Rezension

Das Attentat

von Stephen King

Originaltitel: The Dead Zone

Bertelsmann Verlag, 476 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Wie durch ein Wunder erwacht der durch einen Autounfall schwer verletzte Johnny Smith nach fünf Jahren aus dem Koma – und besitzt plötzlich Fähigkeiten, die er zuvor nicht hatte. Scharlatan, Guru, Lebensretter, Monster – so nennen sie ihn, der immer deutlicher seine Macht über Leben und Tod spürt, und selbst doch eigentlich nichts will, als sich sein ganz normales Leben wieder aufzubauen. Und dann sieht Johnny in der Zukunft eine schreckliche Gefahr, die ihn zu letzten tödlichen Konsequenz zwingt…

Meine Meinung

Ich habe sowohl den Film als auch einige Folgen der TV-Serie zu „Das Attentat“ vor einigen Jahren einmal gesehen und hatte seitdem vor, auch das Buch endlich zu lesen, bin aber aus irgendeinem Grund einfach nie dazu gekommen. Schon während des letzten Stephen King Lesemonats hatte ich mir überlegt, es nun endlich anzupacken, habe es dann aber einfach zeitlich nicht mehr geschafft – und so habe ich das Buch auf dieses Jahr verschoben.
Ich hatte erst ein wenig Angst, es könnte sich bei „Das Attentat“ um eines von Kings eher schwächeren Büchern handeln, da die Bewertungen auf Goodreads vergleichsweise niedrig sind, aber glücklicherweise hat sich das absolut nicht bestätigt – ich habe schon lange kein Buch mehr so gerne gelesen wie dieses.

„Das Attentat“ ist eines der Bücher, die Stephen King in seiner goldenen Zeit zwischen den 70er und 80er-Jahren geschrieben hat, und man merkt es ihm von der ersten Seite an an – ich liebe (fast) alle Bücher von Stephen King abgöttisch, seine früheren so wie auch seine späteren Werke, aber während dieser Periode hatte er eine wirklich fantastische Art zu erzählen, die er danach einfach nie mehr ganz erreicht hat.
„Das Attentat“ nimmt einen von der ersten Seite an gefangen und lässt einen bis zum Schluss nicht mehr los. Ich habe mich wirklich schon lange nicht mehr derart in einem Buch verloren – zum Ende hin musste ich mich richtig zwingen, langsamer zu lesen, damit es dann doch nicht gar so schnell vorbei ist.
Ich habe Johnny Smith geliebt. Er ist ein lustiger, intelligenter und von Grund auf freundlicher und herzensguter Mann, der auch in seiner tiefsten Verzweiflung nicht aufhört, anderen helfen zu wollen. Sicher ist auch er nicht ganz perfekt, aber man muss ihn einfach lieben – und darum trifft sein Leid einen umso stärker.
Mein Herz ist mit seinem gebrochen, als er nach fünf Jahren im Koma aufgewacht ist und festellen musste, dass er nicht nur fünf Jahre verpasst hat, sondern das Leben für alle anderen auch ohne ihn weitergegangen ist – seine Freundin hat inzwischen einen anderen Mann geheiratet und gerade ihr erstes Kind bekommen, seine Mutter ist in einen religiösen Wahn verfallen, der die Ehe seiner Eltern bis an ihre Grenzen belastet, statt sich seinen Ruhestand aufzubauen ertrinkt sein Vater durch das lange Koma seines Sohnes in Krankenhausschulden und Johnny muss nun langsam in ein Leben zurückfinden, von dem er eigentlich kein Teil mehr ist.
Das Tolle an dem Buch ist dabei, dass es seinen Fokus weder nur auf die hellseherischen Fähigkeiten legt, mit denen Johnny aus dem Koma erwacht – für seine Mutter ein Zeichen, dass er ein Auserwählter Gottes ist, für ihn ein Fluch – noch nur auf seinen Kampf darum, sich nach fünf verpassten Jahren wieder ein Leben aufzubauen, sondern beides auf meisterhafte Weise miteinander verwebt. Das Eine würde ohne das Andere nicht funktionieren, und die Gleichwertigkeit beider Dinge ist es, die „Das Attentat“ so besonders macht – und der Faktor, der sowohl im Film als auch in der Serie eindeutig zu kurz kommt.

Ich habe „Das Attentat“ also wirklich, wirklich gern gelesen. Ich habe nicht nur Johnny Smith geliebt, sondern auch seine Geschichte und die einfühlsame Art, mit der Stephen King sie erzählt hat. Ich habe mich während des Lesens nicht eine Sekunde gelangweilt und hätte mich auch nicht beschwert, wenn das Buch zwei- oder dreimal so lang gewesen wäre, so sehr hat es mir gefallen. Ich wollte Johnny einfach nicht loslassen.
Kurzum – ich kann „Das Attentat“ wirklich nur empfehlen. Es ist vielschichtig und wunderschön und trägt einen beinahe von selbst durch seine Geschichte. Ein Buch, das ich mit Sicherheit irgendwann noch einmal lesen werde!

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