Rezension

Frostbiss

von Julia Mayer

Selbstverlag, 314 Seiten

Preis: 7,99€

Inhalt

Die Liebe klopft immer bei jenen an, die sie am wenigsten erwarten. Dörte wusste nicht, dass ihr etwas fehlt, bis eine neue Schülerin in ihre Klasse kommt. Philippa ist schweigsam, unabhängig und bringt Dörtes Gefühlswelt durcheinander. Doch der zarten Liebe der zwei Mädchen stehen traditionelle Werte und persönliche Ängste im Weg. Wird es ihnen gelingen, diese zu überwinden?

Meine Meinung

Jeder, der mein Leseverhalten mal genauer verfolgt hat, weiß, wie sehr ich die Bücher von Julia Mayer liebe. Ihre Old Souls Reihe zähle ich zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, und auch ihren Jugendroman Rehruf habe ich sehr geliebt – im Grunde landet alles, was sie schreibt sofort auf meiner ‚Sobald wie möglich kaufen und lesen‘-Liste. Dementsprechend hatte ich natürlich wahnsinnig hohe Erwartungen an dieses Buch – vielleicht waren diese etwas zu hoch.

Es ist mir einfach nicht gelungen, ganz in die Geschichte einzutauchen. Ich habe das ganze Geschehen immer irgendwie von außen beobachtet, aber nie so wirklich mitgefiebert, weil ich mich nie tatsächlich mittendrin gefühlt habe. Ich denke, das lag vor allem daran, dass mir alles ein wenig zu schnell gegangen ist – das Buch umfasst ja um die drei Jahre Handlung, mir kam es beim Lesen aber nie so lange vor, vielleicht, weil immer wieder mal größere Zeitabschnitte einfach übersprungen wurden.
Auch die Probleme, mit denen Dörte sich im Laufe des Buches auseinandersetzen muss, schienen mir allesamt etwas zu kurz geraten aber im Gegenzug dafür dann zahlenmäßig schon fast ein wenig zu viele. Egal, um welche Schwierigkeit es sich handelt, die schlimm genug ist, Dörte über längere Zeit hinweg aus der Bahn zu werfen – und schlimm genug war ja wirklich einiges – irgendwie bekommt man diese längere Zeit eben kaum mit sondern steht nach einigen Seiten schon vor der Lösung des Problems, woraufhin es Dörte dann wieder eine Zeit lang gut geht, und dann passiert eben wieder irgendwas schlechtes.
Es hätte mir, denke ich, besser gefallen, wenn sie mit ein paar weniger Sachen zu kämpfen gehabt hätte, man diese dafür aber als Leser auch wirklich mitgefühlt hätte. Aber vielleicht hatte auch nur ich damit Probleme, das kann ich natürlich nicht so genau sagen.
Ich glaube, es hätte mir auch insgesamt gut gefallen, wenn das Buch etwas länger gewesen wäre. Ich fand es zwar wirklich sehr interessant, dass ein späterer Teil der Handlung quasi nur durch eine Handvoll E-Mails erzählt wurde, aber ich glaube, es hätte mir großen Spaß gemacht, Dörtes Erlebnisse auch dann noch wirklich miterleben zu dürfen.
Auch die Charaktere sind mir leider immer etwas fremd geblieben. Im Grunde waren mir sowohl die Protagonistin als auch die meisten Nebencharaktere die meiste Zeit über ziemlich egal, die einzige, die bei mir irgendeine Art von Gefühl hervorgerufen hat, war Philippa – und dieses Gefühl war auch nur etwa die erste Hälfte des Buches ein wirklich positives.

Das klingt bisher alles sehr negativ, dabei fand ich das Buch eigentlich gar nicht schlecht – ich bin eben nur immer etwas außen vor geblieben.
Ich mochte das Ende zum Beispiel wahnsinnig gerne, es rückt das ganze Buch noch einmal in ein ganz anderes Licht und passt dadurch viel, viel besser als es irgendein anderes Ende getan hätte. Es war einfach lebensecht und dadurch stark – ich weiß nicht genau, wie ich dieses Gefühl richtig in Worte fassen soll.  Zum Ende hin konnte man dann auch sehr viel Entwicklung bei Dörte sehen, die mir sehr gut gefallen hat. Sie ist vom verwirrten Schulmädchen zu einer jungen Frau geworden, die irgendwie ihren Platz auf der Welt gefunden hat, und das war gut. Der Stil hat mir auch – wie eigentlich immer bei Büchern von Julia Mayer – wirklich sehr gut gefallen. Ich habe das Buch außerdem sehr schnell durchgelesen, es war ein typisches „nur noch ein Kapitel“-Buch für mich.
Dörtes Verzweiflung und Gefühle konnte ich an vielen Stellen fast etwas zu gut nachvollziehen, ab und an haben sowohl sie als auch Philippa mich auf eher unbequeme Art und Weise an mich selbst erinnert. Auch das ist aber  natürlich gut weil ich, so verrückt das auch klingen mag, irgendwie das Gefühl habe, mich selbst beim Lesen etwas besser verstanden zu haben – und auch, warum viele meiner Eigenarten schwierig für andere Leute sind und wo ich vielleicht noch an mir arbeiten muss. Wenn ich mir nämlich einen Charakter aussuchen müsste, der mir am meiste ähnelt, dann wäre das wohl die schweigsame, ewig mauernde Philippa. Ich glaube, allein deshalb bin ich der Autorin schon zu Dank verpflichtet.

Alles in allem würde ich das Buch durchaus weiterempfehlen, und das nicht nur, weil die Welt der Literatur eindeutig mehr lesbische und bisexuelle Protagonistinnen braucht.
„Frostbiss“ ist eine Liebgesgeschichte, die so viel mehr als nur eine Liebesgeschichte ist. Würde das weniger kitschig klingen würde ich sagen, es handelt sich um eine Lebensgeschichte. Ich denke, jemand, dem es besser als mir gelingt, sich wirklich in die Geschichte und die Charaktere einzufühlen, wird dieses Buch lieben wie kein anderes.

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