Rezension

Todesmarsch

von Richard Bachman / Stephen King

Originaltitel: The Long Walk

Heyne Verlag, 316 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

Die Zukunft der USA sieht düster aus – die Bevölkerung ist verarmt, das Militär hat die Macht. Alljährlich wird zur allgemeinen Belustigung ein „Todesmarsch“ organisiert – ein im Fernsehen übertragener Marathon auf Leben und Tod, an dem hundert Jugendliche teilnehmen dürfen. Essen wird nur zu bestimmten Zeiten ausgegeben, geschlafen wird gar nicht. Wer dreimal unter das Limit von vier Meilen pro Stunde fällt wird erschossen.
Der Sieger bekommt für den Rest seines Lebens alles, was er sich wünscht. Die Verlierer erwartet der Tod.
Auch Ray Garraty macht bei dem Marsch mit, und wie viele andere stellt er, als der Erste erschossen wurde, fest, dass dies kein Spiel ist; es geht ums nackte Überleben. Egal, mit wem man sich unterwegs anfreundet, die Freundschaft kann nicht von Dauer sein, denn am Ende bleibt nur einer übrig…

Meine Meinung

„Todesmarsch“ ist eines der Bücher, die mir meine Mutter schon seit Jahren immer wieder empfiehlt. Zum diesjährigen Stephen King Lesemonat habe ich mich entschlossen, es endlich einmal zu lesen – und ich wurde nicht enttäuscht.

„Todesmarsch“ ist anders als alles, was ich bisher von Stephen King gelesen habe. Nicht nur, weil es seiner seltenen Nicht-Horror Bücher ist, sondern vor allem, weil es im Grunde ein sehr ruhiges Buch ist. Mit glorreichen Action-Szenen kann es nicht glänzen – es ist einfach nur ein langer, langer Marsch, den man als Leser begleitet.
Trotzdem ist es absolut nicht langweilig – das Buch hat eine Energie, die einen einfach nicht mehr loslässt. Von der ersten Seite an war ich von dem Geschehen gefangen und habe mit Garraty und den anderen mitgelitten. Es ist nicht nur eines dieser Bücher, bei denen man, sobald man es einmal aufschlägt, beinahe ohne es zu merken auch schon wieder hundert Seiten weiter ist, sondern auch eines, das einen noch begleitet, wenn man es schon längst wieder zugeschlagen hat.
Die eigentliche Handlung dauert nur vier Tage, beim Lesen kommt es einem aber viel länger vor, so gut kennt man die Charaktere am Ende. Denn von ihnen wird die Geschichte getragen – anders als bei den meisten anderen Büchern von Stephen King wird hier kaum Atmosphäre aufgebaut oder ausführlich die Umgebung beschrieben, es geht tatsächlich ausschließlich um die 100 Jungen, die den Marsch bestreiten. Umso mehr weh tut es, wenn jemand stirbt – und das auf so sinnlose, grausame Weise. Fast dreißig Jahre vor dem Erscheinen von „Die Tribute von Panem“, das ja eine Flut an solchen Büchern hervorbrachte, wird hier bereits ein Spiel auf Leben und Tod gespielt, und obwohl die beiden Bücher unterschiedlicher nicht sein könnten, ist das Sterben in „Todesmarsch“ nicht minder erschreckend.
Das Ende war frustrierend und ungeheuer passend und obwohl viele Leser sich hier wohl etwas um ein „richtiges“ Ende betrogen gefühlt haben, fand ich, dass es die einzig passende Möglichkeit war, „Todesmarsch“ zu Ende zu bringen. Seit John Steinbecks „Die Früchte des Zorns“ habe ich ja ohnehin ein Faible für frustrierende Enden, die genau in ihrer Unsicherheit den Nagel direkt auf den Kopf treffen – und so war es für mich auch bei „Todesmarsch“. Es bleiben wahnsinnig viele Fragen offen, aber gerade das macht es auch so interessant.

Ich weiß gar nicht, was ich noch mehr sagen soll, außer, dass „Todesmarsch“ ein wirklich gutes Buch ist. Obwohl der „Spiel um Leben und Tod“-Tropus heutzutage schon deutlich abgenutzter ist als das noch 1979 der Fall war schafft das Buch es immer noch, aus der Masse heraus zu stechen.
Zu den ganzen fünf Sternen hat mir dann doch noch ein klitzekleines Etwas gefehlt, das ich so genau gar nicht benennen kann – Kings Bachman Bücher sind einfach etwas… roher und ursprünglicher als seine späteren Werke, vielleicht lag es daran – aber ich habe es wirklich unheimlich gern gelesen und empfehle es ebenso gern weiter.

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