Rezension

Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts

von Daniel Illger

Klett-Cotta Verlag, 568 Seiten

Preis: 17,95€

Inhalt

Schatten über Ahekrien. Die Gespensterhorde des Schwarzen Jägers reitet durch die Nacht. Das Böse erwacht, und in dem skrupellosen Rudrick hat es einen Handlanger gefunden. Es bedroht nicht nur das Dorf, in dem die Freunde Mykar und Cay aufwachsen, sondern das ganze Land.

In einem abgelegenen Dorf lebt der Außenseiter Mykar. Vom eigenen Vater und allen Bewohnern verachtet, hat er nur einen Freund: Cay, den Sohn des Dorfpriesters. Als eine Reihe grauenvoller Verbrechen geschieht, machen die verzweifelten Bauern Mykar zum Sündenbock. Sie knüppeln ihn nieder und verscharren ihn im Wald – alle halten ihn für tot. Als Jahre später Cay des Mordes an einem Adligen beschuldigt wird, ist für Mykar die Zeit gekommen zurückzukehren. Doch es steht viel mehr auf dem Spiel als nur Cays Leben…

Meine Meinung

„Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts“ ist ein Buch, an dem ich wohl ohne einen weiteren Gedanken vorbei gegangen wäre, hätte ich es im Buchladen gesehen. Sowohl das Cover als auch der Titel wirken – wenn man das Buch noch nicht gelesen hat – sehr generisch, und gerade im Fantasy-Genre findet man da eben auch oft Bücher mit ziemlich generischem Inhalt, um die ich dann lieber einen Bogen mache.
Ich habe den ersten Band von Daniel Illgers „Skargat“-Reihe aber nicht im Buchladen entdeckt, sondern letztes Jahr auf der Leipziger Buchmesse, wo der Autor anlässlich des Seraph-Preises, den er dafür gewonnen hat, ein Stück aus seinem Buch vorgelesen hat. Von Anfang an war ich gefesselt von dem einzigartigen Schreibstil und der interessanten Welt, in der „Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichtes“ spielt – und so habe ich mir das Buch damals direkt gekauft. Über ein Jahr später bin ich nun auch endlich dazu gekommen, es zu lesen!

„Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts“ ist zu Beginn sehr mysteriös, als Leser_in wird man mehr oder weniger einfach in die Handlung hineingeworfen und erfährt erst nach und nach, was eigentlich los ist. Tatsächlich wird erst im letzten Drittel des Buches klar, wie alle Fäden zusammenlaufen und worum es denn nun in der gesamten Reihe wirklich gehen wird. Das macht alles zwar sehr spannend und interessant, führt aber zwischendurch auch dazu, dass man mal den Faden verliert, was sehr schade ist.
Mykar mochte ich als Protagonisten sehr gerne. Er hat das Pech, in einem Jahr geboren zu sein, indem die gesamte Ernte seiner Region verdorben ist, und dann hat er auch noch mit den Füßen zuerst das Licht der Welt erblickt – fortan sehen die Bewohner seines Dorfes ihn als „Skargatkind“, das nur Böses und Unheil bringt, und deshalb möglichst gemieden werden sollte. Mykar ist der Sündenbock für alles, und gerade weil er das nichtmal als besonders ungerecht erachtet tat er mir noch viel mehr leid. Mit seiner direkten, etwas verschrobenen Art ist er mir jedenfalls sofort ans Herz gewachsen.
Auch die anderen Charaktere habe ich im Laufe des Buches lieb gewonnen, obwohl sie leider oft etwas zweidimensional rüberkamen. Vor allem der versoffene Adelige Justinius, der teilweise mehr wie eine Parodie seiner selbst wirkte, ist mir deshalb schnell auf die Nerven gegangen, weshalb ich immer froh war, wenn das die Handlung wieder aus Mykars Sicht erzählt wurde. Justinius‘ Magd Scara oder die geheimnisvolle Vanice waren mir da schon wieder etwas lieber – die Hintergrundgeschichte von Vanice fand ich sogar richtig interessant, und auch über Scara hätte ich gerne mehr erfahren, glaube aber, dass das Geheimnis um sie in diesem ersten Band der Reihe nicht ohne Grund noch ungelüftet geblieben ist.
Die Handlung ist – wie gesagt – zunächst noch sehr geheimnisvoll und es bleibt lange Zeit im Dunklen, worauf das Buch tatsächlich hinauswill. Trotzdem ist das Buch durchgehend fesselnd und wird vor allem zum Schluss hin, als nach und nach noch mehr Figuren auf den Plan treten, die alle ihre eigenen Ziele verfolgen, richtig spannend.
Zudem gefällt mir Daniel Illgers interessanter, irgendwie bodenständiger und direkter, aber doch sehr kunstfertiger Schreibstil sehr gut!

„Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts“ ist also – trotz der ein oder anderen kleinen Schwäche – ein  sehr vielversprechender Auftakt der „Skargat“-Reihe. Das wichtigste Wort hierbei ist jedoch „Auftakt“ – es wird wirklich erst zum Schluss richtig klar, worauf das Ganze nun hinauslaufen wird, wer also bereits im ersten Band auf viel Action hofft, der wird wohl eher enttäuscht werden. Trotzdem – oder vielleicht gerade weil das Buch sich so viel Zeit mit seinem Aufbau lässt – hat „Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichtes“ mir sehr viel Spaß gemacht, und ich freue mich bereits darauf, den zweiten Band zu lesen!

Rezension

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

von Becky Chambers

Originaltitel: The Long Way to a Small, Angry Planet

Fischer TOR Verlag, 544 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Koch, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens.

Meine Meinung

„Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ ist mir aufgrund seines interessanten Titels schon länger aufgefallen – umso mehr habe ich mich gefreut, als ich das Buch letztes Jahr überraschend in einer LovelyBox entdeckte! Nochmal vielen Dank dafür an das Team von LovelyBooks und den Fischer TOR Verlag – ich habe mich wirklich wahnsinnig über die Box und die Bücher gefreut!

Der stärkste Aspekt von „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ sind ohne Zweifel die Figuren des Buches. Die neunköpfige Crew der Wayfarer wächst einem im Laufe der 544 Seiten wirklich ans Herz – ob es nun der grummelige Corbin, die aufgedrehte Kizzy, die eigenbröterlischen Ohan oder die freundliche Sissix ist, auf kurz oder lang gewinnt man sie alle lieb.
Besonders interessant war in dieser Hinsicht auch, wie unterschiedlich sie alle sind – zwar sind die meisten Besatzungsmitglieder Menschen, es gibt allerdings auch noch Lovey die KI, die das Schiff steuert, Sissix, das reptilienartige Alien, Dr. Koch, der an einen Otter erinnert, oder die Ohan, die aus einer Symbiose zwischen Wirt und Virus bestehen und von sich selbst grundsätzlich im Plural sprechen. Aber nicht nur körperlich sind sie die Crewmitglieder der Wayfarer so verschieden wie nur möglich, auch ihre Persönlichkeiten sind wahnsinnig gut ausgearbeitet, klar und einzigartig, sodass ich nichtmal auf den ersten Seiten des Buches in die Verlegenheit gekommen bin, einmal nicht genau zu wissen, wer denn nun wer ist.
Besonders schön fand ich auch, wie divers das Buch ist. Es gibt in „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, auch die zwei Väter eines der Besatzungsmitglieder werden immer mal wieder ganz nebenbei erwähnt. Zudem werden gleich mehrere Alienrassen mit nicht-binärem Geschlechtersystem vorgestellt, und wann immer das Geschlecht von jemandem nicht klar ist werden neutrale Pronomen benutzt. Außerdem gibt es noch einen kleinwüchsigen Charakter, der sich weigert, seinen Körper „korrigieren“ zu lassen – obwohl das in der dortigen Gesellschaft so verbreitet ist, dass die Protagonistin des Buches, Rosemary, zuerst einmal davon ausgeht, er habe seinen Körper absichtlich verkleinern lassen – weil er sich selbst so mag, wie er ist, und keinen Grund sieht, etwas an sich zu ändern, nur um in den Augen anderer als „normal“ durchzugehen. Auch verschiedene nicht-monogame und zum Teil sogar aromantische Familienstrukturen kommen vor. Das Buch macht in vielerlei Hinsicht einfach wahnsinnig viel richtig.
Trotzdem habe ich auch ein paar Dinge zu bemängeln, vor allem was die Handlung des Buches angeht. Zwar hat es sich schnell und angenehm gelesen, war also nie zu langweilig oder verwirrend, aber alles in allem hat mir einfach ein roter Faden gefehlt.
Zu Beginn des Buches nimmt die Wayfarer einen Auftrag an, der sie zu einem sehr entlegenen Planeten führt, und da fliegt sie dann hin – fertig. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Zwischenhalte auf dem ein oder anderen Planeten, aber auch dabei ist oft keine wirkliche Struktur zu erkennen – viele Sachen scheinen einfach zu passieren, weil jetzt eben mal wieder etwas passieren muss, und obwohl sie viel Spaß machen haben die meisten dieser kleinen Nebenhandlungen mit der Haupthandlung leider absolut nichts zu tun.
Hier hatte ich oft das Gefühl, dass die Geschiche schlichtweg noch nicht ganz ausgereift ist – so als hätte Becky Chambers eine wirklich gute Idee für ein Sci-Fi Buch gehabt, hätte sich die Charaktere und die grobe Rahmenhandlung überlegt, und diese dann ohne genauen Plan mit mehr oder weniger zufällig gewählten Ereignissen gefüllt. Das ist sehr schade, weil „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ meiner Meinung nach wirklich das Potenzial für ein großes, fantastisches Sci-Fi Buch gehabt hätte, das aber leider nicht wirklich ausgeschöpft hat.

Alles in Allem ist „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ also ein schönes, kurzweiliges Sci-Fi Abenteuer mit vielen liebenswerten Charakteren und viel Vielfalt, wie man sie vor allem in der Science-Fiction oft eher vermisst. Leider mangelt es dem Buch aber an einer wirklich gut durchdachten, spannenden Story, was es manchmal etwas schwammig macht. Ich habe das Buch sehr gern gelesen, vielleicht hole ich mir die Fortsetzung auch irgendwann mal aus der Bücherei – kaufen werde ich sie mir aber wohl eher nicht, denn zu hundert Prozent konnte der Roman mich dann eben leider doch nicht überzeugen.

Rezension

Das dunkle Herz des Waldes

von Naomi Novik

Originaltitel: Uprooted

cbj Verlag, 571 Seiten

Preis: 17,99€

Inhalt

Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen.
Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia…

Meine Meinung

„Das dunkle Herz des Waldes“, oder wie es – meiner Meinung nach viel treffender – auf englisch heißt „Uprooted“, wurde seit seinem Erscheinen vor zwei Jahren durchgehend gehyped – fast niemand, der Fantasy und/oder Jugendbücher mag hat das Buch nicht gelesen, und so gut wie jeder war von Naomi Noviks Buch begeistert. Ich bin froh, dass das Buch im englischsprachigen Raum schon so lange so präsent ist, denn hätte ich „Das dunkle Herz des Waldes“ im Buchladen gesehen, ohne dass der Name der Autorin mir sofort bekannt vorgekommen wäre, wäre ich einfach daran vorbeigegangen – das deutsche Cover spricht mich ehrlich gesagt überhaupt nicht an, und auch der Klappentext wird dem Buch nicht wirklich gerecht, weder auf deutsch, noch auf englisch.
So habe ich allerdings nicht lange gezögert und das Buch sofort als Rezensionsexemplar angefragt, als ich hörte, dass es auch auf deutsch erscheinen würde!

Bereits vom ersten Satz an hat „Das dunkle Herz des Waldes“ mich begeistert – das mag abgedroschen klingen, aber tatsächlich beginnt das Buch mit einem der besten ersten Absätze, die ich je gelesen habe und fesselt einen sofort.
Ich mochte die tollpatschige Agnieszka mit ihrem witzigen, vorlauten Charme als Heldin wahnsinnig gerne. Sie ist die erste Jugendbuchheldin, die mir seit langem begegnet ist, die tatsächlich eine eigene Persönlichkeit hat, statt stets nur die gleichen „Von außen stark und unabhängig aber eigentlich ängstlich und verletzlich“-Klischees wiederzugeben. Ich mochte es, wie sie sich im Laufe des Buches weiterentwickelt, trotzdem aber immer noch sie selbst bleibt.
Auch die anderen Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Agnieszkas beste Freundin Kasia wird nicht zum flachen Feindbild oder eindimensionalen Nebencharakter erklärt, wie es bei Jugendbüchern sonst oft ist, und auch der Drache schafft es, seine Rolle als geheimnisvolles, unsterbliches Wesen zu überwinden und wird zum tatsächlichen Mensch mit Ecken und Kanten, was mir sehr gut gefallen hat.
Der dunkle Wald als gigantischer, hinterhältiger, stets wachsender und somit beinahe unbesiegbarer Bösewicht ist wahnsinnig interessant, und auch das slavische Setting, das voll von Anspielungen auf slavische Märchen ist, fand als Slavistikstudentin natürlich klasse.
Die Geschichte, die – anders als der Klappentext vermuten lässt – nicht zu einer nervigen Liebesgeschichte zwischen Agnieszka und dem Drachen ausartet, sondern diese Dinge nur nebenbei behandelt, ist wirklich spannend und voller Wendungen. Vielleicht ist es ganz gut, dass der Klappentext den Inhalt nicht so wirklich gut wiedergibt – es macht umso mehr Spaß, sich genauso unwissend wie Agnieszka in das Abenteuer zu stürzen, und erst nach und nach die Antworten auf seine Fragen zu erhalten. Tatsächlich hatte ich beim Lesen noch das Gefühl, es gäbe eine ganze Menge Plot-Holes in dem Buch, die sich dann zum Ende hin aber allesamt gefüllt haben. An einigen Stellen hätte ich gerne mehr erfahren – vor allem hätte ich gerne mehr über Agnieszkas magische Ausbildung gelesen, die nur eine relativ knappe Nebenhandlung darstellt – auf jeden Fall war das Buch aber nie langweilig, sodass ich es wirklich kaum mehr aus der Hand legen konnte.

Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass „Das dunkle Herz des Waldes“ mir so gut gefallen würde – schon lange habe ich kein Jugendbuch mehr gelesen, das mich so begeistert hat. Es ist das erste Buch, das ich im April gelesen habe, aber ich habe das Gefühl, jetzt schon ein Monatshighlight gefunden zu haben. Nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte war ich wirklich traurig, Agnieszka, Kasia und den Drachen schon wieder gehen zu lassen, und ich würde liebend gerne eine Fortsetzung lesen – die gibt es aber nicht, also muss ich mich wohl damit begnügen, das Buch einfach nochmal zu lesen. Von mir gibt es auf jeden Fall eine große Leseempfehlung!

Ich habe „Das dunkle Herz des Waldes“ als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür an den cbj-Verlag!

Rezension

The Final Empire

von Brandon Sanderson

Deutscher Titel: Kinder des Nebels

Orion Publishing Group Verlag, 647 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Seit über eintausend Jahren ist die Welt von Asche bedeckt. Seit über eintausend Jahren herrscht der unsterbliche Lord Ruler und versklavt das Volk der Skaa. Die Hoffnung scheint längst verloren, bis eines Tages ein junger Mann mächtige Fähigkeiten entwickelt und eine Schar von Rebellen um sich versammelt, die ähnliche Fähigkeiten besitzen. Zusammen wollen sie den allmächtigen Lord Ruler stürzen – doch wie besiegt man einen Gott?

Meine Meinung

Brandon Sanderson ist einer der wirklich großen Fantasy-Autoren, und ich wollte schon seit Ewigkeiten einmal eines seiner Bücher lesen. Als ich dann erfahren habe, dass er auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse sein würde, habe ich das zum Anlass genommen, es auch endlich zu tun. Weil ich schon viel Gutes über die Bücher gehört hatte habe ich mir den ersten Band der „Mistborn“-Reihe, „The Final Empire“ ausgesucht.

Brandon Sanderson ist vor allem für seine ausgefallenen magischen Systeme bekannt, was definitiv auch der stärkste Aspekt von „The Final Empire“ ist. Sogenannte Allomanten verfügen über die Fähigkeit, verschiedenen Metallen Energie zu entziehen, und damit die Welt um sie herum zu beeinflussen – zum Beispiel, indem sie Emotionen abschwächen oder aufstacheln, Metallgegenstände bewegen, oder einige wenige Sekunden in die Zukunft sehen.
Besonders gefallen daran hat mir, dass Sandersons magisches System eindeutige Grenzen hat – jedes Metall hat einen ganz spezifischen Zweck, nicht jeder kann jedes Metall verwenden, und ein Allomant kann seine Fähigkeit(en) auch nur dann nutzen, wenn er einen ausreichenden Vorrat des entsprechenden Metalls mit sich trägt. So entstehen keine übermächtigen Superhelden, sondern im Grunde nur ganz gewöhnliche Menschen, die über ein paar besondere Fähigkeiten verfügen – dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass Allomanten in der Welt von „The Final Empire“ nicht wirklich selten sind, und sich so oft ebenbürtig gegenüber stehen.
Ein weiterer großer Pluspunkt des Buches sind die Charaktere. Vor allem Vin und Kelsier, die beiden Protagonisten des Romans, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Beide haben auch ihre Ecken und Kanten, was sie nicht nur sehr lebensecht sondern auch – nicht immer, aber meistens – sehr sympathisch macht.
Die Geschiche an sich ist vor allem deshalb spannend, weil man einfach mitten hinein geworfen wird – zu Beginn des Buches weiß man im Grunde noch überhaupt nichts, und wird dann auch nur nach und nach mit Informationen gefüttert. Leider führt das aber manchmal auch dazu, dass man der Antwort auf eine Frage schon seit ein paar hundert Seiten entgegenfiebert und dann, wenn die große Enthüllung endlich kommt, eher enttäuscht ist, weil sie so groß und spektakulär eben doch gar nicht ist.
Überhaupt hätten diesem Buch meiner Meinung nach ein- oder zweihundert Seiten weniger ganz gut getan – und das, obwohl ich lange Bücher wirklich von Herzen liebe. Vor allem im Mittelteil kommt es so aber oft zu Längen – man hat stellenweise das Gefühl, ewig lang zu lesen, ohne dass die Handlung sich tatsächlich weiterbewegt. Es gab eine ganze Menge Szenen, die problemlos hätten gestrichen werden können – so war das Ganze leider viel langatmiger, als es bei der eigentlich spannenden Geschichte hätte sein müssen.
Ich hätte mich außerdem gefreut, wenn Brandon Sanderson die Energie, die er in diese Szenen gesteckt hat, stattdessen darauf verwendet hätte, das Ende noch etwas mehr auszufeilen. Es war zwar nicht schlecht, mir persönlich schien es dann irgendwie aber doch zu einfach und stellenweise sogar etwas weit hergeholt, was sehr schade war.

Alles in Allem ist „The Final Empire“ also ein gutes Buch, das aber durchaus Potenzial gehabt hätte, noch besser zu sein – vor allem, wenn man zwischendurch die ein- oder andere Szene weggelassen hätte. Ob ich die Reihe weiterlesen will weiß ich – da „The Final Empire“ eigentlich in sich schon so gut wie abgeschlossen ist – noch nicht. Brandon Sanderson werde ich als Autor aber definitiv weiter auf dem Schirm behalten – er hat eindeutig ein Talent dazu, spannende, ausgefallene Welten mit realistischen, liebenswerten Charakteren zu schaffen, beides Dinge, die mir an Büchern immer besonders gut gefallen.

Rezension

Kindred

von Octavia E. Butler

Deutscher Titel: Kindred - Verbunden

headline Verlag, 295 Seiten

Preis: 10,99€

Inhalt

An ihrem 26. Geburtstag ist Dana gerade dabei, mit ihrem Mann Kevin in ihre neue Wohnung zu ziehen, als ihr plötzlich schwindelig wird. Sie hat kaum Zeit sich zu fragen, was passiert, als die Welt um sie herum zerfällt.
Dana findet sich an einem Fluss wieder, in dem ein Kind zu ertrinken droht. Sie stürzt sich in den Fluss, zieht den Jungen an Land – und ist kurz darauf wieder in ihrer Wohnung, klitschnass, aber unverletzt. Es ist die angsteinflößendste Erfahrung ihres Lebens… bis es wieder passiert.
Je mehr Dana im Maryland des 19. Jahrhunderts verbringt – einem sehr gefährlichen Ort für eine schwarze Frau wie sie – umso bewusster wird ihr, dass ihr Leben vorbei sein könnte, bevor es überhaupt begonnen hat. Denn der Junge, den sie gerettet hat, ist nicht nur der Sohn eines Sklavenbesitzers sondern auch der Vater ihrer Urgroßmutter – und er hat ein Talent dafür, sich in Gefahr zu bringen.

Meine Meinung

Ich habe „Kindred“ diesen Monat zusammen mit dem Zwitscherbooks Buchclub gelesen. Ich muss zugeben, dass ich das Buch ohne den Buchclub wohl nie entdeckt hätte – und selbst wenn, dann weiß ich nicht, ob ich es je fertig gelesen hätte, denn es ist stellenweise wirklich wahnsinnig heftig, und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich das alleine durchgehalten hätte. Gerade deshalb bin ich aber sehr froh, es zusammen mit dem Buchclub gelesen zu haben, denn es ist ein wirklich wichtiges Buch.

„Kindred“ fängt direkt mit einer ziemlich schockierenden Szene an, und obwohl man somit eigentlich weiß, worauf man sich einlässt, ist es wie gesagt dennoch keine leichte Kost. Das Buch verdient an Trigger und Content Warnings wohl wirklich so ziemlich alles, was es gibt – ich bin eigentlich wirklich kein empfindlicher Mensch, aber hier haben sogar mir manchmal die Worte gefehlt.
Trotzdem fühlt es sich nie so an, als würde Octavia E. Butler bewusst versuchen, zu schockieren – die in „Kindred“ beschriebenen Grausamkeiten gehörten einfach zum Alltag schwarzer Sklaven im Amerika des 19. Jahrhunderts, was das Ganze natürlich noch schrecklicher macht.
Butlers Schreibstil ist recht einfach und schnörkellos, aber trotzdem sehr eindringlich. Sie beschreibt schonungslos, gleichzeitig aber auch sehr einfühlsam, die Schicksale einer ganze Reihe von Charakteren, die allesamt sehr vielschichtig sind. Ich mochte vor allem Dana als Protagonistin sehr gerne – sie ist eine starke, zielstrebige, hart arbeitende und besonnene Frau, die auch unter größter Angst ihr Ziel nicht aus den Augen verliert. Trotzdem ist auch sie kein Übermensch, hat und macht Fehler, was sie nicht nur sympathisch sondern auch sehr realistisch macht.
Die Geschichte ist stellenweise etwas vorhersehbar, vor allem, da ihr Ende im Grunde am Anfang des Romans steht, trotzdem aber sehr spannend, voller Wendungen und voll von sehr lebensechten Figuren. Ich fand den Zeitreise-Aspekt des Buches sehr interessant, auch wenn nie genau erklärt wird, wie und warum die ganze Sache plötzlich passiert. Das ist aber auch ganz gut so, denn jeder Erklärungsversuch hätte wahrscheinlich weit hergeholt gewirkt – und die Zeitreisen an sich sind es ja eigentlich auch gar nicht, um die es in dem Buch geht.
Über das Hauptthema des Buches kann ich als weiße Person natürlich gar nicht so viel sagen – schon während des Lesens war mir permanent sehr stark bewusst, dass das Buch von einer schwarzen Frau für andere schwarze Menschen geschrieben wurde und ich deshalb schlicht und ergreifend gar nicht so viel eigene Meinung haben sondern mehr einfach nur zuhören sollte.
Der – auch heute noch immer so schmerzhaft präsente – Rassismus war auf jeden Fall erschreckend, eindringlich und wahnsinnig real. Die symbolische Bedeutung des Ganzen – dass nicht nur Dana im Roman mit Rufus verbunden ist, sondern unsere ganz reale Gegenwart auch direkt mit unserer ebenso realen Vergangenheit – war ebenfalls unheimlich stark und wichtig. Noch dazu habe ich beim Lesen sehr viel gelernt – irgendjemand hat einmal gesagt, dass man ein wirklich gutes Buch daran erkennt, dass man die Welt danach mit anderen Augen sieht als zuvor, und das trifft bei „Kindred“ auf jeden Fall zu. Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst geworden, wie viel ich – vor allem über die Geschichte der schwarzen amerikanischen Bevölkerung – alles noch nicht weiß, und wo ich noch Nachholbedarf habe.

Wenn ich abschließend noch etwas zu „Kindred“ sagen will, dann wohl, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass meine Rezension dem Buch nicht wirklich gerecht wird. Es ist ein Buch, das man sehr aufmerksam lesen sollte – mir hat es in dieser Hinsicht wie gesagt wirklich geholfen, es mit anderen zusammen zu lesen – und über das man auch danach noch ein wenig nachdenken sollte.
Es ist inzwischen schon fast zwei Wochen her, dass ich das Buch fertig gelesen habe, und es gelingt mir immer noch nicht so ganz, die richtigen Worte dafür zu finden. In jedem Fall ist „Kindred“ ein sehr außergewöhnliches, starkes und wichtiges Buch, das mir sicher noch eine ganze Weile im Kopf bleiben wird!

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