Rezension

Die Elfen

von Bernhard Hennen

Heyne Verlag, 910 Seiten

Preis: 15,00€

Inhalt

Verborgen vor den Augen der Menschen, geschützt durch magische Pforten, liegt das Reich der Elfen: Albenmark. Doch ihre Welt ist bedroht, denn ein gefährlicher Feind schickt sich an, das Volk der Elfen für immer zu vernichten. Die Elfenkönigin Emerelle schickt Farodin und Nuramon ― die kühnsten Krieger Albenmarks und Rivalen um die Gunst der Zauberin Noroelle ― aus, um Albenmark zu retten. Vor ihnen liegt eine gefährliche Reise durch verschiedene Zeiten und Welten, an deren Ende sich das Schicksal eines ganzen Volkes entscheiden wird.

Meine Meinung

Ich habe „Die Elfen“ vor fast zehn Jahren von meiner damaligen Klavierlehrerin geschenkt bekommen, die ersten 50 Seiten gelesen und es dann wieder weggelegt – vielleicht war mir das Buch doch einfach noch etwas zu „erwachsen“, und die Länge hat mich wahrscheinlich auch ein wenig abgeschreckt. Nachdem ich dann aber dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse Bernhard Hennen getroffen habe wollte ich es doch endlich noch einmal probieren – und es hat sich wirklich gelohnt!

Die fast 1000 Seiten des ersten Bandes dieser Reihe sind mir förmlich unter den Fingern weggeflogen. Ich hätte wirklich nicht erwartet, das Buch in nur einer Woche durchzulesen – vor allem nicht, weil ich nebenher auch noch andere Bücher gelesen habe. Aber ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen, der lockere Schreibstil und die spannende Geschichte, in der sich ein Abenteuer an das andere reiht, verführen einen wirklich dazu, die ganze Nacht durchzulesen.
Obwohl es gleich spannend anfängt habe ich ein bisschen gebraucht, bis ich wirklich vollends überzeugt von dem Buch war, denn „Die Elfen“ besticht erst einmal nicht durch wahnsinnig originelle, vorher noch nie dagewesene Fantasy-Elemente oder durch einen einzigartig verschlungenen, poetischen Schreibstil, es lebt vor allem von seinen Charakteren.
Es ist interessant, wie unterschiedlich und dennoch liebenswert die drei Protagonisten dieses Buches sind. Ich mochte Nuramon und Farodin unheimlich gerne, und habe mit der Zeit sogar Mandred, den grobschlächtigen Barbarenkönig, wirklich liebgewonnen. Jeder von ihnen hat sich im Laufe des Buches auf seine Weise weiterentwickelt und es war wirklich schön, das mitzuverfolgen.
Normalerweise hasse ich Liebesdreiecke ja abgrundtief, aber hier hat es mich überhaupt nicht gestört – vielleicht, weil man die Geschichte hier aus der Sicht der „Rivalen“ erlebt und gar nicht anders kann, als beide für ihre Art schätzen zu lernen, vielleicht auch, weil diese Romanze zwar immer im Hintergrund steht, in der tatsächlichen aktiven Handlung des Buches aber kaum eine Rolle spielt. Hier stehen die Abenteuer der Helden eindeutig im Vordergrund.
Die starke Bindung, die man beim Lesen zu den Protagonisten dieses Buches aufbaut, wird übrigens wohl dadurch noch verstärkt, dass sie tatsächlich die einzige Konstante des Buches sind. Weder Ort noch Zeit sind in „Die Elfen“ sonderlich beständig, was das Ganze beinahe wie einen antiken Heldenmythos anmuten lässt. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte und in einer Weise, die ich sonst bei noch keinem Buch erlebt habe, werden die Charaktere in ihrer Welt zu mystifizierten Helden, schon lange bevor man es fertig gelesen hat. Dieser Prozess der Legendenbildung um die Figuren war glaube ich das, was mir beim Lesen am besten gefallen hat, weil es wirklich faszinierend und sehr, sehr einzigartig ist.
„Die Elfen“ hat mir also wirklich, wirklich Spaß gemacht, und eigentlich habe ich nur einen einzigen Kritikpunkt – ich hätte mir schlichtweg mehr handelnde weibliche Charaktere gewünscht. Zwar gibt es in dem Buch einige Frauen, die wichtig für die Geschichte sind, aber sie alle bleiben immer irgendwie im Hintergrund – sei es Noroelle, zu der Farodin und Nuramon so verzweifelt zurückkehren wollen, die insgesamt aber nur auf vielleicht 50 Seiten des Buches tatsächlich vorkommt, Emerelle, die Elfenkönigin, die alles irgendwie aus dem Hintergrund steuert, dort aber eben die meiste Zeit auch bleibt, oder Yulivee und Obilee, die beide heldenhafte Taten vollbringen, welche aber auch nur ab und an in einem Nebensatz erwähnt und sonst nicht weiter beleuchtet werden.
Natürlich liegt das vor allem daran, dass Farodin, Nuramon und Mandred tatsächlich sowas wie der Anker der Geschichte sind und wie erwähnt auch die einzige wirkliche Konstante, aber trotzdem fand ich das sehr schade. Ich hoffe, dass das sich das in den Folgebänden vielleicht noch etwas anders entwickelt!

Um es kurz zu machen: Ich bin wirklich froh, „Die Elfen“ nach so vielen Jahren endlich gelesen zu haben, denn ich hatte wirklich das Gefühl, da einen (gar nicht so) kleinen Schatz entdeckt zu haben. Ich habe mir die restlichen Bände der Reihe schon in der Bücherei bestellt bevor ich mit dem ersten überhaupt fertig war und kann es gar nicht erwarten, noch tiefer in diese magische Welt einzutauchen. Eigentlich ist die Handlung in diesem ersten Band ja schon ziemlich abgeschlossen, deswegen bin ich umso gespannter, was in den folgenden Büchern noch so geschieht.
Ich kann Fantasy-Fans dieses Buch also wirklich nur empfehlen – lasst es bitte nicht genauso lange in euren Regalen verstauben, wie ich. Es lohnt sich!

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