Rezension

Dolores

von Stephen King

Originaltitel: Dolores Claiborne

Heyne Verlag, 352 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Little Talk, eine kleine Insel vor der Küste Maines. Dreißig Jahre lang war Dolores Haushälterin bei der reichen, rücksichtslosen Vera Donovan. Sie hat ihre Grausamkeiten ertragen, ihren Wahnsinn, ihren körperlichen Verfall. Eine Frau mit einem düsteren Geheimnis – und plötzlich ist Vera tot und Dolores steht unter Mordverdacht.
Erst als sie auf dem Polizeirevier von Little Talk ihr ganzes Leben erzählt, schlägt für sie die Stunde der Wahrheit – denn auch Dolores Claiborne trägt ein düsteres Geheimnis in sich.

Meine Meinung

„Dolores“ ist das letzte Buch, welches ich für den diesjährigen Stephen King Lesemonat gelesen habe.Wie viele anderen King-Büchern auch ist es eines dieser Bücher, die ich schon ewig einmal lesen wollte, und ich bin wirklich froh, endlich die Zeit dafür gefunden zu haben.

Zuerst habe ich mir noch Sorgen gemacht, ob ich die 350 Seiten wirklich noch diesen Monat unterkriege, aber als ich einmal angefangen hatte, war das gar kein Problem mehr – „Dolores“ liest sich wirklich beinahe von selbst und hätte ich nicht zwischendurch Pause machen müssen, weil mir die Augen vom Lesen inzwischen so gebrannt haben, dann hätte ich es sicher in einem Rutsch durchgelesen.
Zum einen liegt das bestimmt an der Art, wie das Buch geschrieben ist – ohne Kapitel oder sonstige Unterteilungen, sondern einfach in einem Schwall, genau wie Dolores es eben erzählt. Es gibt nicht einmal Unterbrechungen von anderen Charakteren – das hat es für mich als notorische „bis ans Ende des Kapitels“-Leserin wirklich schwer gemacht, überhaupt einmal eine Pause einzulegen.
Das macht auch die ohnehin schon spannende Geschichte noch intensiver, welcher der zweite Grund ist, warum man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann – man muss einfach wissen, wie es mit Dolores weitergeht. Sie gönnt einem in ihrer Erzählung auch einfach keine Atempause – die Geschichte erreicht eigentlich nie einen wirklich ruhigen Punkt, was sie unheimlich mitreißend macht.
Das, was dieses Buch allerdings wirklich großartig macht, ist Dolores Claiborne selbst. Man kann gar nicht anders, als sie zu lieben – mit ihrer starken, kämpferischen Art, ihrem fast schon pflichtbewussten Selbstbewusstsein, ihrer schonungslosen Ehrlichkeit und ihrer bedingungslosen Bereitschaft, alles auf eine Karte zu setzen, wenn es denn sein muss.
Dolores, die sich kaputt arbeitet, um ihre Kinder aufs College schicken zu können, obwohl ihr nutzloser Ehemann sein komplettes Einkommen versäuft, und die kein Problem damit hat, wenn er im ganzen Dorf rumerzählt, er würde sie zuhause verprügeln – nur tatsächlich versuchen sollte er das besser nicht. Dolores, die ihrer übellaunigen Chefin ins Gesicht sagt, was sie von ihr hält, wenn diese sich wieder eine Gemeinheit leistet, Dolores, die den Männern um sich herum klar sagt, wohin sie sich die Art, mit der sie mit ihr als Frau umgehen stecken können, Dolores, die sich in einer Welt behauptet, in der sie nicht gewollt ist.
Wie gesagt – man kann wirklich nicht anders, als sie zu lieben – und deshalb kann man auch nicht aufhören, ihre Geschichte zu lesen. Man fiebert Seite um Seite mit ihr mit und hofft einfach nur, dass am Ende doch noch irgendwie alles gut ausgeht. Weil sie es verdient hat. Weil Dolores hart wie Stahl ist, aber darüber nie aus den Augen verliert, was wirklich wichtig ist – und weil sie in ihrem Leben schon so einige schlimme Dinge erlebt hat, aber trotzdem nicht müde wird, immer wieder aufzustehen und weiterzukämpfen.

„Dolores“ ist schlicht und ergreifend ein wirklich gutes Buch. Nicht so laut wie andere Bücher von Stephen King, aber dafür auf eine Art und Weise einfühlsam, wie man es nur in seinen besten Büchern erlebt. Ganz ohne Horror und Grusel – außer dem davor, wie böse und niederträchtig Menschen sein können, wenn man sie lässt – webt er aus Dolores Claibornes Lebensgeschichte eine spannendes, faszinierende, hoch psychologische Geschichte, die einen einfach nicht mehr loslässt.
Ich bin froh, den Stephen King Lesemonat mit diesem kleinen Juwel beendet zu haben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.