Rezension

Eleanor & Park

von Rainbow Rowell

St. Martin's Griffin Verlag Verlag, 328 Seiten

Preis: Gebunden: ab 16,90€, TB: ab 7,99€, eBook: ab 4,99€,

Inhalt

Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die dicke Eleanor und der zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Langsam verlieben sie sich ineinander, so wie es nur zwei Menschen tun können, die nichts und gleichzeitig alles zu verlieren haben.

Meine Meinung

Ich habe „Eleanor & Park“ vor vielen Jahren einmal als Teenager geschenkt bekommen, kurz nachdem ich Rainbow Rowells „Fangirl“ gelesen und geliebt hatte. Irgendwie habe ich aber nie den richtigen Moment dafür gefunden und über die Jahre bin ich immer mehr von Young Adult Literatur abgekommen, sodass ich mittlerweile das Interesse an diesem Roman im Grunde schon komplett verloren hatte. Ich hatte einfach nicht das Gefühl, dass mir eine (vermeintlich sehr fluffige und seichte, vermeintlich weiße) hetero High School Romanze noch irgendetwas geben könnte.
Vor ein paar Tagen stand ich dann vor meinem Regal und wusste absolut nicht, was ich lesen soll, denn ich hatte Angst, das falsche Buch könnte mich zurück in die furchtbare Leseflaute schicken, die ich gerade erst überwunden hatte – da habe ich mich relativ spontan entschlossen, „Eleanor & Park“ doch einfach mal anzulesen.

Tatsächlich war ich von den ersten Seiten schon dermaßen begeistert, dass ich nicht glauben konnte, dass dieses wundervolle Buch so viele Jahre lang einfach nur in meinem Regal stand und Staub angesetzt hat.
„Eleanor & Park“ war absolut nicht das, was ich erwartet hatte. Außenseiter, die sich verlieben – ja. Dass Musik dabei irgendwie eine Rolle spielt – auch das hat sich bewahrheitet. Ich wusste bereits, dass Eleanor dick ist, und fand das beim Lesen auch ganz besonders toll, denn tatsächlich habe ich glaube ich in meinem ganzen Leben noch kein Buch gelesen, in dem die Protagonistin keine Modelmaße hatte. Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte war, wie hart und düster das Buch beinahe durchgehend ist, wie viele wirklich ernste Themen es behandelt und wie wenig das mit fluffiger erster Liebe „ausbalanciert“ wird. Ich war einfach nicht auf einen Liebesroman vorbereitet, in dem die beschriebene Romanze zwar derart nachfühlbar und echt ist, trotzdem aber gar nicht unbedingt der Hauptfokus der Geschichte ist.
Ich war begeistert davon, wie plastisch Rainbow Rowell ihre Figuren gestaltet hat. Immer wieder habe ich auf irgendeine klischeehafte YA-Handlung oder einen Charkterzug gewartet, der mich mit den Augen rollen lassen würde, doch beides ist nicht passiert – sowohl Eleanor als auch Park vermeiden Stereotypen und bleiben sich selbst den ganzen Roman über treu. Beide bieten somit auch viel Identifikationspotenzial, vor allem Eleanor hat stellenweise Dinge ausgesprochen, die so direkt aus meinem Kopf zu kommen schienen, dass es fast wehtat.
Überhaupt hat es mir wirklich gut gefallen, wie wenig klischeehaft „Eleanor & Park“ ist. Ich dachte ständig, die nächste Wendung problemlos voraussehen zu können – schließlich hatte sie ich schon hunderte Male in ähnlichen Situationen in ähnlichen Büchern gelesen – und lag dann doch jedes Mal daneben. So blieb es nicht nur die ganze Zeit über spannend, sondern auch realistisch, weil es einfach keine überzogene Dramatik gab – das wäre auch vollkommen fehl am Platz gewesen, denn allein Eleanors Lebensumstände machen das Buch eigentlich schon dramatisch genug.

„Eleanor & Park“ hat mich wirklich mehr als überrascht – tatsächlich ist dieses 300 Seiten lange Buch, das ich im Grunde schon komplett abgeschrieben hatte und eigentlich nur behalten habe, weil es so gut in mein Regal gepasst hat, eines der besten Bücher, die ich bis jetzt in diesem Jahr gelesen habe, und vielleicht sogar das, das mich bisher am meisten mitgerissen hat. Ich weiß nicht, wann mich ein Contemporary YA Roman das letzte Mal derart begeistert hat – ich bin wirklich unendlich froh, diesem fantastischen Buch endlich eine Chance gegeben zu haben!

  • Triggerwarnings
    Häusliche Gewalt
    (Emotionaler) Missbrauch von Kindern
    (angedeutet) Sexueller Missbrauch
    Mobbing
    Fatshaming
    Rassismus
    Gewalt
    Alkohol- und Drogenmissbrauch

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