Rezension

Carry On

von Rainbow Rowell

St. Martin's Griffin Verlag, 522 Seiten

Preis: 17,95 €

Inhalt

Simon Snow ist der schlechteste Auserwählte, der jemals auserwählt wurde.

Das sagt zumindest sein Mitbewohner, Baz. Und Baz mag zwar böse und ein Vampir und noch dazu ein absoluter Schwachkopf sein, aber er hat wahrscheinlich Recht.

Meistens kann Simon seinen Zauberstab nicht mal dazu bringen zu funktionieren, und wenn, dann setzt er irgendetwas in Brand. Sein Mentor geht ihm aus dem Weg, seine Freundin hat ihn abserviert und ein Magie-fressendes Monster mit Simons Gesicht treibt in der magischen Welt sein Unwesen. Baz hätte wahrscheinlich einen Heidenspaß an der ganzen Sache – wenn er hier wäre. Denn obwohl es ihr letztes Jahr an der Watford School of Magicks ist ist Simons Mitbewohner und Erzfeind noch nicht einmal in der Schule aufgetaucht…

Meine Meinung

Nachdem ich vorletztes Jahr „Fangirl“ – das Buch, in dem Simon Snow, wenn auch nur als fiktive Figur eines Romans im Roman, zum ersten Mal auftaucht – gelesen und geliebt habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen, als ich gelesen habe, dass Rainbow Rowell die Geschichte um Simon und Baz wirklich schreiben will. „Carry On“ war eines der wenigen Bücher, auf deren Erscheinen ich wirklich, wirklich hingefiebert habe und umso froher bin ich jetzt natürlich, dass ich es endlich lesen konnte!

Wenn ich „Carry On“ mit etwas vergleichen müsste, dann wäre das wohl Zuckerwatte – es ist süß und leicht und fluffig und macht einfach nur Spaß. Es ist die Art von Buch, die man problemlos an einem Abend weglesen kann.
Ich habe den Stil geliebt, in dem das Buch geschrieben ist, und mochte auch die Charaktere alle sehr gerne – Simon und Penny sind ja von Anfang an sehr sympathisch und in Baz war ich auch sofort verliebt, als er endlich auftauchte. Selbst Agatha, mit der ich erst noch einige Probleme hatte, ist mir mit der Zeit wirklich ans Herz gewachsen – neben Baz ist sie wohl meine Lieblingsfigur dieses Buches. Die Liebesgeschichte zwischen Simon und Baz war wundervoll und die Beiden haben mich mehr als nur einmal zum Grinsen gebracht. Was mir natürlich auch wahnsinnig gut gefallen hat, war die Queerness in diesem Buch – bei wie vielen Auserwählten-Geschichten gibt es schon?
Auch den Fantasy-Aspekt an dem Ganzen fand ich großartig. Klar ist gerade im Worldbuilding viel an Harry Potter angelehnt, aber gerade das, was Rainbow Rowell sich selbst hat einfallen lassen, hat mich total begeistert – ich liebe die Kreaturen, die sie sich ausgedacht hat, die Koexistenz von Magie und moderner Techonologie und vor allem die einzigartige Art, auf die die Magie in „Carry On“ funktioniert.
Ich mochte es, dass nicht alles im Buch für die Figuren restlos aufgeklärt wurde – verschiedene Charaktere wissen am Ende verschiedene Dinge und nur der Leser selbst hat eigentlich den Gesamtüberblick, was ich sehr realistisch fand. Nicht jeder Charakter wurde außerdem in seiner Persönlichkeit restlos aufgeschlüsselt, es wurde einfach Platz zum Nachdenken und Interpretieren gelassen, was ich sehr schön fand.
Natürlich war aber nicht alles an dem Buch perfekt – im Großen und Ganzen hätte ich es mir vor allem etwas länger gewünscht. Nicht nur, weil ich dann mehr von Simon und Baz gehabt hätte, sondern weil ich einfach noch oft das Gefühl hatte, dass die Geschichte an irgendeiner Stelle noch nicht ganz fertig war und einfach noch etwas mehr Zeit gebraucht hätte, um sich zu entwickeln. Generell fand ich auch, dass man aus der Hintergrundgeschichte viel mehr hätte machen können – der Fokus liegt in diesem Buch einfach auf der Beziehung von Simon und Baz und so tritt alles andere mehr oder weniger in den Hintergrund. Das hat zwar natürlich auch seine Berechtigung, ist aber auch ein wenig schade, weil die sonstige Handlung eigentlich wirklich, wirklich interessant ist, hier aber oft nur angeschnitten und sehr bruchstückhaft erzählt wird.

Alles in Allem war „Carry On“ aber ein wirklich, wirklich gutes Buch. Es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht und ich kann gar nicht erwarten, es irgendwann noch einmal zu lesen. Am liebsten würde ich ungelogen sofort wieder von vorne anfangen, weil ich mir sicher bin, im Nachhinein noch viel mehr verstehen zu können als beim ersten Lesen – und weil ich von Simon und Baz einfach nicht genug kriegen kann.

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