Rückblick

Meine Lesemonate Juni und Juli

Irgendwie scheint es bei mir dieses Jahr zur Norm zu werden, meine Monatsrückblicke immer erst am Ende des nächsten Monats zu schreiben – so habe ich es dieses Mal auch wieder erst jetzt geschafft, mich dazu aufzuraffen, euch von den Büchern zu berichten, die ich im Juni gelesen habe.
Obwohl der nämlich ein wirklich fantastischer Lesemonat war – ich würde tatsächlich sagen, der erste gute Lesemonat überhaupt dieses Jahr, das bisher irgendwie einfach nur stressig und anstrengend war – scheine ich mein Lese- und insgesamtes Büchertief also noch immer nicht überwunden zu haben. So fehlt mir jetzt im Juli auch einfach wieder komplett die Lust und irgendwie auch einfach der Kopf zum Lesen, Bloggen, oder sonst irgendwie mit Büchern Interagieren.
Umso mehr freut es mich aber natürlich, dass ich zumindest im letzten Monat einige Wochen lang wieder wirklich lesen konnte! Und diese Bücher habe ich dabei förmlich verschlungen:

Gespräch mit dem Vampir – Anne Rice
(288 Seiten)

Simon vs. the Homo Sapiens Agenda – Becky Albertalli
(303 Seiten)

Call Me By Your Name – André Aciman
(248 Seiten)

Radio Silence – Alice Oseman
(403 Seiten)

The Gray House – Mariam Petrosyan
(721 Seiten)

We Are Okay – Nina LaCour
(234 Seiten)

Das sind sechs Bücher mit insgesamt 2197 Seiten. Verglichen mit meinem normalen Lesepensum ist das nicht unbedingt viel, dieses Jahr habe ich aber tatsächlich nur im Januar mehr gelesen, in sämtlichen anderen Monaten war es oft nicht einmal halb so viel – ich verbuche das also als vollen Erfolg! Natürlich geht es beim Lesen nicht darum, möglichst viel zu lesen, sondern einfach nur Spaß dabei zu haben – mir fällt aber inzwischen wirklich extrem auf, wie sehr mir das regelmäßige und viele Lesen in letzter Zeit fehlt, deshalb hoffe ich wirklich, dass sich mein Leseverhalten in der zweiten Hälfte des Jahres wieder verbessert.

Highlights und Enttäuschungen

Mein absolutes Highlight im Juni war „The Gray House“ von Mariam Petrosyan. Ich habe es leider immer noch nicht geschafft, eine Rezension zu diesem wirklich fantastischen Buch zu schreiben – ich hoffe, das hole ich irgendwann noch nach. Schon wirklich, wirklich lange hat mich kein Buch mehr mit seiner Welt und seinen Charakteren so umfassend gefangen genommen wie dieses. Es ist zudem das einzige Buch, das ich je gelesen habe, in dem (fast) jede Figur eine Behinderung hat. Schon zuvor war mir natürlich klar, dass Behinderungen in der Literatur nicht nur äußerst selten zu finden sind, und auch in den wenigen Büchern, in denen sie vorkommen, beinahe immer als ein in irgendeiner Form außergewöhnliches Phänomen dargestellt werden. Erst beim Lesen dieses Romans, in dem das absolut nicht der Fall ist, ist mir aber wirklich klar geworden, was das eigentlich bedeutet, und wie weit entfernt es von unserer Realität ist. „The Gray House“ ist auf jeden Fall eines meiner Lieblingsbücher dieses Jahr!

Außerdem wirklich gut gefallen hat mir „Call Me By Your Name“ von André Aciman. Auch hierzu habe ich leider keine Rezension geschrieben, obwohl ich sogar schon damit angefangen hatte – „Call Me By Your Name“ ist auf jeden Fall ein wirklich einzigartiger Roman, der einen mit seiner Intensität in einen richtigen Sog zieht. Manche Stellen des Buches sind eigentlich schon wirklich zu viel, aber die extreme Energie, die es aufbaut, verbindet dann doch alles ganz großartig miteinander. Ich hatte außerdem zunächst erwartet, hier eine sehr problematische Liebesgeschichte zu lesen, und bin froh, dass das dann doch nicht so war.

Eine richtige Niete war für mich im Juni Gott sei Dank nicht dabei.
Gespräch mit dem Vampir“ von Anne Rice hatte ich noch aus dem Mai mitgenommen – es hat mir zwar gut gefallen, allerdings hat sich die Verfilmung wohl relativ genau an die Vorlage gehalten, sodass ich beim Lesen des Buches eigentlich nie von irgendetwas überrascht war, obwohl es bestimmt schon 10 Jahre her ist, dass ich „Interview mit einem Vampir“ zuletzt gesehen habe. Auch noch gelesen habe ich „Simon VS. The Homo Sapiens Agenda“ von Becky Albertalli – das einzige Buch, das ich im Juni rezensiert habe. Es konnte mich leider nicht so begeistern, wie ich gedacht hatte, das sehr fluffige Jugendbuch hat mir aber trotzdem ganz gut gefallen.
We Are Okay“ von Nina LaCour hat mich zwar ebenfalls nicht ganz so vom Hocker gehauen, wie ich es aufgrund der vielen positiven Stimmen dazu erwartet hatte, und auch die Auflösung fand ich etwas seltsam, aber es hat mir beim Lesen wirklich Spaß gemacht. Zudem war es ganz unerwarteterweise genau das richtige Buch für den Tag, an dem ich es gelesen habe!
Auch von Alice Osemans „Radio Silence“ hatte ich ehrlich gesagt etwas mehr erwartet. Stellenweise war es mir einfach zu vorhersehbar und klischeehaft, sowie teilweise auch einfach etwas ungelenk geschrieben. Wirklich enttäuscht bin ich aber auch hiervon nicht, da es die meiste Zeit über doch sehr viel Spaß gemacht hat, und mir seine Diversität sehr gut gefallen hat!

Erreichte Leseziele

Wie immer habe ich im Juni kein Buch von meiner Leseliste gelesen – es macht mir wirklich jedes Jahr wieder viel Spaß, mir Bücher vorzunehmen, die ich gerne lesen würde, aber tatsächlich lesen tue ich sie dann doch nie. Auch deutschsprachige Autor_inn_en waren wieder nicht dabei, dafür mit Mariam Petrosyan aber eine russischsprachige.
Ich hatte mir für den Juni ja vorgenommen, zum Pride Month einmal ausschließlich queere Bücher zu lesen – das ist mir auch fast gelungen, lediglich „The Gray House“ fällt hier aus der Reihe. So habe ich diesen Monat wirklich wahnsinnig divers gelesen, was mir unheimlich viel Spaß gemacht hat – es waren nicht nur schwule („Simon VS. The Homo Sapiens Agenda“), lesbische („We Are Okay“), bisexuelle („Call Me By Your Name“, „Radio Silence“, „Gespräch mit dem Vampir“) und asexuelle („Radio Silence“) Protagonist_inn_en vertreten, sondern wie bereits erwähnt mit „The Gray House“ auch sehr viele behinderte Figuren. Behinderung ist wohl die Form von Marginalisierung, die in der Literatur noch am wenigsten (respektvoll) repräsentiert ist. Da ich zudem selbst chronisch krank bin, interessiert mich gerade das aber natürlich besonders, weshalb ich gerne viel mehr Bücher mit behinderten oder chronisch kranken Protagonist_inn_en lesen würde.
Gerne hätte ich während des Pride Months auch noch „If I Way Your Girl“, in dem es um ein trans Mädchen geht, gelesen, aber dazu bin ich leider einfach nicht mehr gekommen. Schade ist es auch, dass es in all den Büchern nur eine einzige nicht weiße Protagonistin – Frances aus „Radio Silence“ – gab. Hier hätte ich gerne noch etwas vielfältiger gelesen, ich war im Juni aber ehrlich gesagt auch einfach nur dankbar dafür, dass mir das Lesen überhaupt mal wieder gelungen ist.

Und im Juli…?

Vielleicht habt ihr es schon erraten: im Juli habe ich tatsächlich wieder kein einziges Buch beendet. Das ist nun schon der zweite Monat dieses Jahr, in dem ich wirklich überhaupt nicht gelesen habe – das ist etwas, das sonst eigentlich nicht mehr vorgekommen ist, seit ich etwa 16 Jahre alt bin. Irgendwie geht mir momentan einfach wieder viel zu viel im Kopf rum, ich kann mich auf nichts konzentrieren und würde eigentlich am liebsten den ganzen Tag lang nur schlafen – ich hoffe wirklich, dass das im August wieder besser wird!

Was ich nächsten Monat lesen möchte

Weil ich im Juli so gar nicht in Lesestimmung war, habe ich für den August auch gar keine wirklichen Pläne – ich werde hoffentlich „Einladung zur Enthauptung“ von Vladimir Nabokov beenden, das ich noch für meine Hausarbeit lesen muss, die Ende des Monats fällig sein wird, aber ansonsten lasse ich alles einfach mal auf mich zukommen.

Was habt ihr in den letzten Monaten so gelesen? Habt ihr Empfehlungen für mich? Und habt ihr euch für den August schon etwas vorgenommen? Lasst es mich wie immer gerne in den Kommentaren wissen!

 

Kommentare

  • Es ist schon ewig her, dass ich Anne Rice gelesen hab. Damals war ich ein absoluter Fan von ihr und mag heute noch ihre Darstellung der Vampirwelt. Und dass das Buch dich nicht wirklich überrascht hat, ist das des Films natürlich doof, spricht aber für eine gute Umsetzung 😀

    Und ich hätte gerne eine Kritik zu „The Gray House“ und wenn es nur ne kurze ist :3

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