Rezension

Der Greif

von Wolfgang und Heike Hohlbein

ueberreuter Verlag, 591 Seiten

Preis: 12,95€

Inhalt

Merkwürdig vom Dachfirst seines Elternhauses fasziniert, klettert Mark hinauf – und gerät in ein schreckliches nächtliches Abenteuer: Ein riesiges graues Ungeheuer jagt ihn, bedroht sein Leben. Mark gelingt die Flucht. Er wacht verletzt im Krankenhaus wieder auf. Dort wird ihm erklärt, er sei vor ein Auto gelaufen, doch Mark zweifelt. Er beginnt die Existenz einer anderen Welt zu ahnen. Sind sein Vater und sein älterer Bruder Thomas dorthin so spurlos verschwunden?
Nach seiner Entlassung forscht er weiter – und gelangt durch die Krypta einer alten Kapelle in ein geheimnisvolles Land, das ein Paradies sein könnte, wenn die Herrschaft des Greifen, der es regiert, gebrochen würde. Und das kann nur durch Mark geschehen.

Meine Meinung

„Wolfgang Hohlbein“ ist ein Name, den beinahe jeder lesende Mensch in Deutschland zumindest schon einmal irgendwo gesehen oder gehört hat. Die Meinungen, die ich bisher zu seinen Büchern gehört habe, waren aber trotz seiner großen Fangemeinde immer eher negativ – die Geschichten die er sich ausdenke seien ja ganz nett, aber er könne eben einfach nicht besonders gut schreiben. Jetzt wollte ich endlich einmal herausfinden, was da so dran ist und habe diesen Monat mit „Der Greif“ meinen ersten Hohlbein gelesen – vielen Dank nochmal an Manuel für die Empfehlung!.

Ich muss sagen, geschrieben ist das Buch wirklich recht einfach. Noch dazu kommen wahnsinnig viele Tipp- und Rechtschreibfehler, die natürlich vielleicht nur in meiner Ausgabe vorhanden sind, die aber auf Dauer einfach irgendwie genervt haben. Trotzdem war das Buch insgesamt sehr atmosphärisch und – für einen Roman, dessen Zielgruppe wohl Kinder so zwischen zehn und vierzehn sind – ziemlich düster und surreal.
Ich fand „Der Greif“ auch wirklich unterhaltsam und packend. Zwar gibt es zwischendurch auch immer mal wieder Szenen, die der Geschichte etwas an Geschwindigkeit nehmen ohne dabei wirklich zu dieser beizutragen, aber der Roman bleibt trotzdem durchgehend spannend und ich konnte ihn beim Lesen kaum mehr aus der Hand legen. Natürlich muss man bei solcher Kritik immer auch bedenken, dass das Buch eigentlich nicht für meine Altersklasse geschrieben ist – so hatte ich zum Beispiel auch oft das Gefühl, dass Hohlbein es seinem Helden etwas zu einfach macht, aus schwierigen Situationen zu entkommen, aber das kann ein Kind vielleicht auch einfach noch eher verzeihen als ich. Vor allem die zweite Hälfte hat mir dann besonders gut gefallen, und meine anfängliche Befürchtung, das Ende könnte doch recht vorhersehbar und die Figuren sehr statisch sein, wurde glücklicherweise auch widerlegt. Überhaupt war die Geschichte, die ja doch recht klassisch ist – ein „Auserwählter“ muss eine bösartige dunkle Kreatur besiegen, um die Welt zu retten – überraschend komplex.
Einzig und allein das Ende war mir  dann doch etwas zu schnell und zu einfach, hier hätte Hohlbein sich – nachdem er seine Geschichte erst so ausführlich und mit vielen Plot-Twists aufgebaut hat – meiner Meinung nach wirklich etwas mehr Mühe geben können.
Ich habe wirklich mit Mark mitgefiebert, der mir im Laufe des Buches richtig ans Herz gewachsen ist, und auch einige der Nebencharaktere – allen voran der kleine Yezariael – habe ich unheimlich lieb gewonnen. Mein einziger Kritikpunkt bezüglich der Figuren ist, dass es in dem Buch kaum weibliche Charaktere gibt. Und mit „kaum“ meine ich wirklich so gut wie keine – es gibt insgesamt zwei weibliche Nebenfiguren, die beide insgesamt vielleicht vier oder fünf Sätze sagen und eigentlich auch keine wirkliche Funktion in der Geschichte haben. „Der Greif“ besteht den Bechdel-Test schon allein aus dem Grund nicht, dass es im ganzen Buch überhaupt keine einzige Situation gibt, in der zwei Frauen miteinander über irgendetwas sprechen, was meiner Meinung nach doch etwas armselig ist.

Alles in Allem hat „Der Greif“ mir aber wirklich Spaß gemacht! Vor allem die teilweise doch ziemlich gruselige Welt, die hier beschreiben wird, hat mich ziemlich beeindruckt und die Geschichte war wirklich mitreißend. Über Hohlbeins generelle Qualität als Autor kann ich nach einem Buch natürlich noch nichts sagen, aber ich werde mit Sicherheit in Zukunft noch mehr von ihm lesen und das herausfinden!

Kommentare

  • Merowinger

    Es freut mich sehr dass dir das Buch im Allgemeinen dann doch ganz gut gefallen hat. Leider ist meine Lektüre schon ziemlich lange her (ich weiß nicht mal ob ich das Buch noch habe) deswegen kann ich das mit den Fehlern nicht nachprüfen. Und ja, das „düster und surreal“ ist mir noch in Erinnerung geblieben. Ich glaube übrigens auch dass mein Buch damals deutlich dicker war als 391 Seiten, vielleicht ist mir das aber auch nur so vorgekommen. Es war auf jeden Fall ein ziemlich dickes Buch.

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