Rezension

Ali und Ramazan

von Perihan Mağden

Originaltitel: Ali ile Ramazan

suhrkamp nova Verlag, 192 Seiten

Preis: TB: 13,95€; eBook: 11,99€

Inhalt

Ali und Ramazan wachsen zusammen in einem Waisenhaus in Istanbul auf. Aus der spontanen Zuneigung entwickelt sich eine Liebe ebenso zärtlich wie grausam. Als sie mit 18 Jahren in eine ungewisse Zukunft entlassen werden, gibt ihnen nur diese Liebe Kraft. Doch der Traum vom Glück zu zweit währt nicht lang. Ramazan, der für beider Unterhalt sorgt, gleitet ab in die Welt der Stricher, während Ali seine Einsamkeit mit Drogen und dem Schnüffeln von Lösungsmitteln betäubt. Eine Katastrophe bahnt sich an…

Meine Meinung

Ich habe „Ali und Ramazan“ vor ein paar Wochen zufällig auf einer Liste mit queeren Buchempfehlungen gefunden und es mir dann relativ spontan aus der Bücherei mitgenommen. Ich hatte zuvor noch nie etwas davon gehört und auch noch nie etwas von Perihan Mağden gelesen, weswegen ich auch keine großen Vorstellungen oder Erwartungen an das relativ schmale Buch hatte – ich wollte mich einfach darauf einlassen und sehen, wohin es mich führt.

Dass ich „Ali und Ramazan“ beendet habe liegt nun schon fast zwei Wochen zurück, und ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich nun eigentlich über das Buch denke.
Ich habe mich quasi von Anfang an in die beiden Protagonisten verliebt, die Mağden in wenigen Worten so eindringlich charakterisiert, dass man sofort das Gefühl hat, sie zu kennen. Ich mochte auch die emotionale, bildreiche Weise, auf die der Roman geschrieben ist, sehr gerne, obwohl der Schreibstil die Balance zwischen poetisch und kitschig nicht immer ganz meistert. Zwischendurch haben einige Sätze sich dann doch recht holprig gelesen – hier bin ich mir aber ziemlich sicher, dass das eher an der Übersetzung als am Text selbst liegt.
Die Geschichte war – obwohl man von vornherein ahnt, dass es im Grunde kein wirklich gutes Ende für sie geben kann – unheimlich mitreißend. Sie war jedoch auch wirklich sehr tragisch, schwer und dramatisch, und das ist irgendwie fast mein größter Kritikpunkt an dem Buch. Ali und Ramazan haben von Anfang an keine Chance – vor allem, weil sie Waisenkinder sind, um die niemand sich schert. So weit, so gut – im Roman kam es für mich aber stellenweise beinahe so rüber, dass sie deshalb keine Chance haben, weil sie schwul sind. Und in diesem Sinne auch nicht, weil sie schwul in einer homofeindlichen Gesellschaft sind, sondern einfach nur, weil sie schwul sind. Es mag sein, dass ich in dieser Hinsicht auch nur übermäßig empfindlich bin, aber tatsächlich kommen in „Ali und Ramazan“ eine ganze Menge schwuler Männer vor, und keiner von ihnen gibt auch nur ein halbwegs positives Bild ab. Ich glaube nicht, dass Mağden das beabsichtigt hat, da ihr Vorwort eigentlich sehr laut und klar genau dagegen angeht, aber ich fand es dennoch irgendwie problematisch – vor allem, da Mağden selbst ja offensichtlich kein schwuler Mann und diese Zuschreibung von außen also meiner Meinung nach wirklich… schwierig ist.
Dazu kommt noch, dass im Roman oft homofeindliche Schimpfwörter verwendet werden, die ich so eigentlich von niemandem hören möchte, der nicht selbst von eben diesen Schimpfwörtern betroffen ist. Vor allem gestört hat mich hier, dass diese auch oft auf sehr negative Weise zur Abgrenzung vor sich selbst verwendet wurden. Klar verstehe ich, vorauf Mağden hinauswollte – auf die Schwierigkeit, die eigene Identität in einer homofeindlichen Gesellschaft zu akzeptieren – Sätze wie „Ich bin keine Schw*chtel, wir sind einfach  nur ineinander verliebt.“ finde ich von einem nicht homosexuellen Autor aber trotzdem mehr als nur daneben, vor allem, da gerade in dieser Hinsicht im Buch eigentlich gar keine Entwicklung stattfindet. Auch hier ist mir natürlich klar, dass ich nur eine Übersetzung gelesen habe – vielleicht ist das Ganze im Original weniger problematisch, mir ist es bei meiner Lektüre aber auf jeden Fall stark aufgefallen.

Alles in Allem stehe ich „Ali und Ramzan“ also wie ihr seht wirklich sehr zwiespältig gegenüber. Einerseits ist es ein wirklich sehr besonderes Buch, das einem in Erinnerung bleibt, andererseits gibt es aber eben doch Dinge, die mich sehr gravierend gestört haben. Ich kann auch ehrlich nicht sagen, ob ich das Buch weiterempfehlen würde oder nicht – ich fände einen Vergleich von Original und Übersetzung aber auf jeden Fall sehr interessant.

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