Rezension

Sleeping Giants

von Sylvain Neuvel

Deutscher Titel: Giants: Sie sind erwacht

Penguin Verlag, 377 Seiten

Preis: Gebunden: ab 15,49€, TB: ab 6,99€, eBook: ab 6,99€

Inhalt

Ein Mädchen namens Rose fährt mit ihrem neuen Fahrrad in ihrem Heimatort Deadwood, South Dakota, umher, als sie durch die Erde fällt. Sie erwacht am Grund eines quadratischen Lochs, dessen Wände mit fremdartigen Schnitzereien bedeckt sind. Doch die Feuerwehrmänner, die anrücken, um sie zu retten, sehnen etwas noch viel seltsameres: Ein kleines Mädchen in einer gigantischen Metallhand.
Siebzehn Jahre später ist das Mysterium des bizarren Artifakts noch immer ungelöst – aber Rose kann nicht aufhören, nach Antworten zu suchen.

Meine Meinung

Ich habe „Sleeping Giants“, das erste Buch aus Sylvain Neuvels „Themis-Files“, vor einiger Zeit im Buchladen entdeckt. Der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht, und so habe ich es dann letztes Jahr zu Weihnachten bekommen.

Die Geschichte rund um den gigantischen Roboter und seine Herkunft ist unheimlich interessant und spannend. Da es sich um den ersten Band einer geplanten Trilogie handelt, bleiben hier natürlich einige Fragen offen, trotzdem passiert in „Sleeping Giants“ wahnsinnig viel.

Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre und ist voll von politischen Intrigen, wissenschaftlichen Untersuchungen, philosophischen Überlegungen und persönlichen Verstrickungen.
Dass so viel Geschehen in den doch recht kleinen Umfang des Romans passen liegt vor allem daran, dass es komplett im Stil von Interviews, bzw. Berichten über die Geschehnisse verfasst ist. Leider hat genau das das Ganze, vor allem die Charaktere, für mich aber leider etwas distanziert wirken lassen. Ich fand auch leider die Informationsbalance nicht immer ganz passend – wirklich große und vor allem grauenvolle Dinge wurden nur kurz und knapp beschrieben, dafür wurden vor allem zu Beginn relativ ungelenk viele persönliche Informationen über jeden eingebracht, die zu dem Befragungsstil einfach überhaupt nicht gepasst haben. Vor allem romantische Gefühle zwischen den Figuren wirken deshalb etwas gezwungen und unecht. Es gibt in dem Buch eigentlich auch viel Action, Katastrophen und Dramatik, aber dadurch, dass es komplett in Dialogform geschrieben ist, kommt eben kaum etwas davon wirklich an. Auch die Tatsache, dass man kaum jemals zwei der Figuren tatsächlich miteinander interagieren sieht, sondern jeder nur seine Sicht der Dinge isoliert dem Befrager vermittelt, fand ich schade, denn so bleiben auch ihre Beziehungen untereinander wenig greifbar.
Natürlich hat diese Art zu Erzählen auch durchaus seine Vorteile und ist vermutlich auch gerade deshalb bewusst so gewählt worden: Durch seinen Aufbau liest „Sleeping Giants“ sich zum einen sehr schnell und ist zum anderen sehr plotorientiert, es bietet seinen Leser_inne_n zudem viel Platz für eigene Gedanken und Überlegungen. Vor allem die vage, stets um Dunkeln bleibende Figur der Befragers war außerdem wirklich sehr interessant. Trotzdem hätte ich lieber ein Buch gelesen, das vielleicht dreimal so lang ist, dafür aber die Gefühle und Gedanken der Figuren wirklich beleuchtet.

Ich glaube, wäre es dieses Buch gewesen, dann hätte ich „Sleeping Giants“ ohne zu zögern zu einem neuen Lieblingsbuch erklären können, denn obwohl ich mit dem Stil nicht so wirklich warm geworden bin, hat es mir doch unheimlich gut gefallen. Vor allem die ständig präsente Frage von Schuld und Verantwortung, die der Roman immer wieder auf die unterschiedlichste Art und Weise untersucht, mochte ich sehr. Ich bin auf jeden Fall jetzt schon ganz gespannt auf „Waking Gods“, den zweiten Band der Reihe, den ich vor allem nach dem phänomenalen Ende von „Sleeping Giants“ unbedingt lesen muss!

Kommentare

  • Da du noch Lust auf die Fortsetzung hast, kann ich dir hier nur die Hörbücher ans Herz legen. Ich habe schon den ersten Teil in diesem Format gehört und das ist natürlich prädestiniert für diese Art von Buch. Das Hörbuch hat mehrere Sprecher und so bekommen die Figuren viel mehr Charakter und die Actionszenen wirken viel bedrohlicher und spannender. Ich höre gerade Teil 2 und es gibt wieder eine aufregende Plotenthüllung nach der nächsten 😀

  • Das Originalcover ist so traumhaft schön!
    Hab beide Bände auf deutsch gelesen und ja, anfangs war ich iritiert von dem Stil, hab es aber durchgezogen und dann in der Fortsetzung gemerkt (durch diverse Ereignisse) wie sehr mir die Charaktere ans Herz gewachsen sind.
    Manchmal schleichen die sich bei einem, trotz des Stils, heimlich ins Leserherz :3

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