Rezension

Lisey’s Story

von Stephen King

Deutscher Titel: Love

Scribner Verlag, 513 Seiten

Preis: TB: ab 7,99€, eBook: 6,99€

Inhalt

Vor zwei Jahren hat Lisey ihren Mann verloren und sein Nachlass weckt albtraumhafte Erinnerungen und Ahnungen in ihr, die bald grausame Gewissheit werden. Bereits lange vor seinem Tod hat Scott, ein berühmter Romanautor, für sie eine Spur mit Hinweisen ausgelegt, die sie nun immer tiefer in seine von Dämonen bevölkerte Welt führt – ein Ort, an dem er die Ideen für seine Bücher sammelte, und der ihn sowohl heilen wie auch das Leben kosten konnte.

Meine Meinung

„Lisey’s Story“ war das erste Buch, das ich dieses Jahr für den #StephenKingMonth gelesen habe! Ich hatte zuvor schon viel Gutes darüber gehört und gleichzeitig klang es so ganz anders, als das, was ich sonst so von Stephen King gewohnt bin, deshalb war ich wirklich sehr gespannt darauf!

Vor allem zu Beginn fühlte das Buch sich auch auf eine Weise, die ich gar nicht genau bestimmen kann, irgendwie anders an, als King sich sonst für mich anfühlt. Weder besser noch schlechter, einfach anders. Vielleicht war es, weil Autoren so oft die Protagonisten seiner Werke sind, dass es ganz ungewohnt war, einmal einen ausschließlich aus den Augen seiner Ehefrau – und dann auch noch nur aus ihren Erinnerungen – kennenzulernen. Vielleicht auch, weil das Thema, das sich durch das ganze Buch zieht, und die Sache, um die es – obwohl es natürlich auch in „Lisey’s Story“ die gewohnte Mischung aus fantastischem und realem Grusel gibt – eigentlich geht, nicht der für King typische Horror der ein- oder anderen Art ist, sondern tiefe, rohe Trauer. Gerade das macht es aber vielleicht auch zu einem seiner erschreckendsten Bücher – tatsächlich würde ich wohl lieber einer ganzen Horde Monster gegenüberstehen, als irgendwann in meinem Leben Liseys Schmerz erfahren zu müssen.
Auf jeden Fall hat „Lisey’s Story“ mir wirklich gut gefallen. Es ist ein zunächst sehr mysteriöses, relativ ruhiges Buch, weil es in erster Linie eine Reise Liseys in ihre eigenen verdrängten Erinnerungen ist, die nach und nach ans Licht kommen und sich schlussendlich zu einem stimmigen Bild zusammensetzen. Man tappt zusammen mit Lisey im Dunkeln und weiß nie so recht, wo man sich denn nun eigentlich hinbewegt, und was hinter der nächsten Biegung auf einen warten mag. Einige Leser_innen fanden es deshalb wohl unter anderem auch etwas langweilig – so ging es mir aber überhaupt nicht. Das Buch vereint so viele verschiedene Handlungselemente auf verschiedenen Ebenen und Zeitlinien, dass ich mich gar nicht langweilen konnte.
Ebenso wie die Geschichte, die sich Seite für Seite in mein Herz geschlichen hat, habe ich Lisey, die mir zu Beginn als kaum mehr als die relativ blasse, klischeehaft ruhige Hintergrund-Ehefrau ihres berühmten Mannes erschien, im Laufe des Romans wirklich lieben gelernt. Ihre Familiensituation fand ich wahnsinnig interessant und hätte sehr gerne noch mehr darüber erfahren – es ist eines dieser Details, die ich an Stephen Kings Art zu schreiben so liebe, denn man hat wirklich das Gefühl, hinter den kurzen Erwähnungen und knappen Telefonaten verbirgt sich eine ganz reale Familie, mit ganz realen Beziehungen, Sorgen und Nöten.
Obwohl das Horrorelement in diesem Roman wie bereits gesagt eine eher untergeordnete Rolle spielt, habe ich mich außerdem durchaus ein wenig gegruselt – Stephen King hat eine wunderbare Art, seine Monster mit einem vagen, nicht ganz fassbaren Gefühl von ganz elementarer Angst zu umgeben, die mir immer wieder eine Gänsehaut verursacht. Die Idee einer anderen Welt, in die Scott reist um dort Inspiration für seine Geschichten zu sammeln kam mir auf dem Klappentext beinahe ein wenig lächerlich vor – im Buch war das dann plötzlich keineswegs mehr so. Ganz im Gegenteil, die allzu dünne Wand zwischen hier und dort wurde so eindringlich beschrieben, dass ich zeitweise tatsächlich ein wenig Angst hatte, ich könnte beim Blick in eine spiegelnde Oberfläche etwas von dort vorbeihuschen sehen.

„Lisey’s Story“ ist wirklich ein ganz besonderes Buch. Sehr dicht und persönlich, emotional, geheimnisvoll, leise, aber laut an den richtigen Stellen – und all das auf nur etwa 500 Seiten. Kurz: ein Buch, das ich nicht nur gerne gelesen habe, sondern an das ich mich definitv noch eine ganze Weile erinnern werde.
Ich bin froh, den diesjährigen #StephenKingMonth mit „Lisey’s Story“ begonnen zu haben – wenn es so weitergeht habe ich einen wirklich grandiosen Lesemonat vor mir!

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