Rezension

Der Nachtzirkus

von Erin Morgenstern

Originaltitel: The Night Circus

ullstein Verlag, 464 Seiten

Preis: 19,99€

Inhalt

Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht.

Meine Meinung

„Der Nachzirkus“ wird unter Buchbloggern seit einer ganzen Weile als wahnsinniger Geheimtipp gehandelt, und ich habe ehrlich noch niemanden getroffen, der das Buch nicht mochte. Ich habe deshalb natürlich sofort zugegriffen, als ich vor ein paar Monaten eine reduzierte Ausgabe bei Hugendubel gesehen habe, und bin mit wahnsinnig hohen Erwartungen an das Buch herangegangen – ganz wurden diese leider nicht erfüllt, wie das eben oft so ist, wenn man einfach zu viel erwartet, aber „Der Nachtzirkus“ war trotzdem ein sehr gutes Buch, das mir beim Lesen unheimlich viel Spaß gemacht hat.

„Der Nachtzirkus“ spielt in einer fantastischen Welt, die vor allem dadurch begeistert, dass ihre Magie sehr einzigartig und besonders funktioniert. Man lernt gerade genug, um fasziniert zu sein, aber nie genug, um nicht immer noch mehr wissen zu wollen, weil das ganze Konzept – zumindest meiner Meinung nach – einfach so wahnsinnig interessant ist. Generell hat es mir auch sehr gut gefallen, dass nicht alles immer bis ins kleinste Detail erklärt, sondern auch vieles dem Leser überlassen wurde – diese Tendenz ist mir in letzter Zeit beim Lesen öfter aufgefallen, vielleicht ist das etwas, was man in  Erwachsenenbüchern, zu denen „Der Nachtzirkus“ ja zählt, eher macht als in den Jugendbüchern, die ich die letzten Jahre hauptsächlich gelesen hat.
Was mir auch wirklich gut gefallen hat ist, dass es in dem Buch so viele gut ausgearbeitete und verschiedene Charaktere gibt. Dadurch gibt es zwar nicht den einen Protagonisten, mit dem man sich absolut identifizieren kann und durch dessen Augen man die Handlung erlebt, aber dafür bekommt man umso mehr einzelne Facetten der ganzen Geschichte mit, was sehr spannend und interessant ist. Das Buch wird wirklich hauptsächlich durch die Charaktere voran getrieben, denn die Handlung selbst entwickelt sich eher langsam, vor allem da sie auf sehr vielen verschiedenen Ebenen stattfindet. Mir persönlich hat das nichts ausgemacht, weil ich auch langsame Bücher sehr gerne lese, aber ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere davon gelangweilt ist. Das Buch ist im Gegenzug allerdings alles andere als vorhersehbar, es gibt immer wieder neue Wendungen, und auch wenn einem am Ende vielleicht schon klar ist, worauf alles hinaus läuft, so wird man doch immer wieder von Details oder Nebenhandlungen überrascht. Ich empfehle jedem, der das Buch lesen will, sämtliche Inhaltsangaben zu ignorieren, denn so ganz zu 100% passt keine – nicht einmal die, die ich hier verwende – weil die Geschichte dafür einfach zu vielschichtig und speziell ist.

Warum gebe ich dem Buch aber nur 4 statt 5 Sternen? Einfach, weil mir noch das kleine Etwas gefehlt hat, das mich absolut in das Buch hineinzieht und nicht mehr los lässt. Ich mochte die Charaktere zwar durchgehend, habe aber keinen davon abgöttisch geliebt. Ich wollte zwar immer weiterlesen, aber es war auch nicht so, dass ich das Buch absolut nicht aus der Hand legen konnte. Ich fand zwar die Welt, die Magie und die Erzählweise unheimlich faszinierend, aber „Der Nachtzirkus“ konnte mich einfach nicht auf diese ganz spezielle Art packen, auf die 5-Sterne Bücher es tun. Außerdem gab es zwischendurch immer wieder etwas seltsame Kapitel, die in der 2. Person Präsens geschrieben waren und einen wohl noch mehr für die Welt des Zirkus‘ begeistern sollten – mich haben sie eigentlich nur immer etwas aus dem Lesefluss gebracht und obwohl sie durchaus irgendwie interessant waren haben sie mich doch überwiegend gestört.

Nichtsdestotrotz empfehle ich „Der Nachtzirkus“ auf jeden Fall weiter. Es ist ein sehr einzigartiges Buch mit einem einzigartigen Setting, das stark mit der eigenen Fantasie arbeitet, was sehr schön und interessant ist. Noch dazu bietet es eine Geschichte, die über das übliche Liebesgeplänkel, das man sonst in solchen Büchern findet, hinausgeht. Es ist definitiv ein starker Debütroman und ich werde mir das nächste Buch der Autorin auf jeden Fall auch ansehen, wenn es erscheint. Ich bereue das Lesen absolut nicht und obwohl es für mich nicht ganz gereicht hat kann ich sehr gut verstehen, warum so viele Menschen „Der Nachtzirkus“ zu ihren Lieblingsbüchern zählen.

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