Rezension

Ice Massacre

von Tiana Warner

Rouge Cannon Publishing Verlag, 375 Seiten

Preis: 11,75€

Inhalt

Die übernatürliche Schönheit von Meerjungfrauen dient nur einem Zweck: Seemänner in den Tod zu locken.

Das Massaker soll Eriana Kwai Frieden bringen. Jedes Jahr sendet die Insel ihre Krieger aus, um die Dämonen der See zu bekämpfen. Jedes Jahr kommen diese Krieger nicht wieder zurück. In ihrer Verzweiflung entschließt die Bevölkerung von Eriana Kwai, eine neue Strategie auszuprobieren – nun liegt das Schicksal der Insel in den Händen von zwanzig Kriegerinnen und deren Resistenz gegen die Verlockungen der Meerjungfrauen.
Die 18 jährige Meela hat bereits ihren Bruder im Massaker verloren, und sie lebt mit einem Geheimnis, das sie seit ihrer Kindheit verfolgt. Um die Schlacht, die ihr bevorsteht, zu überleben, muss sie die Dämonen ihrer Vergangenheit überwinden – und zur Meerjungfrau-Killerin werden.

Meine Meinung

Ich war hellauf begeistert, als ich „Ice Massacre“ vor einigen Wochen auf Goodreads entdeckt und mir die – größtenteils sehr positiven – Rezensionen dazu durchgelesen habe. Es klang nach genau dem queeren Meerjungfrauen-Buch, auf das wir alle schon so lange gewartet haben – und als ich gesehen habe, dass das eBook für kurze Zeit für nur 0,99€ erhältlich war, habe ich nicht lange gezögtert und es sofort auf mein Kindle geladen.

Die hohen Erwartungen, die ich an das Buch hatte, wurden aber leider absolut nicht erfüllt. Die Grundidee ist absolut fantastisch, aber an der Ausführung mangelt es leider gewaltig, sodass ich eigentlich die ganze Zeit nur das Gefühl hatte, dass es ein wirklich gutes Buch hätte sein können. War es aber leider nicht.
„Ice Massacre“ ist vor allem eines – wahnsinnig simpel. Die Geschichte ist absolut linear und vorhersehbar, großartige Wendungen gibt es eigentlich überhaupt nicht. Ich habe die ganze Zeit über auf den großen Knall gewartet, der dem Buch die Spannung und Einzigartigkeit bringt, von der ich in all den Rezensionen gelesen habe, aber er kam einfach nicht. Zwar war es nicht sterbenslangweilig, aber spannend eben auch nicht. Jedes Rätsel oder Geheimnis, das irgendwie angedeutet wird, wird gleich darauf – meist auf sehr langatmige, teilweise schon fast anstrengend minutiöse Weise – wieder aufgelöst, wirkliche Neugier auf irgendwas, was in diesem Buch passiert, kam bei mir deshalb leider übehaupt nicht auf.
Auch die Charaktere sind sehr einfach gestrickt, wahnsinnig stereotyp und schlichtweg auch ziemlich flach. Meela ist die typische Jugendbuch-Protagonistin – vergleichsweise harte Schale, sehr weicher Kern, und die einzige, die zumindest halbwegs bei Verstand zu sein scheint – ihre beste Freundin Annith ist die ebenso typische beste Freundin – schüchtern, gutmütig und mehr oder weniger loyal, ohne dabei viel Charakter zu zeigen – und die böse, zickige „Todfeindin“ ist, naja, die böse, zickige Todfeindin, die weder Herz noch Gewissen hat und im Grunde auch absolut keine Persönlichkeit. Bei den meisten anderen der zwanzig Mädchen, die die Hauptfiguren von „Ice Massacre“ sein sollten, wusste ich bis zum Ende noch nicht, wer denn nun wer ist, weil sie alle so blass und gleich und mir auch einfach so wahnsinnig egal waren.
Die Fantasy-Elemente und das World-Building selbst waren okay – solide, allerdings leider ebenfalls ohne viel Innovation. Der Schreibstil ist auch sehr durchschnittlich – nicht furchtbar schlecht aber eben auch nicht außergewöhnlich gut. Es gibt also eigentlich nichts, durch das „Ice Massacre“ sich irgendwie von ähnlichen Büchern des Genres abheben würde. Einzig und allein der Queerness-Faktor hätte den Roman vom Rest aller Meerjungfrauen-Bücher abeheben können, und der spielt im gesamten Buch leider quasi keine Rolle. Die ganze Zeit über habe ich auf die packende, queere Meerjungfrauen-Romanze gewartet, die mir von allen Seiten versprochen wurde, aber auch sie kam einfach nicht – alles was hier passiert ist das Vorgeplänkel zu einer Beziehung, die vielleicht im nächsten Band zustande kommen wird, welchen ich mir aber definitiv nicht kaufen werde. Gut, dafür, dass ich ein falsches Bild davon hatte, wie queer „Ice Massacre“ tatsächlich ist, kann das Buch ja im Grunde nichts – trotzdem fand ich das ziemlich enttäuschend.

Alles in Allem ist „Ice Massacre“ also wirklich weit hinter meinen Erwartungen zurück geblieben. Zwei Sterne gebe ich, weil ich die Idee an sich wirklich gut finde, die Diversität schätze – auch wenn die Queerness im Buch keine große Rolle spielt, so wird sie das vielleicht im Verlauf der Reihe noch tun, außerdem fand ich schön, dass Meela, wie die meisten anderen Bewohner von Eriana Kwai, eine Eingeborene und daher nicht weiß ist – und es sich relativ schnell lesen lässt.
Ansonsten hat das Buch mich leider auf voller Linie enttäuscht. Wer trotzdem neugierig auf „Ice Massacre“ ist und es gerne lesen will, der soll das natürlich tun – Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und es gibt ja offensichtlich auch viele Menschen, die das Buch ganz gut fanden – aber empfehlen würde ich es nicht unbedingt.

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