Rezension

The Last Unicorn

von Peter S. Beagle

Deutscher Titel: Das letzte Einhorn

Penguin Roc Verlag, 294 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Die phantastische Geschichte einer großen Suche: Das letzte Einhorn, ein Geschöpf von ursprünglicher Anmut, verläßt seinen in ewigem Frühling blühenden Fliederwald, begibt sich auf die Landstraße, dringt in die Zeit, um das Schicksal seiner entschwundenen Artgenossen zu erkunden. Auf der abenteuerlichen Expedition wird es begleitet von Schmendrick, einem drittklassigen Zauberer, und von Molly Grue, der ehemaligen Lagergefährtin eines verhinderten Edelräubers. Das seltsame Trio muß bald erkennen, daß die Erkundungsfahrt nicht ohne Kampf und äußerste Gefahr beendet werden kann. Es gilt, dem Roten Stier zu begegnen, der unter König Haggards verfluchtem Schlosse haust…

Meine Meinung

Wie für viele andere Menschen auch war der Animationsfilm „Das letzte Einhorn“ für mich ein wichtiger Teil meiner Kindheit – und der rote Stier die Quelle vieler, vieler Albträume. Das der Film nach einem Buch gemacht wurde wusste ich bis vor ein paar Jahren gar nicht, als ich aber davon gehört habe, habe ich es mir sofort gekauft – und dann aus irgendeinem Grund nie fertig gelesen. Umso froher war ich, als der Zwitscherbooks-Buchclub, mit dem ich auf Twitter schon viele Bücher gelesen habe, dieses kleine Schmuckstück zu seinem August-Buch gewählt hat und ich es nun endlich noch einmal lesen konnte.

Wie auch bei meinem ersten Anlauf ist mir sofort wieder der wunderschöne Schreibstil dieses Buches ins Auge gefallen. Peter S. Beagle webt hier Worte aneinander, wie es nur wenige andere können, und schon allein aufgrund der eleganten, poetischen Sprache, den vielen wunderbaren Metaphern und Sinnbildern und dem sich daraus ergebenden Erzählfluss lohnt es sich eigentlich schon, „The Last Unicorn“ zu lesen. Die ersten Sätze des Buches gehören zu den wenigen Buchanfängen, die ich tatsächlich Wort für Wort rezitieren kann, ohne groß darüber nachzudenken, einfach nur, weil sie so schön sind, dass sie einen absolut nicht mehr loslassen, wenn man sie einmal gelesen hat.
Nicht nur die Sprache ist allerdings fantastisch – auch die Fantastik selbst bewegt sich in Sphären, die kaum ein anderes Buch erreicht. „The Last Unicorn“ ist ein Märchen, wie es sein sollte – mit allerlei einzigartigen Gestalten und magischen Wesen, einer detailreichen, liebevoll gestalteten Welt, mit Prophezeihungen, Flüchen, Unsterblichkeit, und mit ganz gewöhnlichen Menschen, die über sich hinaus wachsen und so zu Helden werden.
Es ist allerdings auch noch viel mehr als das – es ist ein Märchen, das sich seiner Märchenhaftigkeit absolut bewusst ist, immer wieder gekonnt mit Klischees jongliert und sich selbst nicht zu ernst nimmt. Auch dieser Humor hat mir wirklich wahnsinnig gut gefallen.
Wem das immer noch nicht reicht, um sich in dieses wunderschöne Buch zu verlieben, der wird es spätestens tun, nachdem er die Charaktere kennengelernt hat. Das grundgute, selbstlose, und doch oft so kühle Einhorn kommt einem so nah wie ein Einhorn einem Menschen wohl nur kommen kann, und die einzige Figur, die man vielleicht noch mehr lieben kann, ist wohl Molly Grue – so still und doch so aufbrausend, so weise, so einfach und so freundlich, dass es einem manchmal beinahe das Herz bricht. Und auch Schmendrick, den viel zu sehr von sich eingenommenen Zauberer mit dem deutlichen Mangel an magischen Fähigkeiten, habe ich im Laufe des Buches wirklich liebgewonnen. Nicht einmal den Bösewicht, Haggart, konnte ich wirklich hassen, so sehr habe ich mit ihm gefühlt. Es ist wirklich ein ganz einzigartiger Haufen Leute, die in diesem Buch zusammenfinden, und das macht es so wunderschön.
Trotz meiner aussschweifenden Lobeshymnen kann ich jedoch nicht ganz fünf Sterne vergeben, weil „The Last Unicorn“ mir dafür – trotz aller Schönheit – vor allem in der ersten Hälfte stellenweise leider etwas zu langatmig war. Vielleicht liegt es auch daran, dass diese erste Hälfte wirklich beinahe eins zu eins im Film übernommen wurde und ich sie daher im Grunde bereits vor dem Lesen schon auswendig kannte, aber ab und an fand ich es einfach etwas schwierig, tatsächlich konzentriert dranzubleiben. Die Betonung liegt hier jedoch auch „ab und an“ – im Großen und Ganzen ist „The Last Unicorn“ nämlich wirklich spannend und mitreißend, genau wie es sich für ein richtig gutes Märchen eben gehört.

Abschließend kann ich also wirklich nur sagen, dass ich unheimlich froh bin, dieses Juwel doch noch einmal zur Hand genommen und endlich fertig gelesen zu haben. Es hat mir einen unheimlichen Spaß gemacht, in der magischen Welt des letzten Einhorns zu versinken, die hier im Vergleich zum Film noch einmal eine ganz andere Tiefe hat. Es ist wirklich ein wunderschönes kleines Buch, das ich bestimmt irgendwann nochmal lesen werde!

 

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