Rezension

Luck in the Shadows

von Lynn Flewelling

Deutscher Titel: Das Licht in den Schatten

Bantam Books Verlag, 479 Seiten

Preis: 6,90€

Inhalt

Als der junge Alec von Kerry für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, in den Kerker geworfen wird, glaubt er fest, daß sein Leben nun zu Ende ist. Doch er hat nicht mit seinem Kerkergenossen gerechnet: Seregil von Rhiminee, Spion, Dieb, Schuft und Prinz – er ist vieles, nur eines nicht: berechenbar. Er nimmt Alec in die Lehre, und schon bald verstricken sich die beiden in einer gefährlichen Intrige, die sie mehr als das Leben kosten kann…

Meine Meinung

Ich habe „Luck in the Shadows“ zum ersten Mal Anfang 2013 gelesen, weil ich auf der Suche nach einem queere Fantasybuch, bei denen der Fokus nicht auf der Sexualität der Charaktere liegt – eben einfach ein ganz normales Fantasybuch, nur mit queeren Protagonisten – darauf gestoßen bin. Mir hat das Buch damals auch ganz gut gefallen, ich habe die Nightrunner-Reihe aber aus irgendeinem Grund nie fortgesetzt. Das wollte ich jetzt ändern, deswegen habe ich das Buch noch einmal gelesen und es dabei auf ganz neue Art und Weise zu schätzen gelernt.

Die Handlung setzt eher langsam ein – ich glaube, ich habe für die ersten 100 Seiten des Buches genauso lange gebraucht wie für den ganzen Rest zusammen – es wird viel angedeutet und nichts so wirklich erklärt. Als Leser wird man quasi einfach in eine riesig große Welt geworfen, ohne zunächst sonderlich viel davon zu verstehen. Zusammen mit dem Protagonisten, Alec, der selbst noch nicht viel davon kennt, lernt man diese Welt dann kennen und findet sich nach und nach in ihr zurecht. Vor allem zu Beginn gibt es deshalb viele Erklärungen, Beschreibungen und Szenen, die nicht direkt zur Handlung sondern stattdessen zum Verständnis des ganzen Drumherums beitragen und das Ganze zwar nicht langweilig machen aber doch stark entschleunigen.
Es ist wie bereits gesagt eine wirklich sehr weitläufige und interessante Welt, die sich zwar an einige gängige Fantasy-Klischees hält, diesen aber auch – anders als man es zu Beginn vielleicht vermutet – immer mal wieder entkommt und es so schafft, ihren ganz eigenen, einzigartigen Platz am Fantasy-Firmament einzunehmen. Immer wieder entdeckt man etwas neues und Lynn Flewelling beschreibt alles so eindrücklich und liebevoll, dass man gar nicht anders kann als es immer wieder zu bewundern – noch dazu werden in der Gesellschaft von Skala nicht nur ganz nebenbei verschiedene Sexualitäten beleuchtet sondern auch Geschlechterrollen immer wieder in Frage gestellt, ohne jedoch den Fokus auf diese Thematiken zu legen, was das Ganze noch viel interessanter macht.
Hat man die ersten paar Seiten dann „geschafft“, die Grundzüge dieser Welt erst einmal begriffen und kann den immer wieder genannten Namen tatsächlich Orte und Personen zuordnen, nimmt die Geschichte rasant an Fahrt auf und es wird mit einem Schlag wahnsinnig spannend. Es gibt politische Intrigen, alte Götter, Monster, Magie, Flüche, lange gehütete Geheimnisse, Verräter und Spione – einfach alles, was das Fantasy-Herz begehrt. Auch hier hat man am Anfang des Buches vielleicht das Gefühl, man ist in eine vorhersehbare, typische Fantasy-Storyline ohne viele Überraschungen gestolpert, wird dann aber schnell eines besseren belehrt. Man hat als Leser kaum mehr Informationen über das Geschehen und die Hintergründe dessen als Seregil und Alec selbst und tappt deshalb im Grunde mit ihnen im Dunkeln, was das ganze noch faszinierender und teilweise auch sehr gruselig macht. Ich wurde von der Handlung wirklich mitgerissen und habe immer wieder um das Schicksal unserer beiden Helden gebangt – obwohl anhand der vielen Fortsetzungen ja klar ist, dass wohl irgendwie alles zumindest halbwegs gut ausgehen muss, waren meine Nerven jedes Mal zum Zerreißen gespannt, wenn sie mal wieder irgendwie in Schwierigkeiten geraten sind.
Die Charaktere sind meiner Meinung nach überhaupt der stärkste Aspekt des Buches. Sowohl Alec als auch Seregil sind mir beim Lesen unheimlich nahe gekommen, und auch einige der Nebencharaktere haben mein Herz im Sturm erobert. Alle Figuren sind sehr lebensecht geschrieben und auch Character Development wird in „Luck in the Shadows“ groß geschrieben, weswegen man eigentlich gar nicht anders kann, als sich in jeden einzelnen auf ganze spezielle Art zu verlieben.

Kurzum: Dieser Reread hat mir wirklich Spaß gemacht und ich freue mich schon, endlich den nächsten Band der Reihe zu beginnen. Vor ein paar Jahren noch lag mein Fokus vor allem auf der Freundschaft – und der angedeuteten Romanze, die sich wohl im Laufe der nächsten Bücher entwickeln wird – von Seregil und Alec, dieses Mal konnte ich auch die Geschichte selbst in all ihren Facetten wirklich wertschätzen und dadurch hat das Buch noch einmal wahnsinnig viel gewonnen. Ich hoffe, die Folgebände der „Nightrunner“-Reihe können mich ebenso begeistern!

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