Rezension

Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe

von Benjamin Alire Sáenz

Deutscher Titel: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Simon and Schuster Verlag, 359 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Dante kann schwimmen. Ari nicht. Dante kann sich ausdrücken und ist selbstsicher. Ari fallen Worte schwer und er leidet an Selbstzweifeln. Dante geht auf in Poesie und Kunst. Ari verliert sich in Gedanken über seinen älteren Bruder, der im Gefängnis sitzt. Mit seiner offenen und einzigartigen Lebensansicht schafft es Dante, die Mauern einzureißen, die Ari um sich herum gebaut hat.
Ari und Dante werden Freunde. Sie teilen Bücher, Gedanken, Träume und lachen gemeinsam – und beginnen die Welt des jeweils anderen neu zu definieren.

Meine Meinung

Ich habe „Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“, wenn ich mich richtig erinnere, zu meinem 18. Geburtstag bekommen, also vor fast vier Jahren. Seit dem stand das Buch in meinem Regal und hat Staub angesetzt, weil ich inzwischen schon so viel überschwängliches Lob dafür gehört hatte, dass ich mich nicht mehr so wirklich an das Buch herangetraut habe – ich hatte einfach Angst, meine Erwartungen wären viel zu hoch und das Buch würde mich deshalb enttäuschen.
Als es dann letzten Monat zum neuen Zwitscherbooks-Buchclub Buch gewählt wurde, habe ich mich deswegen – wie so oft – sehr gefreut, endlich keine Ausrede mehr zu haben, „Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“ nicht zu lesen!

Mein erster Eindruck – der sich dann auch tatsächlich das ganze Buch über gehalten hat – war, dass meine Erwartungen vielleicht nicht zu hoch, aber irgendwie falsch gewesen waren. Gerade am Anfang hatte ich deshalb Probleme, mich wirklich in der Geschichte einzufinden – noch dazu kam dann der etwas eigenwillige Schreibstil, mit dem ich zunächst überhaupt nichts anfangen konnte, und den ich erst nach einiger Eingewöhnungszeit wirklich zu schätzen gelernt habe.
„Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“ ist komplett aus Aris Sicht und vor allem aus seiner Gefühlswelt heraus geschrieben. Passend zu seiner Art sind sowohl die Sätze als auch die Kapitel deswegen eher kurz gehalten und die Erzählstimme generell recht knapp, was mich zu Beginn sehr irritiert hat. Noch dazu kommen immer wieder Dialoge, die teilweise sehr lang sind, ohne dass zwischendurch markiert wird, welche Aussage zu welchem Sprecher gehört – manche Seiten bestehen komplett nur als untereinander aufgelisteter direkter Rede, was die Gespräche für mich teilweise etwas verwirrend gemacht hat.  Je länger ich das Buch gelesen habe, desto besser hat diese Erzählweise für mich allerdings dazu gepasst.
Ich habe sowohl Ari als auch Dante und ihre jeweiligen Familien im Laufe des Buches sehr lieb gewonnen – es ist definitiv ein Buch, das von seinen Charakteren lebt. Gerade deswegen hat es mich aber wiederrum gestört, wie blass vor allem die weiblichen Nebencharaktere – allen voran Aris Schwestern und seine Schulfreundinnen – dargestellt wurden. In der Diskussion hat unsere Buchclub-Leitung es ziemlich genau auf den Punkt gebracht, als sie sagte „Sogar Legs [Aris Hund] war besser geschrieben als manche weibliche Figur.“ Das fand ich wirklich sehr schade.
Trotzdem ist „Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“ nicht nur ein gutes, sondern – und den Preisen nach zu urteilen, die es bekommen hat, sehe das nicht nur ich so – auch ein sehr wichtiges Jugendbuch. Es setzt sich nicht nur mit generellen Jugendbuch-Themen wie dem Erwachsenwerden an sich, der ersten Liebe oder dem Ausbrechen aus familiären Grenzen auseinander, sondern auch mit der Suche nach der eigenen Identität – nicht nur von queeren Jugendlichen sondern auch von Kindern mexikanischer Einwanderer in den USA, und vor allem mit der Suche danach, wie diese beiden Identitäten zusammenpassen. Gerade das hatte ich bisher in noch keinem Jugendbuch so gelesen, und obwohl ich selbst keinen Migrationshintergrund habe und somit nicht wirklich in der Position bin, das zu beurteilen, so hatte ich doch das Gefühl, dass Benjamin Alire Sáenz hier wahnsinnig viel richtiges und wichtiges sagt.
Meine Erwartungen an das Buch waren wie bereits gesagt nicht ganz richtig – ich hatte eine Liebesgeschichte erwartet, und das war es dann irgendwie doch nicht. So wie es war hat es mir aber ohnehin besser gefallen – ich glaube, dass das Buch mir deshalb bei einem Reread, bei dem ich schon weiß, was ich zu erwarten habe, noch viel mehr Spaß machen würde.

Obwohl „Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“ also nicht ganz das war, was ich erwartet hatte, und obwohl mich die ein oder andere Sache durchaus gestört hat, so hat es mir doch wahnsinnig gut gefallen – rückblickend sogar noch besser als während des Lesens selbst, weil der Inhalt jetzt noch ein paar Tage nachwirken konnte.
Ich wünsche mir, ich hätte das Buch schon früher gelesen – ich glaube, ich hätte mich als Teenager sehr gut mit Ari identifizieren können und die Geschichte wäre so noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise bedeutend für mich gewesen. Das ist aber auch das einzige, was ich in dieser Hinsicht bereue – ich habe „Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe“ wirklich sehr gerne gelesen und werde es auf jeden Fall irgendwann noch einmal lesen.
Auch wenn es für mich – vermutlich wegen des inzwischen doch recht großen Altersunterschiedes zwischen mir und den Protagonisten – nicht ganz so weltverändernd und bombastisch war wie für viele andere Leser, spreche ich also trotzdem eine ganz klare Empfehlung für dieses wirklich wichtige, einfühlsame und vor allem sehr vielschichtige Jugendbuch aus!

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