Blogbeitrag

Der dunkle Turm

Roland Deschain ist ein Revolvermann, der letzte seiner Art, in einer Welt, die langsam aber sicher auseinander bricht. Dicht auf den Fersen seines Widersachers, dem Mann in Schwarz, verfolgt er das einzige Ziel, das sein Leben noch hat – die Suche nach dem mysthischen dunklen Turm, der in einem Feld aus Rosen im Zentrum aller Welten stehen und sie alle zusammenhalten soll. Doch der Turm droht zu fallen – und so ist nicht nur Rolands Welt in Gefahr…

Die Bücher

Acht Bände umfasst Stephen Kings „Der dunkle Turm“-Reihe inzwischen, bis auf den letzten – „Wind“, eine zusätzliche Geschichte aus der Vergangenheit Rolands, die etwa 10 Jahre nach dem chronologisch letzten Band veröffentlicht wurde – habe ich innerhalb des letzten Monats alle gelesen, so gerne wollte ich das noch vor dem Erscheinen des Films schaffen, zu dem ich am Ende dieses Posts auch noch ein paar Worte verlieren werde!

Vor allem zu Beginn war „Der dunkle Turm“ stellenweise mehr ein Kampf als ein Vergnügen, aber irgendwie habe ich die Reihe dennoch lieben gelernt. Weil ich bis auf eine kurze Zusammenfassung der ersten drei Bände in meinem letzten Monatsrückblick keinerlei Rezensionen geschrieben habe – ich finde es immer sehr schwierig, einzelne Bände aus längeren Reihen sinnvoll zu rezensieren – will ich jetzt nochmal etwas über mein Leseerlebnis sprechen.

Wenn ich meine Gedanken zu den „Der dunkle Turm“-Büchern in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich wohl sagen, dass sie sehr durchwachsen sind. Man merkt ihnen einfach an, dass sie nicht in einem Rutsch geschrieben worden sind, sondern eben im Laufe von fast 30 Jahren entstanden sind – vor allem bei den ersten drei Bänden hatte ich fast das Gefühl, einen Haufen komplett unzusammenhängender Bücher zu lesen, die nur zufällig dieselben Charaktere haben. Das bedeutet auch, dass wohl jeder Leser in dieser Reihe Bücher finden wird, die ihm zusagen, und welche, die es nicht tun – ich habe schon Rezensionen gelesen, die die Qualität der einzelnen Bände genau umgekehrt bewerten, wie ich es getan habe, es ist also wirklich Geschmackssache.

Die Reihe beginnt zudem sehr langsam – im ersten Band, „Schwarz“ passiert im Grunde nichts, er dient wirklich fast ausschließlich dem Worldbuilding. Band zwei, „Drei“, bringt dann Susannah und Eddie, zwei weitere Protagonisten mit ihren jeweils eigenen Hintergrundgeschichten, ins Spiel, rein im Sinne der Gesamthandlung passiert aber immer noch nicht wirklich was – hier war ich zum ersten Mal kurz davor, die Reihe wirklich abzubrechen. Erst in Band drei, „tot.“ geht es dann wirklich los: die Charaktere bekommen mehr Persönlichkeit, das Ka-Tet – die mysthische Verbindung, die Roland und seine Gefährten eingehen, um zum Turm zu gelangen – wird stärker, die Geschichte kommt endlich in Schwung und wird richtig spannend – nur um dann von Band vier, „Glas“, komplett unterbrochen zu werden, in dem Roland fast 850 Seiten lang eine sterbenslangweilige Geschichte aus seiner Jugend erzählt.  Obwohl „tot.“ so vielversprechend war habe ich auch hier noch einmal ernsthaft überlegt, das Ganze einfach sein zu lassen – zum Glück habe ich das aber nicht getan, denn Band fünf, „Wolfsmond“, ist wohl mein liebstes Buch aus der Reihe. Es ist spannend, atmosphärisch und einfach richtig gut! „Susannah“, der sechste Band, lässt dann wieder etwas nach – er ist zwar nicht schlecht, aber einfach bei weitem nicht so interessant und spannend wie sein Vorgänger. Im siebten Band, „Der Turm“, kehrt die Reihe dann aber mit einem finalen Paukenschlag zurück – ich habe die über 1000 Seiten in kürzester Zeit verschlungen, weil es so wahnsinnig spannend und gut war. Einzig und allein mit dem Ende war ich nicht ganz zufrieden – zwar verstehe ich, was King da gemacht hat, und auch, warum, aber ich war und bin einfach trotzdem nicht gerade begeistert. Das ist aber wahrscheinlich ebenfalls Geschmackssache – mehr will ich auch gar nicht sagen, um hier niemanden zu spoilern.

Es ist seltsam, auf eine Buchreihe zurückzublicken, an der ich während des Lesens so viel auszusetzen hatte, und bei der ich tatsächlich mehrmals ernsthaft überlegt habe, sie abzubrechen, und trotzdem so froh zu sein, das nicht getan zu haben. „Der dunkle Turm“ ist eine Reihe, die man meiner Meinung nach wirklich lesen wollen muss, um dranzubleiben – und lesen sollte man die Bücher zu diesem Zweck dann auch möglichst schnell hintereinander. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie niemals beendet hätte, hätte ich zum Beispiel nach „Drei“ oder „Glas“ eine Pause eingelegt. Die Motivation wäre für mich einfach nicht mehr dagewesen. Indem ich aber einen Band nach dem anderen verschlungen habe, habe ich ein wirklich intensives, beeindruckendes Leseerlebnis gehabt – denn wenn man erst einmal wirklich in Rolands Welt drin ist, dann lässt sie einen auch nicht mehr los.

Trotz all ihrer Schwierigkeiten ist „Der dunkle Turm“ eben auch auch eine Reihe, die einen wirklich belohnt, wenn man durchhält – ich verstehe jetzt, warum sie trotz allem so viele Fans hat. Ich glaube außerdem, dass sie beim zweiten Lesen um Längen besser ist als beim ersten, weil das ganze doch sehr schwammige Hin- und Her am Anfang viel mehr Sinn macht, wenn man weiß, worauf es hinausläuft.
Vor allem die Charaktere lernt man im Laufe der Zeit außerdem wirklich lieben. Bei Stephen Kings Büchern sind es eigentlich immer die Figuren, die mich am meisten beeindrucken – zu Beginn von „Der dunkle Turm“ war ich deshalb ziemlich enttäuscht, weil gerade sie mir sehr blass erschienen. Das hat sich aber von Buch um Buch rasant verbessert, sodass ich am Ende wirklich das Gefühl hatte, Teil des Ka-Tets von Roland, Eddie, Susannah, Jake und Oy zu sein – mehr, als mir das je zuvor bei einem anderen Buch passiert ist.

Alles in Allem kann ich sagen, dass ich nicht nur wirklich überrascht darüber bin, dass ich die gesamte Reihe tatsächlich lesen konnte, bevor ich den Film gesehen habe – ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet, mehr als die ersten drei oder vier Bände zu schaffen – sondern auch darüber, wie gerne ich sie schlussendlich doch mochte. Zwar ist „Der dunkle Turm“ meiner Meinung nach wirklich nicht Stephen Kings bestes Werk (obwohl er selbst da vehement widersprechen würde) denn dafür war es qualitativ einfach nicht stabil genug, aber rückblickend gesehen bedeutet es mir doch wahnsinnig viel. Ich denke sogar tatsächlich darüber nach, den einzigartigen Mix aus Fantasy, Western und Sci-Fi irgendwann nochmal zu lesen – etwas, dass ich mir zu Beginn dieser „Reise“ absolut nicht hätte vorstellen können.

Der Film

Meine eigentliche Motivation, die „Der dunkle Turm“-Reihe endlich zu lesen, war ja der Film, der diesen Monat in die Kinos kam. Ohne dabei groß zu spoilern möchte ich deshalb gerne auch darüber noch ein paar Worte verlieren!

Dass der Film zwar auf der Reihe basiert, jedoch keine direkte Verfilmung dieser ist, war schon lange vor seinem Erscheinen klar – anders wäre es auch unmöglich gewesen, acht Bücher in nur 90 Minuten zu quetschen. Mit Eddie und Susannah wurden deshalb zwei der Protagonisten gestrichen – drei, wenn man auch Oy mitzählt – die Handlung wurde sehr verkürzt, vereinfacht und zum größten Teil ebenfalls komplett gestrichen, sodass zwar der Ausgangspunkt der gleiche ist, alle restlichen Aspekte der Handlung aber einfach wegfallen.
Das ist gut so, weil sich so eine Geschichte entwickeln lässt, die tatsächlich in nur einen Film passt – auch wenn das Sujet beider Erzählungen deshalb im Grunde komplett verschieden ist. So spielt der Mann in Schwarz in den Büchern nicht mal annähernd eine so wichtige Rolle wie im Film, mit den fehlenden Charakteren geht nicht nur das für das Buch so wichtige Ka-Tet verloren, sondern natürlich auch sämtliche Abenteuer, die die fünf Protagonisten gemeinsam erleben und alle Hindernisse, die sie dabei überwinden müssen. Auch das Ende des Films hat mit dem des Buches nichts zu tun – wer die Bücher nicht gelesen hat, sie aber noch lesen möchte, muss also keine Angst vor schlimmen Spoilern haben. Man sollte sich nur anschließend nicht zu ausgiebig zu den Verknüpfungen zwischen Buch und Film informieren, weil einem das Ende der Reihe dann unter Umständen doch ganz böse gespoilert wird. Der dazu im Film versteckte Hinweis ist aber wirklich so gut versteckt, dass ich ihn, obwohl ich die Bücher gerade erst gelesen habe, selbst überhaupt nicht bemerkt hätte – ihr könnt „Der dunkle Turm“ also ganz unbesorgt anschauen, auch wenn ihr die Reihe eventuell irgendwann noch lesen wollt.

Ich glaube allerdings, dass der Film mehr Spaß macht, wenn man die Bücher kennt. Obwohl alles so drastisch vereinfacht wurde sind 90 Minuten nämlich immer noch fast schmerzhaft wenig, um sowohl die Handlung als auch die gesamte Mythologie und das Worldbuilding, das zum Veständnis dieser benötigt wird, unterzubringen. Deshalb werden wichtige Hintergrundinfos im Grunde immer nur kurz angeschnitten – alles wirkt dadurch ein bisschen abgehakt, zerstückelt und ich glaube stellenweise fast ein bisschen sinnlos.
Wer die Revolvermänner sind und was überhaupt mit ihnen passiert ist wird zum Beispiel nie so richtig gesagt, was es mit dem Turm und den damit verbunden Welten überhaupt auf sich hat auch nicht so wirklich, und auch, was es bedeuten soll, dass Rolands Welt sich „weitergedreht“ hat, und was das für Auswirkungen auf einfach alles hat, wird kaum erwähnt. Klar, dass nichts davon auch nur annähernd so ausführlich behandelt werden kann wie in den Büchern versteht sich von selbst, aber zumindest so viel, dass auch „nur“ Film-Schauer wirklich auf ihre Kosten kommen, hätte es schon sein können – eine halbe Stunde mehr hätte dem Film in dieser Hinsicht echt gut getan.

Somit ergibt sich dann ein spannender, gut gemachter, relativ actionreicher Fantasyfilm, dem aber irgendwie die Substanz fehlt, weil er im Grunde nur mit Andeutungen aufwarten kann und komplett ohne wirkliche Erklärungen funktionieren muss. Trotzdem macht er Spaß und die Besetzung ist wirklich gut gelungen – vor allem Idris Elba ist als Roland grandios, aber auch Matthew McConaughey als der Mann in Schwarz und Tom Taylor als Jake Chambers können wirklich überzeugen. Die Revolvermann-Szenen sind grandios und die Effekte wirklich gelungen. Besonders gut gefallen haben mir außerdem die mehr oder weniger versteckten Anspielungen auf die Reihe – so zum Beispiel die in den Büchern sehr wichtige Zahl 19, die Erwähnung der „Tet-Corporation“ zu Beginn des Films, Jakes Zeichnung eines Rosenfeldes, der verrostete Charlie Tschuff-Tschuff in einem alten Vergnügungspark oder die Erwähnung sprechender Tiere.
Schade ist es aber, dass es bis auf Jakes Mutter, die im Grunde nur am Anfang vorkommt, eigentlich keine weibliche Figur gibt, die irgendwie von Bedeutung ist – ich habe nicht genau darauf geachtet, aber ich befürchte fast, dass der Film auch den Bechdel-Test nicht besteht. Das wäre für einen Film aus dem Jahre 2017 schon irgendwie ein Armutszeugnis – wenn ich „Der dunkle Turm“ irgendwann noch einmal sehe werde ich da auf jeden Fall genauer hinsehen.

Obwohl er bei weitem nicht perfekt und außerdem natürlich ganz anders war als die zugehören Bücher mochte ich den Film also durchaus. Auch auf die Serie, die nächstes Jahr erscheinen wird und in der Roland ebenfalls von Idris Elba verkörpert werden wird, freue ich mich schon sehr!

Hat von euch jemand den Film gesehen, die Bücher gelesen, oder genau wie ich beides getan? Wenn ja, dann schildert mir doch eure Eindrücke in den Kommentaren – ich würde wirklich gerne wissen, wie „Der dunkle Turm“ bei anderen so angekommen ist. Hattet ihr die gleichen Probleme wie ich, fandet ihr die gleichen Sachen gut, oder entsprechen eure Meinungen der meinen so gar nicht? Ich glaube, sowohl bei dem Film als auch bei den Büchern gehen hier die Meinungen auseinander – umso mehr interessieren sie mich natürlich!

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