Rezension

Stark. The Dark Half

Originaltitel: Stephen King

Deutscher Titel: The Dark Half

Hoffmann und Campe Verlag, 475 Seiten

Preis: 9,95€

Inhalt

Thad Beaumont hat jahrelang unter dem Pseudonym George Stark sehr erfolgreiche Romane verfaßt. Als das Pseudonym eine immer eigenständigere Persönlichkeit anzunehmen droht, beschließt Beaumont, sich von ihm zu rennen. Doch kurz nach der öffentlichen „Beisetzung“ Starks versetzt eine unheimliche Mordserie die Bevölkerung in Angst und Schrecken.
Ist Stark nur ein Pseudonym? Oder ist er mehr: der Zwilling, mit dem Thad alle dunklen Geheimnisse seines Lebens teilen muss?

Meine Meinung

Ich habe mich während des diesjährigen Stephen King Lesemonats mehr oder weniger spontan dazu entschlossen, „Stark – The Dark Half“ zu lesen – vorgenommen hatte ich es mir eigentlich nicht, aber die Geschichte hat sich so spannend angehört, dass ich es einfach einschieben musste.

Das Buch fängt gleich eklig-gruselig und sehr bildgewaltig an, und präsentiert somit seine größte Stärke gleich auf der ersten Seite. Die Bilder, die Stephen King in diesem Roman erzeugt sind wirklich fantastisch – Augen, Albtraumlandschaften, Vogelschwärme, zerfallende Häuser, das alles kombiniert er zu einem wirklich beklemmend atmosphärischen Roman. Mir ist es beim Lesen mehrmals einfach nur aufgrund von Beschreibungen kalt den Rücken hinunter gelaufen – in dieser Hinsicht hat King sich in „The Dark Half“ wirklich selbst übertroffen.
Die Geschichte war vor allem zum Schluss hin spannend und wartet mit einem wirklich bombastischen Ende auf, aber an manchen Stellen war sie mir auch leider etwas zu linear. Trotzdem bleibt es auch an den eher vohersehbareren Stellen immer interessant, sodass ich – obwohl das neue Semester diese Woche wieder angefangen hat und ich eigentlich nur gestresst und hundemüde war – kaum die Finger von dem Buch lassen konnte. Die Idee des dunklen Zwillings war fantastisch und vor allem der leicht magisch angehauchte Aspekt am Ende hat mir sehr gut gefallen.
Toll fand ich es außerdem, nach Castle Rock zurückzukehren, vor allem, da ich letztes Jahr Cujo und dieses Jahr Das Attentat gelesen habe, welche ebenfalls in der kleinen Stadt angesiedelt sind, und  besonders interessant ist bei diesem Buch natürlich auch die offensichtliche Richard Bachman-Parallele – Kings Pseudonym, welches 1985 von dem Angestellten eines Buchladens aufgedeckt wurde und daraufhin symbolisch von ihm beerdigt wurde.
Obwohl „Stark – The Dark Half“ ein wirklich gutes Buch ist, das mich auf mehreren Ebenen vollends begeistert hat, gab es aber doch etwas, das mir gefehlt hat, und das waren die – bei King sonst so überzeugenden, gut ausgearbeiteten, fast etwas zu realistischen – Charaktere. Für mich gehören diese Charaktere, bei denen man beim Lesen wirklich beinahe das Gefühl hat, es handle sich um reale Menschen, die auch abseits der Seiten ein Leben haben müssen, einfach zu King dazu – und in „The Dark Half“ sind sie mir schlichtweg ein wenig zu blass geraten.
Weder zu Thad noch zu seiner Frau Liz, zu George oder dem in den Mordfällen ermittelnden Beamten, Alan, konnte ich wirklich eine tiefergehende Beziehung aufbauen – am Ende habe ich, obwohl ich von der Geschichte mehr denn je gefangen war, mehr aus Höflichkeit als aus tatsächlichem Mitgefühl für die Figuren gehofft, dass niemand sterben muss. Das war irgendwie sehr schade.

Alles in Allem ist „Stark – The Dark Half“ also vielleicht nicht mein liebstes aller King Bücher, aber dennoch definitiv lesenswert. Vor allem die vielen meisterhaft ausgearbeiteten Bilder, die King mit wenigen Worten heraufbeschwört, haben sich wirklich in mein Gedächtnis eingebrannt, und ich bin mir sicher, dass sie dort noch eine ganze Weile bleiben werden. Genauso wie eine irrationale Angst vor Spatzen – aber das war es mir ganz sicher  wert.

Kommentare

  • Dubliner

    Ich war damals auch richtig gefesselt von dem Buch und finde dass es eines von Kings besten Werken ist. Gut fand ich bei ihm auch immer die Verweise auf andere Werke von ihm, hin und wieder fallen Namen von Protagonisten aus anderen Büchern oder Orte werden erwähnt die man als King-Leser auch schon kennt. Ich habe gerade erst mal wieder „Dreamcatcher“ gesehen und habe wieder richtig Lust aufs Buch bekommen. Kennst du es schon?

    • sacinee | BÜCHERJÄGER

      Diese Verweise auf andere seiner Bücher liebe ich auch total. So findet man auch bei jedem Reread immer wieder etwas neues (vorausgesetzt, man hat zwischendurch noch ein paar andere Bücher von ihm gelesen), was einem vorher einfach nicht aufgefallen ist. Das ist wirklich ganz große Klasse! 😀
      „Dreamcatcher“ habe ich noch nicht gelesen, ich habe mir aber schon des öfteren überlegt, es zu kaufen. Bei der nächsten ReBuy-Bestellung ist es dann dabei! 😀

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