Rezension

Das dunkle Herz des Waldes

von Naomi Novik

Originaltitel: Uprooted

cbj Verlag, 571 Seiten

Preis: 17,99€

Inhalt

Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen.
Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia…

Meine Meinung

„Das dunkle Herz des Waldes“, oder wie es – meiner Meinung nach viel treffender – auf englisch heißt „Uprooted“, wurde seit seinem Erscheinen vor zwei Jahren durchgehend gehyped – fast niemand, der Fantasy und/oder Jugendbücher mag hat das Buch nicht gelesen, und so gut wie jeder war von Naomi Noviks Buch begeistert. Ich bin froh, dass das Buch im englischsprachigen Raum schon so lange so präsent ist, denn hätte ich „Das dunkle Herz des Waldes“ im Buchladen gesehen, ohne dass der Name der Autorin mir sofort bekannt vorgekommen wäre, wäre ich einfach daran vorbeigegangen – das deutsche Cover spricht mich ehrlich gesagt überhaupt nicht an, und auch der Klappentext wird dem Buch nicht wirklich gerecht, weder auf deutsch, noch auf englisch.
So habe ich allerdings nicht lange gezögert und das Buch sofort als Rezensionsexemplar angefragt, als ich hörte, dass es auch auf deutsch erscheinen würde!

Bereits vom ersten Satz an hat „Das dunkle Herz des Waldes“ mich begeistert – das mag abgedroschen klingen, aber tatsächlich beginnt das Buch mit einem der besten ersten Absätze, die ich je gelesen habe und fesselt einen sofort.
Ich mochte die tollpatschige Agnieszka mit ihrem witzigen, vorlauten Charme als Heldin wahnsinnig gerne. Sie ist die erste Jugendbuchheldin, die mir seit langem begegnet ist, die tatsächlich eine eigene Persönlichkeit hat, statt stets nur die gleichen „Von außen stark und unabhängig aber eigentlich ängstlich und verletzlich“-Klischees wiederzugeben. Ich mochte es, wie sie sich im Laufe des Buches weiterentwickelt, trotzdem aber immer noch sie selbst bleibt.
Auch die anderen Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Agnieszkas beste Freundin Kasia wird nicht zum flachen Feindbild oder eindimensionalen Nebencharakter erklärt, wie es bei Jugendbüchern sonst oft ist, und auch der Drache schafft es, seine Rolle als geheimnisvolles, unsterbliches Wesen zu überwinden und wird zum tatsächlichen Mensch mit Ecken und Kanten, was mir sehr gut gefallen hat.
Der dunkle Wald als gigantischer, hinterhältiger, stets wachsender und somit beinahe unbesiegbarer Bösewicht ist wahnsinnig interessant, und auch das slavische Setting, das voll von Anspielungen auf slavische Märchen ist, fand als Slavistikstudentin natürlich klasse.
Die Geschichte, die – anders als der Klappentext vermuten lässt – nicht zu einer nervigen Liebesgeschichte zwischen Agnieszka und dem Drachen ausartet, sondern diese Dinge nur nebenbei behandelt, ist wirklich spannend und voller Wendungen. Vielleicht ist es ganz gut, dass der Klappentext den Inhalt nicht so wirklich gut wiedergibt – es macht umso mehr Spaß, sich genauso unwissend wie Agnieszka in das Abenteuer zu stürzen, und erst nach und nach die Antworten auf seine Fragen zu erhalten. Tatsächlich hatte ich beim Lesen noch das Gefühl, es gäbe eine ganze Menge Plot-Holes in dem Buch, die sich dann zum Ende hin aber allesamt gefüllt haben. An einigen Stellen hätte ich gerne mehr erfahren – vor allem hätte ich gerne mehr über Agnieszkas magische Ausbildung gelesen, die nur eine relativ knappe Nebenhandlung darstellt – auf jeden Fall war das Buch aber nie langweilig, sodass ich es wirklich kaum mehr aus der Hand legen konnte.

Ich hatte wirklich nicht erwartet, dass „Das dunkle Herz des Waldes“ mir so gut gefallen würde – schon lange habe ich kein Jugendbuch mehr gelesen, das mich so begeistert hat. Es ist das erste Buch, das ich im April gelesen habe, aber ich habe das Gefühl, jetzt schon ein Monatshighlight gefunden zu haben. Nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte war ich wirklich traurig, Agnieszka, Kasia und den Drachen schon wieder gehen zu lassen, und ich würde liebend gerne eine Fortsetzung lesen – die gibt es aber nicht, also muss ich mich wohl damit begnügen, das Buch einfach nochmal zu lesen. Von mir gibt es auf jeden Fall eine große Leseempfehlung!

Ich habe „Das dunkle Herz des Waldes“ als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür an den cbj-Verlag!

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