Rezension

Our Endless Numbered Days

von Claire Fuller

Penguin Verlag, 304 Seiten

Preis: eBook: ab 6,99€, TB: ab 8,99€

Inhalt

Peggy ist acht, als ihr Vater sie mit in eine abgelegene Waldhütte in Deutschland nimmt – angeblich, um Urlaub zu machen. Dort angekommen sagt er ihr, dass ihre Mutter und der Rest der Welt verschwunden sind. Neun Jahre lang ist das Peggys Leben – sie sind die beiden letzten Menschen auf der Welt, ihr kleines Stückchen Land das Einzige, das noch existiert, die kleine, schäbige Waldhütte plötzlich Alles. 1985 kehrt sie nachhause zurück – doch was ist mit ihr im Wald geschehen? Und warum – vor allem wie – ist sie gegangen?

Meine Meinung

„Our Endless Numbered Days“ ist eines dieser Bücher, die man einfach immer wieder mal irgendwo sieht und die so gut wie jeder zu lieben scheint, und als ich es diesen Monat in einem kostenlosen Bücherschrank gefunden habe, habe ich es deshalb direkt mitgenommen, obwohl ich noch gar nicht so recht wusste, worum es eigentlich geht. Zuhause angekommen konnte der Klappentext mich sofort überzeugen, und so fing ich dann auch direkt an, zu lesen!

Ich habe ein wenig gebraucht, um mich in der Geschichte von „Our Endless Numbered Days“ einzufinden, vermutlich vor allem, weil das Buch auch etwas langsam beginnt. Als Peggy dann nämlich nach etwa 100 Seiten endlich mit ihrem Vater in der Hütte im Wald angekommen war, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, so spannend war es.

Das Buch ist abwechselnd in „damals“ und „jetzt“-Kapiteln erzählt, also jeweils aus der Sicht von Peggy, die entführt von ihrem ihrem Vater in der Lügenwelt im Wald aufwächst, und Peggy, die wieder zurückgekehrt ist, und jetzt versucht, zu verstehen, was eigentlich passiert ist. Ich fand dabei die „nachher“-Perspektive meistens spannender und hätte mir hiervon fast mehr gewünscht – gerne hätte ich auch erfahren, wie die Geschehnisse ihrer Kindheit Peggy auch noch im Erwachsenenalter prägen und begleiten.
Claire Fuller hat einen sehr schönen, fließenden, manchmal aber auch etwas distanzierten Schreibstil, der wunderbar zur Geschichte passt und dem Buch einen ganz besonderen Anstrich verleiht. Peggys Mutter ist Deutsche und spricht manchmal auch ein paar Worte deutsch, was mich zunächst wahnsinnig irritiert und jedes Mal aus dem Lesefluss gerissen hat. Als ich mich aber erstmal daran gewöhnt hatte, hat es mir aber wirklich gut gefallen, da sie – anders als das in Büchern sonst oft so ist – auch auf Englisch keinweswegs immer fehlerfrei spricht, was das Ganze für mich sehr realistisch gemacht hat. Ute bekommt so wirklich eine ganz eigene Stimme.
Es hört sich seltsam an, das zu sagen, doch das Beste an  dem Buch ist vermutlich sein Schluss – die letzten paar Sätze machen den langsamen Anfang mit einer Intensität wieder wett, die wirklich meisterhaft ist. Obwohl ich die große Wendung eigentlich bereits geahnt hatte, hat Claire Fuller dem Ganzen im allerletzten Absatz nochmal einen echten Twist gegeben. Bis zur letzten Seite dachte ich, dass „Our Endless Numbered Days“ zwar ein guter, spannender Roman wäre, dass er mir aber bestimmt nicht wahnsinnig stark im Gedächtnis bleiben würde – dafür habe ich einfach schon zu viele Survival-Romane gelesen, denke ich – doch als ich die letzte Seite gelesen hatte, wusste ich, dass dem defintiv nicht so sein würde.

Obwohl ich mir – vor allem zu Beginn – während des Lesens also nicht immer ganz sicher war, ob „Our Endless Numbered Days“  mich wirklich würde begeistern können, so hat es mich schlussendlich doch sehr beeindruckt. Der Roman geht sehr schonungslos mit einigen wirklich großen Dingen um und deutet dabei mehr an, als diese Dinge tatsächlich immer ganz graphisch darzustellen, es entwickelt gerade dadurch aber auch einen sehr einzigartigen Sog. Gerade im Hinblick auf den Schluss ist es ein Buch, über das man noch sehr lange nachdenken kann. Ich habe Claire Fullers zweiten Roman, „Swimming Lessons“, auf jeden Fall bereits auf meine Wunschliste gesetzt!

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