Rezension

Der verschollene Prinz

von C.S. Pacat

Originaltitel: Captive Prince

Heyne Verlag, 317 Seiten

Preis: 12,99€

Inhalt

Eigentlich ist der Kriegerprinz Damen der rechtmäßige Erbe von Akielos, doch dann gerät er in Gefangenschaft und wird in die Sklaverei verkauft – ausgerechnet an Laurent, den Kronprinzen des verfeindeten Königreiches Vere. Laurent ist eitel, arrogant und grausam, und er steht für alles, was Damen hasst. Doch noch während er Fluchtpläne schmiedet, lernt Damen Laurent besser kennen, und schon bald weiß er nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: Seinen eigenen Thron zurückzugewinnen oder an Laurents Seite zu kämpfen und das Geheimnis um dessen eiskaltes Herz zu lösen …

Meine Meinung

Ich habe mich unheimlich gefreut, als ich “Der verschollene Prinz” im Random House Bloggerportal als Rezensionsexemplar gefunden habe, weil so wahnsinnig viele englische Buchblogger mir das Buch schon empfohlen haben, bevor es überhaupt auf deutsch veröffentlicht wurde. Ich wollte es mir schon selbst auf englisch kaufen, hatte aber schlichtweg nicht genug Geld für das – relativ teure – Taschenbuch. Rückblickend gesehen bin ich wirklich froh, dass das so war, denn hätte ich für dieses Buch auch noch – für meine Verhältnisse – viel Geld ausgegeben hätte ich mich wahrscheinlich zu Tode geärgert.

Sowas wie Worldbuilding, character development – oder überhaupt Charaktere mit wirklichen Persönlichkeiten – gibt es in “Der verschollene Prinz” einfach nicht. Alles was man über die Welt erfährt ist, dass es zwei Länder gibt, die sich nicht besonders mögen. Das ist – ohne Witz – absolut alles. Die Autorin hat sich nicht mal ansatzweise bemüht, die Welt, in der die Geschichte spielen soll, in irgendeiner Form greifbar oder auch nur annähernd interessant zu gestalten.
Diese Flachheit zieht sich im Grunde durch alle Aspekte des Buches – die Charaktere sind alle mehr als nur blass, absolut eindimensional und dadurch einfach nur langweilig. Niemand hat mehr als eine einzige Charaktereigenschaft, und selbst Damen, der einzige Charakter, in dessen Gefühlswelt man minimalst Einblick erhält, war mir eigentlich durchgehend egal, weil er sich immer nur stereotyp und nervig verhält und, wie auch alle anderen Charaktere, absolut keinen Tiefgang hat.
Eine Handlung ist auch fast nicht vorhanden. Das Buch ist 288 Seiten lang – die restlichen 50 Seiten umfassen eine Kurzgeschichte zur Vorgeschichte von einem der Charaktere – und auf den ersten 240 Seiten passiert ungelogen absolut gar nichts, außer dass Damen verschleppt und als Sklave an Laurent verkauft wird. Die letzten 50 Seiten sind dann fast interessant – sie sind der Grund, warum ich hier zwei statt nur einem Stern vergebe [Update: Ich habe mein Rating rückblickend doch noch einmal um einen halben Stern runtergestuft, weil das Buch insgesamt für zwei Sterne einfach zu schlecht war.] – schaffen es aber nicht, die dröhnende Langeweile, die das Buch bis zu diesem Punkt war, wett zu machen. Es passiert nie etwas, außer dass Damen im Palast herumläuft, im Palast herumsitzt, im Palast herumliegt, und darüber nachdenkt, wie doof Laurent ist, wie doof dieses Land ist, wie fies Laurent ist, wie doof die anderen Sklaven sind, wie unheimlich hübsch Laurent doch ist, wie hässlich der Palast eigentlich ist, und so weiter. Sogar wenn mal was passiert, was interessant sein könnte – ein Treffen mit dem Prinzen, oder ein Fest im Palast – passiert dann eigentlich doch nichts. Einen derart fehlgeschlagenen Spannungsbogen habe ich zuletzt bei Twilight gesehen.

Den angeblichen “Beginn einer magischen Liebesgeschichte”, wie es auf der Rückseite des Buches angepriesen wird, habe ich außerdem absolut nicht bemerkt. Es wurde zwar ab und zu irgendeine angebliche romantische Spannung zwischen Damen und Laurent betont, die hat aber außerhalb dieser Bemerkungen einfach nicht existiert. Mal abgesehen davon, dass irgendeine Art von Beziehung zwischen den Beiden wohl mehr als ungesund wäre – näheres dazu im Spoiler –

  • Spoiler

    Es kann einfach nicht gesund sein, eine Beziehung mit jemandem einzugehen, der einen zuvor noch bis zur Besinnungslosigkeit ausgepeitscht und Vergewaltigungen nicht nur angedroht sondern tatsächlich ausführen lassen hat – denn nichts anderes ist hier passiert, auch wenn es keine Penetration gab ist ein ungewollter sexueller Akt immer noch eine Vergewaltigung und absolut nicht entschuldbar.

hatten Damen und Laurent auch einfach keine Chemie. Die beiden waren sich durchgehend egal und alles, was auch nur annähernd in die Richtung einer zukünftigen Liebesbeziehung deuten würde, waren die sexuellen Gedanken, die Damen sich gelegentlich zu Laurent macht.
Ich sage “annähernd”, weil er sich diese Gedanken im Grunde zu absolut jedem macht, den er trifft – genauso wie jeder andere Charakter in diesem Buch. Es ist wirklich kein Wunder, dass alle handelnden Personen in diesem Buch nur langweilig und anstrengend sind, wenn sich nie irgendjemand je mit etwas anderem beschäftigt, als mit wer mit wem Sex hat. Das war nicht nur unrealistisch sondern einfach nur noch anstrengend und nach der dritten Beschreibung der sexuellen Vorlieben irgendeines absolut unwichtigen Nebencharakters, der danach nie wieder erwähnt wurde, habe ich nur noch mit den Augen gerollt und die Stellen einfach überlesen.
Im Grunde ist “Der verschollene Prinz” wohl sowas wie ein Erotik-Buch, inklusive aller für Erotik-Bücher typischen Schwächen (die lächerliche Obsession mit dem Thema Sex, die kaum vorhandene Handlung außerhalb von sexuellen Dingen, die extrem blassen Charaktere und die ebenfalls kaum vorhandene Welt), nur eben ohne Erotik. Sie kommt sogar fast komplett ohne tatsächlichen Sex aus. Ich weiß wirklich nicht, in welches Genre ich das Buch einordnen soll, weil es einfach wirklich… um nichts geht.

“Der verschollene Prinz” ist mehr als nur vorhersehbar – alle Wendungen, die im Laufe der Geschichte eingetreten sind, hatte ich schon nach spätestens 30 Seiten vorhergesehen, und der Rest, den ich noch erwartet hatte, ist nicht passiert, einfach nur, weil in dem Buch eben absolut nichts passiert.
Noch dazu kommt, dass es wahnsinnig schlecht geschrieben ist. Vielleicht liegt das auch an der deutschen Übersetzung – mir wurde zumindest gesagt, dass das Buch auf englisch viel klingen soll – aber in jedem Fall hat “Der verschollene Prinz” schreibstilmäßig etwa das Niveau einer Geschichte, die eine 14-Jährige zusammengebastelt hat und stolz als ihr Erstlingswerk im Internet präsentiert. Ich musste öfters einen Satz mehrmals lesen, weil die Konstruktion einfach so seltsam war, dass ich keine Ahnung hatte, was die Autorin mir damit überhaupt sagen wollte – meistens kam ich zu dem Schluss, dass sie mir einfach nichts sagen wollte, und der Satz schlichtweg überflüssig war. Noch dazu kommt, dass dauernd irgendwelche unpassenden Wörter verwendet wurden – so wird man hier von Peitschen “zerquetscht”, Damen macht sich zwischendurch einmal Sorgen, er könnte, auffallen, falls es in der Stadt einen “Zapfenstreich” – was wohl eine allgemeine Ausgangssperre heißen soll, aber ehe klingt, als würde ein Dreijähriger ins Bett geschickt werden – geben sollte und einen Prinzen, der von seinen Untergebenen respektvoll und voller Stolz als “eiskalte Zicke” bezeichnet wird, kann ich einfach nicht ernst nehmen.

Ich weiß wirklich nicht, was ich zu “Der verschollene Prinz” noch sagen soll, außer dass es mir wirklich nicht gefallen hat. Die ersten 100 Seiten konnte ich höchstens in 10-Seiten-Schritten hinter mich bringen, weil ich das Buch so dämlich fand, dass ich es spätestens dann gegen die Wand werfen wollte. Dann folgten 150 Seiten, die zwar etwas erträglicher, dafür aber immer noch quälend langweilig und ereignislos waren, und am Schluss gab es noch 50 Seiten, die irgendwie okay waren – und die, wie gesagt, für den halben Stern, den ich hier zusätzlich noch vergebe, verantwortlich sind – weil endlich mal irgendetwas passiert ist, und die Charaktere fast – aber leider eben auch nur fast – sowas wie Persönlichkeit gezeigt haben, die sie vielleicht interessant gemacht hätte. Diese letzten 50 Seiten könnten einen vielleicht dazu verleiten, es mit Band 2 zu probieren, und zu hoffen, dass diese positive Entwicklung dort anhält – ich werde mal sehen, ob ich das dann wagen werde.
Alles in allem war dieses Buch für mich aber einfach ein monumentaler Fehlschlag – ich glaube, dermaßen daneben gelegen habe ich mit einem Buch, das mir von anderen Buchbloggern empfohlen wurde, noch nie. Schade.

Ich habes dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür an den Heyne-Verlag!

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