Rezension

Effi Briest

von Theodor Fontane

Eduard Kaiser Verlag, 304 Seiten

Preis: 3,95€

Inhalt

Die siebzehnjährige Effi Briest heiratet den über zwanzig Jahre älteren Baron von Innstetten und folgt ihm in die Provinz – doch statt ins Glück führt Effis Ehe in eine Katastrophe für alle Beteiligten. In der Vereinsamung auf dem Lande kommt es zu einer kurzen, wenig leidenschaftlichen Affäre zwischen Effi und dem Major von Crampas. Viele Jahre später entdeckt Innstetten, inzwischen befördert und nach Berlin versetzt, die alten Liebesbriefe von Crampas – und fordert diesen zum Duell.

Meine Meinung

Ich bin gefühlt der einzige Mensch in ganz Deutschland, der „Effi Briest“ nicht in der Schule gelesen hat und wollte diese Bildungslücke eigentlich schon lange einmal schließen. Abgeschreckt haben mich dabei aber lange die vielen Stimmen, die behauptet haben, es wäre einfach nur langweilig und anstrengend, kurz das schlimmste Buch ihrer gesamten Schulzeit. Vielleicht ist „Effi Briest“ schlichtweg kein Roman, den man in der Schule lesen und kaputt interpretieren sollte – mir jedenfalls hat er wirklich viel Spaß gemacht und ich bin froh, das Buch endlich gelesen zu haben!

Ich habe „Effi Briest“ zu keiner Stelle des Buches in irgendeiner Form als langweilig empfunden, ganz im Gegenteil, ich war von der ersten Seite an total im Geschehen drin und konnte gar nicht mehr aufhören, zu lesen. Klar, wahnsinnig viel Action kann man bei diesem Buch nicht erwarten, aber trotzdem fand ich es wahnsinnig spannend, den Geschehnissen rund um Effi zu folgen. Ich mochte die oftmals sehr ausschweifende, dann aber auch wieder sehr knappe Art, in der das Buch geschrieben war, total und habe mich dem Lesefluss wirklich gerne hingegeben.
Auch die Protagonistin des Romans, Effi, ist mir im Laufe des Buches – obwohl ich sie am Anfang fast anstrengend kindlich fand – immer mehr ans Herz gewachsen. Ähnlich ging es mir auch mit anderen Charakteren, wie dem Baron von Instetten, der mir zu Beginn absolut zuwider war, später allerdings – als er mir wohl eigentlich hätte zuwider sein sollen – einfach nur noch Leid getan hat.
Sehr gut gefallen hat mir außerdem, dass in diesem Buch ein – wahrscheinlich zu dieser Zeit sehr oft eintretendes, aber selten behandeltes – Problem besprochen wurde, nämlich das der unglücklichen Ehefrauen nach einer standesgemäßen, mehr oder weniger arrangierten Ehe, bei der sich die Ehepartner eigentlich nicht wirklich kennen und lieben schon gar nicht. Besonders getroffen hat mich dabei, wie normal das alles für Effi ist – sie bereut es kein einziges Mal, Instetten geheiratet zu haben, obwohl sie zu keinem Moment des Buches wirklich glücklich mit ihm ist, sondern findet sich einfach mir ihrem Schicksal ab, so wie das eben damals üblich war. Man mag das als besondere Stärke oder Schwäche Effis interpretieren, ich habe es einfach als ein sehr realistisches Abbild des Schicksals vieler Frauen dieser und noch früherer Zeit gelesen, was das Buch für mich noch intensiver und authentischer gemacht hat.
Das Ende hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Das ganze Buch über hatte ich Angst, dass Fontane es mir einem furchtbaren Ende ruinieren würde, aber das hat er glücklicherweise nicht getan. Dass es mit dem Unvermeidlichen enden muss war mir zwar schon vor dem Lesen, allein aufgrund der Thematik klar – das „Was“ ist also nicht wirklich außergewöhnlich, aber das „Wie“ hat mir bei der ganzen Sache wirklich gefallen.

Kurzum: Ich habe diesen Klassiker wirklich gerne gelesen und ermutige jeden, für den er – wie das wohl für Viele leider der Fall ist – durch die Schule nicht bereits ruiniert wurde, ihm auch einmal eine Chance zu geben. Die Seiten sind mir wirklich nur so unter den Fingern dahingeflogen, und als ich fertig war konnte ich gar nicht wirklich glauben, dass die Geschichte um Effi bereits vorbei sein soll. Ich hätte den Roman mit Freuden auch noch gelesen, wenn er doppelt so lang gewesen wäre. „Effi Briest“ ist einfach ein wirklich, wirklich gutes Buch!

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