Rezension

The Secret History

von Donna Tartt

Deutscher Titel: Die geheime Geschichte

Penguin Verlag, 660 Seiten

Preis: TB: ab 8,49€, eBook: 8,07€

Inhalt

Richard Papen stammt aus einfachen Verhältnissen. Als er durch ein Stipendium das College besuchen kann, ist er gleich fasziniert von der ihm fremden Welt. Besonders zieht ihn eine Gruppe junger Studenten in den Bann, mit denen er nicht nur Griechisch lernt, sondern auch dem täglichen Alkohol huldigt. Doch bald spürt er, dass unter der Oberfläche unerschütterlicher Freundschaft Spannungen lauern und dass ein furchtbares Geheimnis seine Freunde belastet – ein Geheimnis, das auch ihn mehr und mehr in seinen dunklen, mörderischen Sog zieht.

Meine Meinung

Ich habe bisher eigentlich nur überschwänglich Gutes über „The Secret History“ gehört und kenne sogar zwei oder drei Menschen, die das Buch als eines ihrer absoluten Lieblingsbücher zählen. Deshalb war ich natürlich schon sehr gespannt darauf, das Buch jetzt auch endlich zu lesen!

Ich habe ein bisschen gebraucht, um wirklich in das Buch reinzukommen. Der Anfang ist sehr… atmosphärisch und bereits voll von mysteriösen Andeutungen, aber bis man dann als Leser langsam dahinter kommt, was denn nun eigentlich Sache ist, geht es eben doch eher schleppend voran. Tatsächlich habe ich mir auf den ersten 100-200 Seiten oft gedacht, dass ich das Buch wahrscheinlich nicht weiterlesen würde, wenn es mir nicht so oft empfohlen worden wäre – ich bin aber auf jeden Fall froh, das getan zu haben, denn „The Secret History“ ist auf jeden Fall ein sehr einzigartiges Buch!
Wenn die Geschiche dann in Fahrt kommt zieht sie einen sofort in ihren Bann. Als Leser_in weiß man gar nicht so recht, wo man hinsehen oder in welche Richtung man denken soll, so sehr wird man von den immer neuen Enthüllungen und Emotionen hin und hergeworfen. Und obwohl man weiß, dass das Ganze eigentlich kein wirklich gutes Ende nehmen kann, kann man doch nicht aufhören zu lesen – es ist wie mit dem berühmten Autounfall, bei dem man einfach nicht wegsehen kann, nur dass das alles hier auf eine fast schmerzhafte Weise wirklich Spaß macht.
Die Atmosphäre, die Donna Tartt in ihrem Buch meisterhaft aufbaut, ist wahnsinnig düster, schwer und geheimnisvoll. Es ist ein modernes Gothic Novel und auch die Charaktere passen da allesamt sehr gut rein. Zu Beginn konnte ich keinen von ihnen leiden, habe sie alle als einen Haufen unsympathischer, selbstverliebter Möchtegern-Intellektueller empfunden. Nach und nach werden allerdings die Persönlichkeiten eines jeden von ihnen klarer, so als würden die Figuren nach und nach aus dem Nebel treten – genau wie das Geheimnis, das sie alle verbindet.
Es ist wie gesagt ein wirklich einzigartiges Buch, das mir mit Sicherheit noch eine lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Ich hätte ihm auch eine etwas bessere Bewertung gegeben, wenn eine Sache mich nicht gewaltig gestört hätte – und zwar habe ich es an manchen Stellen als wirklich wahnsinnig homofeindlich empfunden. Es gibt eine Figur, die permanent sehr gewalttätig homofeindliche Sachen von sich gibt – bis zu einem Punkt, an dem ich das Buch wirklich kurz weglegen musste, weil es mir einfach zu viel geworden ist – und die ganze Zeit über habe ich darauf gewartet, dass Donna Tartt dem irgendetwas entgegensetzt. Eine sichtbare, positiv besetzte queere Figur vielleicht, oder auch nur einmal eine klare Aussage, dass das, was da passiert, furchtbar ist – stattdessen  wurden diese Aussage von allen anderen Figuren des Romans als harmlose und eigentlich sehr liebenswerte Scherze behandelt. Eine queere Figur gab es dann auch, ja, aber gezeichnet wurde sie als wohl eine der unsympathischsten Personen in der gesamten Konstellation – engstirnig, egozentrisch und übergriffig, definitiv nicht, was ich mir erhofft hatte. Zwar weiß ich, dass das Negative einfach irgendwie zum Roman gehört, und dass auch die Charaktere zwar vielschichtig aber eigentlich gar nicht so richtig liebenswert sein sollen – trotzdem hat das einen sehr schalen Geschmack in meinem Mund hinterlassen, und ich weiß einfach nicht so recht, was ich damit nun anfangen soll. Spiegeln diese Aussagen oder der Umgang mit ihnen in irgendeiner Form Donna Tartts persönliche Meinung wieder? Handelt es sich schlichtweg um einen misslungenen Kunstgriff? Ich weiß es wirklich nicht, fand es aber einfach nur richtig, richtig ätzend.

Trotz diesem Wehrmutstropfen – der sich Gott sei Dank nicht durch das ganze Buch gezogen hat, sonst hätte ich es definitiv nicht fertig gelesen – hat „The Secret History“ mir Spaß gemacht. Es ist eine wirklich fantastische und sehr eindringlinge Untersuchung von Grenzüberschreitungen, von Moral, Schuld und Reue, die ich – wäre diese eine Sache eben nicht gewesen – bedingungslos weiterempfehlen würde. So ist es mit Vorsicht zu genießen. Ich hoffe nun, dass es sich bei diesen Passagen nicht wirklich um Donna Tartts tatsächlich Meinung handelt, denn sie hat mich mit ihrem dichten, atmosphärischen Schreibstil auf jeden Fall von ihren schriftstellerischen Fähigkeiten überzeugt.

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