Rezension

Assassin’s Apprentice

von Robin Hobb

Deutscher Titel: Die Gabe der Könige

Harper Voyager Verlag, 392 Seiten

Preis: 6,99€

Inhalt

Fitz ist ein Bastard, der Sohn eines Prinzen und eines Bauernmädchens, der im Schatten des Adels vom Stallknecht seines Vaters großgezogen wird. Doch schon in jungen Jahren nimmt ihn der König in seine Dienste – Fitz soll heimlich zu einem Assassinen ausgebildet werden. Noch ahnt Fitz nicht, wie er für seine Treue bezahlen muss, doch schon bald wird er zum wichtigen Spielstein in den königlichen Intrigen. Denn diese sind mannigfaltig, und Fitz kann seine Augen nicht vor dem drohenden Unheil verschließen, das dem Reich droht. Doch da befiehlt ihm der König, genau das zu tun. Fitz muss sich entscheiden: Wird er gehorchen oder seinem eigenen Gewissen folgen?

Meine Meinung

Robin Hobbs Bücher habe ich schon länger auf dem Radar, und wurde bisher eigentlich nur dadurch davon abgehalten, sie zu lesen, dass ich einfach nicht wusste, mit welchem ich anfangen soll – sie ist wirklich eine wahnsinnig produktive Autorin. Als ich dann vor einiger Zeit den #PlentyOfHobb-Readalong auf Instagram entdeckt habe wollte ich sofort mitmachen. Zwar weiß ich nicht, ob ich tatsächlich den kompletten Readalong durchhalten werde – immerhin soll das letzte Buch erst im November 2018  gelesen werden – auf jeden Fall hat mir dieser erste Monat aber wahnsinnig Spaß gemacht, denn ich habe „Assassin’s Apprentice“, den ersten Band der Farseer Trilogie, wirklich unheimlich gern gelesen.

Die Ausgangssituation des Buches erscheint auf den ersten Blick relativ Fantasy-typisch, und ich bin mir nicht sicher, ob ich es nur aufgrund seines Klappentextes gelesen hätte. Schnell wurde mir aber klar, dass ich hier wirklich ein Juwel der Fantasyliteratur vor mir habe – „Assassin’s Apprentice“ ist ohne Zweifel eines der besten High Fantasy Romane, die ich in den letzten Jahren lesen durfte.
Robin Hobbs Charaktere sind wunderbar augearbeitet – schon lange habe ich mich in keinem Buch mehr so zuhause gefühlt. Man trifft in dem Buch kaum auf Klischees, weil jede Figur nicht nur sehr einzigartig ist, sondern außerdem auch sehr vielseitig – es gab viele Personen in dem Buch, die ich sowohl geliebt als auch auch gehasst habe, weil sie alle eben sowohl gute als auch schlechte Seiten in sich tragen. Vor allem der stille Fitz ist mir als Protagonist sehr ans Herz gewachsen – es ist etwas ganz besonderes, eine Figur in einem Buch wirklich realistisch als Person wachsen zu sehen, und das ist Robin Hobb definitiv gelungen. Toll fand ich außerdem, wie überzeugend die Geschichte aus seinen Augen erzählt wurde – oft fühlt sich die Sicht eines Ich-Erzählers trotz allem nicht wirklich wie seine Perspektive an, sondern schlichtweg wie eine neutrale Erzählsituation mit Fokus auf den jeweiligen Protagonisten. Bei „Assassin’s Apprentice“ ist das anders – hier erlebt man die Geschehnisse tatsächlich wie Fitz sie erlebt.
Auch die Welt der Farseer Trilogie hat mir sehr gut gefallen, sowie auch besonders, dass diese nicht so ausufernd erklärt wurde wie das in anderen Fantasybüchern oft der Fall ist. Es gab hier kein Info-Dumping zur Magie, den Kreaturen, der Gesellschaft, den direkten Nachbarländern des Königreichs, der politischen Situation oder sonst irgendetwas – fast alles wird einfach nur erwähnt und als gegeben hingenommen, einzig die Dinge, die so speziell sind, dass auch Fitz nichts darüber weiß, werden eingehender erläutert. So hatte ich beim Lesen wirklich das Gefühl, Teil der beschriebenen Welt zu sein, statt – wie sonst bei solchen Büchern meistens – eine Außenstehende, der alles zuerst einmal minutiös erklärt werden muss.
Nicht zuletzt war außerdem auch die Geschichte richtig spannend und unterhaltsam, obwohl sie sich eher langsam entwickelt. Der Assassinen-Aspekt hat dem Ganzen noch einmal eine ganz neue Seite gegeben, und schon bald konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen. Das Besondere hier war, dass es keine typische Auserwählten-Quest-Storyline gab, sondern eine weitläufige Handlung mit verschiedenen Nebensträngen, in denen Fitz einfach seinen Platz einnimmt. Es wurde gerade genug angedeutet und im Dunkeln gelassen, um alles wirklich mysteriös und interessant zu machen, und ich denke, dass in den Folgebänden noch viel Gutes auf sich warten lässt. Dadurch, dass es eben nicht nur eine „große“ Handlung gibt, die sich über die gesamte Trilogie erstreckt, sondern auch eine kleinere, die innerhalb des Buches abgeschlossen ist, ist es außerdem auch möglich, „Assassin’s Apprentice“ als Stand-Alone zu lesen, wenn man danach keine große Lust mehr auf den Rest der Reihe hat. Für mich war das bei diesem Buch zwar absolut nicht nötig, dennoch finde ich solche halb-abgeschlossenen Geschichten im ersten Band aber immer sehr leserfreundlich und wollte es deshalb nicht unerwähnt lassen.

Ich glaube, ich könnte hier noch viel mehr sagen, aber aus irgendeinem Grund fällt es mir gerade dann oft schwer, ausführlich über Bücher zu sprechen, wenn ich sie wirklich, wirklich mochte. Es ist einfach selten nur ein Aspekt, der ein Buch wirklich gut macht, meistens es ist das Gesamtpaket, die Kombination aus allem – so ist es auch hier, und das lässt sich nur sehr schwer in Worte fassen.
Kurzum – „Assassin’s Apprentice“ hat wirklich alles richtig gemacht, was man als Fantasybuch richtig machen kann, und ich habe es unheimlich genossen. Robin Hobb hat mir wieder einmal bewiesen, warum ich so gerne Fantasy lese – ich bin sehr froh, ihren Büchern endlich eine Chance gegeben zu haben. Jetzt freue ich mich schon sehr auf den zweiten Band der Reihe, „Royal Assassin“, den ich schon gekauft habe und dann nächsten Monat lesen werde!

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