Rezension

Das Lied des Achill

von Madeline Miller

Originaltitel: The Song of Achilles

Bloomsbury Berlin Verlag, 384 Seiten

Preis: 4,99€

Inhalt

Patroklos, ein in Ungnade gefallener Prinz im Knabenalter, wird ins Exil nach Phthia geschickt, wo er, als einer unter vielen, im Schatten des Königs Peleus und seines Sohnes Achill einsam und unbeachtet lebt, bis Achill sich eines Tages seiner annimmt. Die zaghafte Annährung entwickelt sich bald zu einer unerschütterlichen Freundschaft. Seite an Seite wachsen Achill und Patroklos zu jungen Männern heran, und bald erblüht eine zarte Liebe zwischen ihnen.

Der Friede wird jedoch jäh zerstört, als Paris Helena aus Sparta entführt und sich die Männer Griechenlands zum Kampf gegen Troja versammeln. Verführt von der Prophezeiung seiner ruhmreichen Bestimmung, schließt sich Achill ihnen an und Patroklos, innerlich von Angst und Liebe zerrissen, folgt Achill in den zehn Jahre währenden Krieg.

Meine Meinung

„Das Lied des Achill“ ist ja eigentlich schon vor einigen Jahren erschienen, hat aber – zumindest meinem Empfinden nach – erst in den letzten Monaten einen richtigen Hype erlebt. Das Buch war lange Zeit der Geheimtipp unter Buchbloggern, vor allem unter denen, die gerne auch mal queere Romanzen lesen, und ich habe mich wirklich gefreut, als ich das Buch reduziert gefunden habe und daher auch endlich lesen konnte.

Bei derart hochgelobten Büchern wie diesem bin ich immer etwas vorsichtig, weil es mir schon oft passiert ist, dass ich mit viel zu hohen Erwartungen an das Buch rangegangen bin, an die es dann einfach nicht rankam. Bei „Das Lied des Achill“ jedoch wusste ich bereits von der ersten Seite an, dass ich dieses Buch lieben würde.
Der Schreibstil ist angelehnt an die Erzählweise alter griechischer Sagen und ganz anders als man das sonst so aus aktuellen Büchern kennt – für mich war dieser Stil absolut magisch, ich war sofort darin gefangen und konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Außerdem fantastisch waren für mich die Figuren. Es gab keine Sekunde, in der ich Patroklos nicht geliebt habe, bei Achilles war das zwar nicht immer so, aber auch sein Charakter war unheimlich vielschichtig, farbenfroh und mit kräftigen Strichen gezeichnet. Brisëis fand ich fantastisch und auch Thetis war – obwohl ich auf keinen Fall sagen würde, ich würde sie mögen – unheimlich interessant. Es ist nicht leicht, „fremden“ Charakteren so viel Leben einzuhauchen, aber Madeline Miller hat das auf jeden Fall geschafft.
Selbiges gilt natürlich für die Geschichte an sich. Ich habe die Ilias selbst noch nicht gelesen, hatte aber trotzdem nie das Gefühl, irgendetwas nicht zu verstehen. Andererseits wurde man aber auch nicht mit Erklärungen oder Hintergrundinfos erschlagen, „Das Lied des Achill“ hatte hier die perfekte Mischung. Die Handlung ist wahnsinnig spannend, obwohl mir – wie wohl den meisten Lesern, denn zumindest die Grundzüge der Sage von Troja sind ja doch irgendwie Allgemeinwissen – von Anfang an klar war, wie das Buch enden würde. Bis zum Ende habe ich mitgefiebertund gehofft, dass doch noch alles ganz anders ausgehen würde.
Die Liebesgeschichte war fantastisch. Normalerweise bin ich absolut kein Fan von Romanzen und finde sowas schnell zu überkitscht oder unrealistisch, aber was hier zwischen Patroklos und Achill entsteht war zu jedem Zeitpunkt des Buches absolut nachvollziehbar und hat sich – zumindest für mich – wahnsinnig echt angefühlt.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass mir das Buch etwas zu kurz war, und selbst das ist ja eigentlich mehr Lob als Kritik. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich zuvor zwei Wochen mit den ersten beiden Bänden der „Outlander“-Reihe verbracht habe und deshalb gerade eher lange Bücher gewohnt war, aber ich hatte bei „Das Lied des Achill“ ständig das Gefühl, Lesepausen einlegen zu müssen, einfach nur damit das Buch nicht so wahnsinnig schnell vorbei geht. Vor allem von der Zeit bei Cheiron hätte ich gerne noch mehr gelesen.

Alles in Allem habe ich „Das Lied des Achill“ also wirklich, wirklich wirklich gerne gelesen. Ich freue mich schon darauf, es eines Tages nochmal zu lesen, und auch darauf, die Ilias – die ja schon ewig auf meiner Leseliste steht – im Licht dieses Buches zu entdecken. Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen – schon allein der außergewöhnliche Stil und die wahnsinnig lebendigen Charaktere sind es wirklich wert!

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