Rezension

Desperation

von Stephen King

Heyne Verlag, 668 Seiten

Preis: 10,99€

Inhalt

Das New Yorker Ehepaar Mary und Peter Jackson ist auf dem Highway 50 unterwegs, der verlassensten Fernstraße Amerikas, die durch eine trostlose und Wüstengegend führt. Eine Fahrt, die zu einem nicht enden wollenden Albtraum wird. Das Paar wird von einem mysteriösen Polizisten angehalten, der sie in das verlassene Bergarbeiterstädtchen Desperation verschleppt, wo bereits andere Personen festgehalten werden. Zwar gelingt es den Gefangenen, ihren psychopathischen Peiniger zu überlisten, aber nun beginnt das Horrorszenario erst richtig. Seltsame Dinge geschehen in Desperation, es wimmelt von Wölfen, Aasgeiern und Schlangen, die von einer unheimlichen Macht beseelt zu sein scheinen. Verzweiflung und Ratlosigkeit machen sich unter den Gefangenen breit, die sich von allen Seiten bedroht fühlen. Langsam erahnen sie die Ursache des Übels: Sie liegt in einer alten, einstmals verschütteten Mine, wo TAK haust, eine böse Wesenheit, die ihre Existenz aus der Lebensenergie von Menschen nährt…

Meine Meinung

„Desperation“ ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher von Stephen King, weshalb ich es im Laufe meines Stephen King Lesemonats unbedingt nochmal lesen wollte, wenn das zeitlich gehen würde. Nun, es ging! Ich habe es beim zweiten Mal lesen genauso geliebt wie beim ersten Mal, und obwohl ich es immer ein bisschen schwierig finde, eine Rezension zu einem Reread zu schreiben – man erlebt das Buch einfach ganz anders, als man es beim ersten Mal erlebt hat – will ich es trotzdem versuchen.

Ich liebe die Charaktere von „Desperation“. Es ist ein scheinbar zufällig zusammengewürfelter Haufen sehr, sehr unterschiedlicher Menschen – eine Familie, ein Ehepaar ein Ortsansässiger, zwei beruflich gemeinsam Reisende und eine Anhalterin werden in den kleinen Ort Desperation verschleppt, und vom streng gläubigen 11-Jährigen David über die priviligierte Mittelklassefrau Mary zum abgestürzten Autor und Ex-Junkie Johnny ist alles vertreten – aber jeder ist auf seine Art und Weise wichtig und liebenswert. „Desperation“ wird, meiner Meinung nach, vor allem durch die Eigensinnigkeit und die Einzigartigkeit der Charaktere vorangetrieben und bekommt auch dadurch erst seinen ganz eigenen, einzigartigen Charme. Es gibt dadurch natürlich sehr viel Charakter-Entwicklung, die mir ja immer besonders gut gefällt. Vor allem dadurch, wie normal alle Figuren sind, und wie zufällig sie in die Fänge des Bösen zu geraten scheinen, wird auch viel von dem Grusel erzeugt, weil man sich als Leser tatsächlich 1:1 in sie hineinversetzen kann. Es ist einem ständig bewusst, dass wirklich jeder – auch man selbst – an ihrer Stelle hätte landen können, und obwohl es sich natürlich „nur“ um ein Buch handelt ist das trotzdem irgendwie beängstigend.
Auch die böse Macht des Buches, „Tak“ finde ich sehr gut gelungen. „Tak“ hat es wirklich immer wieder geschafft, mir einen Schauer über den Rücken zu jagen und mich auch immer noch zu gruseln, wenn ich das Buch schon lange aus der Hand gelegt hatte. Es ist ein Monster, wie alle wirklich guten Monster von King sind – absolut nicht greifbar, fast komplett der Fantasie des Lesers überlassen und doch genug da, um zu handeln und Angst zu erzeugen.
Ich liebe die Dynamik der Geschichte, das beklemmende Gefühl, das sie mit sich bringt. Ich liebe es, wie packend das Buch ist – ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, „Desperation“ so schnell durchzulesen, wie ich es getan habe – das letzte Mal war ich wohl noch sehr viel jünger, damals habe ich wirklich einige Wochen an dem Buch gelesen – aber ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Und das, obwohl es ja – wie gesagt – ein Reread war und ich im Grunde immer bereits wusste, was passieren würde.

Auch sehr interessant an dem Buch ist sein Partner-Buch, „Regulator„. Beide Bücher sind am selben Tag erschienen, „Regulator“ unter Stephen Kings Pseudonym, Richard Bachman. Sie behandeln die gleiche monströse Macht, „Tak“, und nutzen größtenteils die gleichen Charaktere. Es ist allerdings keine Fortsetzung oder eine andere Verbindung der beiden Bücher im klassischen Sinne – das Setting, die Ausgangssituation und die gesamte Handlung beider Bücher sind komplett verschieden und hängen absolut nicht miteinander zusammen. Man könnte sagen, dass es sich bei beiden Büchern um eine Art alternative Realität des jeweils anderen Buches handelt, und es ist sehr interessant zu lesen, was King, vor allem im Bezug auf die Charaktere, jeweils genau so beibehalten und was er leicht verändert hat. Als ich die Bücher das letzte Mal gelesen habe habe ich das mit ein, zwei Jahren Pause dazwischen gemacht, weswegen mir viele der Querverweise und Ähnlichkeiten erst bei diesem Mal aufgefallen sind, was wirklich sehr spannend war. Ich habe noch nie zwei Romane gelesen, die auf diese Art und Weise miteinander verbunden waren, weswegen ich das nicht unerwähnt lassen wollte.

Kurz, ich kann Desperation wirklich nur empfehlen. Wie gesagt, es ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher von King, übetroffen vielleicht nur noch von „Es“, und gerade die Verbindung mit „Regulator“ ist sehr, sehr interessant zu lesen. Was man allerdings noch dazu sagen muss ist, dass in diesem Buch der Glaube beziehungsweise die Religion eine Große Rolle spielt. Ich persönlich finde ja, wenn man akzeptieren kann, dass es in einem Buch gruselige und bösartige Monster-Kräfte gibt sollte es auch für Atheisten nicht allzu schwer sein, die dem entgegengesetzten guten Kräfte zumindest innerhalb der Geschichte ebenfalls zu akzeptieren – wenn man allerdings nicht nur Atheist sondern tatsächlich absoluter Antitheist ist könnte einen das vielleicht stören. In jedem Fall sollte man, wenn einen Religion generell nicht so sehr begeistert, im Vorfeld bereits wissen, worauf man sich einlässt.

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