Rezension

Alles Licht, das wir nicht sehen

von Anthony Doerr

Originaltitel: All the Light We Cannot See

btb Verlag, 517 Seiten

Preis: 10,99€

Inhalt

In seinem Roman erzählt Anthony Doerr kenntnisreich und in einer wunderschönen Sprache, kunstvoll miteinander verwoben, die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg, der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris nach Saint-Malo flieht, und des jungen Waisen Werner, der in der Wehrmacht eingesetzt wird. Unaufhaltsam treibt die Geschichte sie aufeinander zu, spannend, labyrinthisch und atemlos – bis sich ihre Lebenswege für einen folgenreichen Augenblick kreuzen.

Meine Meinung

Schon Monate vor dem deutschen Erscheinungstermin von “Alles Licht, das wir nicht sehen”, hatte ich gefühlt eine Million wahnsinnig positiver Meinungen darüber gehört. So ziemlich jeder schien das Buch gelesen zu haben, und alle waren ausnahmslos begeistert. Obwohl ich normalerweise eher keine Bücher lese, die im 2. Weltkrieg spielen, und das Buch deshalb nicht einfach so auf gut Glück kaufen wollte, war ich also wahnsinnig interessiert daran und habe das Buch, als es dann endlich auf deutsch erschien, ohne zu Zögern als Rezensionsexemplar angefragt, um mir meine eigene Meinung zu bilden.

Von der ersten Seite an war ich von “Alles Licht, das wir nicht sehen” gefesselt. Obwohl ich im vergangenen Monat kaum zum Lesen gekommen bin und deshalb ewig für die gut 500 Seiten des Buches gebraucht habe hat es mich dennoch einfach nicht mehr losgelassen.
In kurzen Kapiteln wird hier abwechselnd das Leben von Marie-Laure und Werner zwischen den Jahren 1942 und 2014 beschrieben – normalerweise habe ich bei einem solchen Aufbau immer eine Stimme, die ich lieber mag als die andere, und auf die ich mich beim Lesen mehr freue, das war hier aber absolut nicht der Fall. Sowohl Marie-Laure als auch Werner haben mein Herz im Sturm erobert und ich habe beide Blickwinkel wahnsinnig gerne gelesen.
Die Geschichte um die Beiden ist ebenfalls sehr spannend und wird nach und nach immer vielschichtiger und mysteriöser. Aufgrund des Klappentextes hatte ich zunächst irgendeine tragische Liebesgeschichte erwartet – oder sollte ich besser sagen “befürchtet”? – aber diese gab es glücklicherweise nicht. Es ist tatsächlich eher ein Buch über zwei verschiedene Schicksale während des zweiten Weltkrieges, als eines, das die beiden Protagonisten verbindet. Es ist mehr Zufall als Vorsehung, die die beiden zusammen führt – und trotzdem scheinen Marie-Laures und Werners Leben untrennbar miteinander verwoben zu sein. Die Geschichte beginnt also recht langsam und die beiden Handlungsstränge laufen noch sehr getrennt nebeneinander hert, doch je mehr die Sache auf beiden Seiten ins Rollen kommt, desto packender wird das Ganze – das Buch ist in dieser Hinsicht wirklich beeindruckend konstruiert.
Außerdem total begeistert hat mich an “Alles Licht, das wir nicht sehen” die Sprache. Anthony Doerr schafft es meisterhaft, in seine spannende und gefühlvolle Erzählung immer wieder so wunderschön formulierte Gedanken und Denkanstöße einzubauen, dass man als Leser gar nicht anders kann, als seine Fantasie wandern zu lassen und das Buch auch ab und an mal zur Seite zu legen, um darüber nachzudenken, was man gerade gelesen hat. Man schwebt auf seinen Worten durch die Geschichte wie auf einer Wolke, von der man am liebsten nie wieder runter will. Es ist fantastisch.

Kurzum – ich habe “Alles Licht, das wir nicht sehen” geliebt. Es ist mit Sicherheit nicht nur ein Monats-Highlight – das wäre bei der lächerlich geringen Anzahl an Büchern, die ich im September gelesen habe, auch keine großartige Auszeichnung – sondern bestimmt auch eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen haben werde. Ohne Zweifel werde ich noch lange darüber nachdenken und es bestimmt auch irgendwann noch einmal lesen!

Ich habe “Alles Licht, das wir nicht sehen“ als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten – vielen Dank dafür an den btb-Verlag!

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