Rezension

Peter Darling

von Austin Chant

Less Than Three Press Verlag, 164 Seiten

Preis: 13,89€

Inhalt

Vor zehn Jahren hat Peter Pan das Nimmerland verlassen und ist nachhause gegangen, um erwachsen zu werden. Er gibt seinen kindlichen Traum davon auf, ein Junge zu sein, und kehrt zurück in sein Leben als Wendy Darling. Doch je länger Peter dieses Leben lebt, desto klarer wird ihm, dass er so nicht weitermachen kann – und, dass es nur einen Ort gibt, an dem er wirklich er selbst sein kann.

Doch nicht nur Peter ist erwachsen geworden, als er nach Nimmerland zurückkehrt, und die Kriegsspiele, die er früher mit seinen verlorenen Jungs gespielt wird, sind plötzlich real und tödlich geworden. Noch mehr schockiert Peter allerdings das Wiedersehen mit seinem alten Rivalen Hook, welches ihn auf mehr als nur eine Weise aus der Bahn wirft – noch nie hat er jemandem gegenüber gefühlt, was er jetzt fühlt, und muss sich plötzlich fragen, wer von ihnen beiden tatsächlich der Bösewicht in der Geschichte Nimmerlands ist.

Meine Meinung

Als ich „Peter Darling“ vor ein paar Wochen durch puren Zufall auf Goodreads entdeckt habe hat es mich sofort angesprochen. Ich liebe Peter Pan, ich liebe das Nimmerland, und ich liebe queere Retellings bekannter Geschichten, das Buch schien also wie gemacht für mich. Obwohl ich mir trotzdem noch etwas unsicher war – vor allem die Kürze des Buches hat mich ziemlich abgeschreckt – konnte ich einfach nicht mehr aufhören, daran zu denken, sodass ich mir vorgestern das eBook heruntergeladen habe.

Bereits nach zwei oder drei Seiten waren alle Sorgen, die ich bezüglich des Buches hatte wie weggeblasen. Ich habe mich schon lange nicht mehr so schnell in einer Geschichte zuhause und derart von ihr gefangen gefühlt – ich konnte das Buch wirklich kaum mehr aus der Hand legen, so sehr hat es mich gefesselt.
Austin Chant hat seinen Peter Pan fantastisch geschrieben. Retellings sind ja immer so eine Sache – oft bleibt das Buch entweder so nahe am Original, dass es einfach langweilig ist, oder aber es entfernt sich so weit davon, dass es im Grunde gar kein Retelling mehr ist und jeder Bezug auf das Original beinahe erzwungen wirkt. Ein gutes Retelling zu schreiben ist wirklich eine Gratwanderung, aber Austin Chant hat dieseAufgabe bravourös gemeistert! Das Nimmerland fühlt sich wirklich an wie das Nimmerland: es ist abenteuerreich, fantasievoll und verspielt, aber auch deutlich düsterer, gefährlicher und erwachsener  als früher- genau wie Peter eben. Auch Peter Pan selbst ist in dieser Hinsicht perfekt gelungen – er ist eindeutig Peter Pan, wie man ihn aus J.M. Barries Buch kennt, gleichzeitig aber eben doch auch Austin Chants eigene Figur.
Wahnsinnig wichtig für das Buch ist natürlich seine Queerness, die auch nicht zu kurz kommt. Dass Austin Chant selbst trans ist merkt man beim Lesen sofort, auch wenn man es – so wie ich – selbst nicht ist. Ich möchte speziell darüber gar nicht zu viele Worte verlieren, weil ich schlichtweg das Gefühl habe, dass mir das als cis Person nicht unbedingt zusteht, fand Peters Transgeschlechtlichkeit aber wunderbar klar und eindringlich geschildert. Auch die Beziehung, die sich zwischen Peter und Hook entwickelt, ist unheimlich gut gelungen. Sie erschien mir zu keiner Stelle des Buches irgendwie aus der Luft gegriffen, sondern wirkte fast wie die natürlich Konsequenz ihrer gegenseitigen Feindschaft und jahrelangen Faszination miteinander. Schon lange hat mich keine Liebesgeschichte mehr derart in ihren Bann gezogen. Einzig wen es stört, dass Hook doch ein ganzes Stück älter ist als Peter, wird hier nur wenig Freude haben – ich möchte aber anmerken, dass Peter selbst ebenfall bereits erwachsen ist, und die Beziehung der Beiden wirklich zu keinem Zeitpunkt unausgeglichen wirkt.
Als wäre das alles noch nicht genug ist „Peter Darling“ außerdem auch noch wunderbar geschrieben. Egal, ob es nun eine schnelle Actionszene ist, oder wirklich tiefgehende, wichtige Gedanken, Austin Chant findet für jede Situation genau die richtigen Worte – auch das ist vielleicht ein Grund, warum man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen kann.
Kurzum – „Peter Darling“ ist ein wirklich fantastisches Buch. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es nur sehr wenige weibliche Rollen gibt – das lässt sich aber leider auch kaum vermeiden, denn mit der Elimination von Wendy als eigenständige Figur bleibt da eben nur noch Tinker Bell übrig. Dass Tiger Lily in diesem Retelling gar nicht erst erwähnt wird kann man dem Autor  – wenn man die rassistische Komponente der Figur bedenkt – wirklich nicht vorwerfen, man muss es ihm eher zugute halten.
Von mir aus hätte es außerdem gerne noch etwas länger sein können, aber nicht, weil ich – wie zu Beginn noch befürchtet – das Gefühl hatte, dass da noch etwas fehlte, sondern weil ich Peter, Hook und Nimmerland einfach nicht mehr gehen lassen wollte. Am liebsten hätte ich das Buch sofort nachdem ich es beendet hatte nochmal von vorne angefangen.

Wie ihr merkt hat „Peter Darling“ mich also wirklich begeistert. Ich bin mir ehrlich gesagt immer noch nicht ganz sicher, ob ich meine Gedanken zu diesem Buch halbwegs angemessen in Worte fassen konnte, weil es mich einfach so überwältigt hat – schon lange hat kein Buch mich mehr so viel fühlen lassen. Ich bin mir ziemlich sicher, bereits jetzt mein Monatshighlight für den Mai gefunden zu haben, und würde mich nicht wundern, wenn „Peter Darling“ am Ende des Jahres auch ganz oben auf meiner Liste der besten Bücher, die ich 2017 gelesen habe, auftauchen würde, denn so geliebt wie dieses habe ich bisher noch kein Buch dieses Jahr. Ich kann es wirklich nur wärmstens weiterempfehlen!

Kommentare

  • Wow, das klingt so wahnsinnig toll? Ich habe gestern auf Twitter schon gesehen, dass du kurz etwas zu „Peter Darling“ geschrieben hast und mich da bereits angesprochen gefühlt, aber durch diesen Blogpost hast du mich jetzt wirklich zu 100% am Haken! [Oder.. gehooked, haha!] Ich werde mir das ebook auf jeden Fall diese Woche noch zulegen. Vielen Dank für die Empfehlung! <3

    • sacinee | BÜCHERJÄGER

      Ich bin wirklich immer noch total begeistert von dem Buch und überlege ernsthaft, es gleich nochmal zu lesen, so gut hat es mir gefallen! 😀
      Ich hoffe, du magst es auch (Ich habe bei sowas irgendwie immer total Angst, dass Leute wegen meiner Empfehlung ein Buch kaufen und es dann doch ganz furchtbar finden :’D) und wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Spaß beim Lesen! 🙂

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