Rezension

Pharos

von Laura Labas

Selbstverlag, 432 Seiten

Preis: 12,99€

Inhalt

Also existierten wir gemeinsam in ihrem Körper und begannen ganz langsam und dann immer schneller durch den weißen Wald zu laufen. Mit einem Mal war mein Menschsein von mir abgefallen.

Reyna ist eine Pharos, eine Unwandelbare. Sie kann ihre Seele in die Körper von Tieren wandern lassen und in ihnen dem Gefühl von Freiheit näher kommen. Doch sie hat keine Ahnung, was sie ist und ob noch andere ihrer Art existieren. Zumindest solange nicht, bis die Caelum in Walcott Hill auftaucht; eine Gruppe von Pharos, die plötzlich Interesse an ihrer besten Freundin hat. Zu allem Überfluss findet Reyna die sterblichen Überreste ihrer Schuldirektorin und muss sich die Fragen stellen, ob es eine Verbindung zwischen diesem Tod und der Welt der Unwandelbaren gibt und welche Rolle die Caelum darin spielt. Kann sie den Pharos vertrauen oder wird sie von den Gefühlen, die sie für Cadan, den Anführer der Caelum, empfindet, geblendet?

Meine Meinung

Ich habe schon von mehreren Seiten immer wieder Gutes über die „Die Unwandelbaren“-Reihe gehört und habe mich wahnsinnig gefreut, als die Autorin sich bereit erklärt hat, mir ein Rezensionsexemplar zukommen zu lassen – vielen Dank noch einmal dafür!

Nun zum Buch selbst. Gerade am Anfang hatte ich leider ziemliche Schwierigkeiten, mich in die Geschichte einzufinden, und vor allem, mich mit den Charakteren anzufreunden. Man wird zu Beginn des Buches ohne große Erklärungen einfach in die Handlung hineingeworfen, was zwar einerseits sehr gut ist – man ist wirklich genauso verwirrt und unwissend wie Reyna, was das Lesen wahnsinnig interessant macht – andererseits aber auch einfach nur sehr… nun ja, verwirrend eben. Ab und zu wäre mir die ein oder andere Erklärung deshalb wirklich ganz lieb gewesen, um mich ein bisschen weniger wie ein Zuschauer und ein bisschen mehr wie ein tatsächlicher Teil der Geschichte zu fühlen.
Diese kleinen Holprigkeiten bessern sich im Laufe des Buches jedoch – etwa ab der Hälfte hatte ich das Gefühl, dass es endlich zur Sache geht und das letzte Drittel habe ich in einem Rutsch durchgelesen, weil ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Auch meine „Beziehung“ zur Protagonistin, Reyna, hat sich im Laufe des Buches etwas verbessert – hier liegt jedoch auch mein größter Kritikpunkt, denn alles in Allem konnte ich weder sie noch irgendeinen anderen Charakter großartig leiden. Vor allem am Anfang ist es mir wahnsinnig auf die Nerven gegangen, wie Reyna, Felicity und Glen sich ständig wegen irgendwelchen Kleinigkeiten angezickt haben und aus jeder Mücke einen Elefanten gemacht haben. Vor allem Reyna war ständig wegen allem wütend und eingeschnappt und hat bei mir zu sehr viel Augenrollen geführt. Ich hatte zwischendurch die Vermutung, dass das vielleicht einfach Teenager-Verhalten ist, aus dem ich mittlerweile rausgewachsen bin – um so erstaunter war ich zu lesen, dass Reyna und ihre Freunde bereits 18 Jahre alt sein sollen, denn für mich haben sie wirklich oft sehr viel kindlicher gewirkt. Trotz allem ist „Pharos“ natürlich ein Jugendbuch, vielleicht sprechen die Charaktere jüngere Leser also auch besser an.
Auch die Nebencharaktere sind mir allerdings durchwegs etwas blass erschienen, sodass ich manchmal sehr angestrengt überlegen musste, wer diese und jene Person jetzt nochmal war, und sie mir irgendwie alle etwas fremd geblieben sind. So ging es mir auch mit Reynas Gefühlen, vor allen diesen Nebencharakteren gegenüber – gleich zu Beginn wird zum Beispiel ihr verschwundener Freund Seth erwähnt, und sie erzählt zwar oft von dem Schmerz, den sie in dieser Situation empfindet, schafft es aber irgendwie einfach nicht, auch den Leser ihren Schmerz fühlen zu lassen.
Der Schreibstil hingegen war das ganze Buch hindurch sehr flüssig, „Pharos“ hat sich sehr gut gelesen und auch die Handlung an sich fand ich eigentlich von der ersten Seite an spannend und interessant. Ich habe bis zum Ende hin mitgefiebert, und obwohl mir die Auflösung zwar gefallen hat, ging sie mir doch irgendwie etwas zu schnell und einfach. Das ist vielleicht auch wieder ein Charakterproblem – der Täter war mir am Ende einfach zu klischeehaft, und auch diese komplette Wendung um 180° schien mir einfach nicht realistisch zu sein.
Ich mochte das fantastische Element des Romans sehr gerne, hätte mich aber auch gefreut, wenn dieses ein wenig mehr ausgearbeitet worden wäre. Klar, es handelt sich hier „nur“ um den Auftakt zu einer längeren Reihe, aber ich hätte trotzdem gerne etwas mehr von den magischen Kräften, die es in „Pharos“ gibt, erfahren, sowie auch über die Struktur der Pharos selbst.

Alles in Allem war „Pharos“ für mich also ein guter, solider Jugenroman, der mich zwar gut unterhalten, mich aber auch nicht vom Hocker gerissen hat. Ob ich die Reihe weiterlesen möchte weiß ich noch nicht, aber wer Fantasy und Krimis mag und auch mit Charakteren klar kommt, die ab und zu mal ein wenig anstrengend sind, der ist mit diesem Buch auf jeden Fall an der richtigen Adresse!

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