Rezension

ES

von Stephen King

Originaltitel: IT

Bertelsmann Verlag, 861 Seiten

Preis: 14,99€

Inhalt

Das Böse in Gestalt eines namenlosen Grauens

1957 hatte alles begonnen. Der kleine Georgie war das erste Opfer. Und dann brach „ES“ über die Stadt Derry herein. Über 25 Jahre später: Mike Hanlon ruft sechs Freunde zusammen und erinnert sie an den Schwur, den sie geleistet haben. Sollte „ES“, das namenlose Böse, noch einmal auftauchen, wollen sie sich wieder in Derry treffen. Damals sind die Freunde in Abwasserschächte gestiegen, als Kinder haben sie „ES“ gejagt und zu töten versucht. Aber „ES“ wurde nur verletzt…
In Derry, Maine, schlummert das Böse in der Kanalisation: Alle 27 Jahre wacht es auf und muss fressen. Jetzt taucht „ES“ wieder empor. Sieben Freunde entschließen sich, dem Grauen entgegenzutreten und ein Ende zu setzen.

Meine Meinung

Als ich mich entschlossen habe, diesen Monat einen Stephen King Monat einzulegen, hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt, mein erstes und gleichzeitig allerliebstes King-Buch – „ES“ – nochmal zu lesen. Ich hatte mich dann doch dagegen entschieden, weil ich dachte, neben diesem dicken Schinken dann wahrscheinlich kein anderes Buch mehr zu schaffen – irgendwie habe ich aber diesen Monat viel mehr und viel schneller als sonst gelesen, sodass ich es doch noch geschafft habe. Und was soll ich sagen? Ich bin einfach nur so, so froh. „ES“ ist wirklich Kings Meisterwerk, und ich habe das Gefühl, dass ich es jetzt mit 20 nochmal auf eine ganz andere Art schätzen und liebe konnte, als damals mit 12 oder 13.

Ich glaube, was mich an „ES“ – damals wie heute – am meisten begeistert hat, ist die wunderschöne Freundschaft zwischen den Protagonisten, und vor allem ihre fantastische Kindheit, die die Hälfte des Buches ausmacht. King hat wirklich ein Talent dazu, Kinder zu schreiben – man möchte, wenn man dieses Buch liest, sofort nochmal selbst Kind sein. Irgendwie wird man komplett in seine eigene Kindheit zurück versetzt, obwohl wirklich niemand jemals so eine Kindheit hatte wie Bill, Bev, Eddie, Richie, Stan, Mike und Ben. Ich mochte auch den Teil von „ES“, in dem die Gruppe dann schon erwachsen ist – gerade jetzt, wo ich selbst langsam erwachsen bin konnte ich viel mehr davon viel besser nachvollziehen als damals, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe – aber die Schilderungen aus der Kindheit der Protagonisten habe ich wirklich abgöttisch geliebt und mich jedes Mal wahnsinnig gefreut, wenn das Buch wieder aus dem Jahre 1958 berichtet hat.
Noch dazu kommt, dass man den „Club der Verlierer“, wie die Kinder sich selbst nennen, einfach nur lieben muss – jeder ist auf seine eigene Art so wunderbar, so freundlich, so besonders, so verletzlich, gleichzeitig so erwachsen und kindlich. Die Charaktere sind so besonders und eindringlich, dass es für mich – über fünf Jahre nachdem ich „Es“ das letzte Mal gelesen habe – keine einzige Sekunde der Eingewöhnung bedurfte, weil sie mir alle immer noch so präsent waren.
Auch ES selbst, das Monster, wenn man so will, ist – finde ich – wahnsinnig gut gelungen. Pennywise der Clown ist so gruselig, dass ich mich manchmal frage, ob es vor „ES“ eigentlich auch schon Kinder gab, die Angst vor Clowns hatten, oder ob diese Angst – die ja so ziemlich jeder irgendwie nachvollziehen kann – erst durch den gruseligen Clown in „ES“ entstanden ist. Der Grusel war in diesem Buch überhaupt wahnsinnig gut gemacht. Es war nicht die Art von Grusel, bei der man kaum weiterlesen kann, weil man gerade in diesem Moment so viel Angst hat, dafür aber sehr sehr, sehr nachhaltig. Ich „ES“ habe etwa eine Woche lang gelesen und zunehmend sehr irrationale Angst vor ganz alltäglichen Sachen gekriegt – sei es nun der Vollmond vorgestern, der Abfluss der Dusche letztes Wochenende oder meine gestreiften Pantoffeln letzte Woche, die mich irgendwie an Clowns haben denken lassen. Ich grusele mich wahnsinnig gerne, aber je älter man wird, desto schwieriger wird das natürlich auch – „ES“ hat es irgendwie geschafft, und das hat mir wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht.

„ES“ lohnt sich wirklich so sehr, auch – oder vielleicht gerade weil? – es so furchtbar lang ist. Gerade dadurch kann es vielleicht erst seine volle Wirkung entfalten – das „Zuhause“-Gefühl, die Angst, das Gefühl, die Geschichte nicht nur zu lesen, sondern wirklich Teil von ihr zu sein. Vicky, die mit „ES“ eben falls beim Stephen King Lesemonat mitgemacht hat, hat in ihrem Review geschrieben: „Es ist, als hätte ich eine lange Reise hinter mir mit Menschen, die, während ich die Seiten las, fast wie meine eigenen Freunde geworden sind.“ – besser kann ich es nicht ausdrücken.
Das Monster, die Charaktere, die Verknüpfung von Kindheit und Erwachsenenzeit im Buch, es ist alles wirklich unheimlich gut gemacht und ich konnte das Buch – beim ersten wie auch beim zweiten Mal lesen – kaum aus der Hand legen. Ich habe es wirklich geliebt und ich freue mich schon darauf, dieses wunderbare Buch eines Tages nochmal zu lesen – und dann nochmal, und dann nochmal – es ist wirklich eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Es ist – wie gesagt – meiner Meinung nach Kings absolutes Meisterwerk und ich finde, wer nur ein einziges King-Buch in seinem ganzen Leben lesen will, der sollte dafür sorgen, dass es „ES“ ist.

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