Rezension

Starters

von Lissa Price

IVI / Piper Verlag, 400 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Nach den Sporenkriegen, die jeden Menschen zwischen 20 und 60 Jahren ausgelöscht haben, kämpfen die 16-jährige Callie und ihr kleiner Bruder auf der Straße ums Überleben. Callie entschließt sich daher zu dem Undenkbaren: Sie vermietet in der Body Bank ihren Körper an einen alten Menschen, der diesen übernimmt und so wieder jung sein kann. Doch Callie erwacht früher als geplant, in einem fremden Leben. Sie bewohnt plötzlich eine teure Villa, verfügt über Luxus im Überfluss und verliebt sich in den jungen Blake. Doch bald findet sie heraus, dass ihr Körper nur zu einem Zweck gemietet wurde – um einen furchtbaren Plan zu verwirklichen, den Callie um jeden Preis verhindern muss…

Meine Meinung

Die Meinungen, die ich bisher zu „Starters“ gehört habe, waren eher gemischt, weshalb ich mir das Buch wahrscheinlich gar nicht gekauft hätte, hätte ich es nicht letztes Jahr in der schicken gebundenen Ausgabe für nur 5€ bei Hugendubel gefunden. Meine Erwartungen waren – eben aufgrund der sehr gemischten Rezensionen – nicht wahnsinnig hoch, aber irgendwie hat das Buch es trotzdem geschafft, mich zu enttäuschen.

Die Geschichte an sich war eigentlich ganz interessant und hätte sicher mehr hergegeben als nur zwei Sterne, wäre das Ganze einfach etwas besser geschrieben worden. Nicht nur der Schreibstil lässt einen aber – wenn eine Person eine andere etwa so durchdringend ansieht dass deren Augen „fast anfangen zu rauchen“ – manchmal mit dem Kopf schütteln, sondern auch an den Charakteren und am generellen World-Building hapert es gewaltig.
Vor etwa drei Jahren wurden in der dystopischen Welt von „Starters“ alle Erwachsenen ausgelöscht, nur Kinder und Senioren, die die nötige Impfung als erste erhielten, haben die Katastrophe überlebt. Gut, das kann ich so vielleicht noch akzeptieren – dass sich innerhalb von drei Jahren die Gesellschaft so furchtbar verändern soll, dass alle alten Menschen – die „Enders“ – reich und herzlos sind und alle jungen Menschen – die „Starters“ – entweder unter furchtbaren Bedingungen auf der Straße leben oder in Kinderheimen zu Sklavenarbeit gezwungen werden scheint mir doch eher unrealistisch. Klar gibt es alte Menschen, die Teenager grundsätzlich für aufmüpfiges, wertloses Gesindel halten, aber doch bei weitem nicht alle. Gerade diejenigen, die sich aufopferungsvoll um ihre überlebenden Enkel kümmern, sollen es einfach akzeptieren, dass andere Kinder und Jugendliche gequält werden? Das halte ich doch für eher unrealistisch.
Aber gut, auch darüber hätte ich hinwegsehen können – manchmal muss man bei dystopischen Büchern einfach akzeptieren, dass die Welt so ist, wie sie ist, ohne dabei viel Logik zu erwarten – wenn wenigstens die Charaktere irgendwie interessant oder liebenswert gewesen wären. Waren sie aber nicht – jede einzelne in diesem Buch vorkommende Person ist ein blasses, schrecklich eindimensionales Klischee. Müsste ich die Protagonistin, Callie, irgendwie beschreiben, ich wüsste einfach nicht wie. Sie ist oft sehr naiv, aber sowas wie eine Persönlichkeit hat sie – ebenso wie alle Nebencharaktere – eigentlich nicht.
Noch dazu wurde eigentlich so gut wie nichts von der Autorin selbst erdacht, sondern nur die für dystopische Jugendbücher typischen Elemente – eine gesichtslose, böse Organisation, eine Rebellion dagegen, ein jüngeres Geschwisterkind, das beschützt werden soll und ein schmalziges Love-Triangle – einfallslos in das Buch gezwungen. Man hatte beim Lesen nicht wirklich das Gefühl, dass Callies Beziehung mit Blake irgendeinen tieferen Sinn hatte als einfach nur da zu sein, um ein seltsames Love-Triangle zu ihrem Jugendfreund Michael zu schaffen, der übrigens auch keinen anderen Zweck hatte, als eben Teil dieses Love-Triangles zu sein. Die Body-Bank ist eine riesige, bösartige Organisation, die scheinbar so gut wie jeder Ender benutzt, die sich aber irgendwie – weil sie wohl doch irgendwie illegal ist – trotzdem erfolgreich vor der Regierung versteckt. Als Callie zur Rebellion gegen die Firma aufruft folgen ihr plötzlich alle Enders, die die Dienste der Body Bank zuvor nur zu gern in Anspruch genommen haben, weil sie urplötzlich erkennen, wie schlecht das alles ist – es ist einfach alles sehr gezwungen, unlogisch und uninteressant.

Alles in Allem war ich von „Starters“ also absolut nicht beeindruckt. Einzig und allein die Grundidee und das Ende – das übrigens voller Cliffhanger ist – hebt sich minimalst hervor, was dem Buch dann doch noch zu zwei Sternen verhilft. Den nächsten Band werde ich aber – denke ich – nicht lesen.

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