Rezension

Dragonfly in Amber

von Diana Gabaldon

Deutscher Titel: Die geliehene Zeit

Dell Verlag, 947 Seiten

Preis: 7,60€

Inhalt

Zwanzig Jahre lang hat Claire ihr Geheimnis bewahrt. Doch nun kehrt sie mit ihrer Tochter Brianna nach Schottland zurück. Hier will sie ihr die Wahrheit über ihre Herkunft enthüllen, über das Geheimnis eines magischen Steinkreises, eine Liebe, die die Grenzen der Zeit überwindet und über James Fraser, den schottischen Krieger dessen Tapferkeit sie eins von der Sicherheit ihres Jahrhunderts in die Gefahr des seinen zog…

Meine Meinung

Nachdem ich „Outlander“ fertig gelesen hatte, konnte ich es gar nicht erwarten, mit Band zwei der Reihe, „Dragonfly in Amber“ anzufangen. Obwohl es im ersten Band ein paar Dinge gab, die ich ziemlich problematisch fand, hat es mir Alles in Allem doch einfach nur richtig Spaß gemacht – es war spannend und unterhaltsam und genau das habe ich natürlich von der Fortsetzung auch erwartet. Leider wurden meine Hoffnungen in dieser Hinsicht aber nicht wirklich erfüllt.

Kommen wir erst einmal zum Positiven: Genau wie ich gehofft, aber um ehrlich zu sein nicht wirklich erwartet habe, ist die Beziehung von Jamie und Claire in „Dragonfly in Amber“ deutlich weniger problematisch als sie es noch in „Outlander“. Es gibt weder Misshandlungen noch irgendwas, was einen im Bezug auf das Sexleben der Beiden auch nur im Entferntesten an eine Vergewaltigung oder mangelnden Konsens denken lassen würde. Ich war richtig glücklich, dass Jamie sich die Dinge, die Claire ihm im ersten Band gesagt hat, wohl doch zu Herzen genommen hat, und ihre Grenzen nun respektiert. Vielleicht lag es auch an dem, was ihm selbst am Ende von „Outlander“ geschehen ist – wie auch immer, jedenfalls war ich wirklich froh, die Beziehung der Beiden in diesem Buch guten Gewissens genießen zu können.
Außerdem hat es mir ganz gut gefallen, dass Claires Schwangerschaft nicht – wie ich am Ende des ersten Bandes befürchtet hatte – friedlich und kitschig, so wie aus dem Bilderbuch abgelaufen ist sondern durchaus sehr holprig war, und dass Diana Gabaldon dies auch sehr direkt und schonungslos thematisiert hat.
Leider gab es aber eben auch viele Dinge, die mir an „Dragonfly in Amber“ gar nicht gefallen haben. Zum Einen finde ich den krassen Schnitt zwischen dem ersten und dem zweiten Band einfach nur dämlich und unnötig, wäre das nicht gewesen hätte mir das Buch bestimmt deutlich mehr Spaß gemacht. So musste ich mich aber erst einmal durch etwa hundert Seiten der 1968-Handlung quälen, in denen ich mir sicher zwanzig Mal ernsthaft überlegt habe, das Buch einfach abzubrechen, weil mir alles so unheimlich auf die Nerven ging.
Nicht nur, dass erst einmal absolut keine, später dann irgendeine fadenscheinige Erklärung gab, warum Claire nach Ende des ersten Bandes plötzlich doch wieder in ihre Zeit zurückgekehrt ist, der ganze Handlungsstrang hat mir auch an sich einfach nicht gefallen. Brianna und Roger sind ohne Zweifel zwei der unsympathischsten und anstrengendsten Figuren, die mir seit langem in einem Buch begegnet sind, und nicht einmal meine heißgeliebte Claire konnte ich noch leiden, denn sie hat wohl aus irgendeinem Grund ihre komplette Persönlichkeit im 18. Jahrhundert zurückgelassen und ist jetzt nur noch anstrengend und langweilig.
Auch die Handlung dieses Teils des Buches war einfach nur langweilig, nichtssagend und überflüssig. Ich kann wirklich nicht verstehen, was das Ganze sollte. Mit so einer Art von Bruch kann man sicher einiges an Spannung erzeugen, wenn man es richtig macht, aber meiner Meinung nach ist das hier absolut nicht gelungen – ich musste beim Lesen ständig mit den Augen rollen und mich teilweise wirklich zwingen, überhaupt mehr als zehn Seiten am Stück zu lesen, weil es mich einfach so genervt hat.
Hätte Diana Gabaldon einfach sofort wieder in der 1744-Handlung eingesetzt und ihren Lesern diesen Quatsch erspart wäre das ganze Buch einfach um Klassen besser gewesen, zumal der Rahmen, den die 1968-Handlung bilden soll, wirklich nicht nötig ist. Sobald wir wieder im 18. Jahrhundert waren hat „Dragonfly in Amber“ mir auch mit einem Schlag viel, viel besser gefallen – Claire ist wieder die wunderbare Claire, die wir kennen, und Diana Gabaldon hat plötzlich auch ihre Fähigkeit, gute und überzeugende Charaktere zu schreiben, wieder entdeckt. Zwar mochte ich auch hier natürlich nicht Jeden, aber im Gegensatz zu Roger und Brianna waren die Nebencharaktere hier zumindest wieder komplette, dreidimensionale, lebensechte Figuren, deren Verhaltensweisen – ob man sie nun gut heißt oder nicht – man auf jeden Fall nachvollziehen kann.
Die Handlung war allerdings auch hier deutlich weniger spannend als noch in „Outlander“. Wo der erste Band mit schnell aufeinander folgenden Ereignissen und zahlreichen plötzlichen Wendungen aufwartet, da hat „Dragonfly in Amber“ nur noch langatmige Intrigen, Diskussionen und vor allem massenhaft Klatsch und Tratsch über irgendwelche uninteressanten Nebencharaktere.
Zudem gibt es wahnsinnig viel anstrengendes Liebes-Gedöns zwischen Claire und Jamie. Dass es in einem Liebesroman auch mal kitschig oder melodramatisch zugehen kann ist ja ganz klar, aber hier stolpern die Beiden gefühlt im Minutentakt von lauten, leidenschaftlichen Streits – für gewöhnlich übrigens über Nichts, was das Ganze nicht weniger anstrengend macht – die Jamie gerne mit Aussagen wie „Töte mich doch einfach!“ beendet, zu wahnsinnig wortreichen, sich manchmal etwas wiederholenden Liebeserklärungen, zurück zu furchtbaren Streits über Nichts, und dann zu erneuten Bekundungen, dass man wirklich und ohne Zweifel füreinander geschaffen ist, sich immer lieben wird, und so weiter und so fort. Ich schätze, wer neben „Outlander“ auch gerne schmalzige Liebesromane liest, der kommt hier voll auf seine Kosten, wer die Bücher aber eher aufgrund ihrer Spannung und der Abenteuer in den schottischen Highlands schätzt, für den dürfte das Ganze etwas anstrengend werden.
In der zweiten Hälfte des Buches wurde es wieder besser und dort habe ich das Buch dann stellenweise richtig gern gelesen, aber insgesamt konnte mich die Handlung des zweiten Bandes der „Outlander“-Reihe wirklich nicht vom Hocker reißen. Die meisten der wenigen Wendungen waren mir einfach zu vorhersehbar und die, die es nicht waren, waren dafür meistens wahnsinnig weit hergeholt.

Alles in Allem war „Dragonfly in Amber“ also leider eher enttäuschend, vor allem wenn man bedenkt, wie unheimlich gerne ich „Outlander“ gelesen habe. Trotzdem bin ich ganz froh, das Buch nicht schon auf den ersten hundert Seiten abgebrochen zu haben, denn es wurde in der 1744-Handlung wirklich wieder deutlich besser und ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Diana Gabaldon im nächsten Band, „Voyager“ doch nochmal richtig die Kurve kriegt. Ich will die Reihe deshalb auf jeden Fall noch weiterlesen, auch wenn „Dragonfly in Amber“ stellenweise mehr Qual als Spaß für mich war.

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