Rezension

Mutterland

von David Albahari

Originaltitel: Mamac

Schöffling & Co Verlag, 186 Seiten

Preis: 18,95€

Inhalt

»Ich habe keine Heimat mehr, bin ohne Mutter geblieben, es fehlt nur noch, dass auch die Sprache verschleißt, dann habe ich alles verloren.«
Der große serbische Romancier erzählt seine authentische Familiengeschichte: Im wechselvollen Leben seiner Mutter spiegeln sich die Geschicke seines vom Krieg gebeutelten Landes. Ihrem ersten Mann zuliebe zum jüdischen Glauben übergetreten, muss die aus Bosnien stammende Serbin mit ihm und ihren beiden Söhnen während des Zweiten Weltkriegs aus dem faschistisch regierten Kroatien fliehen.
Als sich in den neunziger Jahren das Unglück des Balkans zu wiederholen scheint, verliert sie jeglichen Lebensmut. Nach dem Tod der Mutter hört der Erzähler die Tonbänder ab, auf denen sie ihre Geschichte festgehalten hat, und setzt sich so mit dem Schmerz, dem Exil und den übermächtigen Auswirkungen des Krieges auseinander.

Meine Meinung

Ich habe „Mutterland“ heute innerhalb von nur ein paar Stunden gelesen, weil ich eine Präsentation darüber in meinem Kurs über bosnisch/kroatisch/serbische Gegenwartsliteratur halten muss und es – nach einigem Hin- und Her – nun doch endlich in der Bücherei bekommen habe.

Es ist wirklich ein sehr, sehr kurzes Buch, das sich durch seinen angenehmen Schreibstil auch gut in einem Rutsch durchlesen lässt – ich war wahnsinnig müde, als ich es gelesen habe, weil ich in der Nacht davor kaum geschlafen habe, aber trotzdem hatte ich keine Probleme damit, mich auf die Handlung zu konzentrieren.
Sowohl der Aufbau, als auch die Art zu erzählen hat dieses Buch sehr, sehr interessant gemacht. Auch die Charaktere – vor allem die Mutter unseres namenlosen Protagonisten, um die es ja vornehmlich geht – haben mir sehr gut gefallen. Sie waren zwar nicht alle furchtbar liebenswürdig, aber dafür realistisch und gut geschrieben.
Auch die nachdenkliche und doch bodenständige Art, wie die Mutter des Protagonisten über ihre Erfahrungen, den Schmerz und das Leid, das ihr im Krieg widerfahren ist, hat mich sehr berührt.

Es war ein wirklich gutes, intelligentes Buch, nur am Ende hat mir irgendwie der „Wow“-Effekt so ein bisschen gefehlt. Ich fand es zwar sowohl auf philosophischer und psychologischer Ebene sehr interessant und habe mich auch gut unterhalten gefühlt, aber ich hatte nicht unbedingt das Gefühl, als hätte die Lektüre von „Mutterland“ mich oder mein Leben verändert, als ich damit fertig war – ich möchte also keine vollen 4 Sterne dafür geben.
Nichtsdestotrotz empfehle ich das Buch aus vollstem Herzen – vor allem, wer auf der Suche nach etwas Kurzem, leicht zu Lesendem, aber trotzdem Interessantem, Wichtigem, Gehaltvollen ist, wird hier fündig werden.

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