Rezension

Outlander

von Diana Gabaldon

Deutscher Titel: Feuer und Stein

Dell Verlag, 850 Seiten

Preis: 7,70€

Inhalt

Man schreibt das Jahr 1945. Claire Beauchamp Randall, die bis vor kurzem als Krankenschwester an der Front gearbeitet hat, verbringt die zweiten Flitterwochen mit ihrem Mann Frank in den schottischen Highlands. Als sie bei einem Spaziergang nichtsahnend einen magischen Steinkreis berührt, verliert sie das Bewusstsein – und erwacht mitten im Schlachtgetümmel schottischer Rebellen, im Jahr 1743…

Eine geheimnisvolle Reise ins schottische Hochland des 18. Jahrhunderts. Eine Liebe, wildromantisch und stärker als Zeit und Raum. Und der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte!

Meine Meinung

Ich bin dem Phänomen „Outlander“ in der Welt der Buchblogger schon öfter begegnet, vor allem seit im letzten Jahr die erste Staffel der zugehörigen Serie angelaufen ist erfreut sich die Reihe großer Beliebtheit. Die Meinungen, die ich darüber bisher gehört habe, waren allerdings sehr gemischt – von „Seit 20 Jahren mein absolutes Lieblingsbuch“ bis „Gehört in die Tonne“ ist alles viel und lautstark vertreten – sodass ich mich nach einigem Hin- und Herüberlegen entschlossen habe, mich doch auf den 850-Seiten Schinken einzulassen und mir einfach selbst eine Meinung zu bilden.

Die Geschichte fängt etwas langsam an – was mich nicht gestört hat, denn langweilig war mir trotzdem nie – nimmt dann aber um Seite 150 richtig an Fahrt auf. Ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen, und doch gab es wahnsinnig viele Dinge, die mich gestört haben.
Zum einen ist da die Figur des Jamie Fraser, der tapfere schottische Highlander, in den Claire sich im Laufe des Buches hoffnungslos verliebt, und den ich am Anfang tatsächlich sympathisch fand – allerdings hat dieses Gefühl nicht besonders lange angehalten. Egal ob wir uns nun im Jahre 1743 befinden und sein Verhalten deshalb wohl wirklich nicht unüblich ist, oder nicht, ich kann einen Mann, der seine Frau schlägt und im Nachhinein Witze darüber macht, wie sehr ihm das gefallen hat, oder der nur lacht und sagt, er hätte sie nicht um ihre Meinung gebeten, wenn Claire ihm sagt, sie möchte nicht mit ihm schlafen, einfach nicht mögen. Fast noch schlimmer als die Tatsache, dass er sich so benimmt, finde ich allerdings, wie im Buch damit umgegangen wird, denn wie bereits gesagt lebt Jamie im Jahre 1743 und weiß es vermutlich nicht besser – dass Claire diese Dinge, die ihr natürlich absolut nicht gefallen, allerdings jedes Mal nur kurz kritisiert, ihrem strahlenden Helden dann aber sofort wieder vergibt und seine Taten plötzlich total nachvollziehbar und richtig findet, ist mir sehr sauer aufgestoßen. Hier hätte die Autorin wirklich direkter ansetzen können.
Auch neben den Misshandlungen, die in „Outlander“ nicht so richtig kritisiert werden, gibt es einiges was mir gegen den Strich ging. Vielleicht hätte Diana Gabaldon zum Beispiel besser einfach überhaupt keinen queeren Charakter in ihr Buch einbringen sollen, statt jeden einzelnen von ihnen zu einem sadistischen oder pedophilen Vergewaltiger zu machen. Auch ihren Umgang mit Behinderungen fand ich zwar stellenweise gut, stellenweise aber auch mehr als nur zweifelhaft.
Auch ab und zu fragwürdig erschien mir, wie historisch korrekt manche Sachen tatsächlich sind, die Frau Gabaldon im Buch von sich gibt. Wenn Claire, die ja im Jahre 1946 verschwunden ist, zum Beispiel von Krankheiten weiß, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht entdeckt waren, ist das schon etwas seltsam. Gerade bei einem historischen Roman sollte man seine Quellen da, denke ich, lieber einmal zu oft als einmal zu wenig überprüfen. Überhaupt schien Claire mir manchmal etwas zu allwissend – nicht nur, dass sie scheinbar absolut jede Krankheit auf diesem Planeten kennt, nein, sie hat auch ein wahnsinnig umfassendes historisches Wissen, kann sämtliche halbwegs wichtigen Ereignisse zwischen 1743 und 1946 bis auf den Tag genau datieren und hat sich aus irgendeinem Grund auch alle Familienbaumstämme der schottischen Vorfahren ihres Mannes, die sie in ihrem „alten“ Leben absolut nicht interessiert haben, genau eingeprägt. Trotzdem haben diese kleinen Ungereimtheiten meinen Lesespaß eigentlich nicht groß beeinflusst. Man muss sie wohl einfach so akzeptieren, wie sie sind – was mir auch nicht besonders schwer gefallen ist, denn Diana Gabaldon schreibt so detailliert und mitreißend, dass man im Grunde gar keine Zeit hat, über solche Dinge nachzudenken.
„Detailliert und mitreißend“ ist eigentlich ein gutes Stichwort, denn nach meinem ganzen Gemecker muss ich jetzt natürlich auch mal etwas Positives sagen. Wie ihr seht hat mir das Buch nämlich eigentlich wirklich, wirklich gut gefallen.
Ich fand die Charaktere fantastisch – schon lange habe ich keine so lebendige und vielfältige Figurenkonstellation gelesen, und besonders Claire ist mir wirklich ans Herz gewachsen -, die Geschichte wahnsinnig spannend und fesselnd – es sind in „Outlander“ so viele Dinge passiert, man hätte gut fünf Bücher damit füllen können -, den Schreibstil wunderbar – ich hatte ja zuerste ein bisschen Angst, dass ich als Nicht-Muttersprachler mit den schottischen Akzenten, in denen im Buch gesprochen wurde, nicht klarkommen würde, aber das war glücklicherweise absolut kein Problem – und sogar die Liebesgeschichte zwischen Jamie und Claire, abgsehen natürlich von den oben beschriebenen Misshandlungen, gut gemacht. Die Romanze zwischen den Beiden war absolut glaubwürdig und nachvollziehbar, etwas, an dem ja leider viele Liebesromane scheitern. Besonders gefallen hat mir daran auch, dass es keine Insta-Love gibt. Jamie und Claire sehen sich nicht bei ihrem ersten Treffen in die Augen und sind sofort hin und weg, nein, es dauert tatsächlich ein paar hundert Seiten, bis zwischen den Beiden das erste Mal etwas passiert. Ich mochte es, wie sie sich gegenseitig kennengelernt haben, und wie so auch der Leser nach und nach mehr über beide gelernt hat.

Irgendwie habe ich das Gefühl, ich müsste für alle meine Kritikpunkte eigentlich mehr Sterne von der Bewertung dieses Buches abziehen, aber ich kann es einfach nicht über mich bringen, denn ich habe es wirklich, wirklich gern gelesen. Wären diese Dinge nicht gewesen hätte es sicher fünf Sterne von mir bekommen, denn es hat einfach nur Spaß gemacht. Ich konnte „Outlander“ wirklich kaum aus der Hand legen, und habe danach auch erstmal alle meine schön zurechtgelegten Lesepläne für diesen Monat über den Haufen geworfen, um Band 2 anzufangen.
Ich kann wirklich verstehen, warum diese Reihe eine derart große Fangemeinde hat, denn obwohl mir viele Sachen im ersten Band nicht gefallen haben, so hat er doch auf jeden Fall Suchtpotential und ich will die Reihe unbedingt weiterlesen – auch in der Hoffnung, dass Diana Gabaldons weitere Bücher vielleicht etwas weniger problematisch sind. Ich bin gespannt!

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