Rezension

Franny and Zooey

von J.D. Salinger

Deutscher Titel: Franny und Zooey

Bantam Verlag, 202 Seiten

Preis: 6,29€

Inhalt

Franny und Zooey sind die beiden jüngsten der sieben Glass-Kinder.
In der Kurzgeschichte »Franny« ist die Heldin zwanzig und besucht ihren Freund Lane übers Wochenende im College. Doch das Treffen verläuft nicht wie geplant. Franny erleidet einen Nervenzusammenbruch, weil sie im Leben und im Studium keinen Sinn mehr findet.
In der Erzählung »Zooey« steht ihr älterer Bruders im Mittelpunkt. Franny ist todunglücklich nach Hause zurückgekehrt, und ihre Mutter weiß nicht mehr, wie sie ihr noch helfen soll. Der hochintelligente, gutaussehende Zooey ist erfolgreicher TV-Schauspieler und geübt im Umgang mit Sinnkrisen – er will ihr mit seinem ganz eigenen zynischen Blick auf die Welt helfen.

Meine Meinung

Ich habe „Franny and Zooey“ vor kurzem in einem kostenlosen Bücherschrank entdeckt, und obwohl mein Freund nicht wirklich begeistert war, dass ich das vergilbt, zerfledderte, stockfleckige und vor allem sehr muffelige Ding mit zu uns nachhause nehmen wollte, so musste ich es doch unbedingt haben. Ich habe „The Catcher in the Rye“ schon vor ein paar Jahren gelesen und gliebt und hatte deshalb schon lange vor, mehr von J.D. Salinger zu lesen – allen voran dieses Buch, welches nach „The Catcher in the Rye“ wohl sein beliebtestes ist.

Ich habe „Franny and Zooey“ wirklich unheimlich gerne gelesen. Auf nur 200 Seiten entfaltet es eine Tiefe wie kaum ein anderes Buch – und das, obwohl auf diesen 200 Seiten kaum etwas passiert, außer dass die Figuren miteinander sprechen. Ich bin noch immer fasziniert davon, wie dicht J.D. Salinger seine Geschichte in dieser auf den ersten Blick so flachen, dünnen Handlung gewebt hat – er ist wirklich ein Meister seines Faches.
Die Kurzgeschichte „Franny“ besticht vor allem durch ihre Bissigkeit – Franny geht hier mit ihrem Freund Lane aus, der schlicht und ergreifend der Inbegriff des egozentrischen, patriacharlischen und pseudo-intelligenten Mannes ist. Stets denkt er nur an sich und ist konstant nur damit beschäftigt, Franny die Welt zu erklären – ich bin beim Lesen wirklich wütend geworden und war umso erfreuter, wann immer Franny ihn in seine Schranken verwiesen hat.
Insgesamt hat mir die Kurzgeschichte aber nicht ganz so gut gefallen wie die anschließende Novelle „Zooey“, die nach Frannys Abendessen mit Lane und ihrem anschließenden Zusammenbruch spielt, und die mich wirklich begeistert hat. Ich bin noch immer erstaunt, wie viel ich nicht nur über Zooey sondern auch über seine Geschwister erfahren habe, die in der Geschichte selbst eigentlich gar nicht vorkommen. Mit seiner zynischen, oft abweisenden oder sogar überheblichen Art ist Zooey auf den ersten Blick nicht gerade ein sympathischer Charakter – je länger man aber mit ihm zu tun hat, desto mehr merkt man, dass er seiner Schwester wirklich helfen will. Ich habe ihn im Laufe des Buches unheimlich ins Herz geschlossen.
„Franny and Zooey“ stellt eine ganze Menge Fragen – vor allem über Religion, aber auch über das Leben an sich, das Finden des eigenen Platzes in der Welt, Familienstrukturen, die Bedeutung von Wissen im Gegensatz zu Weisheit, den Einfluss der Kindheit auf das Erwachsenenleben. was es heißt, authentisch zu leben, und, und, und. Es ist ein Buch, das sehr viele sehr ernste Themen behandelt, und doch durchgehend locker und angenehm geschrieben, sowie vor allem sehr humorvoll ist, sodass man gar nicht mehr aufhören will, zu lesen, wenn man einmal angefangen hat.

Auch wenn meine Ausgabe dieses kleinen Büchleins mir die komplette Wohnung vollstinkt – und ich habe wirklich jedes Mal kurz das Gefühl zu ersticken, wenn ich daran rieche – so will ich sie dennoch nicht mehr missen. Ich habe „Franny und Zooey“ in den zwei oder drei Tagen, die ich damit verbracht habe, mehr als nur lieben gelernt.  Vor allem begeistert haben mich die Figuren, die innerhalb von kürzester Zeit lebendig werden und einen einfach nicht mehr loslassen – deshalb sind Salingers andere Kurzgeschichten über die Glass-Familie in Form der Sammlungen „Nine Stories“ und „Raise High the Roof Beam, Carpenters and Seymour: An Introduction“ auch sofort nach dem Lesen von „Franny und Zooey“ auf meine Wunschliste gewandert. Definitiv ein Buch, das ich irgendwann gerne noch einmal lesen möchte!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.