Rezension

The Stand – Das letzte Gefecht

von Stephen King

Originaltitel: The Stand

Heyne Verlag, 1711 Seiten

Preis: 17,99€

Inhalt

Es beginnt mit einem Verkehrsunfall, den sich niemand erklären kann. Alle Insassen des betroffenen Fahrzeugs sind tot, doch sie starben nicht an den Folgen des Unfalls. Sie sind viel mehr die ersten Opfer einer tödlichen Seuche, entwickelt zur biologischen Kriegsführung und dann außer Kontrolle geraten, die sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitet und in kürzester Zeit beinahe die gesamte Menschheit ausrottet.
In einem entvölkerten Amerika ringt eine handvoll Überlebende um die menschliche Zivilisation, und das Böse steigt in fleischlicher Gestalt auf die Erde nieder.  Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, die Stromversorgung wieder herzustellen oder den Winter zu überleben – denn das letzte Gefecht zwischen Gut und Böse steht unmittelbar bevor…

Meine Meinung

Ich habe „Das letzte Gefecht“ vor genau fünf Jahren schon einmal gelesen, konnte mich aber kaum noch an etwas erinnern, bis auf die Tatsache, dass das Buch mir damals ganz gut gefallen hat. Deshalb wollte ich es zum diesjährigen Stephen King Lesemonat unbedingt noch einmal lesen, und ich muss sagen, ich bin wirklich froh, mich noch einmal an diesen 1700-Seiten Wälzer gewagt zu haben!

Um es vorweg gleich einmal zu sagen – das Wichtigste, wenn man „The Stand – Das letzte Gefecht“ lesen will, ist, darauf zu achten, dass man eine ungekürzte Ausgabe von 1990 oder später liest. Die gekürzte Ausgabe – die ich vor fünf Jahren gelesen habe, und mit der ich auch dieses Jahr meinen Reread begonnen habe, nur um mir dann nach ein paar hundert Seiten doch eine ungekürzte Fassung aus der Bücherei zu holen, weil mir die meine so wahnsinnig zerstückelt vorkam – ist nämlich nicht nur um ein paar Seiten oder Kapitel gekürzt sondern um ganze 150.000 Wörter.
Das ist eine ganze Menge und man merkt es dem Buch einfach an – ganze Teile der Geschichte werden einfach übersprungen und dann anschließend in ein, zwei Sätzen zusammengefasst, manche Charaktere fehlen komplett und die die übrig sind sind – für King sehr untypisch – sehr blass und seelenlos, weil auch alle Szenen, die nicht direkt der Geschichte sondern eher der Charakterentwicklung dienen, rausgeflogen sind. Als „The Stand“ zum ersten Mal veröffentlich wurde wollte kein Verlag ein dermaßen langes Buch von einem (damals noch) vergleichsweise unbekannten Autor herausgeben, sodass Stephen King keine andere Wahl hatte, als sein Buch radikal zu kürzen und zu zerstückeln, aber inzwischen ist es glücklicherweise wieder in seiner Gänze zu lesen – nutzt das, denn es macht wirklich einen wahnsinnigen Unterschied.
Nur so werdet ihr „The Stand – Das letzte Gefecht“ auch wirklich genießen können. Und es hat so viele Dinge, die man genießen kann. Dazu gehören natürlich wie gesagt die Charaktere – es gibt einen ganzen Haufen davon in diesem Buch, und jeder von ihnen, sei es nun die schwangere Frannie, der Rocksänger Larry, der Professor Glen, oder der pickelige, übergewichtige und von allen gemobbte Harold, wurde durch die Seuche aus seinem Leben gerissen und muss nun seinen Platz in dieser neuen, leeren Welt finden. Jeder von ihnen muss sich nicht nur selbst wiederfinden, sondern vor allem selbst neu erschaffen, in einem Amerika, in dem es kein Gesetz, keine Regierung und keinen Strom mehr gibt, wo mehr wilde Tiere als Menschen nachts durch die Wälder stromern und kein Arzt mehr zur Stelle ist, sollte man sich auf der Suche nach Nahrung ein Bein brechen oder in der Kälte der Nacht eine Lungenentzündung holen.
Und dann ist da natürlich nicht nur das – jede Nacht werden die Überlebenden von den gleichen Träumen geplagt, und unweigerlich zieht es sie alle an die gleichen Orte. Denn „Das letzte Gefecht“ wäre wohl ein gutes Buch gewesen, wenn es nur von der Seuche und dem darauffolgenden Kampf ums Überleben gehandelt hätte, aber was es zu einem wirklich außergewöhnlichen Buch macht ist das übernatürliche Element.
Nach und nach muss jede der Figuren sich entscheiden, auf welche Seite sie sich stellen will – die der guten, alten Mutter Abigail, die sie mit Träumen von friedlichen Weizenfeldern und Reifenschaukeln lockt, aber kaum in der Lage zu sein scheint, sich oder andere vor irgendwelchen bösen Mächten zu schützen, oder der von Randall Flagg, dem Dunklen, dem grinsenden Mann ohne Gesicht, dem Wandelnden Geck, unter dessen Hand Strom, Telefonleitungen und Waffentechnologien in null komma nichts wieder zum Leben erwachen, und unter dessem Blick Vögel tot von den Ästen fallen, auf denen sie eben noch saßen.
„Das letzte Gefecht“ wird durch diese Kombination aus dem Weltuntergang auf der einen und dem endlosen Kampf zwischen Gut und Böse auf der anderen Seite ein wahnsinnig spannendes, wahnsinnig vielschichtiges Buch, das sich trotz seiner enormen Seitenzahl quasi von selbst liest – ich habe nicht einmal eine ganze Woche gebraucht, obwohl ich jeden Tag Uni hatte, weil ich einfach nicht aufhören konnte, zu lesen. Zu Beginn braucht man vielleicht etwas, um wirklich reinzukommen – schon in meiner gekürzten Ausgabe waren es gut 200 Seiten, bis die Handlung endlich einmal richtig los ging – aber es lohnt sich absolut, dranzubleiben.

Um es kurz zu machen – diese Rezension ist ja eh schon wieder viel zu lang geworden – „The Stand – Das letzte Gefecht“ ist ein wirklich, wirklich gutes Buch, wenn man sich traut, es mit seiner vollen Länge von fast 500.000 Wörtern aufzunehmen.
Ja, es ist wirklich, wirklich lang, aber es ist es auch wirklich, wirklich wert – ich werde es ganz sicher irgendwann noch einmal lesen, und dann von Anfang an in der ungekürzten Fassung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.