Rezension

Die Wahrheit meines Vaters

von Jodi Picoult

Originaltitel: Vanishing Acts

Piper Verlag, 535 Seiten

Preis: 10,99€

Inhalt

Delia Hopkins verbrachte trotz des frühen Todes ihrer Mutter eine glückliche Kindheit, daran bestand bisher nie ein Zweifel. Doch plötzlich tauchen in ihrem Gedächtnis Erinnerungen auf, die nicht zu ihrem Leben passen und die ihr einfach keine Ruhe lassen. Als eines Tages die Polizei vor ihrer Tür steht und ihr ein schreckliches Geheimnis über ihre Familie offenbart, holt eine Vergangenheit Delia ein, von der sie nicht einmal wusste, dass es sie gab…

Meine Meinung

„Die Wahrheit meines Vaters“ ist das zweite Buch, das ich bisher von Jodi Picoult gelesen habe. Nachdem mir „Beim Leben meiner Schwester“ vor ein paar Jahren sehr viel Spaß gemacht hat, bis das Ende – welches für mich einfach nur übertrieben dramatisch und irgendwie lächerlich war – das ganze Buch für mich ruiniert hat, wollte ich Jodi Picoult noch eine Chance geben und habe es mit diesem Roman versucht.

Die Grundidee ist – wie wohl für Jodi Picoult üblich – wirklich sehr interessant und bietet wahnsinnig viel Potenzial für ein wirklich gutes Buch. Vor allem zu Beginn habe ich aber einfach absolut keinen Bezug dazu gefunden – Jodi Picoult versucht hier, einen Einblick in Delias mehr oder weniger geordnetes, normales Leben zu geben und gleichzeitig bereits das weitere Geschehen anzudeuten und damit Spannung aufzubauen. Leider trifft sie da aber nicht ganz die richtige Mischung und so erreicht sie keines von beidem so wirklich, es wirkt einfach nur konfus und distanziert und dadurch wird es dann auch beinahe schon uninteressant. Auch zu den Charakteren habe ich zu Beginn keinen richtigen Zugang gefunden, was es mir wirklich schwer gemacht, mich überhaupt großartig für ihr Schicksal zu interessieren.
Trotzdem hat sich das Buch sehr gut lesen lassen – Jodi Picoult hat einfach eine lockere, angenehme Art zu erzählen, die einem das Weiterlesen nie schwer macht – weswegen ich „Die Wahrheit meines Vaters“ nicht einfach sofort wieder weglegen konnte oder wollte.
Das Dranbleiben hat sich dann auch wirklich gelohnt, denn wenn die Handlung endlich richtig in Fahrt kommt wird es wirklich, wirklich spannend und auch die Charaktere tauen immer mehr auf. Besonders gut dabei fand ich, dass keiner von ihnen in irgendeiner Form perfekt ist – im Grunde haben sie alle mehr Fehler als sonst irgendwas, jedoch ohne dabei übertrieben dramatisch dargestellt zu wirken. Das hat sie – zumindest für mich – sehr realistisch und gut zugänglich gemacht.
Zwar gab es immer noch einige Dinge, die für mich nicht ganz reingepasst haben – dieses absolut unnötige Liebesdreieck zum Beispiel, oder die mehr als nur ungesunde Beziehung von Eric und Delia, die irgendwie nie als solche thematisiert wird – aber alles in Allem war ich wirklich gefesselt von der Geschichte und konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. So schnell habe ich schon lange kein Buch mit über 500 Seiten mehr durchgelesen.
Das Ende war dann für mich leider – wie auch schon bei „Beim Leben meiner Schwester“, wenn auch glücklicherweise nicht ganz so stark – enfach wieder viel zu viel. Jodi Picoult hat im ganzen Buch schon wahnsinnig viele verschiedene Themen behandelt – von denen ich jetzt nicht zu viel verraten möchte, die sie meiner Meinung nach aber alle ganz gut untergebracht hat, ohne das es überladen wirkte – und am Ende will sie dem dann wohl nochmal die Krone aufsetzen, indem sie auf den letzten 30 Seiten nochmal ein paar große, dramatische und aufgrund ihrer Menge einfach unrealistische Wendungen bringt. Das ist total schade, weil das Buch dadurch einfach gekünstelt wirkt und irgendwie ein wenig in die Seifenopern-Sparte abrutscht.

Insgesamt war „Die Wahrheit meines Vaters“ also ein eigentlich starkes Buch mit anfänglichen Schwächen und einem etwas zu dramatischen Ende, was mir leider ein wenig von dem Lesespaß, den ich daran hatte, genommen hat. Trotzdem habe ich das Buch recht schnell gelesen und hatte auch wirklich Spaß dabei.
Jodi Picoult wird – soweit ich das nach zwei Büchern beurteilen kann – wohl nie meine Lieblingsautorin werden, aber schlecht finde ich ihre Bücher trotzdem nicht. Ich mag es, dass sie sich so schnell und angenehm, ohne viel Anstrengung lesen lassen, dabei aber aufgrund ihrer ernsten Themen nie zu trivial oder langweilig werden. Mein letztes Buch von Jodie Picoult war „Die Wahrheit meines Vaters“, obwohl es einige Schwächen hatte, also sicherlich nicht!

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