Rezension

Die Farbe Lila

von Alice Walker

Originaltitel: The Color Purple

Club Bertelsmann Verlag, 268 Seiten

Preis: 7,95€

Inhalt

„Lieber Gott, ich bin vierzehn Jahre alt. Ich bin immer brav gewesen. Vielleicht kannst Du mir ein Zeichen geben, dass ich weiß, was mit mir passiert.“

„Die Farbe Lila“, das ist Celies Geschichte. Die Geschichte einer jungen Schwarzen, die von ihrem Vater jahrelang vergewaltigt und zu einer Ehe mit einem Man gezwungen wurde, den sie nicht liebt – aufgeschrieben in ihren verzweifelten Briefen an Gott.
„Die Farbe Lila“ hat Millionen Menschen zu Tränen gerührt, denn es erzählt, wie Celie es schafft, zu sich selbst zu finden, Stärke zu entwickeln und ihren eigenen Weg in ein neues Leben zu gehen.

Meine Meinung

Ich habe vor Jahren, mit vielleicht 10 oder 11 einmal den Film zu „Die Farbe Lila“ gesehen, und konnte mich eigentlich nur noch an weniges erinnern, als ich das Buch diesen Monat zusammen mit dem Zwitscherbooks-Buchclub auf Twitter begonnen habe. Ich bin wirklich froh, die Geschichte von Celie, jetzt wo ich älter und reifer bin und sie auch wirklich verstehe, noch einmal neu entdeckt zu haben, denn „Die Farbe Lila“ ist ein fantastisches Buch.

Ganz zu Beginn habe ich etwas gebraucht, um wirklich in das Buch reinzukommen, was vor allem daran liegt, dass der Slang, in dem es im Original geschrieben wurde, auf deutsch einfach nicht so gut funktioniert. Gerade in meiner doch nicht ganz neuen Übersetzung klangen Celies Briefe deshalb oft sehr holprig und befremdlich und ich war oft ein wenig irritiert von dem Geschriebenen. Das hat sich aber schnell gelegt und als ich mich erst einmal an den Stil gewöhnt habe konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen.
Das Buch lebt von wahnsinnig vielen starken, vor allem weiblichen Charakteren – wenn man mich fragen würde, wen ich am liebsten mochte, könnte ich es gar nicht sagen. Auch die Geschichte selbst ist aber natürlich absolut fantastisch. Eindrucksvoll und geschickt malt Alice Walker ein Bild der Gesellschaft der damaligen Zeit, in all ihrer Grausamkeit, aus der Sicht einer schwarzen, lesbischen Frau – und Celie hat es bei Gott nicht leicht in ihrem Leben. Es ist fantastisch, sie dabei zu begleiten, wie sie in diesem Buch – das beinahe ihr ganzes Leben umfasst – stärker und selbstbewusster wird und immer mehr das Glück einfordert, das ihr ihr Leben lang verwehrt wurde.
Durch und durch kraftvoll und aufrüttelnd ruft das Buch immer wieder zum Widerstand gegen die – damals wie heute – vorherrschenden Missstände auf. Schonungslos, ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen, oder zu versuchen, sich bei den weißen Lesern einzuschmeicheln, wird hier immer wieder mit dem Finger direkt auf die Wahrheit gezeigt.
Es ist ein Buch, das sich laut gegen Ungerechtigkeit und tief verwurzelten Hass wehrt, das zum Kampf ausruft – sowohl im großen, gesellschaftlichen und politischen Sinne, als auch im ganz privaten.

„Die Farbe Lila“ ist ein Buch, das so viel größer und weiter zu sein scheint, als die knapp 300 Seiten, die es umfasst, weil es nicht nur stark sondern auch wahnsinnig intensiv und vielschichtig ist. Ich bin unheimlich dankbar dafür, dass ich es lesen durfte. Ich weiß nicht, ob ich dem Buch mit meiner Rezension gerecht geworden bin, oder ob es überhaupt irgendwie möglich ist, einem so tiefgehenden Roman in ein paar Zeilen gerecht zu werden, aber von mir gibt es eine ganz eindeutige Leseempfehlung für dieses starke, unheimlich wichtige Meisterwerk.

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