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The Bone Season: Die Träumerin

von Samantha Shannon

Originaltitel: The Bone Season

Bloomsbury Berlin Verlag, 592 Seiten

Preis: 16,99€

Inhalt

Sie ist stark, sie ist schnell, und sie kann etwas, was sonst niemand kann: die Gedanken anderer auskundschaften. In einer Welt, in der Freiheit verachtet und Träume verboten sind, wächst die junge Paige zu einer Kämpferin heran. Doch dann wird sie erwischt und in eine geheime Stadt verschleppt, in der ein fremdes Volk herrscht, die Rephaim. Und wo sie Arcturus trifft, den jungen Rephait mit den goldenen Augen. Er ist das schönste und unheimlichste Wesen, das sie je gesehen hat. Seine Gedanken sind ihr ein Rätsel. Und ausgerechnet ihm soll Paige von nun an als Sklavin dienen…

Meine Meinung

Der erste Band der „The Bone Season“-Reihe wahr wohl eines der am meisten gehypten Bücher der letzten Jahre – an fast keinem Buchblog ist man vorbeigekommen, der das Buch nicht als DIE Neuentdeckung des Jahres und einen Anwärter auf absolut jedermanns nächstes Lieblingsbuch gefeiert hat. Ich hatte es im Laden auch schon gefühlte hundert Mal in der Hand und hätte es fast genauso oft auch schon beinahe gekauft – um so mehr habe ich mich natürlich gefreut, als ich es vor ein paar Wochen zufällig in der Bibliothek entdeckt habe .

Das Buch fängt etwas verwirrend aber sehr vielversprechend an, mit einem Setting, von dem zwar viel noch erklärt werden muss, das aber wirklich spannend zu sein scheint. Dieses Setting bleibt meiner Meinung nach auch der stärkste Aspekt des Buches – die verschiedenen Magier- oder Seherarten sind sehr vielfältig und gut durchdacht und auch wenn man vor allem am Anfang noch nicht immer ganz genau weiß, wer nun wo eingeordnet werden muss, so bekommt man doch schnell ein Gefühl dafür.
Wenn man mal ein wenig über diese interessante Grundidee hinauschaut fällt einem aber doch schnell auf, dass das World Building einige Löcher hat und nicht alles immer ganz stimmig ist. Früher hat mich sowas weniger gestört, aber in letzter Zeit fallen mir solche kleinen Schwächen doch häufiger eher negativ auf. Vielleicht ist das auch etwas, was ein bisschen mit der Übersetzung verloren gegangen ist – ich habe nach dem Lesen zum Beispiel erfahren, dass das Buch eigentlich in einer zwar futuristischen aber irgendwie auch viktorianisch angehauchten Gesellschaft spielen soll und im Englischen wohl auch viel viktorianischer Ganoven-Slang verwendet wird, das ist aber an mir einfach komplett vorbei gegangen. Das einzige, was darauf hätte hindeuten können, wären die Grammophone gewesen, die öfter zum Abspielen von Musik verwendet werden, aber um ehrlich zu sein habe ich das einfach auf die jeweiligen, etwas prätentiösen Charaktere geschoben. Wo wir außerdem gerade von Plot Holes sprachen – Grammophone sind zwar schön und gut, aber in einer Welt, in der es Computer und Tablets gibt hört damit, viktorianischer Stil hin oder her, doch bestimmt keiner mehr Musik. Das macht einfach keinen Sinn.
Auch die Handlung und die die Hintergrundgeschichte haben für mich nicht immer zu hundert Prozent zusammengepasst, ich habe nach einer Weile dann aber beschlossen, darüber einfach hinwegzusehen und es als gegeben hinzunehmen, statt es weiter zu zerpflücken. Generell kann ich sagen, dass die Geschichte zwar wirklich spannend war, sich aber manchmal doch etwas konstruiert angefühlt hat. Es gab einfach immer wieder Szenen, die sich – zumindest für mich – nicht wirklich aus dem Verlauf der Geschichte selbst oder den natürlichen Reaktionen der Charaktere ergeben haben sondern mehr so schienen, als wäre jetzt eben mal wieder ein Plot Twist nötig, oder ein bisschen Ärger um mehr Spannung zu erzeugen.
Auch mit den Charakteren konnte ich mich – obwohl sie alle eigentlich wirklich sehr gut gemacht waren und jeder für sich sehr interessant war – nicht so wirklich anfreunden. So wirklich ins Herz geschlossen habe ich eigentlich keinen, auch wenn es ein, zwei Leute gab, die mir vielleicht etwas mehr bedeutet haben als die anderen. Wohl auch als Resultat daraus habe ich auch immer wieder Figuren miteinander verwechselt, was manchmal wirklich sehr verwirrend war.
Meine Rezension klingt jetzt aber um einiges negativer als ich das Buch eigentlich empfunden habe – zwar habe ich beim Lesen schon manchmal mit den Augen gerollt, weil irgendwas einfach seltsam war, keinen Sinn gemacht hat oder mir einfach ein wenig übertrieben vorkam, aber ich hatte eigentlich trotzdem immer Lust auf das Buch und habe es auch relativ schnell, innerhalb von zwei oder drei Tagen durchgelesen. Auch dass das Buch auf einige der anstrengenderen Klischee-YA-Elemente, wie zum Beispiel ein Love-Triangle, verzichtet hat mir gefallen.
Alles in Allem schien es mir wie ein Buch, das von der Konstruktion her wirklich toll war – man merkt, dass die Autorin sich Gedanken über ihre Welt und ihre Charaktere gemacht hat und auch darüber, wie sie diese bestmöglich zu einer Geschichte verknüpfen kann – und das vor allem durch seine Welt auch definitiv mehr als nur ein blasses Durchschnitts-Jugendbuch ist, dem aber irgendwie einfach das gewisse Etwas gefehlt hat. Die Seele, wenn man so will – es konnte mich zwar unterhalten, aber einfach nicht so richtig packen und mitreißen.

Ich bereue es auf keinen Fall, das Buch mitgenommen zu haben, hatte beim Lesen wirklich Spaß und würde gerne noch mehr über die Welt von „The Bone Season“ erfahren – den zweiten Band der Reihe werde ich aber, da „Die Träumerin“ auch nicht mit einem übermäßig fiesen Cliffhanger endet, glaube ich trotzdem erstmal nicht lesen. Dafür hat mich das Buch leider insgesamt einfach zu wenig berührt.

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