartige Geschichte, die einen mit auf eine weite Reise nimmt und einen dabei die Welt um sich herum komplett vergessen lässt. Eine spannende und mitreißende Erzählung, die gleichzeitig auch sehr sanft und einfach nur wunderschön ist. Das Buch wird mir mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben.
Auch den Film habe ich inzwischen übrigens nochmal gesehen und mochte ihn sehr – umso gespannter bin ich jetzt auf die Netflix-Miniserie, die dieses Jahr noch erscheinen soll!

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