Rezension

Orlando: A Biography

von Virginia Woolf

Deutscher Titel: Orlando: Eine Biographie

Feedbooks Verlag, 193 Seiten

Preis: 8,80€

Inhalt

Vierhundert Jahre im Leben Orlandos als höchst vergnüglicher Roman: im 16. Jahrhundert ist er ein hübscher Page mit literarischen Ambitionen am englischen Hof; als Gesandter in Konstantinopel wird er eine Frau, lebt bei einem Zigeunerstamm, kehrt als große Dame der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts nach England zurück, sucht, als Mann verkleidet, verbotene Abenteuer, verliebt sich und ist, in der Gegenwart angekommen, eine erfolgreiche Schriftstellerin.

Dieses 1928 erschienene Werk beschrieb Virginia Woolf bewußt als »eine Biographie, die im Jahr 1500 beginnt und bis zum heutigen Tag führt«. Es ist eine Huldigung an ihre Freundin, die Schriftstellerin Victoria Sackville-West, von Virginia Woolf zärtlich Vita genannt.

Meine Meinung

Ich habe „Orlando“ zusammen mit dem Zwitscherbooks-Buchclub auf Twitter gelesen. Es ist mein zweites Buch von Virginia Woolf gewesen und konnte mich leider – wie auch schon „Mrs. Dalloway“ – nicht so ganz überzeugen.

„Orlando“ ist wunderschön geschrieben – der fantastische Schreibstil ist meiner Meinung nach der größte Pluspunkt des Buches. Man möchte sich am liebsten in die Metaphern und wunderbaren Satzkonstruktionen fallen lassen und nie wieder aufstehen – das war wirklich große Klasse.
Auch sehr gut gefallen hat mir Virginia Woolfs bissige, sarkastische Art, vor allem wenn es um den Schreibprozess an sich oder die Stellung der Frau in der damaligen Gesellschaft – die Kritik hieran ist übrigens noch immer erschreckend aktuell – ging. Mit wenigen Worten schafft sie es immer wieder, eine komplozierte Problematik derart präzise auf den Punkt zu bringen, dass man entweder laut lachen oder schreien will.
Leider war das aber auch schon alles, was mich an dem Buch so wirklich begeistert hat, denn sowohl die Handlung als auch die Charaktere sind mir relativ fremd geblieben. Ich war sehr unbeteiligt an allem und hatte oft auch gar kein wirkliches Interesse daran, zu erfahren, wie es mit Orlando weitergeht – hätte ich das Buch nicht in einem Buchclub gelesen, so hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen. In der Mitte gab es einen Teil, der mir sehr gut gefallen hat, aber sowohl Anfang als auch Ende waren für mich sehr schleppend und ich musste mich teilweise wirklich zwingen, weiterzulesen.
Das Buch ist außerdem stellenweise wahnsinnig verwirrend, beinahe surreal, und ich hatte um ehrlich zu sein vor allem zum Ende hin einfach nicht mehr die Motivation, diese seltsamen Stellen für mich selbst auseinander zu pflücken, um sie tatsächlich zu hundert Prozent zu verstehen. Hätte mir der Rest des Buches besser gefallen hätte ich mir hier sicher mehr Mühe gegeben, aber so habe ich diese Stellen einfach gelesen ohne mir viele Gedanken darüber zu machen.

Alles in Allem habe ich zwar durchaus ein, zwei Dinge aus dem Buch mitgenommen und bin froh, es zusammen mit dem Buchclub gelesen zu haben, mein neues Lieblingsbuch wird „Orlando“ aber mit Sicherheit nicht. Da es mir bei „Mrs. Dalloway“ auch schon ähnlich ging habe ich die Vermutung, dass ich mit Virginia Woolf als Autorin vielleicht einfach nicht so klar komme. Das ist zwar schade – als Person finde ich Woolf nämlich wahnsinnig interessant – aber zumindest weiß ich jetzt, woran ich bei ihr bin, und werde mir vermutlich in näherer Zeit kein weiteres ihrer Bücher mehr zulegen.

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