Rezension

Coraline

von Neil Gaiman

Deutscher Titel: Coraline: Gefangen hinter Spiegeln

Harper Collins Verlag, 208 Seiten

Preis: Gebunden: ab 14,99€, TB: ab 5,99€, eBook: ab 4,39€

Inhalt

Coraline ist mit ihren Eltern in ein düsteres altes Haus gezogen. Die Nachbarn sind reichlich merkwürdig, ihre Eltern scheinen kaum Zeit für sie zu haben und Coraline langweilt sich zu Tode. Eines Tages stößt sie im Haus auf eine Tür, durch die sie ein anderes Haus betritt, in dem alles genauso aussieht wie in ihrem, allerdings auch alles irgendwie besser ist. Das Essen schmeckt fantastisch, das Spielzeug ist magisch und interessant – aber da sind auch andere Eltern, unheimliche Eltern. Und die wollen ihre neugewonnene Tochter am liebsten nie mehr gehen lassen…

Meine Meinung

Ich habe „Coraline“ zusammen mit dem Zwitscherbooks-Buchclub auf Twitter gelesen – tatsächlich habe ich das erste Mal dieses Jahr wieder mitgelesen, seit wir im Januar „Der Report der Magd“ beendet haben, wenn ich mich richtig erinnere, und bin sehr froh darüber, denn „Coraline“ hat mir wirklich Spaß gemacht!

Ich habe das Buch als Teenager bereits einmal auf deutsch gelesen und war damals ehrlich gesagt nicht wahnsinnig begeistert davon – zwar fand ich es durchaus ganz nett, es hat mir aber irgendwie auch nichts gegeben, was der Film von Tim Burton nicht genauso gekonnt hätte. Umso überraschter war ich, wie gut „Coraline“ mir dieses Mal von Anfang an gefallen hat – und wie genervt ich davon war, den Film die ganze Zeit über so präsent im Kopf zu haben.
Vor allem sprachlich hat Neil Gaimans Roman mich nun in der Originalversion wirklich vom ersten Moment an begeistern können. Die englische Sprache ist so wahnsinnig vielseitig und wunderschön, wenn man nur wirklich mit ihr umzugehen weiß, und Gaiman schafft das ganz phantastisch. Angefüllt mit Wortwitz und wunderbaren Formulierungen tanzt der Text einen beinahe durch die eigene Geschichte – schon allein dafür lohnt es sich eigentlich, das Buch zu lesen.
„Coraline“ ist zwar ein Kinderbuch, aber wirklich nicht nur für Kinder stellenweise ziemlich unheimlich. Gerade diesen Grusel, der so oft durch Fremdheit, Grenzüberschreitungen, Unbestimmbarkeit und nicht greifbarer Monstrosität erzeugt wurde, fand ich dabei wirklich, wirklich faszinierend und interessant. Ich habe mich im Rahmen meines Studiums schon ein paar Mal mit eben diesem Thema auseinandergesetzt, was das Ganze für mich natürlich umso spannender gemacht hat – ich habe mir hierzu wirklich auf fast jeder Seite etwas markiert, denn „Coraline“ setzt in dieser Hinsicht so viel von dem, was man in anderen Büchern erst einmal suchen muss, so direkt und gekonnt um, dass es einfach nur Spaß macht.
Ich glaube, ich hätte mich noch etwas mehr gegruselt, wenn ich es geschafft hätte, die Darstellungen des Stop-Motion Animationsfilmes durchgehend aus meinem Kopf zu verbannen, um dort nicht nur meine eigenen sondern vor allem auch etwas realistischere Bilder zu erzeugen. Diesen etwas anderen Blickwinkel hat mir dann aber noch einmal das zugehörige Graphic Novel von P. Craig Russel ermöglicht, das ich ebenfalls gelesen habe und das mir genau wie der Roman wirklich sehr gut gefallen hat!

Kurzum: „Coraline“ ist ein wirklich wunderbares, schön gruseliges, kleines Buch, das man bestimmt gut mit (vielleicht schon etwas größeren) Kindern lesen kann, genauso gut aber auch alleine. Es gibt darin viel zu entdecken und es macht auf  mehr als nur einer Ebene Spaß – auch intertextuell lassen sich zum Beispiel viele Bezüge finden und vor allem die Reise der kleinen Alice ins Wunderland blitzt immer mal wieder durch. Vielleicht werde ich mich in Zukunft doch einmal an andere Bücher von Neil Gaiman heranwagen, denn mit diesem hat er mich auf jeden Fall überzeugt!

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