Rezension

The Shock of the Fall

von Nathan Filer

Deutscher Titel: Nachruf auf den Mond

Borough Press Verlag, 307 Seiten

Preis: 9,20€

Inhalt

Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.

Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger: Matthew leidet an Schizophrenie.

Meine Meinung

Ich habe mich, bevor ich „The Shock of the Fall“ gelesen habe, nicht wahnsinig viel darüber informiert, weil ich mir selbst nicht durch irgendwelche Spoiler den Spaß am Buch verderben wollte – alles was ich wusste, war, dass die Geschichte von Matthew handelt, dessen Bruder zu Beginn der Geschichte stirbt. „The Shock of the Fall“ war großartig – und ganz, ganz anders, als ich erwartet hatte.

Am meisten fasziniert hat mich dabei, wie die Geschichte erzählt wird. Matthews Gehirn ist so anders, so chaotisch und so verworren, und genauso ist eben auch das Buch aufgebaut – es ist verwirrend, und es ist fantastisch. Obwohl das Buch nur etwa 300 Seiten hat habe ich eine ganze Weile dafür gebraucht, weil ich immer mal wieder eine Lesepause einlegen musste, um über das, was gerade passiert war, nachzudenken, oder um die Sätze, die ich gerade gelesen hatte, auseinander zu pflücken, damit ich überhaupt verstehen konnte, was gerade passiert war – manchmal auch, weil ich einfach eine Pause gebraucht habe, weil Matthews Fahrigkeit und Verworrenheit mir zu anstrengend war. Ständig fängt er an, von etwas zu erzählen, erzählt dann plötzlich etwas ganz anderes, berichtet über vermeintlich langweilige Dinge genauso ausführlich wie über die eigentliche Geschichte selbst. Auch visuell ist das sehr gut umgesetzt: die Schriftart wechselt mehmals mitten um Buch, es sind immer wieder fast zusammenhanglos Bilder eingestreut, und manchmal steht auf einer Seite nur ein einziger Satz. Das kann, vor allem, wenn man müde ist, auf Dauer etwas schwierig werden, vor allem ist es aber wahnsinnig spannend.
„The Shock of the Fall“ war kein furchtbar kompliziertes Buch, aber eben auch kein ganz einfaches, und das hat es irgendwie noch toller gemacht. Es gibt viele Bücher, die von psychische Erkrankungen handeln, und es gibt viele Bücher, die von Trauer handeln, aber noch nie bin ich so direkt in beides eingetaucht, wie hier. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich Matthew jetzt sympathisch finden soll oder nicht, aber ich bin ihm nahe gekommen, wie sonst kaum einem anderen Buchcharakter. Man taucht komplett in seine Gedankenwelt ein, was verwirrend und ein wenig gruselig ist, aber vor allem einfach toll.
Außerdem ist Matthew ein fantastischer Erzähler – ich habe beim Lesen immer mal wieder laut gelacht, es gab wahnsinnig viele Stellen, die ich mir al liebsten markiert hätte, weil sie so schön, lustig, oder einfach nur passend waren.

„The Shock of the Fall“ ist auf jeden Fall sehr, sehr einzigartig. Ich habe noch nie zuvor ein Buch gelesen, welches so war, wie dieses, und ich würde wetten, dass ich auch nie wieder ein anderes lesen werde, welches es genau trifft. Es war mitreißend, es war spannend und interessant, zutiefst emotional – kurz, es hat mich begeistert, es war ein fantastisches Buch, über das ich mit Sicherheit noch eine ganze Weile nachdenken werde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.