Rezension

Mr. Mercedes

von Stephen King

Simon & Schuster Pocket Books Verlag, 527 Seiten

Preis: 8,38€

Inhalt

Bill Hodges #1

Ein Mercedes S 600 – »zwei Tonnen deutsche Ingenieurskunst« – rast in eine Menschenmenge. Es gibt viele Todesopfer, der Fahrer entkommt. Der Wagen wird später gefunden. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Clownsmaske, das Lenkrad ziert ein grinsender Smiley. Monate später meldet sich der Massenmörder und droht ein Inferno mit Tausenden Opfern an. Stephen King, der Meister des Schreckens, verschafft uns in Mr. Mercedes beunruhigende Einblicke in den Geist eines besessenen Mörders bar jeglichen Gewissens.

Meine Meinung

Ich habe „Mr. Mercedes“ während meines Stephen King Lesemonats gelesen. Eigentlich sind Krimis nicht gerade mein Lieblingsgenre und generell mag ich Kings ältere Romane meistens lieber als seine neueren, aber dieser hier hat mich trotzdem absolut begeistert.

„Mr. Mercedes“ beginnt in bester King-Manier – ein paar ganz gewöhnliche Menschen, genug Zeit, um sie lieb zu gewinnen und dann, zack, passiert die Katastrophe. Von Anfang an habe ich den Mercedes-Killer gehasst, und mit jedem Einblick in seine Gedankenwelt hat sich dieses Gefühl nur noch verstärkt. Es ist auf die beste Art und Weise gruselig und widerlich, das Geschehen aus seiner Sicht zu lesen, und er hat mir wirklich einige Male Gänsehaut beschert – ich glaube, ich werde nie im Leben wieder einen Sonnenbrillen-Smiley ansehen können, ohne mich zu gruseln.
Vor allem war „Mr. Mercedes“ eins: spannend. Eigentlich mehr als nur spannend, nervenaufreibend! Normalerweise hasse ich es, wenn die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wird, und noch mehr, wenn sich der Täter quasi direkt vor den Augen des Polizisten/Detektivs befindet und er diesen trotzdem einfach nicht sieht. Nicht so bei „Mr. Mercedes“ – das Hin und Her zwischen Hodges und dem Killer war so wahnsinnig gut gemacht, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Es ist zu keiner Sekunde wirklich frustrierend, weil es so glaubwürdig ist, wie er sich ständig vor den Augen aller vorbeischlängelt, und dabei allen Blicken entgeht, so gut habe ich das wirklich in noch keinem anderen Buch gelesen. Was ich auch sehr gern mochte war, dass der Killer zu jeder Zeit glaubwürdig gehandelt hat – nichts hasse ich mehr, als Täter, die nur gefasst werden, weil sie sich plötzlich absolut unlogisch verhalten.
Kurzum, ich habe mich bei der Lektüre dieses Buches wirklich bestens unterhalten gefühlt. Ich ziehe einen Stern ab, weil es aber doch ein paar kleine Dinge gab, die mich gestört haben. Zum einen war da diese stereotype Sache – ich setze sie mal in einen Spoiler, für diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben.

  • Spoiler
    Ein alter, eigentlich eher un-attraktiver, (Ex-)Polizist/Privatdetektiv/etc. beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit der viel jüngeren, wahnsinnig attraktive Klientin, Assistentin, etc., die sich aus irgendeinem für den Leser nicht wirklich nachvollziehbaren Grund hoffnungslos in ihn verliebt hat.

Nicht nur, weil es eben schon so ausgelutscht ist, sondern weil es auch ein Schema ist, das viel zu oft viel zu normalisiert verwendet wird und meinem Feminismus absolut nicht gefällt und die – vor allem, wenn man bedenkt, dass King inzwischen ebenfalls etwa in dem Alter seines Protagonisten ist – mir sehr männlich-selbstherrlich erscheint. Überhaupt habe ich bei „Mr. Mercedes“ öfter mal etwas gelesen, was ich leicht machohaft fand und was mich etwas gestört hat, was aber so latent war, dass ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob es tatsächlich am Buch oder mehr an mir lag.
Man merkt dem Buch – wie den meisten neueren King-Romanen – auch sehr an, wie wenig King sich mit moderner Technik auskennt. Das ist wahrscheinlich der Preis den man dafür erntet, sich jahrelang gegen jede Neuerung zu stemmen – seien es nun Handys oder eBooks, oder sonst etwas, was King jahrelang vehement abgelehnt hat – und dann irgendwann festzustellen, dass diese Neuerungen aber inzwischen Alltag sind und irgendwie auch in die eigenen Romane einfließen müssen. Es ist einerseits sehr niedlich, wie viel Mühe er sich gibt, das alles glaubhaft rüber zu bringen, und auch, wie begeistert seine Protagonisten von ganz normalen technischen Dingen sind, andererseits ist es aber auch etwas befremdlich – wenn der pensionierte Polizist Hodges darüber staunt, dass es möglich ist, Sachen einzuscannen oder auszudrucken, dann ist das ja vielleicht noch okay, aber wenn der 17-jährige, angeblich sehr Computer affine Jerome jemanden als technisches Genie betrachtet, weil derjenige am PC Sachen kann, die sogar ich hinkriegen würde, dann ist das doch einfach irgendwie unglaubwürdig.

Alles in allem sind meine negativen Punkte aber – wie gesagt – wirklich nur Kleinigkeiten, die mich nicht davon abgehalten haben, „Mr. Mercedes“ zu verschlingen. Ich habe den zweiten Band der Reihe, „Finderlohn“ bereits als Rezensionsexemplar beim Randomhouse-Bloggerportal angefordert und hoffe, dass ich ihn bald hier haben werde, denn ich kann es – vor allem, nach diesem fiesen letzten Kapitel – kaum erwarten, zu wissen, wie es in der Geschichte um Hodges weitergeht.

Kommentare

  • Merowinger

    Klingt interessant. Aber das Cover finde ich irgendwie langweilig.

    • sacinee | BÜCHERJÄGER

      Huch, wieso sehe ich deinen Kommentar denn erst jetzt! Tut mir leid! :‘)
      Das Cover wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht so spannend, hat aber einen doppelten, direkten Bezug zur Geschichte, weshalb ich es eigentlich ganz passend finde. 😀
      Es gefällt mir auch deutlich besser als das deutsche Taschenbuch-Cover – auf dem ist nämlich nur ein breiter Autoreifen mit Blutspuren darauf zu sehen, was ich persönlich etwas plump und langweilig finde. Naja. 😀

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