Rezension

Die 5. Welle

von Rick Yancey

Originaltitel: The 5th Wave

Goldmann Verlag, 478 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Die erste Welle brachte Dunkelheit. Die zweite Zerstörung. Die dritte ein tödliches Virus. nach der vierten Welle gibt es nur noch eine Regel fürs Überleben: Traue niemandem!
Das hat auch Cassie lernen müssen, denn seit der Ankunft der Anderen hat sie fast alles verloren: Ihre Freunde und ihre Familie sind tot, ihren kleinen Bruder haben sie mitgenommen. Das Wenige, was sie noch besitzt, passt in einen Rucksack. Und dann begegnet sie Evan Walker. Er rettet sie, nachdem sie auf der Flucht vor den Anderen angeschossen wurde. Eigentlich weiß sie, dass sie ihm nicht vertrauen sollte. Doch sie geht das Risiko ein und findet schon bald heraus, welche Grausamkeit die fünfte Welle für sie bereithält …

Meine Meinung

„Die 5. Welle“ ist ja eines dieser Bücher, die auf so ziemlich allen Social Media Plattformen einfach omnipräsent sind. Jeder scheint das Buch gelesen zu haben und jeder scheint es geliebt zu haben – auch auf meiner Wunschliste steht es schon eine ganze Weile, und als ich es vor ein paar Tagen beim Randomhouse-Bloggerportal gefunden habe habe ich es natürlich sofort als Rezensionsexemplar angefragt.

Ich bin mit der Erwartung an ein gutes Jugendbuch herangegangen, das mich aber wahrscheinlich nicht komplett von den Socken hauen würde, weil Jugendbücher diesen Effekt leider schon seit einer ganzen Weile immer seltener auf mich haben – kurz, ich hatte wirklich nicht erwartet, dass ich das Buch so gerne mögen würde, wie ich es getan habe.
Zum einen fand ich die Thematik der spannend. Ich liebe alles, was irgendwie postapokalyptisch ist und „Die 5. Welle“ befriedigt in dieser Hinsicht auf voller Linie – man findet alles, was man nach einer typischen Alien-Apokalypse erwarten kann, ohne dass das aber langweilig ist, denn Rick Yancey hat es durchaus geschafft, dem Ganzen seinen eigenen Touch zu geben. Die Handlung war auch wirklich spanennd, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und hatte es innerhalb von zwei Tagen durchgelesen – obwohl ich mich immer wieder selbst zu Lesepausen gezwungen habe, weil ich einfach nicht wollte, dass es so schnell schon vorbei ist. Klar, ein, zwei Dinge waren schon irgendwie vorhersehbar, aber es wurde mir trotzdem nie langweilig und ich habe immer mit Cassie mitgefiebert.
Besonders beeindruckt haben mich an diesem Buch aber die Charaktere  – ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mich vor allem in letzter Zeit schon über blasse, zu 100% austauschbare Young Adult Protagonist(inn)en geärgert habe, die außer „ängstlich“ und „nervig“ einfach nichts an Emotionen oder Persönlichkeit zu besitzen scheinen. Rick Yancey hat mir in dieser Hinsicht ein wenig den Glauben an das Jugendbuch an sich zurückgegeben – seine Charaktere sind alle wahnsinnig gut ausgearbeitet und lebensecht, sie bleiben sich selbst treu und es macht einfach Spaß, sie zu lesen. Natürlich haben auch sie Angst, aber sie verlieren deshalb nicht plötzlich ihre komplette Persönlichkeit – die Charaktere in „Die 5. Welle“ sind einfach nicht nur Mittel zum Zweck sondern vollständige, echte Menschen mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Eigenarten, was wahnsinnig schön ist. Unterstützt wird das ganze noch dadurch, dass der Autor wirklich jedem Charakter seine eigene Stimme und seine eigene Art zu erzählen verleiht, was ich bisher nur bei sehr wenigen Büchern so gut umgesetzt gesehen habe. Ich mochte vor allem Cassie wirklich gerne, die – wie gesagt – meine erste Young Adult Protagonistin seit langem ist, die wirklich Wiedererkennungswert hat.
Als wäre das alles noch nicht genug ist „Die 5. Welle“ auch noch wirklich gut geschrieben. Es ist eine wunderbare Mischung aus leichtem, lustigen, teilweise sehr sarkastischem Erzählen, Popkultur-Referenzen – die ich übrigens alle sehr gut und passend fand – und tiefgründigen Metaphern, die einem eine Gänsehaut bescheren, weil sie das Thema so genau auf den Punkt bringen. An dieser Stelle ist wohl auch ein Lob für den Übersetzer angebracht, denn auch auf deutsch liest das Buch sich absolut flüssig und jedes Element passt perfekt zum nächsten.

Kurz gesagt: Ich mochte „Die 5. Welle“ wirklich unheimlich, unheimlich gerne – viel mehr, als ich erwartet hätte. Es hat mich schon lange kein Buch mehr derart mitgerissen – und nicht nur das Setting und die Handlung sondern vor allem der Schreibstil und die Charaktere haben mich absolut überzeugt. Ich bin schon wahnsinnig gespannt auf den nächsten Band und hoffe, dass dieser jetzt nicht auf die 0815 dystopische Jugendbuch-Schiene abrutscht – vor allem hoffe ich, dass das Love Triangle, das sich am Ende des ersten Bandes angedeutet hat, nicht die komplette Handlung übernimmt – sondern genauso gut weitermacht.

Ich habe „Die 5. Welle“ als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür an das Random House Bloggerportal, bzw. den Goldmann-Verlag!

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