Rezension

Kindred

von Octavia E. Butler

Deutscher Titel: Kindred - Verbunden

headline Verlag, 295 Seiten

Preis: 10,99€

Inhalt

An ihrem 26. Geburtstag ist Dana gerade dabei, mit ihrem Mann Kevin in ihre neue Wohnung zu ziehen, als ihr plötzlich schwindelig wird. Sie hat kaum Zeit sich zu fragen, was passiert, als die Welt um sie herum zerfällt.
Dana findet sich an einem Fluss wieder, in dem ein Kind zu ertrinken droht. Sie stürzt sich in den Fluss, zieht den Jungen an Land – und ist kurz darauf wieder in ihrer Wohnung, klitschnass, aber unverletzt. Es ist die angsteinflößendste Erfahrung ihres Lebens… bis es wieder passiert.
Je mehr Dana im Maryland des 19. Jahrhunderts verbringt – einem sehr gefährlichen Ort für eine schwarze Frau wie sie – umso bewusster wird ihr, dass ihr Leben vorbei sein könnte, bevor es überhaupt begonnen hat. Denn der Junge, den sie gerettet hat, ist nicht nur der Sohn eines Sklavenbesitzers sondern auch der Vater ihrer Urgroßmutter – und er hat ein Talent dafür, sich in Gefahr zu bringen.

Meine Meinung

Ich habe „Kindred“ diesen Monat zusammen mit dem Zwitscherbooks Buchclub gelesen. Ich muss zugeben, dass ich das Buch ohne den Buchclub wohl nie entdeckt hätte – und selbst wenn, dann weiß ich nicht, ob ich es je fertig gelesen hätte, denn es ist stellenweise wirklich wahnsinnig heftig, und ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ich das alleine durchgehalten hätte. Gerade deshalb bin ich aber sehr froh, es zusammen mit dem Buchclub gelesen zu haben, denn es ist ein wirklich wichtiges Buch.

„Kindred“ fängt direkt mit einer ziemlich schockierenden Szene an, und obwohl man somit eigentlich weiß, worauf man sich einlässt, ist es wie gesagt dennoch keine leichte Kost. Das Buch verdient an Trigger und Content Warnings wohl wirklich so ziemlich alles, was es gibt – ich bin eigentlich wirklich kein empfindlicher Mensch, aber hier haben sogar mir manchmal die Worte gefehlt.
Trotzdem fühlt es sich nie so an, als würde Octavia E. Butler bewusst versuchen, zu schockieren – die in „Kindred“ beschriebenen Grausamkeiten gehörten einfach zum Alltag schwarzer Sklaven im Amerika des 19. Jahrhunderts, was das Ganze natürlich noch schrecklicher macht.
Butlers Schreibstil ist recht einfach und schnörkellos, aber trotzdem sehr eindringlich. Sie beschreibt schonungslos, gleichzeitig aber auch sehr einfühlsam, die Schicksale einer ganze Reihe von Charakteren, die allesamt sehr vielschichtig sind. Ich mochte vor allem Dana als Protagonistin sehr gerne – sie ist eine starke, zielstrebige, hart arbeitende und besonnene Frau, die auch unter größter Angst ihr Ziel nicht aus den Augen verliert. Trotzdem ist auch sie kein Übermensch, hat und macht Fehler, was sie nicht nur sympathisch sondern auch sehr realistisch macht.
Die Geschichte ist stellenweise etwas vorhersehbar, vor allem, da ihr Ende im Grunde am Anfang des Romans steht, trotzdem aber sehr spannend, voller Wendungen und voll von sehr lebensechten Figuren. Ich fand den Zeitreise-Aspekt des Buches sehr interessant, auch wenn nie genau erklärt wird, wie und warum die ganze Sache plötzlich passiert. Das ist aber auch ganz gut so, denn jeder Erklärungsversuch hätte wahrscheinlich weit hergeholt gewirkt – und die Zeitreisen an sich sind es ja eigentlich auch gar nicht, um die es in dem Buch geht.
Über das Hauptthema des Buches kann ich als weiße Person natürlich gar nicht so viel sagen – schon während des Lesens war mir permanent sehr stark bewusst, dass das Buch von einer schwarzen Frau für andere schwarze Menschen geschrieben wurde und ich deshalb schlicht und ergreifend gar nicht so viel eigene Meinung haben sondern mehr einfach nur zuhören sollte.
Der – auch heute noch immer so schmerzhaft präsente – Rassismus war auf jeden Fall erschreckend, eindringlich und wahnsinnig real. Die symbolische Bedeutung des Ganzen – dass nicht nur Dana im Roman mit Rufus verbunden ist, sondern unsere ganz reale Gegenwart auch direkt mit unserer ebenso realen Vergangenheit – war ebenfalls unheimlich stark und wichtig. Noch dazu habe ich beim Lesen sehr viel gelernt – irgendjemand hat einmal gesagt, dass man ein wirklich gutes Buch daran erkennt, dass man die Welt danach mit anderen Augen sieht als zuvor, und das trifft bei „Kindred“ auf jeden Fall zu. Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst geworden, wie viel ich – vor allem über die Geschichte der schwarzen amerikanischen Bevölkerung – alles noch nicht weiß, und wo ich noch Nachholbedarf habe.

Wenn ich abschließend noch etwas zu „Kindred“ sagen will, dann wohl, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass meine Rezension dem Buch nicht wirklich gerecht wird. Es ist ein Buch, das man sehr aufmerksam lesen sollte – mir hat es in dieser Hinsicht wie gesagt wirklich geholfen, es mit anderen zusammen zu lesen – und über das man auch danach noch ein wenig nachdenken sollte.
Es ist inzwischen schon fast zwei Wochen her, dass ich das Buch fertig gelesen habe, und es gelingt mir immer noch nicht so ganz, die richtigen Worte dafür zu finden. In jedem Fall ist „Kindred“ ein sehr außergewöhnliches, starkes und wichtiges Buch, das mir sicher noch eine ganze Weile im Kopf bleiben wird!

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