Rezension

Simon vs. The Homo Sapiens Agenda

von Becky Albertalli

Deutscher Titel: Nur drei Worte/Love, Simon

Penguin Books Verlag, 303 Seiten

Preis: Gebunden: ab 13,84€, TB: ab 7,99€, eBook: ab 6,99€

Inhalt

Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf.

Meine Meinung

„Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“ ist wohl eines der meistgehypten Jugendbücher der letzten Jahre und ich wollte es unbedingt noch lesen, bevor der Film Ende Juni auch hier bei uns in den Kinos anläuft. Somit habe ich es mir anlässlich des diesjährigen Pride Months endlich gekauft und dann auch innerhalb kürzester Zeit verschlungen.

„Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“ liest sich wunderbar leicht – es ist fröhlich, es ist fluffig, es ist lustig, und auch, wenn es dem Protagonisten Simon einmal nicht so gut geht, macht es trotzdem noch immer wirklich Spaß. Es hat durchaus das ein- oder andere YA Klischee, was ich vor allem zu Beginn ziemlich nervig fand – es ist aber eben auch einfach ein Jugendbuch und ich gehöre nicht mehr zur seiner Zielgruppe.
Ich mochte vor allem auch die Diversität des Romans sehr – neben dem schwulen Protagonisten gibt es auch noch einige PoC und queere Nebenfiguren – genau hier liegt aber eigentlich auch schon mein erster Kritikpunkt. Denn obwohl es natürlich richtig und wichtig ist, dass Becky Albertalli sich als weiße Frau darum bemüht, auch nicht-weißen Figuren einen Platz in ihrer Geschichte zu geben, hatte ich wahnsinnig oft das Gefühl, dass sie sich dafür mehr oder weniger selbst auf die Schulter klopft. Gerade auch die Tatsache, dass sie mehrmals betont, dass weiße Menschen nicht die Norm sind oder sein sollten, ist zwar an sich natürlich wieder absolut richtig – ich hatte aber auch das Gefühl, dass sie dabei im Grunde permanent nur als Weiße zu anderen Weißen über PoC spricht und fand das ein bisschen unangenehm. Das ist offensichtlich eine sehr subjektive Wahrnehmung und als selbst weiße Frau spreche ich mir in dieser Hinsicht natürlich auch absolut keine Deutungshoheit zu – es ist mir einfach nur aufgefallen.
Ein weiterer Punkt, den man ja immer kritisch betrachten sollte, ist, dass Albertalli als Frau über einen schwulen Jungen schreibt, also über ein Mitglied einer Gruppe, der sie selbst definitiv nicht angehört. Dazu braucht es Feingefühl, das die Autorin auch beweist, allerdings fand ich es trotzdem gerade im Hinblick auf Fetischisierung alles andere als unproblematisch – besonders aufgestoßen ist mir hier eine Stelle, in der sie sich selbst dafür eine Art Freikarte zu geben scheint:

If there’s one thing the Tumblr has taught me, it’s thata lot of guys consider it hot when a girl is a lesbian. Tough, I guess it happens in reverse. There are girls like Leah, who do these yaoi pencil sketches and post them to websites. Which I guess is cool with me. Leah’s drawings are actually kind of awesome.
(S. 21)

Wieder bin ich natürlich selbst kein schwuler Mann und habe hier deshalb keine Deutungshoheit – ich kann es aber aus meiner Perspektive betrachten und ganz klar sagen, dass ich es weder cool noch awesome finde, wenn Männer queere Frauen sexualisieren, objektifizieren und fetischisieren. Sicher spielen hier auch generell patriarchalische Machtverhältnisse eine Rolle, weshalb ich nicht einfach von meiner Gruppe auf eine andere schließen kann – ein Buch, in dem ein männlicher Autor seine queere Protagonistin etwas derartiges sagen oder denken lassen würde, würde bei mir aber ehrlich gesagt direkt in die Tonne wandern, und folglich kann ich es natürlich auch umgekehrt absolut nicht gutheißen. Würde es von einer queeren Frau kommen, oder hier in Simons Fall von einem tatsächlich schwulen Mann, wäre das Ganze absolut legitim, aber so gefällt es mir wirklich überhaupt nicht.
Abgesehen davon macht Albertalli ihre Arbeit aber wie gesagt sehr gut! Obwohl der Roman sich vor allem auch mit dem Thema „Coming Out“ und den zugehörigen Sorgen beschäftigt wird Homosexualität – oder generell Queerness – an keiner Stelle auch nur annähernd als etwas Schlechtes dargestellt, was mir wirklich gefallen hat.

Alles in Allem habe ich „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“ sehr gerne gelesen, es hat bei mir aber ehrlich gesagt auch nicht die Begeisterungsstürme ausgelöst, die ich bei vielen anderen Leser_innen mitbekommen habe. Trotz meiner Kritik ist es ein wirklich fluffiges, spaßiges, diverses und vor allem sehr positives queeres Jugendbuch – die Art von Buch, die für queere Jugendliche wirklich wichtig ist, und die es viel öfter geben sollte!

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