Rezension

Pride and Prejudice

von Jane Austen

Deutscher Titel: Stolz und Vorurteil

Dover Thrift Verlag, 269 Seiten

Preis: 4,30€

Inhalt

„Stolz und Vorurteil“ erzählt von den Mühen der Familie Bennet, fünf Töchter standesgemäß unter die Haube zu bringen. Auf der Suche nach passenden Heiratskandidaten betreten die jungen Frauen einen knallharten Heiratsmarkt, der nicht nach Gefühlen, sondern nur nach wirtschaftlichem Wert fragt. Kein leichtes Unterfangen für eine Familie auf dem Lande, die nur über ein bescheidenes Vermögen verfügt. Ausgerechnet die intelligente Elizabeth, das Lieblingskind des Vaters, erweist sich als besonders schwieriger Fall. Zum allgemeinen Unverständnis hat Elizabeth die Stirn, den Antrag eines wohlsituierten Pfarrers auszuschlagen. Statt dem Drängen der Familie nachzugeben, folgt sie hartnäckig ihrem eigenen Urteil…

Meine Meinung

Ich weiß nicht, was ich genau erwartet habe, als ich diesen Monat zu „Pride and Prejudice“ – meinem ersten Roman von Jane Austen – gegriffen habe, da Liebesromane eigentlich absolut nicht mein Ding sind, aber ich wurde bereits auf der ersten Seite positiv überrascht.

Statt Schmalz und Kitsch begegnete mir satirischer Witz und ein wunderbar ironischer Schreibstil mit fantastisch ausgearbeiteten, liebenswerten Charakteren. Ich lache beim Lesen normalerweise wirklich sehr selten, aber hier ist es mir öfter passiert, weil alles einfach so bissig und auf den Punkt beschrieben ist, dass man sofort in den Bann des komplizierten, von strammen, teilweise nicht immer sinnvollen gesellschaftlichen Regeln geprägte England des frühen 19. Jahrhunderts gezogen wird. Jane Austen beschreibt diese Gesellschaft mit so viel Schärfe, das viele ihrer Kommentare auch heute noch wirklich relevant sind.
Ich habe außerdem schon lange kein Buch mehr gelesen, in dem so mühelos so wahnsinnig viele Charaktere lebensecht und gut ausgearbeitet nebeneinander standen. Es gibt in „Pride and Prejudice“ keinen noch so kleinen Nebencharakter, der irgendwie flach oder unglaubwürdig wirkt, und jede einzelne der Bennet-Schwestern ist so einzigartig und rund, dass man sie unmöglich miteinander verwechseln kann – in die starke, standhafte Elizabeth habe ich mich ohnehin von Anfang an verliebt. Gerade diese Art von Austen, wirklich viele verschiedene, mehrdimensionale weibliche Charaktere in ihrem Buch unterzubringen hat sich für mich auch sehr feministisch gelesen.
Auch die Liebesgeschichte hat mir erstaunlich gut gefallen. Zwar war es – für meinen Geschmack – manchmal ein wenig zu viel des Zufalls, wenn Elizabeth und Darcy sich schon wieder irgendwo überraschend über den Weg gelaufen sind, aber die Gefühle zwischen den Beiden, die sich erst nach und nach entwickeln, waren so eindringlich und so realistisch, dass ich sie gar nicht nicht hätte nachvollziehen können, auch wenn ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hätte. Auch das hohe Maß an charakterlicher Weiterentwicklung auf beiden Seiten, welches diese Gefühle wohl erst ermöglicht hat, war sehr, sehr gut gemacht.

Vor allem hat „Stolz und Vorurteil“ mich wirklich glücklich gemacht – als ich das Buch beendet habe hatte ich sofort den unbändigen Wunsch, ein paar Jahrhunderte zurückzureisen um dort zu heiraten, in ein riesiges Anwesen mit wunderschönen Gärten und ein paar Ponies zu ziehen und dort für den Rest meines Lebens glücklich zu sein. Diesen Effekt hatte bisher glaube ich noch kein Buch dieser Periode auf mich, aber trotzdem war es schön. Das, zusammen mit Austens fantastischer Art zu erzählen und ihren wunderbaren Charakteren, hat mich definitiv davon überzeugt, noch mehr von ihr zu lesen!

Kommentare

  • Freut mich dass es dir gefallen hat. Ich habe das Buch ja auch hier, eher weiter unten im SuB.
    Weißt du schon an welchen Klassiker du dich als nächstes heranwagst?

    • sacinee | BÜCHERJÄGER

      Ich will nächsten Monat auf jeden Fall John Steinbecks „Die Früchte des Zorns“ lesen, was, so wie ich das gesehen und empfunden habe, durchaus als Klassiker gezählt wird, auch wenn es „erst“ im 20. Jahrhundert veröffentlicht wurde. :’D
      Ich habe gleichzeitig aber gerade auch sehr viel Lust, bald noch ein Jane Austen Buch zu lesen (Persuasion, zum Beispiel), vielleicht mache ich das also auch noch. Dann kann ich auch gleich mal sehen, ob mir nur Pride and Prejudice so gut gefallen hat oder ob ich Jane Austen als Autorin einfach wirklich generell mag. 🙂

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